{"id":11580,"date":"2006-12-07T19:48:48","date_gmt":"2006-12-07T18:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11580"},"modified":"2025-04-22T10:13:32","modified_gmt":"2025-04-22T08:13:32","slug":"lukas-2125-36-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2125-36-4\/","title":{"rendered":"Lukas 21,25-36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">2<\/span><span style=\"color: #000099;\">. s\u00f8ndag i advent | 10.12.2006 | Lukas 21,25-36 | Bent Arendt |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Wieder einer dieser Texte \u00fcber das J\u00fcngste Gericht, f\u00fcr die das Christentum so ber\u00fchmt oder vielleicht eher ber\u00fcchtigt ist: \u201dUnd es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den V\u00f6lkern bange sein, und sie werden verzagen\u2026 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen \u00fcber die ganze Erde\u2026 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit gro\u00dfer Kraft und Herrlichkeit\u201d, wie es hie\u00df. Noch vor wenigen Jahren h\u00e4tten viele Prediger die Leute \u00fcberrreden k\u00f6nnen, sich zu bekehren und sich dem Prediger anzuschlie\u00dfen, indem sie ihnen vorhielten, dass Christus bald kommen und Gericht halten w\u00fcrde. Es galt, auf der richtigen Seite zu stehen und ein gutes Gewissen zu haben, wenn man nicht vor Schrecken und Angst vergehen und in der H\u00f6lle landen wollte. Ein so angstbetontes Christentum hat nat\u00fcrlich auch viele Menschen dazu veranlasst, sich vom Christentum abzuwenden. Heutzutage gibt es nur noch wenige christliche Sekten und Fundamentalisten, die eine derartige Verk\u00fcndigung bewahren wollen. \u2013 Aber: Dennoch sollen wir vom J\u00fcngsten Gericht h\u00f6ren an diesem zweiten Advent, wo wir so langsam anfangen, uns auf Weihnachten zu freuen. Und wir sollen aus mindestens drei Gr\u00fcnden davon h\u00f6ren, auf die ich hier eingehen will.<\/p>\n<p>Erstens um realistisch zu sein; zweitens um dem Elend der Welt eine Grenze zu setzen; und drittens, damit wir etwas haben, worauf wir uns freuen k\u00f6nnen. \u2013<\/p>\n<p>Dass es durchaus realistisch ist, ein J\u00fcngstes Gericht zu verk\u00fcnden \u2013 um das zu h\u00f6ren, brauchen wir nicht in die Kirche zu kommen; wir k\u00f6nnen es im Fernsehen sehen: am Elend im Sudan und im Irak, angesichts der von Menschen geschaffenen Klimakatastrophen, die auf uns zukommen, oder an den massiven V\u00f6lkerwanderungen in Richtung Europa, die eine Folge unseres unfassbaren Reichtums auf Kosten der Dritten Welt sein k\u00f6nnen. Es geh\u00f6rt nur wenig dazu, dass Menschen das Leben f\u00fcreinander zur H\u00f6lle machen, oder dass wir uns greifen lassen von \u201dAngst und Schrecken und Furcht vor den Dingen, die kommen sollen \u00fcber die ganze Erde\u201d, wie wir geh\u00f6rt haben. Das ist ja wohl ganz realistisch. Auch im Leben des Einzelnen gibt es Tage des J\u00fcngsten Gerichts, wo alles vorbei ist oder wo die Folgen deutlich werden. Gewiss k\u00f6nnen wir dann gelassen sein: dass es wohl nicht so schlimm kommt, dass die Menschen im Grunde gut sind, dass wir uns das trotzdem ohne Schaden erlauben k\u00f6nnen usw. Aber der christliche Glaube will der Wirklichkeit ins Auge sehen, ohne zu blinzeln: will anerkennen, dass Menschen einander schlimmer behandeln k\u00f6nnen als der Teufel und dass den Menschen die Konsequenzen ihrer Taten unfassbar gleichg\u00fcltig sein k\u00f6nnen; der Glaube will ernst nehmen, dass menschliches Elend und Ungl\u00fcck ganz unertr\u00e4glich sein k\u00f6nnen; er will einsehen, dass das Dasein nicht einfach als bedeutungslos abgetan werden kann und dass es zu nichts f\u00fchrt, ihm den R\u00fccken zu kehren oder vor ihm zu entfliehen. Denn hier, in der Wirklichkeit, erh\u00e4lt die Verhei\u00dfung des J\u00fcngsten Gerichts ihre Bedeutung: Nur wenn wir dem furchtbaren Leiden in die Augen sehen, k\u00f6nnen wir die unfassbare Freude und M\u00f6glichkeit entdecken, die das Leben auch enth\u00e4lt. Wenn wir sagen: \u201dIch kann es nicht aushalten!\u201d \u2013 dann sagt die christliche Verk\u00fcndigung: \u201dDoch, du kannst es!\u201d Wenn du Zeuge der Leiden anderer Menschen bist, dann unternimm etwas. Denn auch wenn du die Welt nicht erl\u00f6sen kannst, so kannst du doch das Deine tun, und die guten Dinge, die du tust, reichen l\u00e4nger und halten l\u00e4nger als alle m\u00f6gliche Bosheit. Und leidest du selbst, dann nimmt dein Leiden auf dich als eine Bedingung deines Lebens, nimm es an, wie es ist, nicht um es zu pflegen oder Aufmerksamkeit auf dein Leiden zu provozieren; sondern weil das Leiden eine Grenze hat, \u00fcber die das Leben hinausreicht. Es ist die Grenze des J\u00fcngsten Gerichts: H\u00f6lle ist nicht \u00fcberall, dem Leiden sind Grenzen gesetzt. Gewiss k\u00f6nnen Menschen auf alles M\u00f6gliche verfallen. Und doch muss das Reich eines Hitler oder eines Stalin untergehen und ihre H\u00f6lle offenbar werden. Denn das B\u00f6se vermag nichts aufzubauen, sondern es muss von der G\u00fcte anderer und dem Vertrauen zwischen Menschen leben, um \u00fcberhaupt entstehen zu k\u00f6nnen. In dem Augenblick, wo wir sagen: \u201dHalt!\u201d, da geben wir dem Leben M\u00f6glichkeit und schaffen Platz f\u00fcr die Wahrheit. Und in dem Augenblick, wo wir das Leiden, das uns das Leben beschert und f\u00fcr das wir niemandem die Schuld geben k\u00f6nnen, auf uns nehmen, haben wir bereits wieder das Leben angenommen und eingesehen, dass das Leben etwas anderes und mehr ist als das Leiden. Wir k\u00f6nnen es tun, weil es ein J\u00fcngstes Gericht gibt, eine Grenze f\u00fcr Bosheit und Leiden in der Welt. Das J\u00fcngste Gericht ist Gottes Gericht, und das hei\u00dft: Wir k\u00f6nnen daran glauben und uns daran halten, dass selbst da, wo Leiden und Bosheit menschlich betrachtet grenzenlos erscheinen, dass selbst da eine Grenze besteht, die Platz f\u00fcr ein Leben im Leiden gibt und die Bosheit zum schw\u00e4chsten Teil des Lebens macht, nur ein Schatten all der G\u00fcte und Wahrheit, die dem Leben beschieden sind; sogar der Tod ist mit Frieden und Erl\u00f6sung verkn\u00fcpft, wo der Tag des Gerichts seine Grenze setzt. \u201dWenn aber dieses anf\u00e4ngt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure H\u00e4upter, weil sich eure Erl\u00f6sung naht,\u201d wie es im Text von heute hie\u00df. Gott beim Wort nehmen, daran glauben und danach handeln, das hei\u00dft, dass man beginnt zu erfahren, dass es so ist. \u2013<\/p>\n<p>Und damit kommen wir zum dritten Aspekt des J\u00fcngsten Gerichts: der Tag des Gerichts gibt uns etwas, worauf wir uns freuen k\u00f6nnen, etwas, das es uns m\u00f6glich macht, realistisch zu sein und zugleich an Gottes Grenze zu glauben. Wenn wir uns freuen \u2013 wenn wir uns auf Weihnachten freuen oder auf den Fr\u00fchling, auf alles, dem wir so erwartungsvoll entgegensehen; wenn wir Kinder in die Welt setzen und das Beste f\u00fcr sie erhoffen, ein noch besseres Leben als das unsrige; wenn wir nach vorn schauen oder auf unser Leben in Dankbarkeit zur\u00fcckschauen, ja, blo\u00df die einfache Erwartung, dass der morgige Tag besser sein kann \u2013 dann geschieht das alles auf dem Grund eines Glaubens und Vertrauens, dass es mit zum Leben geh\u00f6rt, dass einem entgegengekommen wird, dass einem entgegengesehen wird \u2013 trotz aller Entt\u00e4uschungen und allem Versagen, trotz aller Flucht und Schlappheit gegen\u00fcber dem Leben und vor einander. Zu diesem Glauben und zu diesem Vertrauen gibt der christliche Tag des Gerichts den Grund. Es ist immer etwas Gutes zu erwarten, es gibt immer eine Freude auf etwas, immer eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr uns, auch wenn alle M\u00f6glichkeiten ausgenutzt und vergeudet scheinen m\u00f6gen. Weil Gott uns entgegenkommt. Das ist eine Wirklichkeit in dem Leben, das unser gemeinsames Leben ist, ja, es ist mehr Wirklichkeit als irgendetwas anderes. Dieses Entgegenkommen verk\u00fcndet der Tag des Gerichts. So dass das Leben, mit der Freude von Weihnachten, mit Erf\u00fcllungen und Hoffnungen, so dass das alles Zeichen daf\u00fcr ist, was wirklich f\u00fcr uns gilt: Seht den Feigenbaum und alle B\u00e4ume an: wenn sie jetzt ausschlagen, dann wisst ihr selber, dass jetzt der Sommer nahe ist. So sollt ihr auch wissen: wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so ist das Reich Gottes nahe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht,\u201d wie Jesus sagte. Ebenso wie wir in Erwartung, Leben und Freude leben k\u00f6nnen, und es wohl kaum ohne sie tun k\u00f6nnen, so sind wir immer von ihm erwartet, der uns mit Erf\u00fcllung und Erl\u00f6sung entgegenkommt. Ebenso wie wir darauf vertrauen d\u00fcrfen, dass wir notwendig sind f\u00fcr das Leben und f\u00fcr diejenigen, die wir lieben, und wohl nichts ohne das unternehmen k\u00f6nnten, so kommt Gott uns entgegen mit einer Liebe und einem Lebensmut, die wir als ein Geschenk erfahren k\u00f6nnen weit \u00fcber das hinaus, was wir selbst zu leisten verm\u00f6gen. Ebenso wie wir im Licht der Erinnerung vor allem an die guten Erlebnisse und Erfahrungen denken, so k\u00f6nnen wir hier das Leben in dem Licht sehen, das die G\u00fcte und die Wahrheit und die Lebe bestehen l\u00e4sst, weil sie in Wirklichkeit am meisten bedeuten in den Augen Gottes und alles andere \u00fcberstrahlen werden \u2013 wie ein Bethlehemstern, mit dessen Hilfe wir Weg und Richtung finden, wie die weisen M\u00e4nner, mitten hindurch durch alle Bosheit und alles Leiden der Welt. Diese Wirklichkeit im Leben miteinander ist es, was Gottes Tag des Gerichts uns offenbaren will und woran er uns immer wieder erinnern will. Es ist immer Gutes zu erwarten\u2026<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p class=\"Stil1\"><strong>Pastor Bent Arendt <\/strong><br \/>\n<strong>Larsen-Ledets Gade 1 <\/strong><br \/>\n<strong>DK-8000 \u00c5rhus C <\/strong><br \/>\n<strong>Tel.: ++ 45 \u2013 86 12 21 36 <\/strong><br \/>\n<strong>E-mail: <a href=\"mailto:brar@os.dk\">brar@os.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. s\u00f8ndag i advent | 10.12.2006 | Lukas 21,25-36 | Bent Arendt | Wieder einer dieser Texte \u00fcber das J\u00fcngste Gericht, f\u00fcr die das Christentum so ber\u00fchmt oder vielleicht eher ber\u00fcchtigt ist: \u201dUnd es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den V\u00f6lkern bange sein, und sie werden verzagen\u2026 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":17510,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[38,612,1,727,185,157,1356,853,116,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11580","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lukas","category-2-advent","category-aktuelle","category-archiv","category-aus-dem-daenischen","category-beitragende","category-bent-arendt","category-bibel","category-kapitel-21-chapter-21","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11580"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11580\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23079,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11580\/revisions\/23079"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11580"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11580"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11580"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11580"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11580"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}