{"id":11585,"date":"2006-12-07T19:48:48","date_gmt":"2006-12-07T18:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11585"},"modified":"2025-04-23T16:50:11","modified_gmt":"2025-04-23T14:50:11","slug":"jesaja-40-1-11-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-40-1-11-3\/","title":{"rendered":"Jesaja 40, 1-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag im Advent | 17. Dezember 2006 | Jesaja 40,1-11 | Jorg Christian Salzmann |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Bereitet dem Herrn den Weg! Das h\u00f6ren wir im Advent. Wie aber soll ein Weg aussehen, der f\u00fcr die Ankunft Gottes richtig ist? Es m\u00fcsste ja wohl alles vom Feinsten sein, ein glatt gepflasterter Weg, m\u00f6glichst Marmor, mit S\u00e4ulenhallen, hell erleuchtet, nur das Beste aus unserm Leben, der rote Teppich ausgerollt. Dann k\u00f6nnte Gott kommen. Die Schmuddelecken, die gekitteten Stellen, die L\u00f6cher und Risse, alles was nicht passt und gl\u00e4nzt, das braucht er ja nicht gleich zu sehen.<\/p>\n<p>Ob Gott aber sich etwas vormachen l\u00e4sst, wenn wir ihn empfangen? Wohl kaum. Denn er kennt uns ja und wei\u00df, was mit uns los ist. Er schaut hinter die Fassaden und l\u00e4sst sich durch Flickwerk nicht t\u00e4uschen. Was aber soll das dann f\u00fcr uns hei\u00dfen: Bereitet dem Herrn den Weg?<\/p>\n<p align=\"center\">I<\/p>\n<p>Es war einige hundert Jahre vor Christi Geburt. Israel hatte einen Krieg verloren, war praktisch aus der Landkarte ausradiert. Alle wichtigen Leute im Lande waren nach Mesopotamien verschleppt worden, weit weg, in die Fremde. Da hat ein Prophet die Vision, dass Gott mit diesen seinen Leuten nach Jerusalem zur\u00fcckkehrt. Mitten durch die W\u00fcste ziehen sie, niemand kann Gott aufhalten. So m\u00e4chtig ist er, dass selbst die fest stehenden Berge sich verneigen und sich ihm nicht in den Weg stellen. Es gibt eine ebene Bahn, dort wo eben noch alles feindlich, unwegsam und un\u00fcberwindlich war. Bahn frei! ruft ein Herold, bereitet dem Herrn den Weg, Achtung, jetzt kommt Gott! Er befreit die Gefangenen, er macht alles gut.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich sind es nicht die Menschen, die die Bergw\u00fcste zur ebenen Stra\u00dfe machen, sondern Gott selbst bahnt sich seinen Weg. Es ist sein Triumphzug, der da stattfindet. Als reiche Beute f\u00fchrt er alle die mit, die er befreit hat. Eine unglaubliche Vision mitten in der Gefangenschaft, als alle die Hoffnung verloren haben und niemand mehr an Rettung glaubt.<\/p>\n<p>Das also bedeutet der Ruf: bereitet dem Herrn den Weg! Er hei\u00dft: Bahn frei! Jetzt kommt Gott, und niemand kann ihn aufhalten. Auf einmal aber sieht der Prophet Gott nicht mehr als den siegreichen Krieger, sondern der Triumphzug wandelt sich in den Zug einer Schafherde. Gott ist der Hirte in dieser Herde; das kleinste Lamm h\u00e4lt er selbst im Arm, er k\u00fcmmert sich um die tr\u00e4chtigen Muttertiere, die nicht ganz so schnell mitkommen, er sorgt f\u00fcr alle. Siehe! Seht doch, so ist Gott, da ist euer Gott, er l\u00e4sst euch nicht im Elend stecken, sondern er holt euch heraus und sorgt f\u00fcr euch.<\/p>\n<p align=\"center\">II<\/p>\n<p>Bereitet dem Herrn den Weg: seht doch, euer Gott kommt zu euch! Und er sagt: tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk! Im Elend sa\u00dfen sie und waren gerade dabei einzusehen, dass sie selbst versagt hatten und nicht, wie ihre Gegner meinten, ihr Gott. Da kommt dieser Gott auch schon und holt sie heraus. Der sich den Weg durch Felsenw\u00fcsten bahnen kann, der hat nichts anderes im Sinn als den Elenden zu tr\u00f6sten. Welch wunderbare Botschaft, das reine Evangelium.<\/p>\n<p>Sie aber sa\u00dfen da in ihrem Exil und meinten, der Prophet habe Halluzinationen. In einer so verfahrenen Situation &#8211; wer kann da schon helfen? Hatte Gott nicht selbst zugelassen, dass es so weit kam? Ja, wenn den Predigern zu glauben war, hatte Gott nicht selbst f\u00fcr ihre Niederlage gesorgt, um ihren Unglauben zu strafen? Wie soll ein Mensch auf eine goldene Zukunft hoffen, der zusehen muss, dass er das N\u00f6tigste f\u00fcr den Tag zusammenbekommt! Alles leere Versprechungen und Hirngespinste; da will uns jemand vertr\u00f6sten und die Initiative f\u00fcr den Alltag rauben.<\/p>\n<p>Die so denken, bekommen vom Propheten eine erstaunliche Antwort. Wenn etwas wie ein Hirngespinst ist, dann ist das euer handfester Alltag. Worauf du dich eben noch verlassen hast, das muss doch dem Tode weichen; das Menschenleben ist wie Gras, das an der sengenden Sonne verdorrt. Gott aber, von dem du nichts mehr hoffen wolltest, der dir so fern und unwirklich schien, Gott allein steht fest, sein Wort bleibt in Ewigkeit. Und das bedeutet: genau das, was dir wir eine windige Halluzination scheint, ist das Verl\u00e4sslichste \u00fcberhaupt. Wenn Gott sagt: ich hole euch heraus, dann geschieht das auch. Das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.<\/p>\n<p align=\"center\">III<\/p>\n<p>Bereitet dem Herrn den Weg, das h\u00f6ren wir im Advent. Mitten in der Betriebsamkeit hei\u00dft es: Bahn frei! Jetzt kommt Gott. Niemand kann ihn aufhalten. Auch durch felsige Steinw\u00fcste bahnt er sich einen Weg. Viele Hindernisse wurden und werden ihm in den Weg gelegt. Wer will in unserm Land im Advent schon etwas von Gott h\u00f6ren? Wer traut ihm Erl\u00f6sung zu? Die Menschen leben so weiter mit ihren Sorgen und oftmals in dem Gef\u00fchl: mir kann sowieso keiner helfen. Ein Blick in die Zeitung scheint solchen Pessimismus nur zu best\u00e4tigen; wo gibt es schon einmal wirkliche L\u00f6sungen von Problemen? Es scheinen im Gegenteil nur immer neue Schwierigkeiten dazu zu kommen.<\/p>\n<p>Als zu Weihnachten der Herr tats\u00e4chlich kam, da war mit dieser Ankunft auch kein Staat zu machen. Am Kreuz Jesu Christi schien dann jede nur denkbare Skepsis best\u00e4tigt. Und doch ist er der gute Hirte: seht wie er mit seiner Herde einherzieht, das kleinste Lamm im Arm; er k\u00fcmmert sich um alle. Und er l\u00e4sst verk\u00fcndigen: tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk! Keine Vertr\u00f6stung ist das, sondern ein machtvolles Wort, das Trost bringt. Gott, vor dem Himmel und Erde sich neigen, hat die Seinen erl\u00f6st. Keine W\u00fcste, kein Problem, keiner der Widerspr\u00fcche dieser Welt h\u00e4lt ihn auf. So k\u00f6nnen wir Mut sch\u00f6pfen und in diesem Advent darauf vertrauen: Gott kommt zu uns, und er wird alles gut machen &#8211; durch Jesus Christus.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Jorg Christian Salzmann, Oberursel<br \/>\n<a href=\"mailto:dr.jchr@jmsalzmann.de\">dr.jchr@jmsalzmann.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag im Advent | 17. Dezember 2006 | Jesaja 40,1-11 | Jorg Christian Salzmann | Bereitet dem Herrn den Weg! Das h\u00f6ren wir im Advent. Wie aber soll ein Weg aussehen, der f\u00fcr die Ankunft Gottes richtig ist? 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