{"id":11587,"date":"2021-02-07T19:48:50","date_gmt":"2021-02-07T19:48:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11587"},"modified":"2023-03-10T11:35:08","modified_gmt":"2023-03-10T10:35:08","slug":"jesaja-40-1-11-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-40-1-11-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 40, 1-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag im Advent, 17. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Jesaja 40, 1-11, verfa\u00dft von Katharina Coblenz-Arfken<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>stellen Sie sich vor: ein Kind rennt den Berg hinab, springt \u00fcber Steine, stolpert und \u2013<br \/>\nf\u00e4llt hin. Schl\u00e4gt sich die Knie auf.<br \/>\nDabei ist es losgerannt, weil es in der Ferne ein wunderbares Licht gesehen hat.<br \/>\nDa wollte es hin.<br \/>\nNun liegt das Kind mit aufgesch\u00fcrften blutigen Knien auf halber Strecke. Es tut weh.<br \/>\nDas Licht ist zwar noch da, aber das Kind sieht es nicht mehr. Es sitzt selbst im tiefen Tal, im Jammertal. Tr\u00e4nen rollen \u00fcbers Gesicht und tr\u00fcben den Blick. Es fehlt der Mut, wieder aufzustehen und weiterzugehen, denn \u00fcber den Schreck und den Schmerz hat es das Licht vergessen, dem es entgegeneilen wollte. Es m\u00fcht sich jetzt mit sich selbst ab. Wie komme ich blo\u00df wieder hoch? Lohnt es sich weiter zu gehen? Das Kind will zur\u00fcck. Es traut sich nicht weiter.<br \/>\nUnd wie es so v\u00f6llig verheult da hockt, streicht ihm eine Hand sanft \u00fcbers Haar. Eine andere Hand hilft ihm auf.<br \/>\nEine, die auch unterwegs war, hat gemerkt, dass da ein Kind hingefallen ist und weint.<br \/>\nSie kramt ein gro\u00dfes Taschentuch hervor, trocknet die Tr\u00e4nen und verbindet das aufgeschrammte Knie.<br \/>\nIn dem Moment f\u00e4llt dem Kind das Licht wieder ein, das es gesehen hatte und dessentwegen es losgerannt war. Es erz\u00e4hlt seiner Tr\u00f6sterin davon. Nun wussten beide von dem Lichtglanz und wanderten gemeinsam weiter Hand in Hand dem Licht entgegen.<br \/>\nSoweit die Geschichte.<\/p>\n<p>Und \u2013 ist es nicht so, dass wir alle auf je unsere Weise dem Licht entgegenwandern?<br \/>\nEs stillt die Sehnsucht der Menschen seit Urzeiten, dass das Leben ein Ziel hat und in eine gro\u00dfe Liebe m\u00fcndet, wie auch immer wir sie benennen m\u00f6gen, ja dass diese Liebe uns im Leben tr\u00e4gt und h\u00e4lt.<br \/>\nNun mag manch einer sagen, das ist ein gro\u00dfes Wort, bei mir kommt das nicht an, ich kann das nicht nachvollziehen. Um mich sehe ich so viel Streit, Eitelkeit, ich habe die Arbeit verloren, ich bin krank geworden, mein Mann hat mich verlassen. Was soll`s?<br \/>\nIch kenne selbst diese Stimmen, die einem das Leben rauben k\u00f6nnen. Es sind ja nicht nur Stimmen, es sind die Realit\u00e4ten, die wir schaffen und die uns schaffen.<\/p>\n<p>In so ein Gewirr von Stimmen, die nicht mehr dem Leben glauben, die nur noch Zerst\u00f6rung sehen, ist der folgende Text gesprochen. Er ist zweieinhalbtausend Jahre alt.<br \/>\nDer Prophet Jesaja wendet sich an sein Volk, das von zu Hause weg musste und nicht mehr klar kam in der gro\u00dfen anderen Welt:<\/p>\n<p>Jesaja 14, 1-8<\/p>\n<p>Tr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk,<br \/>\nspricht der, der mit euch sein will.<br \/>\nRedet freundlich mit Jerusalem und predigt ihr,<br \/>\ndass ihre Knechtschaft ein Ende hat und ihre Schuld vergeben ist,<br \/>\ndenn sie hat doppelt Strafe empfangen von der Hand Gottes f\u00fcr all ihre S\u00fcnden.<\/p>\n<p>Es ruft eine Stimme:<br \/>\nBereitet einen Weg in der W\u00fcste, dem der mit euch gehen will.<br \/>\nMacht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott.<br \/>\nAlle T\u00e4ler sollen erh\u00f6ht und alle Berge und H\u00fcgel erniedrigt werden.<br \/>\nWas uneben ist, soll gerade und was h\u00fcglig ist, soll eben werden.<br \/>\nDenn der Lichtglanz dessen, der mit dir sein will, soll offenbar werden<br \/>\nund alle Menschen werden es sehen.<\/p>\n<p>Es spricht eine Stimme: Sag es weiter!<br \/>\nUnd ich sprach: Was soll ich sagen?<br \/>\nAlle Menschen sind wie Gras<br \/>\nUnd all ihre G\u00fcte gleicht der Blume auf dem Feld.<br \/>\nDas Gras verdorrt, die Blume verwelkt,<br \/>\ndenn der Atem dessen, der alles umgibt, bl\u00e4st darein.<br \/>\nJa, wie Gras sind die Menschen.<br \/>\nDas Gras verdorrt, die Blume verwelkt,<br \/>\naber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir den Ruf zum Tr\u00f6sten? Mehr noch, lassen wir uns auffordern zum Tr\u00f6sten?<br \/>\nOder \u00fcberlegen wir erst einmal, wer gemeint sein soll, wer denn da tr\u00f6sten soll.<\/p>\n<p>Mir schlie\u00dft dieses Wort \u201eTr\u00f6stet\u201c die Ohren auf. Gerade jetzt sehne ich mich nach Trost. Wo ich den Partner verloren habe, wo Arbeit nur schwer zu finden ist. Diese Aufforderung zum Tr\u00f6sten geht davon aus, dass das m\u00f6glich ist, Trost zu finden. Das hebr\u00e4ische Wort \u201enacham\u201c birgt in sich noch die Urbedeutung von tief durchatmen, seufzen.<br \/>\nWo erlaubt ist durchzuatmen, wo alle Seufzer raus k\u00f6nnen und geh\u00f6rt werden, da kann auch Trost kommen. Hier ist nicht vom billigen Trost die Rede. Hier nimmt einer den anderen ganz ernst, schaut tief in das menschliche Elend und wei\u00df, dass Menschenwege immer wieder sich selbst zerst\u00f6ren und abbrechen k\u00f6nnen, wenn er sagt: Deine Knechtschaft hat ein Ende und deine Schuld ist vergeben!<\/p>\n<p>Jesaja spricht in Bildern. Er kannte die W\u00fcste. Sie wird zum Sinnbild f\u00fcr unsere sich auft\u00fcrmenden Berge der Angst und die abgrundtiefen T\u00e4ler menschlicher Verzweiflung. In ihr befinden sich all die Schutthalden unserer Scheitererlebnisse, durch die kein Weg mehr f\u00fchrt, weil alles beliebig geworden ist.<br \/>\nWenn das Leben f\u00fcr einen Menschen so w\u00fcst aussieht, dass alles verkehrt ist, nichts mehr geht, dann ist wirklich kein Weg zu finden. Dann f\u00e4ngt die m\u00fchsame Arbeit an, sich die Berge und T\u00e4ler genau anzuschauen, um sie St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck abzutragen, damit ein Weg gebahnt wird, damit der Lebensweg wieder frei wird.<br \/>\nIch kenne solche Situationen, in denen man keinen Lichtglanz mehr sp\u00fcrt, auch wenn \u00e4u\u00dferlich noch alles zu funktionieren scheint. Als ich neulich in so einer Verfassung meine Freundin Dora abholen wollte, merkte sie es gleich und holte mich erst einmal herein und sagte dann irgendwann zwischendurch: Eins will ich dir sagen, egal was ist, Gott hat dich lieb, so wie du bist, dessen kannst du gewiss sein, dass er bei dir ist \u2013 ich kann es nicht geschickter formulieren.<br \/>\nDamit brach f\u00fcr mich wieder etwas von diesem Lichtglanz durch. Da war die Bahn f\u00fcr Gott wieder frei.<br \/>\nUnd die W\u00fcste? Ich sah, dass ich lebendig bin \u2013 wie Gras, das die Tiere in der W\u00fcste n\u00e4hrt.<br \/>\nJesaja erinnert an die Verg\u00e4nglichkeit \u2013 unsere kostbare Zeit, die keiner vermag festzuhalten, die aber in Gott aufgehoben sein kann \u2013 weil geliebt.<br \/>\nK\u00f6nnte es nicht sein, dass wir dann selbst zu Freudenboten werden?<br \/>\nUnd vielleicht fallen uns Bilder aus unserer Welt ein, dies weiterzusagen.<br \/>\nGott kommt uns nicht entgegen, weil wir so perfekt (vergangen)sind, sondern weil er unsere Not kennt und wandeln will in die F\u00fclle zum Leben.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Liedvorschlag: EG 10, 1-4 Wie soll ich dich empfangen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Katharina Coblenz-Arfken<br \/>\nDragonerstr. 17<br \/>\n37154 Northeim \u2013 Hohnstedt<br \/>\nTel.: 0555151107<br \/>\n<span style=\"font-family: Tahoma; font-size: small;\"> <a href=\"mailto:Arfkencoblenz@aol.com\">Arfkencoblenz@aol.com <\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. 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