{"id":11603,"date":"2021-02-07T19:48:51","date_gmt":"2021-02-07T19:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11603"},"modified":"2023-03-09T16:05:29","modified_gmt":"2023-03-09T15:05:29","slug":"johannes-7-28-29","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-7-28-29\/","title":{"rendered":"Johannes 7, 28-29"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Heiliger Abend, 24. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Johannes 7, 28-29, verfa\u00dft von Christian Stasch<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Jesus sagt: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin.<br \/>\nAber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen,<br \/>\nsondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat. <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p>1.<br \/>\n\u201eIch kenne Sie !\u201c Verwundert blickt er sich um. Eine \u00e4ltere Frau hat es ihm hinterher gerufen, dem frischgebackenen Pastor in Fredelsloh. Er bleibt stehen. Sie kommt n\u00e4her auf ihn zu. Der Norddeutsche Rundfunk hatte das Examen und den Berufsstart von ihm und seiner Frau gefilmt und in diesem November im Vorabendprogramm an f\u00fcnf Abenden ausgestrahlt. \u201eJa. Ich kenne Sie genau, Herr Pastor. Aus dem Fernsehen. Ich hab alles angeschaut.\u201c<br \/>\nEr l\u00e4chelt freundlich, fragt nach Ihrem Namen und denkt sich zugleich: \u201eNa, ob die mich wirklich schon so genau kennt?\u201c<\/p>\n<p>2.<br \/>\nJemanden richtig kennen, das braucht Zeit. Jemanden kennen \u201elernen\u201c, und sei es nur ein wenig, f\u00e4ngt damit an, dass man sich einander mit Namen vorstellt. Dem anderen die Hand reicht, in der M\u00fcnsterkirche, mitten im Heiligabend-Gottesdienst: \u201eIch hei\u00dfe so und so, und wie hei\u00dfen Sie? Frohe Weihnachten.\u201c Probieren Sie es doch mal aus. Hier und jetzt. Jeder mit zwei Menschen: Mit dem, der hinter Ihnen und dem der vor Ihnen sitzt. (Ich warte, bis Sie fertig sind)<\/p>\n<p>3.<br \/>\nW\u00fcrden Sie jetzt sagen: Ich kenne den Mann vor mir? Die Frau hinter mir?<br \/>\nImmerhin ein bisschen. Ein bisschen besser als vorher. Aber so richtig &#8211; nat\u00fcrlich noch nicht.<br \/>\nUnd vielleicht denken Sie auch f\u00fcr sich selber: Wen kenne ich eigentlich so richtig? Das kostet ja M\u00fche, sich immer mehr in jemanden hinein zu versetzen, jemanden immer besser kennen lernen, und vielleicht auch immer wieder neue Seiten an ihm zu entdecken.<br \/>\nUnd: Wer kennt mich eigentlich so richtig? Kennt mein Partner, meine Partnerin mich, so wie ich bin? Vielleicht.<br \/>\nKennen mich meine Mitarbeiter, mein Chef? Sollen die mich \u00fcberhaupt richtig kennen, oder w\u00e4re das gef\u00e4hrlich? Mich soll nicht jeder ganz kennen. Wie viel Grundvertrauen muss da sein, so dass ich mich jemanden zu erkennen gebe, mit all meinen guten Seiten, aber eben auch mit meinen Schattenseiten?<\/p>\n<p>4.<br \/>\nEs ist ein gro\u00dfes Fest, viele Menschen str\u00f6men zusammen. Alle Jahre wieder wird es gefeiert. Auch ER ist gekommen, 130 km sind das von seiner Heimat bis hierher in die Stadt. Ja, am Fest ist kein Weg zu weit. Am j\u00fcdischen Laubh\u00fcttenfest, dem gro\u00dfen Dankfest f\u00fcr die Wein- und Olivenernte. Wie gesagt: er ist da, der erwachsene Jesus aus Nazareth. Mitten auf dem Fest spricht Jesus mit kritischen Menschen im Tempel. Und er sagt Ihnen: <strong> Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin.<\/strong><\/p>\n<p>Ihr kennt mich \u2013 sagt Jesus.<\/p>\n<p>5.<br \/>\nDu lieber weihnachtlicher Mensch, am Christ-Fest 2006, \u00fcberlege mal mit mir: wie funktioniert eigentlich ein Fest? Ein Fest wie das Christfest Weihnachten?<br \/>\nEs funktioniert, weil jeder die Regeln kennt. Weil jeder wei\u00df, was dazugeh\u00f6rt.<br \/>\nAll deine Vorbereitungen waren in diesem Jahr zumindest so \u00e4hnlich wie in den vergangenen Jahren. Weihnachten ist wie eine \u201egute alte Bekannte\u201c.<br \/>\nDu musst nicht ganz von vorn anfangen, sondern du hast das drauf: Wohnung schm\u00fccken, Geschenke besorgen, Backen, auf den Weihnachtsmarkt gehen zum Gl\u00fchwein trinken, Fest-Essen planen, Besuche \u00fcberlegen. Usw.<\/p>\n<p>Auch hier in der Kirche:<br \/>\nDu sagst nicht: Was sollen diese Figuren da? Sondern du kennst es: Krippe und Stall. Und kennst den Neugeborenen, der da drinnen liegt.<br \/>\nDu sagst nicht: Wieso ist da Stroh im Baum? Sondern du wei\u00dft: Sterne &#8211; so wie der Stern \u00fcber Bethlehem.<br \/>\nUnd du denkst beim Schlusslied nicht: was ist denn das f\u00fcr ein neuer Song?, sondern du kennt es: \u201eO du fr\u00f6hliche\u201c, und brauchst vielleicht nicht mal dein Liedblatt daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Es ist vieles bekannt. So funktioniert ein Fest.<\/p>\n<p>Dass k\u00fcrzlich in der Morgenpost stand, 10 % aller Deutschen h\u00e4tten keine Ahnung, warum Weihnachten gefeiert werde, klammern wir hier mal aus.<\/p>\n<p>6.<br \/>\nIhr kennt mich \u2013 sagt Jesus<\/p>\n<p>Was ist das Kritische an seinen Gespr\u00e4chspartnern im Tempel?<\/p>\n<p>Dem erwachsenen Jesus halten sie sozusagen vor.<br \/>\n\u201eWir wissen wo du herkommst,<br \/>\nNazareth, Zimmermanns-Sohn,<br \/>\nMaria und Joseph als Eltern,<br \/>\ndas ist doch nichts Besonderes.<br \/>\nW\u00e4rst du der Messias, der Heiland, auf den wir alle warten,<br \/>\ndann m\u00fcsste deine Herkunft weit au\u00dfergew\u00f6hnlicher sein.<br \/>\nUnd man d\u00fcrfte deine Eltern gar nicht kennen.<br \/>\nDer Messias \u2013 das muss ein ganz besonderer sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eRecht habt ihr.\u201c antwortet Jesus.<br \/>\n\u201eIhr kennt mich. Auf den ersten Blick. Ja.<br \/>\nDas stimmt schon, mit meiner Herkunft.<br \/>\nAber darauf bin ich nicht festzulegen. Meine wahre Herkunft, das ist noch mehr.<br \/>\nDas sieht man erst auf den zweiten Blick. Denn ich bin von Gott gesandt.\u201c<\/p>\n<p>Im Kleinen Prinzen von St.Exupery hei\u00dft es: \u201eMan sieht nur mit dem Herzen gut.\u201c<br \/>\nDas stimmt, und es stimmt auch f\u00fcr den christlichen, den weihnachtlichen Glauben.<\/p>\n<p>7.<br \/>\nUnsere vertraute, bekannte Weihnachtsgeschichte hilft uns: Dass wir gut hingucken, und mit dem Herzen sehen. Und in diesem Menschenkind Jesus &#8211; Gott entdecken.<\/p>\n<p>Nicht gro\u00dfer Kaiser, sondern dies kleine Kind.<br \/>\nNicht k\u00f6niglicher Palast, sondern der schmutzige Stall.<br \/>\nNicht die W\u00fcrdentr\u00e4ger des Landes, sondern die allt\u00e4glichen Hirten.<br \/>\nNicht Gewalt, sondern Frieden.<br \/>\nDie Macht und Herrschaft dieses Kindes sieht anders aus als Herrschaft sonst f\u00fcr gew\u00f6hnlich aussieht. Und es erfordert einiges Umdenken.<br \/>\nDas Kind in der Krippe \u2013 Gottes vertrauensbildende Ma\u00dfnahme f\u00fcr diese Welt.<br \/>\nSo: so menschlich, so allt\u00e4glich, so unspektakul\u00e4r,<br \/>\nso ist euch heute der Heiland geboren.<br \/>\nIn diesem Menschenkind Jesus stellt sich Gott vor. Macht Gott sich bekannt.<br \/>\nUnd will erkannt werden.<\/p>\n<p>Dieser Gott, der auch dich kennt. Dein Leben. Deine Sehns\u00fcchte.<br \/>\nDeine Sehnsucht nach innerem und \u00e4u\u00dferem Frieden, nach Geborgenheit.<br \/>\nDeine Sehnsucht nach Vers\u00f6hnung in verkrachten Beziehungen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, einen Gott zu haben, der sich zu erkennen gibt \u2013 in Jesus.<br \/>\nSch\u00f6n, einen Gott zu haben, der einen richtig kennt.<\/p>\n<p>Gott meint es gut mit dir und kennt dich<br \/>\nAuch wenn du noch nie im Fernsehen warst.<\/p>\n<p>Gesegnete Weihnachten.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Christian Stasch<br \/>\n<a href=\"mailto:Christian.Stasch@evlka.de\">Christian.Stasch@evlka.de <\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiliger Abend, 24. Dezember 2006 Predigt zu Johannes 7, 28-29, verfa\u00dft von Christian Stasch Jesus sagt: Ihr kennt mich und wisst, woher ich bin. Aber nicht von mir selbst aus bin ich gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat. Liebe Gemeinde ! 1. \u201eIch kenne Sie !\u201c Verwundert blickt er sich um. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":16591,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1,727,157,853,1206,545,114,384,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11603","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-christian-stasch","category-christvesper","category-deut","category-kapitel-07-chapter-07","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11603"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11603\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17365,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11603\/revisions\/17365"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16591"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11603"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11603"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11603"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11603"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}