{"id":11609,"date":"2021-02-07T19:48:52","date_gmt":"2021-02-07T19:48:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11609"},"modified":"2023-03-06T22:57:52","modified_gmt":"2023-03-06T21:57:52","slug":"lukas-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2\/","title":{"rendered":"Lukas 2"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Heiliger Abend, 24. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Lukas 2, verfa\u00dft von Margot Runge <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Tierweihnachten<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe ein Schaf mitgebracht. Ein Schaf von den Hirten auf dem Feld. Zur Weihnachtsgeschichte geh\u00f6ren die Tiere dazu. Die Hirten haben in der Nacht ihre Herden bewacht. Schafherden. Sicherlich hatten sie auch Hunde dabei. Und im Dunkel der Nach verbarg sich vielleicht auch ein Tier, das hungrig war und gern ein Lamm gerissen h\u00e4tte, ein Wolf, vielleicht auch ein B\u00e4r. Im Stall waren Ochse und Esel zuhaus. Der Esel w\u00fcrde bald noch einmal gebraucht werden, wenn Maria und Josef mit dem Kind fliehen m\u00fcssten nach \u00c4gypten, vor der Mordwut des K\u00f6nigs Herodes und seiner Soldaten. Und im Stroh des Stalles und in seinen vielen Ritzen hatte sich bestimmt noch eine ganze Anzahl Tiere eingerichtet: M\u00e4use, Fl\u00fche, K\u00e4fer und Spinnen \u2013 was sich in einem Stall eben so findet.<\/p>\n<p>Ich habe ein Schaf mitgebracht, denn Schafe sind die einzigen, die in der Weihnachtsgeschichte in der Bibel vorkommen \u2013 und das auch nur indirekt. Es werden nur die Herden erw\u00e4hnt; damit sind wohl Schafherden gemeint. Von anderen Tieren ist keine Rede, selbst von Ochs und Esel nicht. Trotzdem geh\u00f6ren sie f\u00fcr uns zur Krippe dazu. Und unz\u00e4hlige Legenden und M\u00e4rchen erz\u00e4hlen, was mit den Tieren in der Heiligen Nacht geschehen sein k\u00f6nnte. Als die Hirten sich zum Stall aufmachten, soll den Schafen auf dem Feld nichts passiert sein. Ein Wolf verlor seine Raublust. Die Nachtigall sang dem Neugeborenen ihr Lied. Selbst der Floh im Stroh der Krippe machte sich aus dem Staub, um das Jesuskind nicht zu st\u00f6ren. Und der Esel auf der Flucht soll seine Last klaglos und behutsam getragen, ja wunderbare Kraft selbst aus den stachligen Disteln am Wegrand gesch\u00f6pft haben. Stolze Tiere lernten Demut, b\u00f6se wurden friedlich und die \u00e4ngstlichen mutig. Geschundene und geschlagene Kreaturen wurden heil und der Glanz g\u00f6ttlichen Geschehens fiel besonders auf die Tiere, die sonst klein und unscheinbar und verachtet sind.<\/p>\n<p>Der Friede der heiligen Nacht hat sich bis zu den Tieren ausgebreitet. Darin sind sich unz\u00e4hlige Legenden und M\u00e4rchen einig. Der Friede umfasst alle Kreatur \u2013 auch die Kreatur. Die Sch\u00f6pfung ist wieder eins mit sich. Zerrissenheit und Feindschaft sind aufgehoben. Die Erde kommt wieder ins Gleichgewicht.<\/p>\n<p>Ich habe ein Schaf mitgebracht, denn noch leiden die Tiere unter uns: Versuchskaninchen und Laborratten. Niedliche Hunde und Katzen, die heute Abend als Weihnachtsgeschenk herhalten, um nach kurzer Zeit ausgesetzt zu werden. So manche knusprige Gans auf der Festtafel morgen Mittag hat nur qualvolle Tage gesehen, denn sie war eine Mastgans und wurde unter Schmerzen gestopft. Wir haben das Gef\u00fchl daf\u00fcr verloren, was uns wirklich gut tut. Die Entfremdung von der Sch\u00f6pfung macht auch uns krank. Die Vogelgrippe bedroht beide, Mensch und Tier, nicht nur in der Dritten Welt, im fernen Asien, sondern bei uns, im reichen Europa.<\/p>\n<p>Zum Frieden geh\u00f6rt, dass wir Frieden mit der Sch\u00f6pfung schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcck liegt nicht in dem, was wir besitzen oder was wir noch alles gerne h\u00e4tten. Unsere Seele wird nicht zufrieden, wenn wir dem billigsten Schn\u00e4ppchen nachjagen. Indem wir das letzte aus uns selbst, aus der Erde herausholen, reiben wir uns nur selbst auf in Hektik und Stress. Die Welt wird nicht von Supercomputern gerettet und ein vollgestopftes Kinderzimmer kann sehr trostlos sein. Stattdessen sehnen sich viele Menschen nach N\u00e4he; unsere Erde wartet auf Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit und darauf, dass wir unsere \u00dcberzeugungen leben.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcck liegt im Einfachen. Wir k\u00f6nnen es wieder lernen, es dort zu suchen und zu leben. Das Gl\u00fcck ist so einfach und urspr\u00fcnglich wie ein Kind, ja es ist das Kind in der Krippe. Das L\u00e4cheln des Kindes l\u00e4sst uns zur\u00fcckfinden zu uns selbst. Selbst der grimmige Wolf wird sanft, wenn das Neugeborene ihn anblickt, so wissen es die M\u00e4rchen. Die Gesetze von Fressen und Gefressenwerden gelten im Stall von Betlehem einfach nicht mehr. Die Tiere haben gesp\u00fcrt, dass von dem winzigen Kind in der Futterkrippe ein Frieden ausgeht, der sie selbst \u2013 und damit die Welt \u2013 ver\u00e4ndern kann.<\/p>\n<p>Von Schafen hat das Kind, als es gro\u00df war, immer wieder geredet. Es hat sie mit den Menschen verglichen. Hat erz\u00e4hlt von einem Schaf, das sich verirrt hat und wiedergefunden wurde. Es hat erz\u00e4hlt von Hirten, die gut zu den Tieren sind. Er selbst, so hat er bekannt, w\u00fcrde sogar sein Leben riskieren, um sie zu retten, die bedrohten Schafe, die Menschenskinder in einer zerrissenen Welt. Was bei uns immer wieder auseinanderklafft, fand bei ihm zur Einheit. Denken und Handeln, Geben und Nehmen gingen ineinander \u00fcber. Er war v\u00f6llig eins mit sich selbst. Indem er intensiv menschlich war, haben die Menschen Gott in ihm entdeckt.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklich werden wir nicht durch schicke Handys und Berge von Geschenken. Weihnachten wird ein erf\u00fclltes Fest, wenn es uns gelingt, dass wir in uns ruhen und uns verbunden wissen mit allem Lebendigen. Das Kind inmitten der Tiere kann in uns soviel Z\u00e4rtlichkeit aufwecken, dass wir sanft miteinander umgehen und das Leben auf der Erde h\u00fcten, Mensch und Schaf. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfarrerin Margot Runge<br \/>\nMarkt 22<br \/>\n06526 Sangerhausen<br \/>\n<a href=\"mailto:m.runge@jacobigemeinde-sangerhausen.de\"> m.runge@jacobigemeinde-sangerhausen.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiliger Abend, 24. Dezember 2006 Predigt zu Lukas 2, verfa\u00dft von Margot Runge Tierweihnachten Ich habe ein Schaf mitgebracht. Ein Schaf von den Hirten auf dem Feld. Zur Weihnachtsgeschichte geh\u00f6ren die Tiere dazu. Die Hirten haben in der Nacht ihre Herden bewacht. Schafherden. Sicherlich hatten sie auch Hunde dabei. 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