{"id":11616,"date":"2006-12-07T19:48:46","date_gmt":"2006-12-07T18:48:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11616"},"modified":"2025-04-08T15:06:45","modified_gmt":"2025-04-08T13:06:45","slug":"lukas-2-1-14-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2-1-14-8\/","title":{"rendered":"Lukas 2, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag im Advent \/ Heiliger Abend | 24. Dezember 2006 | Lukas 2,1-14 | Hanne Drejer |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Es wurde sp\u00e4t, ehe man in der ersten Weihnachtsnacht im Stall in Bethlehem zur Ruhe kam. Das Neugeborene schlief in der Krippe, w\u00e4hrend Kuh und Esel ein wenig verdutzt sich damit abfanden, dass der Kleine in ihrem Futtertrog lag. Und Maria schlief. Hoffentlich kann sie lange schlafen und sich richtig ausruhen, dachte Joseph, w\u00e4hrend er seine Frau und seinen neugeborenen Sohn betrachtete.<br \/>\nWir wollen an diesem Heiligen Abend Joseph folgen und allen seinen verwirrten Gedanken und \u00dcberlegungen, die er sich machte \u2013 aber auch, wie es kam, dass es Weihnachten f\u00fcr ihn wurde \u2013 wie die Geburt Jesu zu einer frohen Botschaft von Gott f\u00fcr ihn wurde.<br \/>\nDer Herr sei gelobt, dass die Geburt gut \u00fcberstanden ist, trotz aller Unbehaglichkeiten \u2013 dachte Joseph \u2013 trotz der langen Reise von Nazareth nach Bethlehem, auf der Maria fast ununterbrochen Wehen gehabt hatte. Und das Gewimmel in der \u00fcberf\u00fcllten Stadt, in der alle Wirtsh\u00e4user \u201dbelegt\u201d meldeten, bis sie endlich hier in dem Stall hatten unterkommen k\u00f6nnen. Und jetzt war alles \u00fcberstanden, und es war gut gegangen. Joseph stand auf und ging ruhig zum Stalltor. An den T\u00fcrpfosten gelehnt atmete er die trockene klare Nachtluft ein.<br \/>\nJetzt bin ich also Vater geworden! Jedenfalls Vater f\u00fcr den Jungen hier auf Erden \u2013 wenigstens \u2013, Joseph l\u00e4chelte ein wenig vor sich hin, ironisch.<br \/>\nUnd Joseph dachte zur\u00fcck an die letzten hektischen Tage und N\u00e4chte \u2013 noch nie in seinem Leben war so viel auf einmal geschehen wie in dieser kurzen Zeit. Und Joseph dachte nicht nur an all das, was er und nicht zuletzt Maria hatten durchstehen m\u00fcssen. Joseph dachte sehr viel mehr an den Zweifel und alle die unbeantworteten Fragen, die sich in ihm regten. Und auf die er jetzt glaubte eine Antwort erhalten zu haben. Der kleine Neugeborene in der Krippe, er war die Antwort Gottes.<br \/>\nUnd die Antwort war nach und nach auf dem Wege nach Bethlehem zu Joseph gekommen, auf dem Weg, der ihm kein Ende zu nehmen schien.<br \/>\nJedesmal wenn sie jemandem unterwegs begegneten, sah er zuerst, noch auf Abstand, die emp\u00f6rten Gesichter: Nein, ehrlich, l\u00e4sst der Mann <em>seine Frau<\/em> reiten? Aber dann, aus der N\u00e4he hellten sich ihre Gesichter in einem verstehenden L\u00e4cheln auf, als sie sahen, wie es um Maria stand, und sie kamen alle mit einem Gru\u00df \u2013 oder einem Segen: M\u00f6ge der Herr, der Gott Israels, dir einen Sohn schenken!<br \/>\nUnd jedesmal biss Joseph die Z\u00e4hne zusammen und musste sich beherrschen, um nicht zu rufen: Ja, aber es ist nicht mein Sohn!<br \/>\nDenn Joseph wusste nat\u00fcrlich alles \u00fcber das Verstehensproblem, von dem wir oft meinen, es sei typisch allein f\u00fcr unsere Zeit \u2013 n\u00e4mlich wie ist es m\u00f6glich, dass eine Jungfrau schwanger wird? Wer ist \u00fcberhaupt der Vater von Marias Kind, wenn es nicht Joseph ist? Denn Jungfrauengeburt und Besuch vom Engel Gottes, das k\u00f6nnen ja alle behaupten! Und wozu soll das gut sein \u2013 dass Maria und ich uns mit allen diesen Problemen herumschlagen m\u00fcssen \u2013 dass wir allen Neugierigen und Misstrauischen gegen\u00fcber Rechenschaft ablegen sollen, wo wir doch selbst kaum erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, was hier geschieht?<br \/>\nAber dass Maria die Wahrheit sagte, als sie ihm mit \u00e4ngstlichem, aber ehrlichem Blick erz\u00e4hlte, welchen Bescheid sie bekommen hatte \u2013 vom Erzengel Gabriel selbst: dass sie Gottes Sohn zur Welt bringen sollte, das konnte Joseph einerseits bestimmt nicht verstehen \u2013 aber andererseits zweifelte er auch nicht daran, dass sie die Wahrheit sagte.<br \/>\nUnd Joseph war sich doch v\u00f6llig im Klaren gewesen, dass er die M\u00f6glichkeit hatte, sie zu versto\u00dfen, wenn sie mit dem Kind eines anderen schwanger war, \u2013 sollte er sich in aller Stille von ihre trennen? Nein, seit der Nacht, in der ein Engel in einem Traum zu ihm gesagt hatte, dass Maria die Wahrheit sagte \u2013 denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist \u2013 seitdem w\u00fcrde Joseph niemals Maria verlassen, und er wollte alles tun, um f\u00fcr das Kind ein guter Vater zu werden \u2013 hier auf Erden.<br \/>\n<em>Und seitdem hatte Joseph darum gek\u00e4mpft, von Vertrauen zu leben \u2013 anstatt unabl\u00e4ssig eine verst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rung zu verlangen.<\/em><\/p>\n<p>Und wie es Joseph erging, kann es auch uns ergehen: dass wir von Vertrauen und Glauben erf\u00fcllt werden, der uns zu einem neuen Verst\u00e4ndnis hinf\u00fchrt \u2013 viel gr\u00f6\u00dfer als das, was wir mit dem Kopf verstehen \u2013 n\u00e4mlich zu einem Verst\u00e4ndnis im Herzen \u2013 das uns Augen schenkt, die Gottes Herrlichkeit sehen k\u00f6nnen. Und Ohren, die die eigentliche und frohe Botschaft von Weihnachten zu h\u00f6ren verm\u00f6gen.<br \/>\nUnd als sie den neugeborenen Jesus in Josephs Arme legten, geschieht eine Verwandlung an ihm. Damals, als er erfuhr, dass das Kind unterwegs war, war er voller Zorn: das ist nicht mein Sohn!<br \/>\n<em>Jetzt aber geht es Joseph langsam auf, dass es gut und eine Freude ist, dass das Kind gerade nicht sein Sohn ist \u2013 sondern Gottes Sohn!<br \/>\n<\/em> Der Junge ist bestimmt ein richtiger neugeborener Junge und kein \u00fcbernat\u00fcrliches Gotteskind, das kann er ja selbst sehen, wenn er die Frauen sich des Kleinen annehmen sieht, wie sie ihn wickeln, ihn stillen. Der Junge ist Marias neugeborenes Kind \u2013 ein richtiges Menschenkind.<br \/>\n<em>Aber dennoch ist er nicht Josephs Sohn \u2013 er hat keinen irdischen Vater \u2013 denn der Junge ist Gottes Sohn. Und deshalb ist er also sowohl ein Mensch als auch Gott!<br \/>\n<\/em> Und Joseph versteht pl\u00f6tzlich, dass dies sehr wichtig und sch\u00f6n und eine gro\u00dfe Freude ist.<br \/>\nUnd wie die Zeit verging und Joseph mit seinen kleinen Jungen dastand \u2013 denn sein Junge wurde Jesus ja, und zwar tagt\u00e4glich in immer h\u00f6herem Ma\u00dfe \u2013 , da dachte Joseph so oft daran, dass der Junge M\u00f6glichkeiten hatte, die kein anderer Mensch haben konnte \u2013 <em>weil Jesus zugleich ein Mensch war, aber auch Gottes eigener Sohn!<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Das kleine Kind, Sohn Gottes des Herrn und der J\u00fcdin Maria, Adoptivsohn des Zimmermanns Joseph \u2013 er hat getan, was niemand von uns tun kann \u2013 er hat uns Gottes Heil, seinen Frieden und Trost gebracht, den Gott allein uns schenken kann. Und deshalb war es notwendig, dass Gott selbst kam \u2013 und eben ein richtiger Mensch wurde.<br \/>\n\u00dcber all dies und vieles mehr dachte Joseph nach, w\u00e4hrend er das schlafende Kind betrachtete. Und deshalb war er bis an das Ende seiner Tage dankbar daf\u00fcr, dass der Junge nicht sein Kind war. Und auf einmal war ihm, als h\u00f6rte er einen Chor von Engeln, der sang: Ehre sei Gott in der H\u00f6he und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.<br \/>\nFrohe Weihnachten. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastorin Hanne Drejer<br \/>\nDK-5466 Asperup<br \/>\nKirkestr\u00e6de 1<br \/>\nTel:. ++ 45 \u2013 64 48 10 82<br \/>\n<a href=\"mailto:hdr@km.dk\"> hdr@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag im Advent \/ Heiliger Abend | 24. 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