{"id":11617,"date":"2006-12-07T19:48:48","date_gmt":"2006-12-07T18:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11617"},"modified":"2025-04-09T09:18:02","modified_gmt":"2025-04-09T07:18:02","slug":"johannes-1-19-28-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1-19-28-3\/","title":{"rendered":"Johannes 1, 19-28"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Heiliger Abend | 24. Dezember 2006 | Johannes 1,19-28 | Friedrich Schleinzer |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><strong>Predigt:<\/strong><\/p>\n<p>An diesem Morgen stehen wir mit einem Bein noch in der Verhei\u00dfung, w\u00e4hrend wir am Abend bzw. morgen die Erf\u00fcllung feiern, die Erinnerung an die Geburt <strong>meines<\/strong>, <strong>ihres<\/strong>, <strong>unseren<\/strong> Heilandes.<\/p>\n<p>Die Frage an uns, was bedeutet das f\u00fcr mich!<\/p>\n<p align=\"left\">Wenn wir die Fleischwerdung vom Gottes Sohn in und durch Maria bekennen, dann sagen wir ein Ja dazu, da\u00df unser Gott bis in unser Fleisch hinein, an <strong>dir<\/strong> und <strong>mir<\/strong> wirkm\u00e4chtig sein kann und letztlich ist, denn unsere ganze Existenz gr\u00fcndet in Christus, denn <em> \u201ealles<\/em> [ist] <em>durch ihn und zu ihm geschaffen\u201c<\/em>( Kol 1,16). Der Ich-bin-da, Jahwe, unser Gott, hat dies Geheimnis durch die Kraft des Heiligen Geistes gewirkt. \u2013 Wir bitten und beten glaubend und hoffend, da\u00df Gott dies und das f\u00fcr und an uns wirke, &#8211; erwarten es auch -, aber das mit Maria, das kann nicht sein, das Kind kommt vom Vater Josef, ist innerweltliche Biologie. \u2013 Das ist doch paradox! \u2013 Nein, an Maria wurde verifiziert ( vgl. Lk 1,49), da\u00df die Gnade die Niedrigen und Glaubenden erh\u00f6ht, wie sie freudig lobpreisend bekennt ( Lk 1,48). Diese Freude entspringt aus dem Glauben, da\u00df der Ich-bin-da, Jahwe, auch wirklich mit uns, mit jedem von uns ist, <em>\u201eder m\u00e4chtig ist und dessen Name heilig ist\u201c<\/em> ( Lk 1,49).<\/p>\n<p align=\"left\">Gebe ich Gott in und bei mir Raum, Zeit und liebenden Einla\u00df?<\/p>\n<p>Maria sagte: <em>\u201emir geschehe, wie du gesagt\u201c<\/em> ( Lk 1,38) und <strong>wir<\/strong>?, sind <strong>wir<\/strong> bereit Jesus in uns geboren sein zu lassen? \u2013 Steht da nicht unser ICH im Weg? \u2013 und manch anderes noch!<\/p>\n<p>Wie Maria, so stellt Johannes der T\u00e4ufer sein ICH zur\u00fcck. Maria sprach, <em>\u201eich bin des Herren Magd\u201c<\/em> ( Lk 1,39) und Johannes sieht sich nicht w\u00fcrdig f\u00fcr den letzten Dienst eines letzten Sklaven. \u2013 Jesus w\u00e4scht nicht nur die F\u00fc\u00dfe seiner J\u00fcnger, nein er l\u00e4\u00dft sich noch aus Liebe <strong><em>zu uns<\/em><\/strong> ans Kreuz schlagen. \u2013 Der Sohn Gottes! \u2013 Aus der Einstellung, da\u00df alles was ich bin und habe von Gott ein Geschenk ist, \u2013 das absolute sich Verdanken \u2013, erw\u00e4chst die Kraft, das eigene Verm\u00f6gen weiterzuschenken bzw. den anderen in Liebe begegnen zu k\u00f6nnen, ihn anzunehmen. Indem ich so den anderen gro\u00df mache, macht mich Christus im anderen gro\u00df. Der Anruf Gottes im Du wartet auf die Antwort meines ICHs und findet im Du \u201emeines Heilandes\u201c ( Lk 1,47) im Sinn des ausgemachten Ziels Ruhe, obwohl noch unterwegs und das oft noch m\u00fchsam.<\/p>\n<p>Vielleicht mu\u00df ich erst <em>\u201emit meinem Gott \u00fcber Mauern springen\u201c<\/em> ( Ps 18,30<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">(1)<\/a>), \u2013 meine Mauern \u2013, um DIE, auf die man, \u2013 ja auch ich \u2013, mit den Fingern zeige, auf DIE man lauthals schimpft, denen man schier das Menschsein abspricht, &#8211; denken wir nur an die momentanen Kriegsgebiete \u2013, wieder den <strong><em>Mit<\/em><\/strong>mensch erkennen, der auch unterwegs ist. Sie sind alle, wie ich ein Menschenkind, das von Gott geliebt ist, der gerade den S\u00fcnder suchte und immer noch ihm nachgeht ( vgl. Lk 5,32<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">(2)<\/a>). Da steht es doch uns erst recht an, die wir selbst von Gott geliebt werden wollen, ihm in Liebe zu begegnen, zumindest sich eines niedermachenden Urteils zu enthalten, das ja ohnehin nur mein Ich ins rechte Licht stellen will. \u2013 Nein, ich tue das nicht! \u2013 Gleichzeitig sind wir glaubend und hoffend unterwegs, da\u00df sich an uns erf\u00fcllt, weshalb der Gottes Sohn gekommen ist, dessen Geburt wir heute noch in Erinnerung feiern werden: Jesus Christus, <em>\u201e<\/em><em> der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist\u201c<\/em> ( Lk 19,10 ).<\/p>\n<p>Dieser Beginn der Gnadenzeit, die mit dem Kommen des Herrn, unseres Kyrios, begann und f\u00fcr die der T\u00e4ufer ein Vorzeichen war, <em>\u201eeine Stimme eines Predigers in der W\u00fcste\u201c<\/em> ( Joh 1,23 ), der heute unter uns noch eine viel gr\u00f6\u00dfere W\u00fcste vorfinden w\u00fcrde, l\u00e4\u00dft uns zu seinem Volk z\u00e4hlen, weshalb wir jauchen k\u00f6nnen ( vgl. EG 9,1; Ps 102,19 ).<\/p>\n<p>Glaubst du das?<\/p>\n<p align=\"left\">Allein der Glaube wird uns retten, weil er mein ICH umpr\u00e4gt, das am Kreuz vorbei will. \u2013 Wer will das Ziel nicht bequem erreichen? \u2013 Mein Kreuz wird getragen, wenn ich das des Anderen in Liebe mittrage. Das f\u00e4ngt in der Familie an, setzt sich im Alltag fort und ist auch dort zur Stelle, wo wir nicht mit anderen heulen, andere nicht ausgrenzen, immer dann, wenn es hei\u00dft. \u2013 DIE da! \u2013<\/p>\n<p>Mit unseren muslimischen Mitb\u00fcrgern bekennen wir Gott als den Barmherzigen, dessen <em>\u201eBarmherzigkeit w\u00e4hrt von Geschlecht zu Geschlecht, bei denen, die ihn achten\u201c<\/em> ( Lk 1,50). Seine Liebe zu uns ist Barmherzigkeit, weil wir die neue Welt nicht selbst machen m\u00fcssen, denn sie kommt von Gott ( Offb 21,2), so wie unser Retter vom Vater kam, der Sohn Gottes, den Johannes verk\u00fcnden konnte, weil es ihm geoffenbart war. Maria, die vom Heiligen Geist ber\u00fchrt wurde, sie \u00f6ffnete ihm das Tor zur Welt. Das Kommen Christi war unspektakul\u00e4r f\u00fcr die Umwelt, deren G\u00f6tterwelt den Menschen h\u00f6chstens als Diener gelten lie\u00df, w\u00e4hrend Christus, der Sohn Gottes als Diener <em>f\u00fcr uns<\/em>, zu unserem Heil in die Welt kam. Lassen wir uns wie Johannes in Dienst nehmen, und im Dienst am N\u00e4chsten, der N\u00e4chsten, wird uns Christus durch den bzw. die Andere gro\u00df machen.<\/p>\n<p>Sind wir dazu bereit?<\/p>\n<p align=\"left\">Christus ist auch heute <em>\u201emitten unter\u201c<\/em> uns ( Joh 1,26) und wir erkennen IHN nicht in der Schwester und im Bruder in Not, weil wir durch unser ICH blind sind. \u2013 Ich, Du, Wir. \u2013 Durch die Taufe sind wir Ver\u00e4nderte, d\u00fcrfen uns Christen nennen, nicht im Sinne einer Vereinszugeh\u00f6rigkeit oder Lebensversicherung, sondern nur dann, wenn wir tun was der Vater will ( vgl. Joh 14,21<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">(3)<\/a>). \u2013 Z\u00e4hlen wir nicht zu dem, der sagte, <em>\u201eJa, Herr! und ging nicht hin\u201c<\/em> ( Mt 21,30<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">(4)<\/a>). \u00d6ffnen wir uns, verbunden mit einem Hinkehren zum Herrn, und lassen wir uns von IHM heilen, d.h. ver\u00e4ndern. Christus ist f\u00fcr alle gekommen, deshalb konnte Dorothee S\u00f6lle sagen:<\/p>\n<p>\u201e\u00bbDie gro\u00dfe Ver\u00e4nderung,<br \/>\ndie an uns und durch uns geschieht,<br \/>\nwird mit allen geschehen\u00ab\u201c <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">(5)<\/a><\/p>\n<p>Das ist unser Trost im Glauben, der uns trotzdem jauchzen l\u00e4\u00dft, <em>\u201eweil durch seinen Tod und Sterben, <\/em>[ER f\u00fcr uns bereith\u00e4lt]<em> was ewig w\u00e4hren tut\u201c<\/em> ( EG Nr. 9,2).<\/p>\n<hr \/>\n<p>Anmerkungen:<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">(1) <\/a> Ps [ LUT] 18,30 \u201e30 Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und mit meinem Gott \u00fcber Mauern springen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">(2) <\/a> Lk [ LUT] 5,32 \u201e Ich bin gekommen, die S\u00fcnder zur Bu\u00dfe zu rufen und nicht die Gerechten.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">(3) <\/a> Joh 14,21 [ LUT] \u201e Wer meine Gebote hat und h\u00e4lt sie, der ist&#8217;s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">(4) <\/a> Mt [ LUT ] 21,30 \u201eUnd der Vater ging zum zweiten Sohn und sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach: Ja, Herr! und ging nicht hin.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">(5) <\/a> Bovon, F., Das Evangelium nach Lukas (EKK III\/1). Lk 1,1-9,50, Z\u00fcrich\/Neukirchen-Vluyn 1989, 94; [vgl. S\u00f6lle, D., Meditation \u00fcber Lukas 1, in: Dies., Die revolution\u00e4re Geduld. Gedichte, Berlin 1974, 26.].<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schleinzer<br \/>\nSalzburg<br \/>\n<a href=\"mailto:Friedrich.Schleinzer@sbg.ac.at\">Friedrich.Schleinzer@sbg.ac.at<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiliger Abend | 24. 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