{"id":11619,"date":"2021-02-07T19:48:52","date_gmt":"2021-02-07T19:48:52","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11619"},"modified":"2023-03-08T10:09:11","modified_gmt":"2023-03-08T09:09:11","slug":"johannes-1-19-28-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1-19-28-2\/","title":{"rendered":"Johannes 1, 19-28"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">4. Sonntag im Advent \/ Heiliger Abend, 24. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Johannes 1, 19-28, verfa\u00dft von Heribert Arens <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><strong>Text: <\/strong>(Einheits\u00fcbersetzung)<br \/>\nDies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?, bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.<br \/>\nSie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.<br \/>\nDa fragten sie ihn: Wer bist du? Wir m\u00fcssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du \u00fcber dich selbst?<br \/>\nEr sagte: Ich bin die Stimme, die in der W\u00fcste ruft: Ebnet den Weg f\u00fcr den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat.<br \/>\nUnter den Abgesandten waren auch Pharis\u00e4er. Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet?<br \/>\nEr antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschn\u00fcren.<br \/>\nDies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.<\/p>\n<p>Es war bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in M\u00fcnchen. Die Zuschauer auf den R\u00e4ngen des Olympiastadions erwarteten Sieger des Marathonlaufs. Ein junger Mann aus Rheda-Wiedenbr\u00fcck hatte sich kurz vor dem Stadion im L\u00e4ufertrikot mit frei erfundener Startnummer auf die Bahn geschmuggelt und lief, als vermeintlicher Sieger beklatscht, eine Ehrenrunde durchs Stadion ins Ziel. Den eigentlichen Sieger, der kurze Zeit sp\u00e4ter ankam, beachteten die Zuschauer kaum. Erst sp\u00e4ter merkten sie: Wir haben den falschen beklatscht: der war nur ein Vorl\u00e4ufer!<\/p>\n<p>Heute r\u00fcckt das Evangelium eine Gestalt in den Blick, die sich selbst als Vorl\u00e4ufer bezeichnet: Johannes den T\u00e4ufer. Er wehrte ab, als man ihn beklatschen wollte: Nach mir kommt ein Gr\u00f6\u00dferer, einer, der wichtiger ist. Ich laufe vor ihm her, bereite ihm die Wege. Ich mache Platz f\u00fcr den, der nach mir kommt. Ich bin nur der Vorl\u00e4ufer, der die Blicke auf den lenkt, der nach ihm kommt.<\/p>\n<p>Johannes wusste: Ich bin nicht der Mittelpunkt, ich weise auf den Mittelpunkt hin, auf Jesus. Er war sich seiner Vorl\u00e4ufigkeit bewusst: Nach mir kommt anderes, wichtigeres \u2013 nach mir kommt der Wichtige: Jesus von Nazareth.<\/p>\n<p>Die Einsicht des Johannes in seine Vorl\u00e4ufigkeit fasziniert mich. Ich wei\u00df, wie Johannesmenschen gut tun: Menschen, die anderen die Show nicht stehlen, die g\u00f6nnen k\u00f6nnen, die sich mitfreuen k\u00f6nnen am Erfolg der anderen, die sich nicht so wichtig nehmen. Solche Menschen sind wohltuend auf dem Hintergrund vieler, die sich unangemessen in den Vordergrund spielen, die nur von sich reden \u201eAber ich erst mal&#8230;\u201c Jedem Witz m\u00fcssen sie noch einen besseren draufsetzen. Sie neiden anderen Erfolg und Gelingen. Sie geben den Lebensraum nicht frei f\u00fcr die Nachr\u00fcckenden!<\/p>\n<p>Bei Johannes-Menschen kann man sich wohlf\u00fchlen. Sie haben Freunde, obwohl sie sich nicht in den Vordergrund r\u00fccken. Ich denke an Eltern und Menschen der \u00e4lteren Generation. Irgendwann kommt jeder in die Situation, die ihn herausfordert, Nachr\u00fcckende zu f\u00f6rdern, den Platz freizugeben: Jetzt sind die dran!<\/p>\n<p>Das ist nicht leicht f\u00fcr manche \u00e4ltere Menschen, die eigene Vorl\u00e4ufigkeit zu erleben und den Nachr\u00fcckenden den Platz zu r\u00e4umen. Schwer ertr\u00e4glich sind die, die immer noch meinen, sie m\u00fcssten sich beweisen. Wohltuend sind die alten Johannes-Menschen, die dem Nachr\u00fcckenden trauen und sich mitfreuen. Solche alte Menschen werden nicht so leicht einsam, sie haben Freunde!<\/p>\n<p>Menschen jeden Alters sind wohltuend, die sich selbst nicht wichtiger nehmen als sie sind. Sie k\u00f6nnen g\u00f6nnen, lassen anderen Lebensraum, freuen sich mit, wenn anderen etwas gelingt, f\u00f6rdern nicht nur sich selbst sondern auch andere. Sie bereiten Wege ins Leben. In ihrer N\u00e4he kann man atmen, leben.<\/p>\n<p>Eine adventliche Kirche ist eine Johannes-Kirche: Sie ist sich ihrer Vorl\u00e4ufigkeit bewusst. Sie wei\u00df: ihre wichtigste Aufgabe ist hinweisen auf den, der kommt und der gr\u00f6\u00dfer ist als sie selbst. Ihre Aufgabe ist es, wie Johannes auf Christus und seine Zukunft hinzuweisen. Es gibt sie in der Kirche: die Johannesmenschen, die wissen, sie haben einem gr\u00f6\u00dferen zu dienen. Aber auch die gibt es, die nicht loslassen k\u00f6nnen oder wollen, die sich selbst in den Mittelpunkt dr\u00e4ngen und Christus \u201edie Show stehlen\u201c. Sie verdecken den Blick auf die Sonne, auf die sie doch hinweisen sollten.<\/p>\n<p>Ich danke Gott f\u00fcr die vielen Johannes-Christen in jeder Gemeinde und auch in den Amtskirchen, die nicht vergessen: Ich bin nur der Brieftr\u00e4ger, nicht der Brief! Ich bin nur der Wegweiser, nicht der Weg. Das ist eine Kirche, die nicht \u2013 wie der junge Mann aus Rheda-Wiedenbr\u00fcck 1972 \u2013 dem Sieger Christus die Show stiehlt. Das ist eine Kirche, in der Gott Mensch werden kann, weil sie ihm Raum gibt: Eine Johannes-Kirche ist sich ihrer Vor-l\u00e4ufigkeit bewusst: In den Mittelpunkt geh\u00f6rt nur einer: Christus selbst!<\/p>\n<p>Adventliche Menschen und eine adventliche Kirche nimmt sich selbst zwar ernst, aber nimmt sich nicht so wichtig, denn nach ihnen und nach ihr kommt einer, der ist gr\u00f6\u00dfer und wichtiger als ich selbst. ihm bereite ich den Weg.<\/p>\n<p>Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte. Der Ort ist genau benannt, an dem Johannes perdigte und auf Jesus hinwies. Ob es heute lautet: Dies geschah in NN, wo die Christen sich nicht so wichtig nahmen, sondern auf <strong> den<\/strong> Wichtigen hinwiesen?<\/p>\n<hr \/>\n<div style=\"margin: 0px;\"><strong>P. Heribert Arens ofm<\/strong><\/div>\n<div style=\"margin: 0px;\"><strong>Franziskanerkloster H\u00fclfensberg<span class=\"Apple-converted-space\"><br \/>\n<a href=\"mailto:heribert_arens@huelfensberg.de\">heribert_arens@huelfensberg.de<\/a> <\/span><\/strong><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag im Advent \/ Heiliger Abend, 24. Dezember 2006 Predigt zu Johannes 1, 19-28, verfa\u00dft von Heribert Arens Text: (Einheits\u00fcbersetzung) Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?, bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13642,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,501,1,727,157,853,114,1346,497,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11619","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-johannes","category-4-advent","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-heribert-arens","category-kapitel-01-chapter-01-johannes","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11619","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11619"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17286,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11619\/revisions\/17286"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13642"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11619"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11619"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11619"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11619"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}