{"id":11626,"date":"2021-02-07T19:48:50","date_gmt":"2021-02-07T19:48:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11626"},"modified":"2023-03-10T11:51:03","modified_gmt":"2023-03-10T10:51:03","slug":"lukas-2-1-14-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2-1-14-5\/","title":{"rendered":"Lukas 2, 1-14"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Heiliges Christfest I, 25. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Lukas 2, 1-14, verfa\u00dft von Erik Dybdal M\u00f8ller (D\u00e4nemark) <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Wenn man einmal davon absieht, dass die meisten Menschen sicher bestimmte Assoziationen haben, wenn sie das Weihnachtsevangelium, wie Lukas es schreibt, h\u00f6ren, Assoziationen an etwas, was irgendwie mit ewas S\u00fc\u00dfem zu tun hat, &#8211; davon einmal abgesehen ist die Erz\u00e4hlung im Grunde merkw\u00fcrdig und voller Widerspr\u00fcche. Selbstverst\u00e4ndlich ist es doch so, dass niemand unter uns von dem, was wir im Zusammenhang mit Weihnachten geh\u00f6rt und erlebt haben, unbeeindruckt w\u00e4re.<\/p>\n<p>Da ist die scheinbar enorme Macht des Kaisers, und dann ist da Gottes verborgene Allmacht. Da ist das triviale Leben der Hirten mit n\u00e4chtlichen Wachen. Es ist bestimmt nicht das erste Mal, dass sie Wache halten. Und dann ist da die Erscheinung der Engel, mit einer Botschaft, die all das Triviale auf den Kopf stellt. Es geschieht etwas direkt, und es geschieht etwas im Verborgenen.<\/p>\n<p>Alles ist in gewisser Weise beim Alten, und alles ist dennoch neu. Diesen Widerspruch wird niemand jemals wirklich verstehen, aber so ist es.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Freude, sagte der Engel zu den Hirten, wird allem Volk widerfahren. Alle ohne Ausnahme werden sich \u00fcber den Heiland freuen, der geboren ist, \u2013 er, der Christus, der Herr ist. Und eine gr\u00f6\u00dfere Freude gibt es nicht, selbstverst\u00e4ndlich nicht, denn er, den Propheten geweissagt hatten, von dem weise V\u00e4ter gesprochen hatten, der wunderbare K\u00f6nig, auf den man so lange gewartet hatte, war gekommen. Und dass Gott ihn gesandt hat, bewirkt, dass die Worte \u201dallem Volk\u201c bedeuten: f\u00fcr die ganze Welt, f\u00fcr alle Menschen, die auf der Welt sind, weil die Welt alles ist, inwendig und auswendig, was Gott geschaffen hat. F\u00fcr alles und alle wird die Freude sein. Und das sagt der Engel zu einer kleinen Gruppe von Hirten irgendwo in der N\u00e4he von Bethlehem, von Hirten, die sich gewiss eher drau\u00dfenvor als drinnen f\u00fchlen, jedenfalls im Verh\u00e4ltnis zu vielen anderen Menschen. Eine so gro\u00dfe Botschaft an eine so kleine Schar! Und ein Zeichen f\u00fcr all diese Freude und Bedeutung werden die Hirten finden, ein Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Von allen denkbaren Orten ist es ein Stall, in dem der Heiland liegt, \u00fcber den alle Welt sich freuen wird, weil niemand Platz hatte, weder f\u00fcr das Kind noch f\u00fcr seine Eltern.<\/p>\n<p>Und so sind mit der Geburt dieses Kindes Gottes Verhei\u00dfungen an sein Volk in Erf\u00fcllung gegangen, Verhei\u00dfungen der Freude und des Segens, von Zeiten, die kommen werden, wenn Gott seinen K\u00f6nig sendet, der sein Reich verwirklichen wird. Und vorl\u00e4ufig gibt es nicht viele Menschen, die das wissen. Niemand von denen, die auch nur ein wenig Macht haben z.B. Und auch niemand von denen, die im Tempel die Verantwortung f\u00fcr die Rede von Gott haben. Da sind nur die Hirten auf dem Felde und Maria und Joseph. Und sie bedeuten so wenig, dass niemand ihnen einen Platz hat geben k\u00f6nnen. Fast ebenso wenig bedeuten sie wie die Hirten, von denen wir keinen einzigen mit Namen kennen. Und das ist voller Widerspr\u00fcche!<\/p>\n<p>Aber die Verhei\u00dfungen Gottes erf\u00fcllen sich auf eine Art und Weise, mit der niemand gerechnet hatte. Nicht so, dass St\u00fcrme \u00fcber die L\u00e4nder fegten oder Pal\u00e4ste \u00fcber den ungerechten Machthabern, die in ihnen wohnen, einst\u00fcrzten. Nicht so, dass neue politische Systeme eingef\u00fchrt oder neue Absprachen getroffen w\u00fcrden, jetzt, wo das Reich Gottes nahe herbeigekommen ist. Gottes Verhei\u00dfungen werden dadurch erf\u00fcllt, dass er selbst sich unter die Bedingungen von Menschen begibt, um in ihrer N\u00e4he zu sein in ihrer Ausgesetztheit und Hilflosigkeit. Ein S\u00e4ugling wurde der Herr des Himmels, so ein Kleiner, der nicht viele Stunden w\u00fcrde \u00fcberleben k\u00f6nnen, wenn ihm nicht W\u00e4rme und F\u00fcrsorge gegeben w\u00fcrde. Jesus kommt in die Welt, wo es h\u00f6chst ungelegen ist, wo es keinen Platz oder Bedarf f\u00fcr ihn gibt unter Menschen, die weder selbst gew\u00e4hlt haben, wo sie sein wollen, noch \u00fcber sich selbst bestimmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Widerspr\u00fcche h\u00e4ufen sich. Jesus kommt in die Welt unter den denkbar schlechtesten Umst\u00e4nden, au\u00dferhalb der Gemeinschaft, von der wir in der Regel annehmen, sie sei der beste Rahmen f\u00fcr das Leben des Einzelnen wie der Familie oder des Geschlechts. Ein Kind, dessen Chancen, und wenn es nur ums \u00dcberleben ginge, sich von Anfang an \u00e4u\u00dferst gering ausnehmen. Von ihm wird gesagt, er sei der Erl\u00f6ser der Welt, Christus, der Herr, der uns von der Macht des Todes und der Finsternis befreien und uns zu dem Leben zur\u00fcckf\u00fchren wird, das zu leben wir von Anfang an geschaffen waren. Seine Geburt ist die gro\u00dfe Freude, die allem Volk widerfahren wird, und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.<\/p>\n<p>Eigentlich wissen wir nichts dar\u00fcber, welche Gedanken den Eltern oder den Hirten durch den Kopf gehen. Wir wissen nicht, ob sie von Freude \u00fcberw\u00e4ltigt oder von Angst um des Kindes willen erf\u00fcllt sind, oder von Angst um ihrer selbst und der Zukunft willen. Aber es ist ganz deutlich, dass Lukas, der von dem Ereignis berichtet, seinerseits \u00fcberzeugt ist, dass das, was da erz\u00e4hlt wird, die Verwirklichung des Willens Gottes ist. Andernfalls h\u00e4tte er vielleicht mehr \u00fcber die Gedanken der Hirten bei dem allen gesagt, oder dar\u00fcber, was Maria und Joseph wohl zueinander gesagt haben m\u00f6gen. Das ist dem Lukas so innerlich gleichg\u00fcltig. Alles, was wichtig ist, ist in seiner Erz\u00e4hlung enthalten, und das ist die Geburt des Kindes. Alles dreht sich um den Erl\u00f6ser in der Krippe, er ist der Mittelpunkt der Ereignisse. In ihm ist Gott selbst gegenw\u00e4rtig in unserer Welt und mitten in unserer Ohnmacht und unserem Ausgeliefertsein. Wir sehen unsere eigenen Bedingungen im Eingang dieses Kindes in die Welt.<\/p>\n<p>Und vor ihm liegt also nun das Leben, das Gott bestimmt hat. Es wird kein langes Leben sein, und in vieler Hinsicht auch kein gutes Leben. Aber es ist ein notwendiges Leben. Es gab eigentlich kaum jemanden, der sich zu ihm bekennen wollte, als er zur Welt kam, und fast gar niemanden, als ihm die Auslieferung zum Prozess bevorsteht. Die Widerspr\u00fcche nehmen kein Ende. Er wandert durch Ablehnung und Einsamkeit. Und dabei ist es dieser Mann, der die Seligkeit aller Menschen in seinen H\u00e4nden h\u00e4lt. Weil sein Leben, von Anfang bis Ende, von Gottes Wohlgefallen umschlossen ist. Zwar vermag niemand es recht zu sehen; aber \u00fcberall befindet er sich in den sch\u00fctzenden H\u00e4nden Gottes, auf dem ganzen Weg durch Tod und Finsternis zum Licht und zum Leben. Er kam mit dem Wohlgefallen Gottes und dem Frieden Gottes. So war es. M\u00f6glicherweise w\u00e4re es einfacher zu handhaben gewesen, wenn er gekommen w\u00e4re, um W\u00fcnsche nach einem passenden Wunschzettel zu erf\u00fcllen. Z.B. gute W\u00fcnsche nach einer Abschaffung von Krieg. Aber der Friede Gottes beseitigt nicht zu allererst die Unruhe und die Unsicherheit der Menschen; er besteht nicht darin, dass Menschen damit rechnen k\u00f6nnen, dass ihnen geschieht, wie sie es sich w\u00fcnschen, und dann alle Sorgen weg sind. Der Friede Gottes besteht darin, dass Menschen sein Wohlgefallen haben, wo auch immer sie sich aufhalten und ohne R\u00fccksicht darauf, ob sie sich dessen so ganz bewusst sind oder nicht. Und das kann wohl entt\u00e4uschend sein.<\/p>\n<p>H\u00e4tte man Maria und Joseph gefragt, was sie sich w\u00fcnschten, dann h\u00e4tten sie sich sicherlich gew\u00fcnscht, in Nazareth in gewohnter Umgebung bleiben zu k\u00f6nnen, so dass Marias Kind h\u00e4tte zur Welt kommen k\u00f6nnen, umgeben nicht von fremden Hirten und Tieren des Stalls, sondern von Familie und Freunden. Und h\u00e4tte man die Hirten gefragt, was sie sich w\u00fcnschten, dann w\u00e4re es kaum ein Erl\u00f6ser gewesen, der in der Gestalt eines kleinen Kindes bestimmt nicht so aussah, als k\u00f6nnte er irgend jemanden erl\u00f6sen. W\u00fcrden sie sich nicht etwas w\u00fcnschen, was sie aus ihrer Armut befreien k\u00f6nnte, anstelle eines kleinen Kindes, das dort in der Krippe eher ihnen selbst glich in ihrer Ohnmacht und in ihrem Elend?<\/p>\n<p>Die Widerspr\u00fcche bestehen, aber trotzdem sind es die Hirten, die sich von allen anderen Menschen unterscheiden, von denen das Weihnachtsevangelium erz\u00e4hlt, denn die Hirten h\u00f6rten laut und deutlich die Verk\u00fcndigung, dass eine gro\u00dfe Freude in ihr Leben kommen werde. Eine Botschaft, die man selbstverst\u00e4ndlich als <em>eine<\/em> gro\u00dfe Sinnlosigkeit betrachten kann, zumal die Freude gewiss nichts daran \u00e4ndert, dass sie auch morgen hinaus auf das Feld gehen und Wache halten m\u00fcssen; und trotzdem, die Worte, dass ein Heiland geboren ist, enthalten doch so viel Geborgenheit, weil sie zu ihm, von dem die Engel sangen, zu ihm, den sie dann in der Krippe sahen, der ihren eigenen Kindern zum Verwechseln \u00e4hnlich sah, den Hirtenkindern, die sich nicht selbst erl\u00f6sen k\u00f6nnen, hingeleitet wurden. Und von dort gingen sie zur\u00fcck ins Leben, dorthin, wo sie zu sein hatten, aber nicht ohne dass er mit ihnen gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wir haben keine Garantie daf\u00fcr erhalten, dass wir f\u00fcr etwas geschont w\u00fcrden; aber wo immer wir sind, so ist er mit uns, und damit sind wir doch immer dort, wo wir sein sollen. Darin steckt Weihnachtsfreude, denn dann ist mein und dein Leben ja gut genug, so widerspruchsvoll es auch sein kann. Ob wir in der Burg oder in der H\u00fctte sind, Gott ist bei uns. Dar\u00fcber kann man sich nur freuen. F\u00fcr den Rest m\u00fcssen wir selbst sorgen.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Sognepr\u00e6st Erik Dybdal M\u00f8ller<br \/>\nRungstedvej 9<br \/>\nDK-8000 \u00c5rhus C<br \/>\ntel.: 86 14 71 15<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:edm@km.dk\"> edm@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiliges Christfest I, 25. 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