{"id":11644,"date":"2021-02-07T19:48:50","date_gmt":"2021-02-07T19:48:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11644"},"modified":"2023-03-09T16:53:59","modified_gmt":"2023-03-09T15:53:59","slug":"johannes-8-31-36-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-8-31-36-3\/","title":{"rendered":"Johannes 8, 31-36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3 align=\"left\"><b><span style=\"color: #000099;\">Altjahresabend (Silvester), 31. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Johannes 8, 31-36, verfa\u00dft von Jobst v. Stuckrad-Barre<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><em>&#8222;31Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine J\u00fcnger<\/em><br \/>\n<em>32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.<\/em><br \/>\n<em>33 Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden?<\/em><br \/>\n<em>34 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer S\u00fcnde tut, der ist der S\u00fcnde Knecht.<\/em><br \/>\n<em>35 Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig.<\/em><br \/>\n<em>36 Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.&#8220;<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"left\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-17377\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-730x1024.jpg 730w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-768x1078.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-1094x1536.jpg 1094w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-1459x2048.jpg 1459w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-9x12.jpg 9w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-kind-scaled.jpg 912w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/p>\n<p>Begonnen hat dieses Jahr unter dem Satz aus Josua 5, 1b: \u201eIch lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.\u201c Ich habe ihn vor einem Jahr mit diesem Bild des kleinen F. konfrontiert, der aufmerksam bis besorgt zu seinen Eltern aufschaut. Der Satz, aus der Josua-Geschichte \u00fcbertragen auf die ins Neue, Ungewisse wandernde Christenheit, sichert Gottes alle tragende Treue zu \u2013 damit wir auf den neuen Wegen (die nun schon wieder die vergangenen sind) nicht zur\u00fcckschrecken, abirren oder einander, am Ende gar Gott verlassen.<\/p>\n<p>So grunds\u00e4tzlich haben wir die Wege des zu Ende gegangenen Jahres doch gar nicht gesehen?! So genau war uns diese Zusage Gottes gar nicht pr\u00e4sent. Und doch haben wir das Gute selbstverst\u00e4ndlich genommen, etwas zu selbstverst\u00e4ndlich vielleicht? Und haben das Schwere m\u00f6glicherweise rasch auf die Seite des Nichtzufassenden, jedenfalls nicht zu Begr\u00fcndenden gew\u00e4lzt, wom\u00f6glich mit der Gottverlassenheit verrechnet.<\/p>\n<p>Dabei ist Gott der, der uns nicht fallen l\u00e4\u00dft, aufgibt oder verl\u00e4\u00dft. K\u00f6nnte es sein, da\u00df uns diese Anfangserkenntnis im allt\u00e4glichen Kampf oder Krampf aus den Augen, aus dem Sinn gekommen ist? Oder \u2013 damit das nicht so moralisch, moralisierend zeigefingerhaft wirkt, wie es klingt: Gottes Vorgehen ist kein blo\u00dfer guter Vorsatz am Ende des alten oder am Anfang des neuen Jahres. Er bleibt unbeirrt bei den Seinen.<\/p>\n<p>Welch ein Trost &#8211; am Ende. Welch Lichtblick am Anfang. Gott h\u00e4lt zu uns \u2013 und wir begreifen mit der Zeit, was das hei\u00dft und wie weit das reicht.<\/p>\n<p>Da ist ein Dialog entstanden, ein Proze\u00df, der heute weitergef\u00fchrt wird in dem Gespr\u00e4ch, das sich Johannes 8 entwickelt. Jesus redet mit einigen der Juden, die an ihn glaubten. Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine J\u00fcnger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Der Proze\u00df ist schon l\u00e4ngst im Gange, dieses Gespr\u00e4ch mit Gott und mit uns selbst, am Jahresende sp\u00fcrbar deutlicher als im Verlauf, im Dahingehen einer Zeit. Der da diesen Dialog weiterf\u00fchrt, hat die Autorit\u00e4t des Sohnes, des N\u00e4chsten zu Gott, er ist der, der unter dem Kreuz und als Gekreuzigter seine Gottverlassenheit nicht ausspart, sondern ausspricht; der bei Johannes als der Auferstandene begegnet und so in das Leben hineinf\u00fchrt.<\/p>\n<p>An dem Wort des Christus zu bleiben, in Jesus sein Leben zu finden, das ist der Weg, der die Wahrheit erkennen l\u00e4\u00dft, das wird die Wahrheit, die frei macht.<\/p>\n<p>Ich bringe das mit zwei Erscheinungen der vergangenen Jahre zusammen: Einmal \u2013 mehr Menschen bezeichnen sich als gl\u00e4ubig, als kirchliche Zugeh\u00f6rigkeit oder entsprechendes Teilnahmeverhalten es vermuten lassen. Umgekehrt sind Gespr\u00e4chspartner etwa bei Kasualien, also zwischen Geburt und Tod, erkennbar froh, ihre Erfahrungen im Gespr\u00e4ch vermittelt zu sehen mit theologischen Einsichten, biblisch fundierten Br\u00fccken in das gemeinsame Leben vor Gott. Beide Entwicklungen weisen auf eine trotz aller entgegenstehenden Halb- und Unwahrheiten vorhandene Suche oder Sehnsucht nach dem, was hier als die Wahrheit erkannt und in seiner befreienden Wirkung vor Augen gestellt wird. Das Gespr\u00e4ch wird also aufzunehmen und weiterzuf\u00fchren sein.<\/p>\n<p>In Joh 8 geht es so weiter, da\u00df sich Zweifel anmelden, ob hier nicht ein Bruch eintritt, zumindest aber ein Umweg gew\u00e4hlt ist: Wer so unangefochten spricht, ist schon auf dem Abweg, ist in der Gefahr, nicht mehr das zentrale Motiv im Blick zu behalten \u2013 die befreiende Wahrheit.<\/p>\n<p>Die Berufung auf die Abrahamskindschaft wirkt wie ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis. Wir, Abrahams Kinder sind nie jemandes Knecht gewesen. Warum sollten wir also (erst) frei werden? Der Stolz dieser Behauptung ist nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Von wegen befreiende Wahrheit.<\/p>\n<p>So korrigiert Jesu Antwort in der Gestaltung dieses Gespr\u00e4chsabschnitts mit prophetischer Geste: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer S\u00fcnde tut, der ist der S\u00fcnde Knecht. Ihr verla\u00dft Gottes Wort, das Gespr\u00e4ch mit ihm, mit euch, mit dem Sohn, wenn ihr auf eure Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gruppe, Herkunft oder religi\u00f6sen Klasse setzt \u2013 wie der Knecht, der irgendwann aus dem Haus geht.<\/p>\n<p>Nur der Sohn bleibt. Ewig!<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch kommt nur m\u00fchsam auf die Anfangsh\u00f6he. Stolz \u2013 S\u00fcnde \u2013 Unfreiheit \u2013 weg von Gott, weg vom Sohn. Da ist Tor und T\u00fcr ge\u00f6ffnet f\u00fcr allerlei moralische Betrachtung unserer Zeit, des zu Ende gehenden Jahres, unserer eigenen Wege. Lassen wir doch die \u201eHeuschrecken\u201c h\u00fcpfen (vor allem auch wieder weg!), die Hy\u00e4nen heulen, \u201eBulle und B\u00e4r\u201c ihre Spiele ad infinitum treiben; nehmen wir die eigenen Um- und Abwege des vergangenen Jahres und sehen, wie schwer es tats\u00e4chlich ist, auch nur einen Schimmer der hier gemeinten Wahrheit zu erkennen.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht Hilfe h\u00e4tten. Hilfe in Gestalt dessen, der seine N\u00e4he zu Gott im Weg ans Kreuz lebte und so befreiend wirkte \u2013 in seinem Ende der Anfang f\u00fcr uns.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-17378 aligncenter\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-text-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-text-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-text-725x1024.jpg 725w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-text-768x1085.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-text-8x12.jpg 8w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/jahreslosung-text.jpg 797w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<p>Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Von ihm erneut zu sprechen mit<br \/>\ndenen, die unter dem Verlust eines Menschen, einer beruflichen Existenz, ihrer gesellschaftlichen Anerkennung leiden; die N\u00e4he und Wahrheit stiftende Vorgehensweise Jesu, seine Armut und Gottesgelassenheit, dies in unser Herz und in unsern Verstand aufzunehmen, bringt Befreiung mit sich, bringt \u00fcber Tagesform und Jahresgrenzen hinausgehende Perspektive ins Leben, die uns birgt und in die Zukunft hineinleitet, so wie auf dieser bildlichen Gestaltung der Jahreslosung 2007 aus Jesaja 43, 19a: \u201eGott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt w\u00e4chst es auf, erkennt ihr\u00b4s denn nicht?\u201c<\/p>\n<p>Jetzt \u2013 nicht gebunden an Kalender und ihre Weisheiten, sondern an die Freiheit, die die N\u00e4he Gottes in Jesus schafft.<\/p>\n<p>Jetzt: Diese N\u00e4he l\u00e4\u00dft unsere Zeit zu Gottes Zeit werden. Sie befreit unser Leben, unsere Gespr\u00e4che, das, was wir zu bedenken und zu tun haben \u2013 wir h\u00f6ren sein Wort, es verhei\u00dft sein Leben. In dieser Hoffnung seid ihr wirklich frei. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong> Jobst v. Stuckrad-Barre, Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:Jobst.vonStuckrad-Barre@evlka.de\">Jobst.vonStuckrad-Barre@evlka.de <\/a> <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Altjahresabend (Silvester), 31. Dezember 2006 Predigt zu Johannes 8, 31-36, verfa\u00dft von Jobst v. 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