{"id":11646,"date":"2021-02-07T19:48:51","date_gmt":"2021-02-07T19:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11646"},"modified":"2023-03-09T14:13:21","modified_gmt":"2023-03-09T13:13:21","slug":"lukas-2-25-40","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2-25-40\/","title":{"rendered":"Lukas 2, 25-40"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach dem Christfest, 31. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Lukas 2, 25-40, verfa\u00dft von Hanne Sander (D\u00e4nemark)<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Hier \u2013 wo wir dabei sind, Weihnachten hinter uns zu lassen \u2013 bekommen wir ein paar Bilder mit auf den Weg, die sehr scharf und deutlich dastehen. Bilder der beiden alten Menschen, Simeon und Hanna, die im Tempel das Kind Jesus sehen. Maria und Joseph sind nach Jerusalem gekommen, damit Jesus dargestellt werden konnte, und um zu opfern, was nach der Geburt eines Kindes geopfert werden musste. Indem Lukas die beiden alten Menschen dem neugeborenen Kind begegnen l\u00e4sst, gelingt es ihm, den Bericht so zu erz\u00e4hlen, dass er sehr deutlich zu einer Veranschaulichung des \u00dcbergangs zu der neuen Zeit wird. Lukas legt Wert darauf, dass die Begegnung zugleich ein Festhalten an der Tradition und eine Offenheit f\u00fcr Erneuerung bedeutet. Erstens wird das Kind durch seine Eltern in die Tradition eingebracht: Gesetze werden eingehalten und alter Brauch wird befolgt, w\u00e4hrend das Kind zugleich auf eine neue Zeit vorausweist\u2013 es ist selbst das Neue. Zweitens vertreten Simeon und Hanna beide Kontinuit\u00e4t, und sie sind beide in der Tradition verwurzelt \u2013 zugleich aber sind sie auf das Neue gerichtet, das kommen wird. Sie leben in einer offenen Erwartung von Erneuerung. Deshalb ist das ein so erbauliches Bild von den beiden Alten, und wir k\u00f6nnen von ihnen lernen: zugleich treu zu sein gegen\u00fcber dem Ererbten und offen f\u00fcr das Neue.<\/p>\n<p>Alle wissen, wie trist es sein kann, wenn man alten Menschen begegnet, die ihre letzten Jahre in Bitterkeit und Entt\u00e4uschung leben. Ihre Bitterkeit und Entt\u00e4uschung k\u00f6nnen manchmal so gro\u00df sein, dass man den Eindruck haben kann, ihr Leben sei nie anders gewesen. Sie k\u00f6nnen von all dem erz\u00e4hlen, woraus nichts wurde, oder von dem, was so sehr viel anders wurde, als sie es sich gedacht hatten. Manchmal kann es auch \u00fcber die Lage in der eigenen Gegenwart eine gro\u00dfe Bitterkeit geben: Kinder, die entt\u00e4uschen, Hilfe, die ausbleibt, Sinneswahrnehmungen und F\u00e4higkeiten, die versagen \u2013 oder mehr umfassend, eine Bitterkeit und ein Zorn \u00fcber die vielen Ungl\u00fccke und ungl\u00fccklichen Ereignisse, die \u00fcberall in der Welt geschehen. Aber noch schlimmer kann es sein, wenn man einem Menschen begegnet, der seinen Lebensabend damit verbringt, dass er Gott gegen\u00fcber verbittert ist: es kann ein Mensch sein, der sein ganzes Leben lang mit Gott gelebt hat, aber dann sucht ihn in den letzten Jahren eine Krankheit heim oder schweres Ungl\u00fcck trifft ihn, so dass sein Glaube zerbricht.<\/p>\n<p>Wir erfahren nicht viel \u00fcber das Leben Simeons und Hannas. Wir wissen nicht, ob sie Erfahrungen gemacht haben, die ihren Glauben an Gott best\u00e4tigt und gest\u00e4rkt haben, oder was sie erlebt haben. Aber sie werden fortgesetzt als Bilder f\u00fcr Menschen dastehen, die auch dann noch, wenn sie alt geworden sind, gro\u00dfe Dinge von Gott erwarten. Sie hatten sich ihr ganzes Leben lang gro\u00dfe Tr\u00e4ume und Erwartungen bewahrt, und das hatte ihr Leben aufrecht erhalten und buchst\u00e4blich den Tod hinausgeschoben. Und jetzt, da sie das Kind sehen, zweifeln sie nicht, dass ihre Erwartungen erf\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Aber was sieht Simeon? \u2013 Ja, er sieht wohl auch das, was wir sehen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich ein Kind, das den meisten anderen Kindern von Juden gleicht, eine kleine Familie wie die meisten anderen Familien, die ihren Erstgeborenen in den Tempel brachte, wie es Brauch war. Wie k\u00f6nnen sie im Ernst von Erf\u00fcllung und Erl\u00f6sung sprechen angesichts eines Kindes? Mitten in einer finsteren Zeit, in der viele Menschen niedergedr\u00fcckt waren: politisch durch die r\u00f6mische Besatzungsmacht und religi\u00f6s durch ein an das Gesetz gebundenes und moralisierendes Judentum. In einer derartigen Zeit mag es schwierig sein, anderes als nur Finsternis zu sehen.<\/p>\n<p>Aber Simeon und Hanna sahen das, was die Hirten sahen und was die Weisen gesehen hatten, n\u00e4mlich das, was die Augen nicht sehen k\u00f6nnen, sondern was nur mit dem Herzen gesehen werden kann oder mit den Augen des Glaubens und der Liebe, und das ist ein und dasselbe.<\/p>\n<p>Aber sehr oft steht es im Gegensatz zu dem, was die Augen sehen, und das wei\u00df Simeon auch genau. Das Kind wird wie im Weihnachtsevangelium betrachtet als ein Zeichen f\u00fcr das Neue, das in die Welt gekommen ist: der Heiland, der in der Stadt Davids geboren worden ist, das Licht, das all denen leuchten wird, die in Finsternis und im Schatten des Todes leben, denn Simeon bezeugt bereits hier das Kind als ein Zeichen, dem widersprochen werden wird und das Widerstand hervorrufen wird: die Macht wird von der Ohnmacht herausgefordert werden, die Gewalt wird provoziert werden durch die G\u00fcte. Alles wird an den Tag kommen, und Durchbruch von etwas Neuem bedeutet immer auch den Zusammenbruch von etwas, was vorher war. Lukas betont zwar die Kontinuit\u00e4t, als Voraussetzung von Erneuerung, aber das Bild, das am l\u00e4ngsten stehenbleiben wird, ist das Bild des Simeon, der sein Leben in vertrauensvoller Erwartung des Heils und der Befreiung Israels gelebt hat, und jetzt, da er das Kind als ein Zeichen der Erf\u00fcllung gesehen hat, da kann er ebenso vertrauensvoll sein eigenes Leben verlassen. Simeon erlebt die Befreiung, als etwas Neues entstanden ist. Das Alte ist vorbei. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastor Hanne Sander<br \/>\nPrins Valdemarsvej 62<br \/>\nDK-2820 Gentofte<br \/>\nTel.: ++ 45 \u2013 39 65 52 72<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:sa@km.dk\">sa@km.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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