{"id":11649,"date":"2006-12-07T19:48:48","date_gmt":"2006-12-07T18:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11649"},"modified":"2025-04-21T17:29:54","modified_gmt":"2025-04-21T15:29:54","slug":"johannes-8-31-36-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-8-31-36-5\/","title":{"rendered":"Johannes 8, 31-36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Altjahresabend (Silvester) | 31. Dezember 2006 | Johannes 8, 31-36 | Wolfgang V\u00f6gele |\u00a0<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>\u201eDa sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine J\u00fcnger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer S\u00fcnde tut, ist der S\u00fcnde Knecht. Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Ich wei\u00df wohl, da\u00df ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu t\u00f6ten, denn mein Wort hat bei euch keinen Raum. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater geh\u00f6rt habt.\u201c<\/em><\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 1. Melancholie der Unterbrechung <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, zwischen den Jahren, vom zweiten Weihnachtsfeiertag bis Neujahr brechen bei vielen Menschen vor\u00fcbergehend die t\u00e4glichen Gewohnheiten ab. Mit einer Vollbremsung stoppen sie den eingespielten Trott des Normalen. Und pl\u00f6tzlich laufen die Tage leer, die sonst ungefragt mit vielen zur Routine gewordenen Aufgaben gef\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Und der Mensch, das Gewohnheitstier seiner Alltage<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"> (1) <\/a>, erkennt pl\u00f6tzlich: Ich kann mich ohne weiteres aus dem Korsett des Alltags herauswinden. Wie viel Zeit habe ich pl\u00f6tzlich, wenn ich die Stunden nicht mehr meinen lieb und selbstverst\u00e4ndlich gewordenen Gewohnheiten und Aufgaben opfere? Und es bef\u00e4llt den, der nachdenkt, ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl, das er ebenso f\u00fcr Erschrockensein wie f\u00fcr Staunen halten kann. Der gef\u00fcllte Tagesablauf leert sich ganz pl\u00f6tzlich: Selbstverst\u00e4ndlichkeiten fallen in sich zusammen. Liebgewordene Rollen und Masken, hinter denen sich die Person trefflich verstecken konnte, werden ohne Not abgelegt. Ohne Masken und Rollen, ohne Selbstverst\u00e4ndlichkeiten und Gewohnheiten, das ist \u00e4hnlich wie Nacktheit: Man f\u00fchlt sich am Jahresende pl\u00f6tzlich der Gel\u00e4nder beraubt, die im t\u00e4glichen Trott geholfen haben. Das versetzt einen Menschen schnell in eine gewisse Melancholie, und manchmal f\u00e4ngt er dann an, Fragen nach dem Sinn des Alltags zu stellen. Er denkt dar\u00fcber nach, was er mit seinen Gel\u00e4ndern, Masken und Rollen verloren hat. Er sucht den Weg zur\u00fcck in den Alltag.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 2. Hagelschlag der gro\u00dfen Worte <\/strong><\/p>\n<p>Und er sucht Hilfe bei den Weisheitslehrern und Ratgebern. Finden er kann sie sicher im Johannesevangelium. Die Wahrheit wird euch frei machen, sagt der Weisheitslehrer aus Nazareth. Wahrheit<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"> (2) <\/a> ist ein gro\u00dfes Wort: Es wiegt schwer und es kann leicht mi\u00dfbraucht werden.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe W\u00f6rter st\u00fcrzen am Jahresende oft wie Hagelschlag auf die Menschen ein, aus den papierenen Silvester-Ausgaben der Tageszeitungen, aus den geschw\u00e4tzigen Fernseh-Talkshows (Jahresr\u00fcckblick!), aus den salbungsvollen Politikeransprachen. Das virtuose Jonglieren mit den gro\u00dfen W\u00f6rtern, die symbolische Politik, viel zu reden und wenig zu tun: die Politiker beherrschen das sehr gut, die Journalisten beherrschen das sehr gut, und manche Bisch\u00f6fe beherrschen das auch sehr gut. Allerdings gilt f\u00fcr diese gro\u00dfen Worte: viel Ballaststoffe, wenig N\u00e4hrwert.<\/p>\n<p>Und kein Leser, kein Zuschauer, kein Zuh\u00f6rer kann sich gegen diesen Hagelschlag aus gro\u00dfen W\u00f6rtern wehren. Sie reden alle von der Freiheit. Sie reden alle von der Gerechtigkeit. Sie reden alle von der Verantwortung. Sie reden alle von der Solidarit\u00e4t. Und jeden Leser, jeden Zuh\u00f6rer und jeden Betrachter, der vom Hagelschlag der gro\u00dfen Worte getroffen wird, bringt sich davor in Sicherheit, wenn er das Gef\u00fchl hat, da\u00df ihn nur leere Worth\u00fclsen treffen, die keine n\u00e4hrende, erhellende Substanz enthalten.<\/p>\n<p>Wenn sich nach Weihnachten ein neues Jahr ank\u00fcndigt, dann hat der Hagelschlag aus gro\u00dfen Worten seine Hochsaison. Da biedern sich einige an, die ausnutzen wollen, da\u00df die Menschen ihre zweifelnden Fragen stellen, wenn sie zwischen Weihnachten und Neujahr aus ihren t\u00e4glichen Selbstverst\u00e4ndlichkeiten herausfallen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 3. Wanderung der Wahrheit <\/strong><\/p>\n<p>Mir ist eine Geschichte wichtig geworden, die ich vor \u00fcber zwanzig Jahren zum ersten Mal geh\u00f6rt habe. Ein alter, lebenssatter Theologieprofessor erz\u00e4hlte am Ende seines Vortrags eine rabbinische Geschichte.<\/p>\n<p>\u201eKommt ein Sch\u00fcler zu einem Rabbi. Er fragt den Lehrer: Rabbi, was ist Wahrheit? Und der Rabbi denkt lange nach. Und schlie\u00dflich sagt er: Geh weiter.\u201c<\/p>\n<p>Diese rabbinische Geschichte enth\u00e4lt eine Reihe von \u00fcberraschenden Parallelen zur Geschichte des Lehrers Jesus aus dem Johannesevangelium. Zweimal wird von einem Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt. Zweimal antwortet ein Lehrer auf dr\u00e4ngende, grunds\u00e4tzliche Fragen. Zweimal reden Angeh\u00f6rige des j\u00fcdischen Volkes miteinander. Zweimal scheinen die Gespr\u00e4chspartner nicht die Antworten zu h\u00f6ren, die sie h\u00f6ren wollten. Zweimal geht es um die Wahrheitsfrage.<\/p>\n<p>Liebe Schwestern und Br\u00fcder, ich m\u00f6chte mich gerne einmischen in diese Gespr\u00e4che und auch meine Wahrheitsfragen stellen. Einfache Sch\u00fclerfragen sind das. Wer nach der gro\u00dfen, das Leben bestimmenden Wahrheit fragt, bleibt zeit seines Lebens ein Lernender.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Wort von der Wahrheit wird an den 365 Alltagen eines Jahres in sehr kleiner M\u00fcnze ausgezahlt. Silvester ist ein Tag des Innehaltens, an denen man die kleinen M\u00fcnzen der Wahrheit, die sich \u00fcber das Jahr angesammelt haben, einmal nachz\u00e4hlen kann. So klein k\u00f6nnen die M\u00fcnzen sein, da\u00df jemand die Wahrheit in den t\u00e4glichen Routinen, vom Aufstehen \u00fcber das Arbeiten bis zur Abendschau ganz \u00fcbersieht.<\/p>\n<p>Wo also verbergen sich im Leben eines Jahres und eines Tages die wertvollen M\u00fcnzen der Wahrheit?<\/p>\n<p>Ich skizziere vier Menschentypen, die Antworten geben. Nennen wir sie den Faktensucher, den Gef\u00fchlstrinker, den Wahrheitswanderer und den Glaubenden.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 4. Kult der Wirklichkeit <\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Faktensucher ist die Welt um ihn herum wichtiger als sein Kopf, als sein Denken. Der Faktensucher sagt sich: Die Wahrheit liegt nicht mir in mir selbst, sondern in der Wirklichkeit verborgen. Die Wahrheit ist mir in der Wirklichkeit vorgegeben, die ich erlebe. Die Frage: Was ist Wahrheit? beantwortet der Faktensucher so: Wahrheit liegt f\u00fcr mich in dem, was ich erlebe, in den Fakten. N\u00fcchtern und pragmatisch bem\u00fche ich mich, die Wirklichkeit so wahrzunehmen wie sie ist, auch wenn sie brutal, unangenehm und kaum zu ertragen ist. Was ich n\u00fcchtern wahrnehme, das akzeptiere ich auch so. Mir sind die rosaroten Brillen zuwider, mit denen andere sich Wirklichkeiten sch\u00f6n reden. Aber solche Menschen scheitern dann auch oft an ihren Illusionen.<\/p>\n<p>Ich sehe die Wirklichkeit wie sie ist. Ich sehe sie nicht so, wie ich sie gerne h\u00e4tte. Ich verschlie\u00dfe die Augen nicht vor dem, was mich erschrickt und mir Angst macht. Ich gehe n\u00fcchtern und pragmatisch damit um. Ich halte auch meine Gef\u00fchle im Zaum. Ich nehme alles wahr, was das letzte Jahr diesem Land und mir selbst gebracht hat. Wenig Gutes war dabei, und vieles, was gute Politik verz\u00f6gert hat. Ihm f\u00e4llt der lange Streit um die Gesundheitsreform ein, aber er st\u00f6rt sich nicht daran, da\u00df kein besseres Ergebnis zustande kam. Mehr war eben nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Der Faktensucher kommt gut in der Welt zurecht, aber gleichzeitig macht er sich auch zum Sklaven dieser Wirklichkeit: Er steht in der Gefahr, viel zu willf\u00e4hrig zu akzeptieren, wo er auch gestalten k\u00f6nnte. Der Faktensucher \u00fcbersch\u00e4tzt die Macht der Wirklichkeit.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 5. Kult der Gef\u00fchle <\/strong><\/p>\n<p>Der enthusiastischen Gef\u00fchlstrinker ist das genaue Gegenteil des n\u00fcchternen Faktensuchers. Die Wirklichkeit, das, was er um sich herum erlebt, ist dem Gef\u00fchlstrinker leidlich gleichg\u00fcltig. Ihm ist die Hauptsache, da\u00df er sich gut f\u00fchlt. Er sucht die Ekstase, den Rausch, die gute Stimmung, den Enthusiasmus, und dar\u00fcber kann er alles andere um sich herum vergessen. Wer ihn fragt: Was ist Wahrheit?, der erh\u00e4lt eine klare Antwort: F\u00fcr mich als Gef\u00fchlstrinker liegt die Wahrheit in der Sch\u00f6nheit. Wahrheit, das ist mein eigenes Hochgef\u00fchl, die \u00fcberschw\u00e4ngliche Stimmung. Aber wo der Faktensucher die Wirklichkeit \u00fcbersch\u00e4tzt, da untersch\u00e4tzt sie der Gef\u00fchlstrinker. Seine Stimmung, seine Gef\u00fchle und Gedanken stellt er \u00fcber alles. Und damit untersch\u00e4tzt er alles, was um ihn herum geschieht. Nicht da\u00df er diese Wirklichkeit ignorieren w\u00fcrde, aber er nimmt nur das aus dieser Wirklichkeit wahr, was seiner guten Stimmung dient. Alles andere blendet er gro\u00dfz\u00fcgig aus. Er macht die Wirklichkeit zur Dienerin seines Hochgef\u00fchls. Seine Wahrheit scheitert, weil er diese Wahrheit ganz allein leben will. Denn die Wirklichkeit dient nicht nur unseren Hochgef\u00fchlen.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 6. Weiter gehen <\/strong><\/p>\n<p>Der Wahrheitswanderer schlie\u00dflich zeichnet sich dadurch aus, da\u00df er immer gehend in Bewegung bleibt. Er ist der Sch\u00fcler, der aus der Wahrheitsgeschichte des Rabbi gelernt hat. Er geht weiter. Er versklavt sich in keine von beiden Richtungen: Er mu\u00df nicht immer guter oder gar \u00fcberschw\u00e4nglicher Stimmung sein, und er wei\u00df als Wanderer, da\u00df nach einer steilen Strecke auch wieder ein flaches St\u00fcck kommt. Was ihn vor allem anderen auszeichnet, sind Geduld und Gelassenheit und ein St\u00fcck respektierter, angenommener Unvollkommenheit. Er mu\u00df nicht auf jede Frage eine bis ins letzte befriedigende Antwort haben. Die Frage: Was ist Wahrheit? kann er offen lassen. F\u00fcr ihn ist der Weg das Ziel; er will in Bewegung bleiben, so lange weiter gehen, bis sich ihm diese letzte Frage von selbst beantwortet.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 7. Wahrheit des Glaubens <\/strong><\/p>\n<p>Der letzte Wahrheitssucher, der Glaubende schlie\u00dflich, wei\u00df sich mit dem Wahrheitswanderer verwandt. Auf einer l\u00e4ngeren und m\u00fchsamen Wegstrecke hat er gelernt, da\u00df er die wichtigen Fragen seines Lebens nicht mit der einfachen Vernunft des Berechnens beantworten kann. Und er verkauft sich nicht an die Wirklichkeit, denn das ist ihm zu zynisch. Und er verkauft sich nicht an seine Gef\u00fchle, denn er wei\u00df, wie schnell Enthusiasmus auch wieder verfliegen kann. Genauso wei\u00df er, wie hartn\u00e4ckig Traurigkeit sich im Kopf einnisten kann. Aber er kann geduldig weiter gehen, bis sie wieder verfliegt.<\/p>\n<p>Auch der Glaubende stellt die Wahrheitsfrage. Aber die Wahrheit ist nicht die Wirklichkeit, vor der kapituliert. Und die Wahrheit ist nicht sein Gef\u00fchl, das er profiliert und aufp\u00e4ppelt. Die Wahrheit ist auch nicht der Weg, auf dem er immer weiter geht, ohne nach dem Ziel zu fragen.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist f\u00fcr ihn eine Begegnung. Der Glaubende wei\u00df: Ich werde dem begegnen, der Gott und Mensch zugleich ist. Wie der Wahrheitswanderer ist der Glaubende einer, der sich auf einem langen Lebensweg befindet. Aber er unterscheidet sich vom Wahrheitswanderer darin, da\u00df er einen Begleiter hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Evangelisten Johannes ist Jesus Christus der Begleiter, der lebendige Sohn Gottes. Die Wahrheit ist kein Lehrsatz. Die Wahrheit ist kein Gef\u00fchl. Die Wahrheit ist ein Gegen\u00fcber, ein Mensch und ein Gott zugleich, ein lebendiger Begleiter, der, zu dem der Glaubende betet. Wer ihm glaubt, der h\u00e4lt die eigenen Gef\u00fchle nicht mehr f\u00fcr das Wichtigste. Wer ihm glaubt, der nimmt die Wirklichkeit nicht mehr so v\u00f6llig ernst, da\u00df sie zur alles bestimmenden Macht wird. Wer ihm glaubt, der erkennt den Egoismus der eigenen, kleinen Interessen, das, was die Bibel S\u00fcnde nennt. Der Glaubende jedoch scheitert nicht an dieser S\u00fcnde, sondern er wei\u00df, da\u00df sie sein Wegbegleiter auf sich genommen hat. Der Glaubende wei\u00df: Ich bin schon gerettet, obwohl ich mich noch auf der m\u00fchsamen Wanderung des Lebens befinde.<\/p>\n<p>Der Glaubende erlebt auf seinem Lebensweg dieselbe M\u00fchsal und dasselbe Elend wie alle anderen, die sich auf der Suche nach Wahrheit befinden und nicht glauben. Der Jahresweg des Glaubenden ver\u00e4ndert sich nicht.<\/p>\n<p>Wohl aber ver\u00e4ndert sich die Perspektive, aus der der Glaubende diesen Jahresweg wahrnimmt. Das Ich, die Gef\u00fchle oder die Wirklichkeit sind nicht mehr die Mauern, die ein Leben eingrenzen und die Sicht versperren. Die Mauern werden dem Glaubenden pl\u00f6tzlich durchsichtig, sie werden durchsichtig auf Gott hin.<\/p>\n<p>Und in diesem Durchsichtigwerden liegt die ganze Wahrheit Gottes. Die Wahrheit wird euch frei machen. Das ist die Freiheit, die Jesus Christus uns verspricht: Weder die Wirklichkeit noch unsere Gef\u00fchle, weder das Ich noch die S\u00fcnden beherrschen uns vollst\u00e4ndig. Im Lichte des befreienden Christus wird das alles ein wenig leichter, ein wenig durchsichtiger, ein wenig ertr\u00e4glicher.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> 8. Meditation der Freiheit <\/strong><\/p>\n<p>Ich schaue auf die Wirklichkeit, auf das, was ich t\u00e4glich erlebe. Und ich entdecke nicht mehr nur die Langeweile, das Elend, die Armut. Sondern ich sehe den Gott Jesu Christi, der von der Sch\u00f6pfung bis zur Erl\u00f6sung diese Welt segnend und heilend empf\u00e4ngt. Dieser Gott Jesu Christi l\u00e4\u00dft, bei all seinem Zorn, den wir auch sp\u00fcren, unsere Lebenswege nicht los. Er begleitet uns.<\/p>\n<p>Ich sp\u00fcre, was mich t\u00e4glich an Gef\u00fchlen \u00fcberf\u00e4llt und \u00fcberrascht, meinen \u00c4rger, meine Liebe, meine F\u00fcrsorge, meine Zweifel. Und ich sehe die Menschen, \u00fcber die mich \u00e4rgere, Ich sehe die Menschen, die ich liebe. Ich sehe die Menschen, f\u00fcr die ich sorge. Ich sehe die Menschen, an denen ich zweifle. Und ich entdecke in den Gesichtern all dieser Menschen auch das Gesicht Jesu Christi. Welchem Menschen auch immer ich begegne, Jesus Christus war schon bei ihm und hat auch ihn gerettet.<\/p>\n<p>Ich schaue auf den Weg, den ich t\u00e4glich gehe. Ich sp\u00fcre die Kraft und die M\u00fche, die mir der Weg macht. Ich sehe schon weit voraus, wenn es mir zu steil wird. Und dennoch wei\u00df ich, da\u00df diese Weg, mein eigener Weg, nur ein kleiner Teil des einen gro\u00dfen Weges ist. Dieser Weg f\u00fchrt allein zu dem Ziel, nach dem wir uns sehnen. Wir gehen dem lebendigen Christus entgegen. Wir gehen ihm entgegen, weil er uns l\u00e4ngst entgegengekommen ist.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist kein Lehrsatz.<br \/>\nDie Wahrheit liegt nicht in der Wirklichkeit verborgen.<br \/>\nDie Wahrheit ist auch kein enthusiastisches Gef\u00fchl.<br \/>\nDie Wahrheit ist auch kein Weg ohne Ziel.<\/p>\n<p>Vielmehr ist die Wahrheit eine Begegnung. Sie ist Begegnung mit dem Jesus Christus, der uns in aller Freiheit auf dem Weg zu Gott begleitet. Auf diesem Weg, im alten und im neuen Jahr, erwartet uns der segnende, der rettende, der heilende Gott. Amen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>(1) Zum Projekt einer evangelischen Alltagsethik vgl. Wolfgang V\u00f6gele, Weltgestaltung und Gewissheit, M\u00fcnster 2007.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a>(2) Das sch\u00f6nste, lesenswerteste (und k\u00fcrzeste) Buch \u00fcber Wahrheit seit neuestem: George Steiner, Warum Denken traurig macht, Frankfurt\/M. 2006.<\/p>\n<div class=\"Stil1\" dir=\"ltr\" align=\"left\">\n<hr \/>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">PD Dr. Wolfgang V\u00f6gele<\/span><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">Christuskirche &#8211; Nordpfarramt<\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong> <span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">Riefstahlstr.2<\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">76133 Karlsruhe<\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">0721 843622 (d)<\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">0721 842219 (p)<\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\">0721 842368 (fax)<\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><a href=\"mailto:wolfgang.voegele@aktivanet.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wolfgang.voegele@aktivanet.de<\/a><\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christuskirche_(Karlsruhe)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christuskirche_(Karlsruhe<\/a>)<\/span><\/strong><\/div>\n<div dir=\"ltr\" align=\"left\"><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: small;\"><a href=\"http:\/\/www.christuskirche-karlsruhe.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.Christuskirche-Karlsruhe.de<\/a><\/span><\/strong><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Altjahresabend (Silvester) | 31. Dezember 2006 | Johannes 8, 31-36 | Wolfgang V\u00f6gele |\u00a0 \u201eDa sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine J\u00fcnger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. 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