{"id":11651,"date":"2021-02-07T19:48:51","date_gmt":"2021-02-07T19:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11651"},"modified":"2023-03-09T15:05:30","modified_gmt":"2023-03-09T14:05:30","slug":"johannes-12-44-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-12-44-50\/","title":{"rendered":"Johannes 12, 44-50"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach dem Christfest, 31. Dezember 2006<br \/>\nPredigt zu Johannes 12, 44-50, verfa\u00dft von Frank Fuchs <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><em>44 Jesus aber rief: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat.<br \/>\n45 Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.<br \/>\n46 Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.<br \/>\n47 Und wer meine Worte h\u00f6rt und bewahrt sie nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.<br \/>\n48 Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht an, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am J\u00fcngsten Tage.<br \/>\n49 Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll.<br \/>\n50 Und ich wei\u00df: sein Gebot ist das ewige Leben. Darum: was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.<br \/>\n<\/em> Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>An diesem Tag des Jahres blicken wir zur\u00fcck auf das vergangene Jahr. Nur noch wenige Stunden bleiben uns im Jahr 2006. Jeder kann heute seine ganz pers\u00f6nliche Bilanz f\u00fcr dieses Jahr ziehen. In den letzten Tagen des Jahres wurden viele Jahresr\u00fcckblicke im Fernsehen ausgestrahlt. In solchen R\u00fcckblicken wird nicht nur der Jahresh\u00f6hepunkt, die Fu\u00dfball WM im eigenen Land erw\u00e4hnt, sondern auch schlimme Ereignisse und Katastrophen gezeigt. Positive Meldungen k\u00f6nnen dann zur\u00fccktreten. Nat\u00fcrlich ber\u00fchren uns die schlimmen Ereignisse besonders. Deshalb ist es auch verst\u00e4ndlich, dass sie noch einmal erw\u00e4hnt werden. Es kann aber leicht der Eindruck h\u00e4ngen bleiben, dass es wieder kein allzu gutes Jahr war.<\/p>\n<p>Wer in den letzten Tagen des Jahres gern Radio h\u00f6rt, erlebt etwas anderes. Egal ob wir FFH, HR 1, HR 3 oder HR 4 h\u00f6ren, ob englische oder deutsche Lieder gespielt werden. In den meisten Liedern geht es um Liebe. Vor allem die Weihnachtspop- und Schlagermusik ist voll davon. W\u00e4hrend schlimme Ereignisse eher in Wort und Bild festgehalten werden und sich so einpr\u00e4gen, treibt die Liebe anscheinend eher zur Darstellung in harmonischen Kl\u00e4ngen an.<\/p>\n<p>Sicherlich ist die Wahrnehmung \u00fcber Bilder st\u00e4rker. Doch es zeigt sich, dass das H\u00f6ren genauso wichtig ist. Um das H\u00f6ren geht es auch in unserem Predigttext. Jesus verschafft sich Geh\u00f6r. Der Predigttext findet seinen Platz in der ausgehenden Weihnachtszeit, weil Jesus davon spricht, dass er in die Welt gekommen ist als ein Licht, damit die Menschen nicht in der Finsternis bleiben. An Weihnachten haben wir gefeiert, dass sich mit dem Kind in der Krippe etwas Besonderes ereignet hat, das in dem Licht besteht, das die Finsternis nicht mehr so finster erscheinen l\u00e4sst. Worin besteht dieses Licht? Der Predigttext setzt die Botschaft von Weihnachten fort. Das Licht besteht in dem Gebot, das Jesus von seinem Vater empfangen hat. Das Gebot des Vaters erf\u00fcllt er, indem er darin redet und handelt. Jesus wurde deshalb vom Vater gesandt, damit er dieses Gebot in die Welt bringt. Er zeigt uns zwar dieses Gebot, aber es ist dennoch schwer danach zu leben.<\/p>\n<p>Wie schwer das f\u00fcr die Menschen ist, darum geht es im Roman \u201eSimplicius Simplicissimus\u201c von Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen. Er erz\u00e4hlt die abenteuerliche Geschichte ebenjenes Simplicius. Simplicius hei\u00dft \u00fcbersetzt der Einf\u00e4ltige und so bel\u00e4chelt er auch selbst seine naive Sicht der Dinge. Als zehnj\u00e4hriger Knabe erlebt er in der Zeit des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges einen \u00dcberfall auf den elterlichen Bauernhof im Spessart und flieht in den Wald, wo er Aufnahme bei einem alten Eremiten findet. Bei ihm lebt er zwei Jahre und wird gem\u00e4\u00df der christlichen Lehre erzogen. Hier lernt er die 10 Gebote und das Gebot der N\u00e4chstenliebe kennen und \u00fcbernimmt sie als Richtschnur f\u00fcr sein Leben. Als der Eremit stirbt, kommt er nach Hanau und wird Haushaltshilfe im Haus des Stadtkommandanten. Weil er in seiner Unschuld jedem die Wahrheit ohne Scheu sagt und die Verh\u00e4ltnisse an den erlernten Geboten misst, wird er mit einem Kalbsfell gekleidet und zum Narren erkoren.<\/p>\n<p>In der Welt muss er erkennen, dass die Menschen nicht nach Gottes Geboten leben. Vielmehr machen sie sich selbst G\u00f6tter wie fr\u00fcher das Volk Israel in der W\u00fcste, das von Gott abfiel und G\u00f6tzen anbetete. Eigentlich sind die Gebote Gottes daf\u00fcr gedacht, dass sie gelebt werden. Die zehn Gebote wurden erteilt, damit das Volk zu Gott zur\u00fcckkehrt, sodass es nicht in der W\u00fcste verbleibt, sondern seinen Weg ins gelobte Land findet.<\/p>\n<p>Nach Simplicius w\u00e4ren die zehn Gebote eigentlich gar nicht n\u00f6tig, weil jeder, der den wahren Gott erkannt hat, ihn auch ehren und anbeten m\u00fcsste. Aber er muss einsehen, wie naiv sein Denken ist. Als er vom Eremitenleben in die Welt zur\u00fcckkehrt, erkennt er:<br \/>\n\u201eAber ach! ich Narr wu\u00dfte nicht was ich gedachte, denn sobald ich in die Welt kam, vermerkte ich, da\u00df (dies Gebot ohnangesehen) beinahe jeder Weltmensch einen besondern Nebengott hatte \u2026\u201c (1. Buch, 24. Kapitel)<\/p>\n<p>Wenn die Gebote nicht eingehalten werden, dann wird aber auch nicht mehr Gott geehrt. Deshalb stellt Simplicius weiter fest:<br \/>\n\u201e\u2026 so sehr wurde hingegen die wahre g\u00f6ttliche Majest\u00e4t verachtet, denn gleichwie ich niemand sah, der sein Wort und Gebot zu halten begehrte, also sah ich hingegen viel, die ihm in allem widerstrebten, und die Z\u00f6llner (welche zu den Zeiten, als Christus noch auf Erden wandelt&#8216;, offene S\u00fcnder waren) mit Bosheit \u00fcbertrafen. Christus spricht: &#8222;Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen die euch hassen, bittet f\u00fcr die so euch beleidigen und verfolgen, auf da\u00df ihr Kinder seid euers Vaters im Himmel; denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr f\u00fcr Lohn haben? tun solches nicht auch die Z\u00f6llner? und so ihr euch nur zu euren Br\u00fcdern freundlich tut, was tut ihr Sonderliches? tun nicht die Z\u00f6llner auch also?&#8220; Aber ich fand nicht allein niemand, der diesem Befehl Christi nachzukommen begehrte, sondern jedermann tat gerad das Widerspiel, es hie\u00df, viel Schw\u00e4ger, viel Knebelspie\u00df&#8216; [sprichw\u00f6rtlich: Feinde], und nirgends fand sich mehr Neid, Ha\u00df, Mi\u00dfgunst, Hader und Zank als zwischen Br\u00fcdern, Schwestern und andern angebornen Freunden, sonderlich wenn ihnen ein Erb zuteilen zugefallen war;\u201c (1. Buch, 25. Kapitel)<\/p>\n<p>Simplicius h\u00e4lt in seiner einf\u00e4ltigen Art den Menschen seiner Zeit und auch uns den Spiegel vor. Er sieht, dass Gottes Gebote missachtet werden. Lieber machen sich die Menschen ihre eigenen G\u00f6tter. Vor allem in Familien sieht er viel Zwietracht, Hass, Missgunst und Streit.<\/p>\n<p>Gerade haben wir Weihnachten als Fest der Familie hinter uns gebracht. In vielen Familien gab es nicht nur Harmonie und Freude, sondern auch Zwietracht und Streit. Aus Streit kann Schlimmeres entstehen. Seinen traurigen Ausdruck fand das an Heiligabend in Erfurt, als eine Mutter ihr f\u00fcnfj\u00e4hriges Kind umgebracht hat. Der T\u00f6tung des Kindes war, wie die Polizei ermittelt hat, Streit zwischen den Eltern vorausgegangen. Und Streit in Familien ist wirklich nichts Seltenes.<\/p>\n<p>Wenn wir einsehen, wie schwer es ist, nach Gottes Geboten zu leben, zeigt das nur, wie sehr wir sie n\u00f6tig h\u00e4tten. Wie wertvoll und wichtig Gebote sind, das l\u00e4sst sich vor allem in der Erziehung erkennen. Gebote sind nicht dazu da, dass Menschen Macht \u00fcber andere Menschen haben. Vielmehr erm\u00f6glichen sie erst das Zusammenleben zwischen den Generationen. Kinder sollen sich an Regeln halten und genauso m\u00fcssen sich auch Eltern an Regeln halten. Wenn das Zusammenleben zwischen den Generationen so schwierig geworden ist, dass das Zusammenleben kaum noch funktioniert und Kinder und Jugendliche als schwer erziehbar gelten, dann ist erst recht die Einhaltung von Regeln und Geboten entscheidend. Sozialarbeiter haben dann die Aufgabe, den Sinn der Einhaltung von Regeln und Geboten auf Seiten der Kinder und der Eltern deutlich zu machen. Wer das in jungen Jahren einsieht, wird sp\u00e4ter seinen Platz in der Gesellschaft finden und zufriedener leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Gott versucht sich Geh\u00f6r zu verschaffen, genauso wie es auch Eltern gegen\u00fcber ihren Kindern bei der Erziehung tun m\u00fcssen. Mit dem Kommen von Jesus Christus erneuert Gott sein Gebot. <em>Der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll. <\/em>Und Jesus sagt an anderer Stelle: <em>Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. <\/em>(Joh 15,12) In diesem Gebot ist das Wesentliche des Christentums gesagt. Es wird von Jesus in unserem Predigttext fortgesetzt. <em>Und ich wei\u00df: sein Gebot ist das ewige Leben. <\/em>Dieses Gebot gilt nicht nur in diesem Leben, sondern gilt vor Gott f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>Wie gut ginge es uns Menschen im neuen Jahr, wenn wir es uns ganz zu Eigen machen k\u00f6nnten? Der einfache Simplicius hat uns den Spiegel vorgehalten. Wir Menschen machen uns gern unsere eigenen G\u00f6tter. Es w\u00e4re heilsam, wenn uns das Gebot Gottes durch das neue Jahr begleiten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In wenigen Stunden geht das Jahr 2006 zu Ende. Jeder kann in den letzten Stunden das Jahr noch einmal Revue passieren lassen und ganz pers\u00f6nlich Bilanz ziehen. Ein neues Jahr f\u00e4ngt an. Es gab manche Dinge, die gut liefen und manche, die schlecht waren. Bei einem Jahresr\u00fcckblick im Fernsehen bleiben leicht die negativen Ereignisse h\u00e4ngen. Wenn wir aber Radio h\u00f6ren, dann f\u00e4llt auf, dass sich die Liebe eher in Liedern zum Ausdruck bringen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Mit seinem Gebot zeigt uns Gott seine Liebe. Mit der Erf\u00fcllung seines Gebots sollten wir darauf antworten. Die Lieder, die wir im Gottesdienst singen, handeln von der Erf\u00fcllung seines Gebots. Wenn wir diese Lieder singen, antworten wir damit auch auf seine Liebe. Lassen Sie uns im neuen Jahr diese Lieder manchmal mitsummen. Dann geht vieles leichter.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.<\/p>\n<p>Lied nach der Predigt:<\/p>\n<p>So jemand spricht, EG 412,1-4<\/p>\n<p><strong> Pfarrer Dr. Frank Fuchs<br \/>\n<\/strong><strong>Fahrstra\u00dfe 43<br \/>\n<\/strong><strong>64832 Babenhausen<br \/>\n<\/strong><a href=\"mailto:Pfarrer.Babenhausen.Harreshausen@t-online.de\"><strong>Pfarrer.Babenhausen.Harreshausen@t-online.de<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach dem Christfest, 31. 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