{"id":11655,"date":"2021-02-07T19:48:50","date_gmt":"2021-02-07T19:48:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11655"},"modified":"2023-03-09T23:19:48","modified_gmt":"2023-03-09T22:19:48","slug":"jesaja-4318-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-4318-19\/","title":{"rendered":"Jesaja 43,18-19"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Neujahrstag, 1. Januar 2007<br \/>\nZur Jahreslosung 2007 (Jesaja 43,18-19), verfa\u00dft von Ulrich Nembach <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Die Losung f\u00fcr das Jahr 2007:<br \/>\n\u201eGott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen: jetzt w\u00e4chst es auf,<br \/>\nerkennt ihr\u00b4s denn nicht?\u201c<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwir feierten das neue Jahr heute Nacht, und, wenn wir nicht feierten, so wurden wir mitgefeiert. Das Feiern der Anderen, die Raketen und B\u00f6ller waren nicht zu \u00fcberh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Vor einer Woche feierten wir Weihnachten. Wir feierten dieses Fest ganz anders \u2013 jedenfalls wir in Deutschland. Wir feierten m\u00f6glichst in der Familie. Weite Reisen nahmen wir daf\u00fcr in Kauf, Staus auf den Stra\u00dfen, \u00fcberf\u00fcllte Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Warum feiern wir gleich zweimal in einer Woche? Zwei Feiern, ist das nicht etwas viel \u2013 und nicht nur f\u00fcr die K\u00f6chinnen und K\u00f6che? Zwei Feiern, die zudem ganz unterschiedlich sind &#8211; mindestens in Deutschland.<\/p>\n<p>Einmal feiern wir die Geburt eines Kindes und beim zweiten Mal das neue Jahr. Wir haben das Kind und das neue Jahr begr\u00fc\u00dft. Das neue Jahr hei\u00dfen wir willkommen mit dem Zuruf an Nachbarn, Freunde: Ein gutes neues Jahr! Alles Gute zum neuen Jahr!<\/p>\n<p>1. Liegt hier der Schl\u00fcssel f\u00fcr das Feiern? Das neue Jahr soll gut werden, besser als das alte, nun zu Ende gegangene. Den Wunsch, \u201eAlles Gute zum neuen Jahr\u201c h\u00f6rt der im alten Jahr sitzen gebliebene Sch\u00fcler, h\u00f6rt der arbeitslos gewordene Mann, die an Brustkrebs erkrankte Frau. Den Wunsch h\u00f6rt der Million\u00e4r, der nach dem f\u00fcr ihn guten Jahr 2006 auf ein noch besseres Jahr 2007 hofft. Die Hoffnung ist gro\u00df, gewaltig. Das Internet bringt es an den Tag. Der Wunsch \u201eAlles Gute zum neuen Jahr\u201c wird von www.google.de 1.990.000 mal in nur 0,25 Sek. nachgewiesen. Der Wunsch in Englisch formuliert \u201eHappy New Year\u201c wird von www.google.de gar 155.000.000mal in nur 0,05 Sek. gefunden.<\/p>\n<p>Das Neue steht daf\u00fcr: es wird alles gut, wenigstens besser. Das neue Jahr soll\u00b4s, m\u00f6ge es bringen. Darin liegt eine Erkenntnis. Sie ist alt, denn wir feiern alle Jahre wieder; ob wir 10 Jahre, 20, 30 oder 70 Jahre alt sind, wir feiern. Die Erkenntnis besteht darin, dass wir erkannt haben und immer wieder im Laufe eines Jahres erkennen m\u00fcssen, dass wir Grenzen haben. Wir k\u00f6nnen nicht in einen Laden gehen und uns das Besser-Ergehen kaufen. Auch der Million\u00e4r kann das nicht. Herr Shaban machte 2006 ein gl\u00e4nzendes Gesch\u00e4ft, als er ProSieben\/SAT1 verkaufte. Selbst er konnte das Gesch\u00e4ft nicht allein machen. Es h\u00e4tte scheitern k\u00f6nnen wie vorher bei seinen Bem\u00fchungen, die Sender an den Springer-Verlag zu verkaufen.<\/p>\n<p>Die Erkenntnis von unseren Grenzen ist nicht neu. Sie veranlasste schon Berthold Brecht in seiner \u201eDreigroschenoper\u201c zu dichten:<br \/>\nJa, mach nur einen Plan.<br \/>\nSei nur ein gro\u00dfes Licht!<br \/>\nUnd mach\u00b4 dann noch `nen zweiten Plan,<br \/>\nGeh\u00b4n tun sie beide nicht.\u201c<\/p>\n<p>Die Worte zeigen, dass Berthold Brecht pessimistisch ist. Das wird noch deutlicher, wenn man das ganze Lied liest, aus dem das Zitat stammt. Dort hei\u00dft es: Der Mensch packt`s nicht, weil er nicht schlau genug ist, weil er nicht schlecht genug ist, weil er nicht anspruchslos genug ist.<\/p>\n<p>Dieser Pessimismus ist eigentlich nicht zu \u00fcberbieten. Brecht wei\u00df das nat\u00fcrlich auch und versucht deshalb, aus dieser Situation herauszukommen. Die Dreigroschenoper hat ein gutes Ende. Der drohende Tod wird in letzter Minute abgewendet. Aus dem Hut zaubert Brecht einen reitenden Boten, der die gl\u00fcckliche Wende herbeif\u00fchrt. Dass das ein Trick ist, wei\u00df Brecht auch. Mit einem Trick \u2013 ich k\u00f6nnte auch sagen: mit so einem Gag \u2013 k\u00f6nnen wir uns nicht zufrieden geben, schon gar nicht an einem Neujahrstag. Martin Luther war da konsequenter. Er stellt ohne jedes Wenn und Aber fest:<br \/>\n\u201eMit unsrer Macht ist nichts getan\u201c.<\/p>\n<p>Mit diesen Worten beginnt Luther den zweiten Vers seines Liedes \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c. Das Lied ist eine Nachdichtung von Ps. 46. Dieser Psalm beginnt mit den Worten: \u201eGott ist unsre Zuversicht und St\u00e4rke\u201c. Luther kann das sagen, weil wir von Weihnachten herkommen. Was Weihnachten bedeutet, vergessen wir oft. Hier kann uns der Neujahrtag helfen.<\/p>\n<p>2. Wir feierten das neue Jahr oder wurden gefeiert. Wir w\u00fcnschten uns \u201eAlles Gute zum neuen Jahr\u201c. Damit geht, wie gesagt, das Eingest\u00e4ndnis unserer Schw\u00e4che einher.<br \/>\nDas sieht auch Gott so. Israel, das ganze Volk, war zur Zeit des Propheten Jesaja in einer hoffnungslosen Lage; manche leben als Gefangene fern von Jerusalem in Babel; andere, die in Jerusalem bleiben durften, f\u00fchren dort ein karges Leben. Da verk\u00fcndet der Prophet Jesaja Heil. Gott will Neues schaffen. Wir lesen in Jes. 43,19a \u2013 es ist die Jahreslosung, zugleich unser Predigttext:<\/p>\n<p>\u201eGott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen: jetzt w\u00e4chst es auf,<br \/>\nerkennt ihr\u00b4s denn nicht?\u201c<\/p>\n<p>Gott will, ja schafft bereits Neues. Das Neue ist der Kontrast zum Alten. \u201eGedenkt nicht an das Fr\u00fchere und achtet nicht auf das Vorherige!\u201c sagt Gott im Vers davor. Vergesst das Alte! Schaut nicht zur\u00fcck! Blickt nach vorn! Da ist das Neue.<\/p>\n<p>Und das Neue ist neu im vollen Sinn des Wortes. In der zweiten H\u00e4lfte von Vers 19 f\u00e4hrt Gott in seiner Rede fort: \u201eIch mache einen Weg in der W\u00fcste und Wasserstr\u00f6me in der Ein\u00f6de.\u201c Wasser in der W\u00fcste! Wir wissen, was das hei\u00dft von unseren Entwicklungshilfeprogrammen. Wir hier in G\u00f6ttingen haben in einer kleinen Gruppe uns zusammengeschlossen, um Brunnen in Mali zu bauen. Mali, im Nordwesten Afrikas, hat Feuchtsavannen im S\u00fcden, Trockengebiete und W\u00fcsten im Norden. Dort f\u00e4llt oft jahrelang kein Regen. Was bedeuten dort Brunnen?! Wir G\u00f6ttinger k\u00f6nnen nicht allein die Brunnen bauen. Wir arbeiten zusammen mit franz\u00f6sischen Freunden. Geld wurde und wird gesammelt. Das ist m\u00fchsam und dauert. Firmen wurden gesucht, die Brunnen bauen k\u00f6nnen, dort bauen k\u00f6nnen. Eine wurde ausgew\u00e4hlt, die gut und nicht zu teuer ist. Im Januar sollen die Vertr\u00e4ge unterschreiben werden. Dann sollen die Arbeiten beginnen. Das ist etwas Neues f\u00fcr die Menschen dort in Mali und f\u00fcr uns hier im neuen Jahr. Das Neue Gottes sind Wasser s t r \u00f6 m e!<\/p>\n<p>3. Wir brauchen das Neue. Gott sieht das auch so. Er handelt entsprechend. Der Prophet sagt es. Das Wort des Propheten wird uns das ganze Jahr 2007 begleiten wie das Wasser der neuen Brunnen Menschen in Mali.<\/p>\n<p>Dies gilt es allerdings zu erkennen. Das Wasser der neuen Brunnen wird f\u00fcr Menschen in Mali in ein paar Jahren Alltag sein. Vielleicht ist es schon Ende dieses Jahres Alltag. Wir kommen von Weihnachten. Eine Woche ist es erst her und liegt doch schon hinter uns. Weihnachten ist das schlechthin Neue: Gott schickt seinen Sohn zu uns! Wir leben weiter. Gott handelt anders bei dem Neuen, dem sensationellen Neuen. Sein Sohn kommt als Kind zu <em>armen <\/em>Leuten. Sp\u00e4ter kommen dann noch 3 Weise, nur 3 an der Zahl. Heute, in diesem Sommer wird Pr\u00e4sident Busch zum G8-Gipfel mit 1.000 Personen nach Deutschland kommen.<\/p>\n<p>Gott wei\u00df, dass wir Neues brauchen und handelt, schafft es auch mit dem Kommen eines Kindes zu armen Leuten, d.h. ohne gro\u00dfes Gefolge. Das Wort \u201eSchaffen\u201c meint im Deutschen \u201etun\u201c und \u201eein Werk erfolgreich ausf\u00fchren\u201c. Das Neue Gottes ist oft schwer zu erkennen. \u201eErkennt ihr\u00b4s denn nicht?\u201c, fragt Gott. Damals in Bethlehem kamen nur Hirten. Der gro\u00dfe Rest blieb zu Hause. Das Wasser der Brunnen wird Alltag werden.<\/p>\n<p>Unserem Predigttext, der Jahreslosung, folgende Verse berichten davon, besonders V. 22. Dort sagt Gott zum Volk: \u201eNicht, dass du mich gerufen h\u00e4ttest, Jakob \u2013 gemeint ist Israel, das Volk \u2013 oder dass du dich um mich bem\u00fcht h\u00e4ttest, Israel.\u201c<br \/>\nBerthold Brecht sieht immerhin das Problem der Menschen, aber fragt nicht einmal nach einem neuen Weg. Er zieht sich mit einem Gag aus der Situation.<\/p>\n<p>Schluss: Darum m\u00f6gen uns die Worte der Jahreslosung aus Jes. 43,19a durch das Jahr begleiten, uns lehren, das Neue Gottes zu sehen. Bildung ist auch in der Kirche notwendig. Wir m\u00fcssen erkennen, dass Gott sagt:<br \/>\n\u201eIch will ein Neues schaffen: jetzt w\u00e4chst es auf.\u201c<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de\">ulrich.nembach@theologie.uni-goettingen.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neujahrstag, 1. Januar 2007 Zur Jahreslosung 2007 (Jesaja 43,18-19), verfa\u00dft von Ulrich Nembach Die Losung f\u00fcr das Jahr 2007: \u201eGott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen: jetzt w\u00e4chst es auf, erkennt ihr\u00b4s denn nicht?\u201c Liebe Gemeinde, wir feierten das neue Jahr heute Nacht, und, wenn wir nicht feierten, so wurden wir mitgefeiert. 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