{"id":11663,"date":"2021-02-07T19:48:50","date_gmt":"2021-02-07T19:48:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11663"},"modified":"2023-03-09T23:15:11","modified_gmt":"2023-03-09T22:15:11","slug":"jesaja-60-1-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-60-1-6\/","title":{"rendered":"Jesaja 60, 1-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><strong>Epiphanias, 6. Januar 2007 <\/strong><\/h3>\n<h3><strong>Predigt zu Jesaja 60, 1-6, <\/strong><\/h3>\n<h3><strong>verfa\u00dft von Traugott Koch<\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<p>Der Abschnitt aus dem prophetischen Teil des Alten Testaments, der dieser Predigt zugrunde liegt, steht in einem der letzten Kapitel des Buches Jesaja, im Kapitel 60, in den Versen 1 bis 6 und lautet:<\/p>\n<p><em>\u201eMache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf \u00fcber dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die V\u00f6lker; aber \u00fcber dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint \u00fcber dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln und die K\u00f6nige im Glanz, der \u00fcber dir aufgeht. Hebe deine Augen auf und siehe umher: diese alle versammelt kommen zu dir. Deine S\u00f6hne werden von ferne kommen und deine T\u00f6chter auf dem Arme hergetragen werden. Dann wirst du dein Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehrt und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verk\u00fcndigen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Soweit die Rede aus dem Buch Jesaja. Gott gebe uns zum Reden und H\u00f6ren und zum Verstehen seinen Geist. Amen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Vision, liebe Gemeinde! Welch eine gro\u00dfartige Schau in die Zukunft wird uns da aufgetan in einem der letzten Kapitel des Buches Jesaja. Angesprochen sind \u201edie in Zion\u201c (Jes. 59, 20): die Einwohner in Jerusalem, der Hauptstadt der Juden, mit ihrem Tempel, dem Wohnsitz Gottes. Ihnen, der \u201eTochter Zion\u201c wird zugerufen: \u201eMache dich auf, werde licht! denn dein Licht kommt\u201c, dein Licht ist schon im Kommen. &#8211; Und nun wird die ganze gro\u00dfe Schau in die Zukunft entfaltet. Aufgezeigt wird zun\u00e4chst, was ist: Finsternis bedeckt die Erde, Dunkel lagert \u00fcber den V\u00f6lkern. Und dann wird vorausgesagt: \u201eaber \u00fcber dir\u201c, Zion, \u00fcber dir Jerusalem, zeigt sich Gott, \u201egeht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint \u00fcber dir.\u201c Wenn das geschieht, wenn Gott aufgeht \u00fcber Jerusalem wie eine unverg\u00e4ngliche Morgensonne, wenn \u201edein Licht kommt\u201c, dann werden die Heiden, die V\u00f6lker der Welt, in deinem Licht wandeln. Die V\u00f6lkermenge am Meer wird sich \u201ezu dir bekehren und die Macht der Heiden zu dir kommen.\u201c Die kommen, das werden so viele sein, da\u00df deren Kamele das ganze Land um Jerusalem herum bedecken werden. Aus fernen L\u00e4ndern werden sie sich auf den Weg machen, aus Midian und Epha und aus Saba. Sie werden kommen, Gold und Weihrauch mitbringen und Gottes Lob \u201everk\u00fcndigen\u201c. Und die versprengten Israeliten, die zu Jerusalem geh\u00f6ren, werden heimkommen: die S\u00f6hne werden die T\u00f6chter \u2018auf dem Arme tragen\u2018. Und bei dir, bei denen in Jerusalem, wird die reine Lust ausbrechen.<\/p>\n<p>Fragen wir: Was wird das f\u00fcr ein Licht sein, das von Jerusalem ausgeht und alle V\u00f6lker erleuchten wird? Nun, es wird das Licht sein, das vom Tempel in Jerusalem ausgeht und alle Welt erleuchten wird, indem es alle Finsternis vertreiben wird. Und das wird Gottes Weisung sein, sein unwandelbarer Wille, so wie er ihn in seinen Geboten, in seinen Vorschriften, in seinem Gesetz kundgetan hat.<\/p>\n<p>Noch einmal: Welch eine grandiose, gro\u00dfartige Schau! Die ganze Welt wird von Gott durchdrungen, alle V\u00f6lker und Menschen werden von Gott bestimmt sein. Da wird keine Finsternis mehr sein, keine Dunkelheit und kein Nichtwissen. Stellen wir uns vor: Um keinen, um keine von uns, wird es je dunkel, nie wird es sein, da\u00df ein Mensch nicht mehr weiter wei\u00df. Erleuchtet werden alle sein. Licht wird sein, hell strahlendes, w\u00e4rmendes Licht.<\/p>\n<p>Ach, liebe Gemeinde, wir alle kennen solche Sehnsucht nach unverg\u00e4nglichem und darum gerade in bitterster Not scheinendem Licht. Wir kennen die Sehnsucht nach dem Licht, das alle Finsternis vertreibt &#8211; die des eigenen Herzens vorweg. Der franz\u00f6sisch schreibende Schriftsteller, Philippe Jaccottet, hat ein ganzes Buch geschrieben \u00fcber den Traum von einem anderen Zustand: einem Leben immerw\u00e4hrender F\u00fclle, W\u00e4rme und Helligkeit der ersten Stunde, wie einer reinen Geburt &#8211; und warum uns das nur auszusprechen, nicht m\u00f6glich ist. Und hierzulande bei uns: In den zur\u00fcckliegenden Wochen um Weihnachten, wieviel Lichter, Kerzen wurden angez\u00fcndet, wieviel Gl\u00fchbirnen eingeschaltet, nur damit Licht sei, und es nicht so total finster ist.<\/p>\n<p>Die Christen, seit es das Christentum gibt, seit 2000 Jahren, haben gesagt: Gott ist gekommen, er ist da. Das Licht, das alle Finsternis vertreibt, scheint in der Welt, hell und klar. \u201eWas der alten V\u00e4ter Schar h\u00f6chster Wunsch und Sehnen war und was sie geprophezeit, ist erfl\u00fcllt in Herrlichkeit.\u201c (EG 12,2) Es sind ja auch die \u201eK\u00f6nige aus Saba\u201c (Ps. 72, 10) gekommen, haben \u201eGold und Weihrauch\u201c und Myrrhe mitgebracht und das Kind in der Krippe angebetet (Matth. 2, 11). Die Kirche feiert seit alters das Dreik\u00f6nigsfest.<\/p>\n<p>Aber die prophetische Schau im Jesajabuch ist christlich sehr viel anders in Erf\u00fcllung gegangen, als im vorgelesenen Text des Buches Jesaja steht. Weltweit herrscht nicht Gottes Wille, Gottes Weisung oder Gebot &#8211; und auch bei uns nicht einfach so. Noch immer \u201ebedeckt\u201c Finsternis den Erdkreis \u201eund Dunkel die V\u00f6lker.\u201c Auch wenn \u201eGott in tiefer Nacht erschienen\u201c ist, \u201ekann unsre Nacht\u201c sehr \u201etraurig sein\u201c. Anderes zu behaupten, ist einfach nicht wahr. Vielmehr: Jesus ist anders aufgetreten und \u00f6ffentlich erschienen, als im Alten Testament vorausgesagt. Er ist aufgetreten als einer, der um die Menschen geworben hat, der sie selbst gewinnen wollte f\u00fcr das Reich Gottes: f\u00fcr eine Gemeinschaft miteinander vers\u00f6hnter und mit Gott einiger Menschen. Menschen wollte er erwecken f\u00fcr eine Gemeinschaft von Menschen, die Liebe oder Achtung haben noch den Anderen gegen\u00fcber, die \u201eFeinde\u201c sind deren Verhalten sie nicht akzeptieren. Menschen suchte er f\u00fcr das Reich Gottes, die wahr sind und Wahrheit reden, deren Worte \u201eJa, ja und Nein, nein\u201c sind und nichts dazwischen oder dar\u00fcber hinweg. &#8211; Und dieser Jesus wurde hingerichtet. Qualvoll starb er am Kreuz.<\/p>\n<p>Und folglich ist die einzige Frage, die wirklich interessiert: Ist denn kein Licht in der Welt? Sage niemand, es g\u00e4be einen Menschen, den diese Frage nicht interessiert. Wer Christ ist, der ist \u00fcberzeugt: Und doch, und doch ist Licht! Trotz allem Tr\u00fcben, Dunklen, allem Lug und Trug entgegen, trotz Mord und Todschlag &#8211; ist ein Licht. Ja, es ist nicht irgendwo ein Lichtlein, ab und an aufflammend. Es ist kein unbestimmtes Licht: unklar, wo es ist, wo es zu finden ist. Sondern das Licht, das hell macht, uns und unser Leben vorweg hell macht, das uns auch die Anderen sehen l\u00e4\u00dft und auch die ganze Natur in ihrem Licht: dies alles erhellende, aufschlie\u00dfende Licht hat einen Namen und eine Geschichte, ist eine Person &#8211; und ist Jesus von Nazareth. Und so kann man das Licht kennen, dauerhaft kennen und immer wieder aus dem Dunklen zu ihm zur\u00fcckkommen. Jesus ist n\u00e4mlich nicht untergegangen. Er hat den Tod bestanden. Er hat in seinem Sterben, in seinem Tod durchgehalten eine unbedingte, nicht aufgebende Liebe, auch noch zu seinen Feinden. So hat er Gottes unendliche Liebe bewiesen. Und so ist er Christus. So ist er Gottes Licht in der Welt. Christen erkennt man daran, da\u00df sie \u00fcberzeugt sind: Es ist ein Licht in der Welt, das verb\u00fcrgt, da\u00df nicht alles stockdunkel und zur Nacht des Todes bestimmt ist. Es ist ein Licht, an das man sich halten kann, an dem man sich ausrichten kann in allem, was im Leben geschieht, im Leben und im Sterben, und selbst wenn es dunkel um einen wird. Christen sind \u00fcberzeugt, da\u00df selbst noch im Tod ein Licht ist.<\/p>\n<p>Wo und wie ist das Licht zu sehen? Jesus hat zu denen gesagt, die ihm zuh\u00f6rten: \u201eIhr seid das Licht der Welt\u201c (Matth. 5, 14), ihr alle, wir alle. Es ist auch zu uns gesagt: Ihr, du und ich und wir alle, ihr seid das Licht der Welt. Und wir sind es, jeder an seinem Ort, jede an ihrem Ort, wenn wir Zeugen der Wahrheit sind, da\u00df Licht ist, unverg\u00e4ngliches Licht, auch wo Finsternis in uns und um uns ist. \u201eTragt in die Welt nun\u201c dieses \u201eLicht\u201c, jeder an seinem, jede an ihrem Ort Ja, tragt es, tragen wir es, zu allen, denen wir begegnen. Und f\u00f6rdern wir alles, was Christen tun, damit es in freier \u00dcberzeugung zu allen Menschen kommt, weltweit: auch zu den Muslimen und den Menschen etwa in Afrika. Doch es wird ein Licht nur sein, wenn es aus eigener \u00dcberzeugung und in Achtung vor der Gewissenhaftigkeit des Anderen ausgesprochen ist.<\/p>\n<p>Jedoch, Zeugen der Wahrheit, da\u00df bleibend Licht ist und wir nicht im Tr\u00fcb-Dunklen herumtappen &#8211; wie oft sind wir solche Zeugen leider nicht. Oft so m\u00fcde, so gleichg\u00fcltig verdunkeln wir eher die Wahrheit, das Licht, als da\u00df wir es leuchten lassen vor den Anderen. Weil es so bei uns ist, aber damit wir nicht mutlos werden, die Wahrheit nicht aufgeben, sagt Jesus im Johannes-Evangelium: \u201eIch bin das Licht der Welt\u201c (Joh. 8, 1). Er sagt gleichsam:<\/p>\n<p>\u2018Haltet euch bei allem Schwankendwerden an mich\u2018. Auf ihn, auf Jesus Christus, k\u00f6nnen wir immer wieder zur\u00fcckkommen. Wie er lebte, litt und starb und den Tod bestand, das leuchtet! Also: \u201eMache dich auf, werde licht, denn dein Licht\u201c ist gekommen!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Traugott Koch, Hamburg <\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epiphanias, 6. 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