{"id":11665,"date":"2021-02-07T19:48:49","date_gmt":"2021-02-07T19:48:49","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11665"},"modified":"2023-03-10T12:31:26","modified_gmt":"2023-03-10T11:31:26","slug":"jesaja-60-1-6-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-60-1-6-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 60, 1-6"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Epiphanias, 6. Januar 2007<br \/>\nPredigt zu Jesaja 60, 1-6, verfa\u00dft von D\u00f6rte Gebhard<\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p>&#8222;Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf \u00fcber dir!<br \/>\nDenn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die V\u00f6lker; aber \u00fcber dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint \u00fcber dir.<br \/>\nUnd die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die K\u00f6nige zum Glanz, der \u00fcber dir aufgeht.<br \/>\nHebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. Deine S\u00f6hne werden von ferne kommen und deine T\u00f6chter auf dem Arme getragen werden.<br \/>\nDann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Sch\u00e4tze der Volker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der V\u00f6lker zu dir kommt.<br \/>\nDenn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verk\u00fcndigen. &#8222;Jes 60, 1-6<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nLicht, das man h\u00f6ren kann!<br \/>\nAber: Licht, das man <em>nur<\/em> h\u00f6ren kann.<br \/>\nIst so etwas schon vorgekommen?<br \/>\n\u201aNat\u00fcrlich\u2019 \u2013 nicht. H\u00f6rbares Licht ist eben nicht zu sehen.<br \/>\nTrotzdem: Dieses Licht haben Sie alle schon vernommen.<br \/>\nGerade eben geschah es, beim H\u00f6ren der uralten Prophetenhoffnung.<\/p>\n<p>Helle Worte dringen durch die lange Dunkelheit der Welt, bis zu uns.\u00a0Die ersten Lichth\u00f6rer und dann vielleicht noch ungef\u00e4hr 100 Generationen Menschen, lebten zwischen Fackeln und Funzeln. Kleine \u00d6ll\u00e4mpchen, hoch oben unter der Decke, beleuchteten sp\u00e4rlich die Behausung.<br \/>\nDa\u00df Finsternis das Erdreich bedeckt, h\u00e4tte der Prophet eigentlich weglassen k\u00f6nnen. Hatten nicht alle irgendeine Narbe, eingebrannt von hei\u00dfem \u00d6l? Wer von ihnen hatte die zerbrochenen Lampen seines Lebens gez\u00e4hlt? Die Dunkelheiten, die gekommen waren, aus eigener oder fremder Schuld?<br \/>\nHorchen wir heute zur\u00fcck in die lange Geschichte der Finsternisse auf Erden, &#8211; denn zu sehen sind abgebrannte Kerzen ja ebensowenig wie die untergegangenen Hoffnungen, die vergeblichen M\u00fchen, die Entt\u00e4uschungen, &#8211;<br \/>\ndann pflichten wir wohl den uralten H\u00f6rern vor uns bei:<br \/>\nDas Dunkel ist sehr laut. Wer h\u00e4tte davon nicht l\u00e4ngst genug?<\/p>\n<p>Helle Worte sind dringend n\u00f6tig. Sie entfalten ihre Wirkung auf ungeahnte Weisen.<br \/>\nAlle Jahre wieder, wenn die Zeiten am dunkelsten sind, feiern wir Weihnachten.<br \/>\nAlle Jahre wieder, wie finster und ohrenbet\u00e4ubend schrecklich sich die Weltgeschichte auch entwickeln mag, feiern wir ein Nachtwandelfest.<br \/>\nAlle Jahre wieder wird es Weihnachten. \u2013 Es mag ganz selbstverst\u00e4ndlich scheinen, sogar dem, der nie von Gottes Licht h\u00f6rte. Aber selbstverst\u00e4ndlich sein wird es nie, so oft wir auch noch in nachtwandlerischer Sicherheit feiern m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Den Nachtwandel beleuchten wir zu diesem Zweck.<br \/>\nWie \u00fcberhaupt all unser selbsterzeugtes Licht einen Zweck und einen guten Sinn hat: es orientiert uns, da\u00df wir nicht fallen,<br \/>\nes l\u00e4\u00dft uns unterwegs sein in der Nacht, damit wir ankommen, wo wir sollen, wo wir wollen,<br \/>\nes erlaubt uns zu arbeiten, das Leben zu genie\u00dfen, Leben zu retten, &#8230;<\/p>\n<p>Den Nachtwandel zu Weihnachten beleuchten wir mit hellen, gelegentlich auch grellen Leuchten und Lampen und Lichterschlangen und Glitzersternen \u2013 und in den Kirchen mit Kerzen.<br \/>\nUnd alle, alle Lichter leuchten ganz besonders sch\u00f6n und klar, aber eben: in der Dunkelheit.<br \/>\nSelbstgemachtes Licht macht die Nacht erst m\u00e4chtig.<br \/>\nJe mehr Lichter brennen, desto leuchtender die Gewi\u00dfheit, da\u00df noch Nacht ist.<br \/>\nGottes letztes Licht scheint noch nicht.<\/p>\n<p><em>Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die V\u00f6lker.<br \/>\n<\/em>Wer <em>m\u00f6chte<\/em> nicht dem Propheten nach Jahrtausenden endlich einmal widersprechen?<br \/>\nAber wer <em>k\u00f6nnte<\/em> widersprechen? Nur einer: Gott.<br \/>\nGott, der am Anfang aller Welten das Licht schuf. Er erhellte nicht wie wir die Finsternis auf allerlei Weisen, nicht mit Fackeln und Funzeln, nicht mit Kerzen und Kronleuchtern, nicht mit Gaslaternen und Gl\u00fchbirnen, auch nicht mit Flutlichtanlagen und Lasertechnik; er schuf das Licht, indem er es von der Finsternis schied.<br \/>\nMenschen verbreiten und verteilen Licht. Wenn wir genau und lange genug hinh\u00f6ren, unterscheiden wir auch das Licht von der Finsternis. Endg\u00fcltig wird Gott das Licht von der Finsternis wieder trennen:<br \/>\n<em>Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf \u00fcber dir!<br \/>\n<\/em>Dann leuchtet nicht irgendetwas, sondern alles lichtet sich, weil Gottes Licht kommt. Den Vorschein dieses Lichtes h\u00f6ren Menschen schon seit Jahrtausenden. Der Psalmist betet zu Gott: <em>Dein Wort ist meines Fu\u00dfes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg (Ps 119, 105). <\/em>Dieses h\u00f6rbare Licht leuchtet nicht heller oder sch\u00f6ner oder klarer oder gr\u00f6\u00dfer, es leuchtet anders. Es l\u00e4\u00dft im Dunkeln schon die Hand vor Augen sehn. Es erhellt den n\u00e4chsten Lebensschritt und h\u00e4lt das Ende bis zuletzt gn\u00e4dig verborgen. Es ist schnell, viel schneller noch als die 300.000 Kilometer pro Sekunde, die Physiker ausgerechnet haben, es schafft daher den weitesten Weg der Welt: vom Ohr bis zum Herzen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nChristen hatten zu allen Zeiten eine Ahnung von diesem Licht.<br \/>\nChristen hatten immer wieder ein offenes Ohr f\u00fcr das h\u00f6rbare Licht und darum auch ein weites Herz und Erbarmen mit den Augen. Lassen Sie uns h\u00f6ren auf das Licht und mit unseren inneren Augen ein gotisches Gotteshaus anschauen. Es sind im 21. Jahrhundert nach Christi Geburt die \u00e4ltesten erhaltenen Versuche der Christenheit, das g\u00f6ttliche Licht auf Erden zum \u201aVorschein\u2019 zu bringen.<br \/>\nDabei ist es ganz gleich, zu welcher Kirche Sie sich jetzt hinwegdenken; ob sie mond\u00e4n erbaut ist, wie in Mailand aus Marmor oder gebacken und gebrannt aus Lehm, wie ein Backsteindom an der Ostseek\u00fcste. Darauf kommt es nicht an, sondern auf das Licht zwischen den Steinen.<\/p>\n<p>(1.) Von weitem, von au\u00dfen<br \/>\nWir kommen von weit her heute morgen und sehen das Bauwerk zuerst von au\u00dfen.<br \/>\nEs ist sehr beeindruckend, imposant, gar erhaben, nat\u00fcrlich auch ein bi\u00dfchen schmutzig und grau. Aber das inwendige Licht ist noch nicht zu sehen, das \u00fcbersteigt vorl\u00e4ufig die Vorstellungskraft.<br \/>\nWer sich dem Christentum von weitem naht, macht diese Erfahrung auch: Das Gedankengeb\u00e4ude ist komplex und sehr hoch get\u00fcrmt inzwischen, die Geschichte ist lang, die Wirkungen \u00e4u\u00dferst mannigfaltig, aber h\u00f6chst ambivalent. Vor allem aber die Heiligen an der Fassade sind nicht mehr zu \u00fcberblicken.<br \/>\nErleuchtungen k\u00f6nnen von dieser Au\u00dfenansicht nicht erwartet werden. Auch unseren Missionsprogrammen sollten wir diese unvern\u00fcnftige Hoffnung endlich austreiben. Die Kirche von au\u00dfen, Institution, Organisation, ist von der Welt nicht zu unterscheiden \u2013 man sollte ihre Sch\u00f6nheit achten, aber auch den Dreck sehn [nach Gerhard Sch\u00f6ne]. Vor allem aber wird man nicht auf dem Vorplatz stehen bleiben, sondern auf das prophetische Licht h\u00f6ren, das ruft:<\/p>\n<p><em>(2.) Mache dich auf, <\/em>dem Licht entgegen, geh\u2019 hinein<em><br \/>\n<\/em> Die Kathedrale steht in der Mitte der Stadt, zwischen den Banken, den Baustellen und mitten in aller Betriebsamkeit. Wer die Kirche betritt, verl\u00e4\u00dft nicht die Welt, sondern kann sie f\u00fcr einen Moment getrost aus dem Blick verlieren.<br \/>\nDas kommt davon! Das geschieht, weil Gottes Licht zu leuchten beginnt.<br \/>\nKein Prophet der Welt mu\u00df irgendeinem Menschen auf der Schwelle nochmal sagen: <em>Hebe deine Augen auf und sieh umher. <\/em>Es ist keiner, der das nicht t\u00e4te.<br \/>\nEs ist das Geheimnis der Gotik, da\u00df der Eintretende den Kopf hebt.<\/p>\n<p>Denn drinnen leuchtet es farbig und vor allem zwecklos sch\u00f6n.<br \/>\nZwecklos sch\u00f6n sind die riesigen Glasgem\u00e4lde, deren h\u00f6here Regionen ein Mensch von unten gar nie aus der N\u00e4he sehen kann. Die Details sind nicht zu erkennen, nicht einmal die Farben im einzelnen &#8211; wozu das alles? Ist nicht der gr\u00f6\u00dfere Teil einer Kathedrale eigentlich ganz unn\u00fctz? Wozu all die M\u00fchen der Architekten und K\u00fcnstler und Handwerker und Ungenannten?<\/p>\n<p>Gottes Licht leuchtet zwecklos sch\u00f6n. Immanuel Kant hat erkannt, da\u00df \u00fcberhaupt nur das g\u00e4nzlich Zwecklose wahrhaft sch\u00f6n ist.<br \/>\nWas unsere Welt zusammenh\u00e4lt und erhellt, ist allgegenw\u00e4rtiges N\u00fctzlichkeitsdenken. Unsere Lichter m\u00fcssen praktisch, funktional, passend, augenschonend, romantikerzeugend und und und &#8230; \u00fcberhaupt hilfreich sein, sonst leuchten sie nicht lange.<\/p>\n<p>Gottes Licht leuchtet anders.<br \/>\nIch entrinne dem N\u00fctzlichkeitsdenken der Welt nur, wenn ich etwas mit interesselosem Wohlgefallen anschauen kann, so der gro\u00dfe Philosoph [Kritik der Urteilskraft, Analytik des Sch\u00f6nen]. Es ist einigerma\u00dfen schwer, sich interesseloses Wohlgefallen vorzustellen. Kant gibt einige einleuchtende Beispiele. Ich werde die Sch\u00f6nheit eines Baumes nicht entdecken, wenn ich friere und deshalb Brennholz brauche. Ich werde sie nicht sehen, wenn ich Hunger habe und mich die Frage auf die d\u00fcnnen \u00c4ste treibt, ob die Fr\u00fcchte reif und genie\u00dfbar sind. Ich werde Sch\u00f6nheit nicht gewahr, wenn ich Schatten suche und Schutz vor Hitze.<br \/>\nEin gotischer Dom ist wie eine Herberge auf dem Weg zum interesselosen Wohlgefallen. Er ist erbaut zur Ehre Gottes. Aber die Ehre Gottes hat nach menschlichem Ermessen keinen Zweck.<br \/>\n<em>Die Herrlichkeit des Herrn, die \u00fcber mir erscheint, <\/em>ist \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6n, weil meine Bed\u00fcrfnisse und Sehns\u00fcchte und Ziele aufh\u00f6ren. Wenn sie aufh\u00f6ren, wird Gottes Licht h\u00f6rbar. Wie sch\u00f6n es dann wird, kann man in der trockenen Analyse des Philosophen nicht mehr finden, dann ist Gottes Prophet gefragt:<br \/>\n<em>Dann wirst du deine Lust sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden &#8230;<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>(3.) Heiden, K\u00f6nige und Kamele<br \/>\nDiese Freude erfa\u00dft <em>alle<\/em>, nach der prophetischen Vision auch Heiden, K\u00f6nige und junge Kamele.<br \/>\n<em>Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die K\u00f6nige zum Glanz, der \u00fcber dir aufgeht. &#8230; die Menge der Kamele wird dich bedecken, die jungen Kamele aus Midian und Efa.<br \/>\n<\/em>In einem einigerma\u00dfen ber\u00fchmten und gr\u00f6\u00dferen gotischen Bauwerk ist man nie allein.<br \/>\nGottes Licht leuchtet <em>allen<\/em>, nicht nur einigen wenigen Erleuchteten oder gar nur solchen, die sich daf\u00fcr halten.<br \/>\nNach einem kurzen, kontemplativen Moment sind die anderen nicht l\u00e4nger zu \u00fcbersehen; Heiden, die keine Ahnung und noch keine Ehrfurcht haben, K\u00f6nige und Kamele vor allem. Alle zieht es zu Gottes Licht, die K\u00f6nige ganz speziell zu Gottes Glanz. Das ist sehr menschlich und scheint besonders typisch zu sein f\u00fcr K\u00f6nige und solche, die gerne K\u00f6nige w\u00e4ren \u2013 davon gibt es ja mehr als genug, unendlich viel mehr als wirkliche K\u00f6nige. Friedrich Nietzsche schreibt \u00fcber \u201eMenschliches Allzumenschliches\u201c [2. Abteilung, Der Wanderer und sein Schatten, 1880, Nr. 254]:<br \/>\n\u201eDie Menschen dr\u00e4ngen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu gl\u00e4nzen. Vor wem man gl\u00e4nzt, den l\u00e4sst man gerne als Licht gelten.\u201c<br \/>\nGottes Licht er\u00f6ffnet einen unendlich weiten Raum. Eine riesige gotische Kathedrale, erf\u00fcllt vom laut-leisen Touristenkauderwelsch aus aller Herren L\u00e4nder ist sicher nur ein schwacher Abglanz der Weiten, in denen die Menschheit einst zusammenkommen und wieder zueinanderfinden wird. Ein junges Kamel, das seine M\u00fctze nicht abnimmt, ist ebenso willkommen wie a very important person, die auch noch in heiligen R\u00e4umen Blitzlichtgewitter n\u00f6tig hat. Uns m\u00f6gen solche Leute noch mi\u00dffallen, aber Gottes Licht leuchtet allen, der Prophet stellt es klar: Alle<em> sind versammelt und kommen zu dir.<br \/>\n<\/em>Gottes Licht stiftet Frieden und Vers\u00f6hnung, im Glauben schon heute. Frieden und Zusammengeh\u00f6rigkeit unter den Christen wachsen, wenn wir in Gottes Licht, vor seinem Angesicht aufh\u00f6ren, uns gegenseitig davon fernzuhalten, wenn wir aufh\u00f6ren, uns gegenseitig die N\u00e4he Gottes abzusprechen, weil wir einander f\u00fcr Heiden oder M\u00f6chtegern-K\u00f6nige oder Kamele halten, weil wir vergessen, da\u00df auch sie dazugeh\u00f6ren bei Gott, da\u00df er sie zu seinen Sch\u00e4tzen und zum Reichtum der V\u00f6lker z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>(4.) Licht von au\u00dfen und hinaus<br \/>\nIn der Kathedrale wird es offenbar: Gottes Licht scheint von <em>au\u00dfen<\/em> durch die Fenster. Das Dunkle ist im Innern noch pr\u00e4sent, aber es ist in der Gotik nur noch Rahmen, an den Rand gedr\u00e4ngt, so d\u00fcnn wie m\u00f6glich, denn die W\u00e4nde l\u00f6sen sich in Licht fast auf. Bei pessimistischer Betrachtung entsteht zwar noch der Eindruck, da\u00df allein das Schwarze, D\u00fcstere dem ganzen Bau Halt und Stabilit\u00e4t und Sicherheit verleiht. Aber alles Erdenschwere, alle St\u00fctzen und Streben, B\u00f6gen und Pfeiler, die den Gew\u00f6lbedruck abfangen m\u00fcssen, sind von den Baumeistern so weit wie m\u00f6glich nach drau\u00dfen verbannt, nichts soll im Innern die Leichtigkeit des vielfarbigen, verschwenderischen Lichtes tr\u00fcben.<br \/>\nGottes Licht, so lehren gotische Fenstermalereien, ist nicht grell, blendend bis zur Erblindung, sondern auf Erden gebrochen und daher so herrlich bunt. Gottes Licht leuchtet durch die gemalten Menschengeschichten auf den Fenstern. Noch ist nicht alles gut, die Geschichten werfen ihre Schatten auf uns: Verrat und Verleugnung, Kreuzigung und Martyrium sind vieltausendfach zu sehen.<br \/>\nAber Gottes Licht dringt durch und schon heute malt es uns hinter den transparenten Fenstern bunte Schatten aufs Gesicht. Bunte Schatten, <em>die Gottes Lob verk\u00fcndigen<\/em>.<br \/>\nAber einmal m\u00fcssen wir gehen, aus dem Gotteshaus, zur\u00fcck in die Welt. Und die sch\u00f6nen Schatten fliehen. Die Welt f\u00e4llt wieder \u00fcber uns her, mit ihrem Krach und mit grauer Tristesse, mit Schmutz und L\u00e4rm, mit allen Zeichen der Zeiten, den guten und den b\u00f6sen.<\/p>\n<p>5. Trotzdem-T\u00fcrme<br \/>\nVom bunten Schatten-Licht ist nichts mehr zu sehen. Aber Gottes Licht ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen, es ist zu vernehmen, so oft wir auf die lichten Worte h\u00f6ren.<br \/>\nBockig wie ein riesiges \u201aTrotzdem\u2019 gegen den Lauf der Welt zeigen die T\u00fcrme und T\u00fcrmchen, zeigt noch jede Fiale himmelw\u00e4rts. Weil die Welt nicht alles ist. Gott spannt noch \u00fcber jeder gro\u00dfen, lauten Stadt sein Himmelszelt. Sein Licht scheint wie in der Kathedrale, stets <em>von au\u00dfen<\/em> auf die Welt.<br \/>\nAuch wenn sich das Licht von Weihnachten wieder verbirgt, die Perspektive bleibt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nLicht, das man h\u00f6ren kann!<br \/>\nNiegesehenes Licht, das man singen kann.<br \/>\nIst so etwas schon vorgekommen?<br \/>\nJetzt geschieht es, wenn wir <em>licht werden<\/em> nach der Weisung des Propheten und miteinander helle Worte in gemeinsamen Gesang verwandeln, der <em>das Lob des Herrn verk\u00fcndet:<br \/>\n<\/em>[EG 72, O Jesu Christe, wahres Licht].<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als all unsere Vernunft, st\u00e4rke und bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrerin z.A. Dr. D\u00f6rte Gebhard<br \/>\n<a href=\"mailto:doerte.gebhard@web.de\">doerte.gebhard@web.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Epiphanias, 6. 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