{"id":11669,"date":"2021-02-07T19:48:51","date_gmt":"2021-02-07T19:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11669"},"modified":"2023-03-09T13:45:39","modified_gmt":"2023-03-09T12:45:39","slug":"johannes-1-29-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1-29-34\/","title":{"rendered":"Johannes 1, 29-34"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><b><span style=\"color: #000099;\">1. Sonntag nach Epiphanias, 7. Januar 2007<br \/>\nPredigt zu Johannes 1, 29-34, verfa\u00dft von Ralf Hoburg <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<div align=\"left\">\n<p align=\"center\"><strong>\u201eIm Lichtstrahl des Geistes\u201c <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>kaum ist das Kind geboren, da wird es auch schon getauft\u2026 Wer ein bisschen in seinen Kenntnissen aus dem Konfirmandenunterricht kramt, der wei\u00df, dass nach der Weihnachtsbotschaft das n\u00e4chste gro\u00dfe Ereignis in der Biographie Jesu seine Taufe durch seinen Freund Johannes den T\u00e4ufer darstellt. W\u00e4hrend allerdings die ersten Evangelien im Neuen Testament, die sog. synoptischen Evangelien Matth\u00e4us, Markus und Lukas den Anschein eines biographischen Nacheinanders erwecken, so folgt die Erz\u00e4hlung von der Taufe Jesu im Johannesevangelium unmittelbar nach dem bedeutenden Prolog in Joh. 1,1-14. Alles im Johannesevangelium ist Theologie oder folgt einem theologischen Gedankengang. So auch die Botschaft von der Taufe Jesu. Es ist jedenfalls markant, dass es im sog. vierten Evangelium keine klassische Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem gibt. Vielmehr steht im Zentrum des Johannesevangeliums die Offenbarung des Wortes Gottes, das Jesus Christus ist. Von der Sch\u00f6pfung her ist Gott Wort und so verwundert es nicht, dass Gott sich selbst in Form seines Wortes offenbart und sich in dem Menschen Jesus von Nazareth in der Welt verwirklicht. Mit dieser k\u00fchlen Sprache begrifflicher Orientierung wirkt das Johannes-Evangelium durchaus n\u00fcchtern, kahl und wenig romantisch und erscheint so ganz anders als die gewohnt einladenden Erz\u00e4hlungen von der Weihnachtsbotschaft mit ihrer Krippe, den Hirten und dem Jesuskind. Es scheint fast so, als w\u00e4re die Welt nach den traditionellen T\u00f6nen der Weihnachtsbotschaft und dem rauschenden Jahreswechsel zu Sylvester mit Sekt und Feuerwerk in der kahlen N\u00fcchternheit des neues Jahres mit Regen, Wind und Mehrwertsteuer angekommen. Selten ist mir der Ausklang der Weihnachtszeit h\u00e4rter zu Bewusstsein gekommen als durch den Stilwechsel in den biblischen Texten wie in diesem Jahr. Und mir scheint als l\u00e4ge darin gleichzeitig geheimnisvoll auch ein gro\u00dfes St\u00fcck Tragik der aktuellen Krise der kirchlichen Existenz: W\u00e4hrend alle Welt mit Spiegel-, Stern und Focus-Special laut \u00fcber die R\u00fcckkehr der Religion nachdenkt, die sich in stetig steigenden Gottesdienstzahlen zu Heiligabend ausdr\u00fcckt und etwas \u00fcber religi\u00f6se Sehns\u00fcchte preisgibt, die im Bild des Friedef\u00fcrsten und des Kindes in der Krippe bedient werden, spricht der Johannestext eine binnenkirchlich dogmatische Sprache, deren philosophisch anmutender Klang f\u00fcr heutige Ohren barsch und eher langweilig klingt.<\/p>\n<p align=\"center\"><em>1.<\/em><em> Die Offenbarung \u2013 fremde kirchliche Gedankenwelt <\/em><\/p>\n<p>Dieser Offenbarungsgedanke bildet aber gerade \u2013 so kann man sagen \u2013 geradezu das theologische R\u00fcckgrat des Christentums. Gleichwohl f\u00e4llt es uns heute durchaus nicht leicht zu verstehen, was damit gemeint ist. Der Begriff der Offenbarung ist Zentrum christlicher Theologie und gleichzeitig Relikt einer kirchlich dogmatischen Sprache, mit der immer weniger Menschen konkrete Inhalte verbinden. Wer sich offenbart, der besitzt dem Volksmund nach \u00fcber keinerlei Geheimnisse mehr oder vielmehr er gibt alle seine Geheimnisse einem Anderen preis. Aus heutiger Sicht gesehen ist die Offenbarung langweilig. Permanent offenbaren sich in der medialen Alltagswelt der Talkshows Menschen anderen Menschen und kehren geradezu ihr innerstes nach au\u00dfen, so sehr, dass die Ekelgrenze des guten Geschmacks mittlerweile erreicht sein d\u00fcrfte. Aus der Sicht der medialen Gagaphonie betrachtet, tragen Offenbarungen fast immer einen exhibitionistischen Zug an sich und Offenbarungseide geh\u00f6ren in der Welt des \u00f6konomischen Lugs und Betrugs zum Alltag. Wenn sich mir jemand fast mit psychologischer Zutraulichkeit mit dem Begehren n\u00e4hert sich mir offenbaren zu wollen, winke ich mittlerweile fast erschreckt und immer heftiger ab. All dies kann eigentlich nur bedeuten, dass der Begriff der Offenbarung inzwischen einen durchaus negativen Klang in sich tr\u00e4gt und eigentlich als Kernbegriff der christlichen Theologie kaum noch zu gebrauchen ist; es sei denn, er w\u00fcrde grundlegend von s\u00e4kularen Begriffs\u00fcbert\u00fcnchungen gereinigt, was durchaus eine lohnende Aufgabe der gegenw\u00e4rtigen Dogmatik in \u201eposts\u00e4kularer Zeit\u201c (P.L. Berger) sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Denn letzten Endes steckt im Offenbarungsgedanken die ganze Weihnachtsbotschaft. Also auch im Johannesevangelium existiert eine logische Abfolge: zuerst w\u00e4hlt Gott das Leben und dann erst entscheidet sich der Mensch dazu die Gnade anzunehmen. Deshalb offenbart er sich in Jesus Christus als Mensch, der in einem armseligen Stall geboren wird, der dann am Kreuz auf schreckliche Weise stirbt und vor allem auf dem der Geist Gottes bleibend ruht. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist der Beweis dieser besonderen Geschichte Gottes mit den Menschen, die im Weihnachtsgeschehen ihren Anfang nimmt. Und mit Beginn der nach\u00f6sterlichen christlichen Gemeinden greifen die J\u00fcnger die Tradition der Taufe wieder auf: sie taufen aber nicht so sehr im Bewusstsein der Busse wie es bei Johannes dem T\u00e4ufer geschah und des ver\u00e4nderten Lebenswandels, obwohl auch in der christlichen Taufe immer der Gedanke der Sinnes\u00e4nderung steckt, sondern sie taufen auf den Namen Jesu Christi. Damit wird theologisch der Gedanke der Offenbarung mit dem des Reiches Gottes verbunden, das in Jesus Christus angebrochen ist.<\/p>\n<p>So dr\u00fcckt das Geschehen der Offenbarung auf seine Weise das wunderliche Ereignis aus, das der Weihnachtsbotschaft inne wohnt: Gott wird Mensch. Der Reformator Martin Luther verdichtet gedanklich und sprachlich in seinen Weihnachtsliedern den theologischen Vorgang, der in der Weihnachtsbotschaft steckt. Klarer und pr\u00e4gnanter kann die Theologie der Offenbarung eigentlich nicht ausgesprochen werden als es Luther in folgenden Strophen tut:<\/p>\n<p>\u201eDes ewgen Vaters einig Kind\/<br \/>\njetzt man in der Krippe find\u2019t\/<br \/>\nin unser armes Fleisch und Blut\/<br \/>\nverkleidet sich das ewig Gut\/ kyrieleis.<\/p>\n<p>Den aller Welt Kreis nie beschloss\/<br \/>\nDer liegt in Marien Scho\u00df;\/<br \/>\nEr ist ein Kindlein worden klein,\/<br \/>\nDer alle Ding erh\u00e4lt allein.\/ Kyrieeleis. (EG 23)<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt f\u00fcr mich zu den erschreckenden Beobachtungen eines eher am Rande des binnenkirchlichen Geschehens agierenden und hin und wieder predigenden Theologen, dass die volkskirchliche Gemeinde dieser Tage eher die flachen Wahrheiten einer \u201ebewahre uns, beh\u00fcte uns\u201c\u2026 Kuschel-Romantik im Wiener Walzer Takt zu singen gewohnt ist als die theologisch tiefgr\u00fcndigen, von der Melodie her aber schwierigen Advents- und Weihnachtslieder der Reformation und ihrer Klangwelt der Renaissance. Aber wer theolo-gisch eher \u00fcber Leuchtfeuer und Leuchtt\u00fcrme nachdenkt und damit hoch hinaus will, dem ger\u00e4t die Bewegung von oben nach unten, d.h. eine \u201eTheologia crucis\u201c schnell aus dem Blick. Mich beruhigt dann aber der Gedanke, dass wer hoch steht auch tiefer fallen kann.<\/p>\n<p align=\"center\"><em>2. <\/em><em>Freunde f\u00fcr\u2019s Leben: Jesus und Johannes <\/em><\/p>\n<p>Wer den Predigttext aus dem Johannesevangelium aufmerksam h\u00f6rt und liest, dem f\u00e4llt sofort auf, dass Jesus bei seiner Taufe kein Kind mehr war. Hier stimmt das Johannesvangelium mit den sog. synoptischen Evangelien \u00fcberein. F\u00fcr die Bibelwissenschaft ist heute bekannt, dass Johannes der T\u00e4ufer und Jesus von Nazareth beide Mitglieder der sog. Sekte von Qumran waren. Soviel heute bekannt ist, suchten besonders Gl\u00e4ubige Juden in dieser religi\u00f6sen Gemeinschaft nach einer frommen Lebensform ihres Glaubens. Als Wanderprediger stammt Jesus von Nazareth aus dieser Lebensgemeinschaft und zu Beginn seiner \u00f6ffentlichen Wirksamkeit trennen sich gleichzeitig die Wege von Jesus und Johannes dem T\u00e4ufer. Johannes \u2013 und so wird er auch gerne in der Bildsprache der kirchlichen Kunst dargestellt \u2013 hat einen Verweischarakter. Sein Zeigefinger ist sein Insignium. Als Rufer aus der W\u00fcste und Bu\u00dfprediger zeigt er auf denjenigen, der nach ihm kommen wird. Gleichzeitig wird ihm aber die Ehre zuteil, Jesus von Nazareth zu taufen und damit ist er derjenige, der die Offenbarung der Welt bekannt macht. Im eigentlichen Sinne wird Johannes der T\u00e4ufer zum \u201eOffenbarer\u201c, denn erst er macht deutlich, dass Jesus Christus die Offenbarung ist.<\/p>\n<p>Damit wird Johannes gleichzeitig zum Urbild der christlichen Existenz. Im Johannesevangelium ist Johannes der T\u00e4ufer gleichzeitig der Bekennende und zugleich Glaubende, der einr\u00e4umt: \u201eNach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich\u201c. (Joh 1,30) Er glaubt der Verhei\u00dfung, wie sie die j\u00fcdische Tradition ausspricht und gleichzeitig lebt er im Bewusstsein des Advent. Er lebt eine \u201eZwischenexistenz\u201c, denn er sp\u00fcrt, dass das Heil nah ist, aber er wei\u00df auch, dass in der Zeit nach der Offenbarung die Verk\u00fcndigung der Busse nicht mehr ausreicht. Johannes ist Verk\u00fcndiger der Offenbarung und gleichzeitig T\u00e4ter des Wortes. Durch das Geschehen der Taufe Jesu, die selbst einen zeichenhaften Charakter tr\u00e4gt, bleiben er und Jesus f\u00fcr immer verbunden.<\/p>\n<p align=\"center\"><em>3.<\/em><em>Ein besonderer Bund: Die Taufe Jesu <\/em><\/p>\n<p>Obwohl sich auch Jesus von Nazareth in die Reihe derer einreiht, die die Bu\u00dftaufe des Johannes begehren, um ihr Leben von Grund auf zu \u00e4ndern, unterscheidet sich seine Taufe von der der Anderen grundlegend. Die Taufe Jesu repr\u00e4sentiert keinen Aufnahmeritus, sie ist keine Reinwaschung von S\u00fcnden, sondern Gott selbst ist bei diesem Handeln mit im Spiel. Aus dieser theologischen Tatsache leitet sich alles Geschehen und alle Worte in diesem Text her. Von vornherein ist in der Deutung des Evangeliums in den Worten des Johannes des T\u00e4ufers klar: \u201eSiehe das ist Gottes Lamm, welches der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt\u201c. Dieses Wort beinhaltet die Deutung dessen, was mit dem Leben und Wirken Jesu Christi verbunden wird. Allerdings ist dies eine Deutung, die bereits von der Tatsache des Kreuzestodes und der Auferstehung ausgeht. Als geoffenbartes Wort Gottes tilgt der Sohn Gottes die S\u00fcnde der Welt. Dieser theologische Kerngedanke wird im Johannesevangelium grunds\u00e4tzlich mit dem Bild des Lammes symbolisiert, das auch Eingang in die christliche Kunst gefunden hat. Das Lamm hat nach dem Propheten Jesaja und der Tradition des Alten Testamentes die Funktion eines Opfertieres. Im religi\u00f6sen Verkehr des Menschen mit Gott kommt dem Lamm als Opfertier die Aufgabe zu, die Schuld der Menschen auf sich zu nehmen. Das Lamm \u2013 so wie es das Johannesevangelium darstellt \u2013 ist von Gott selbst erw\u00e4hlt. Und so bedeutet in der Logik der theologischen Deutung und ihrer symbolischen Sprachwelt nun auch die Taufe Jesu Christi mehr als Worte tragen. Mit der Taufe Jesu Christi findet ein qualitativer Sprung in der Heilsgeschichte statt. Denn im Lichtstrahl des Geistes wird schon in der Taufe und somit zu Beginn der Wirksamkeit Jesu Christi erkennbar, das Jesus Christus Gottes Sohn ist und die Aufgabe hat, der Welt S\u00fcnde zu tragen. Mit Jesus Christus \u00e4ndert sich also die Richtung des gew\u00f6hnlichen Taufgeschehens: Nicht mehr der Mensch ist es, der sich bittend an Gott um Aufnahme in den Kreis der Getauften wendet und sich gleichzeitig verpflichtet Bu\u00dfe zu tun, wie es in allen Religionen ein tiefes Bed\u00fcrfnis ist und durch verschiedene Formen von Aufnahmeritualen oder Initiationsriten zum Ausdruck gebracht wird, sondern Gott hat mit der Erw\u00e4hlung des Sohnes im Vorhinein, sozusagen im Augenblick der Sch\u00f6pfung an uns Menschen gehandelt. Alles Leben ist in dieser Taufe Jesu Christi geheiligt, weil alles Leben im Lichtstrahl des Geistes erscheint.<\/p>\n<p>Darin liegt f\u00fcr mich das Entscheidende und gleichzeitig das Geheimnis der Taufe Jesu Christi, dass von ihrem Ereignis ausgesagt wird, dass der Geist herabfuhr und auf ihm, n\u00e4mlich Jesus Christus, blieb. (V. 32) Der Geist macht die Taufe Jesu Christi zu etwas entscheidend Neuem so dass durchaus universalistisch ausgesagt werden kann: diese Taufe geschah stellvertretend f\u00fcr die Welt. Neben der Offenbarung erh\u00e4lt der Gedanke des Heiligen Geistes im Johannesevangelium eine hervorgehobene Stellung. Damit ist aber ein weiterer theologischer Begriff gefallen, der die Theologie des Christentums nachhaltig gepr\u00e4gt hat, f\u00fcr heutige Ohren aber durchaus fremd und unbewohnt klingt. Wer ist der Heilige Geist und welche Funktion hat eigentlich die sog. Heilige Trinit\u00e4t, so fragen mich nicht nur meine Studierenden immer wieder. Der Heilige Geist ist in dieser Erz\u00e4hlung der Taufe Jesu Christi zun\u00e4chst der B\u00fcrge des Besonderen, weil er die Gegenwart Gottes repr\u00e4sentiert. Im Geist, so kann es der bekannte Theologe Eberhard J\u00fcngel mit einer sprachlichen Formel ausdr\u00fccken, ist Gott selbst als Abwesender anwesend. Gott \u2013 so kann man sagen \u2013 ist also beim Geschehen der Taufe selbst anwesend. Diesem Gedanken folgend bitten wir auch in heutigen Taufgottesdiensten durch die Symbolik der segnenden H\u00e4nde um die Anwesenheit Gottes. Aber noch mehr vollzieht sich in der Taufe Jesu: in ihr ist alle Welt neu geworden. Und in dieser Neuwerdung liegt der Grund, warum wir die Taufe bis heute auf den Namen Jesu von Nazareth vollziehen und sich der Gedanke der Bu\u00dftaufe, wie er bei Johannes dem T\u00e4ufer im Zentrum stand, verloren hat. Die Taufe best\u00e4tigt an jedem Kind oder auch an jedem Erwachsenen, der sich als Folge seines Glaubens zum Christentum bekennt, den Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat und im Lichtstrahl des Geistes von damals wird auch verk\u00fcndigend bis heute deutlich, was das Leben ist: eine Gabe Gottes und ein Geschenk. Gleichzeitig erinnert die Taufe \u00fcber ihren sch\u00f6pfungstheologischen Symbolwert hinaus daran, was Jesus Christus f\u00fcr die Menschen war: das Lamm, das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt. Prosaischer kann es gar nicht beschrieben werden: das Leben ist von der Gabe des Geistes abh\u00e4ngig. Und dieser Geist str\u00f6mt den Aussagen des Neuen Testamentes zu Folge vom Himmel auf den Menschen. Str\u00e4uben wir uns doch einmal nicht gegen diesen Gedanken, dann liegt gerade zu Beginn eines Jahres ein besonderer Reiz in dieser Vorstellung: Von Anfang an steht das Leben in der Sph\u00e4re g\u00f6ttlichen Schutzes. Hier hat dann die Vorstellung des Segens ihren theologisch legitimen Platz.<\/p>\n<p>Treffen sich an dieser Stelle nicht dann auch die biblischen Aussagen vom Lamm Jesu Christi, das der Welt S\u00fcnde tr\u00e4gt mit dem Bed\u00fcrfnis und den Erwartungen der Menschen, die Kinder am Beginn des Lebens taufen lassen wollen? Gott m\u00f6ge das Kind in seinem Leben beh\u00fcten und besch\u00fctzen, das ist ein wesentlicher Gedanke vieler Eltern und Paten, der in einem tiefen religi\u00f6sen Grundbed\u00fcrfnis wurzelt. Und dieser Schutz des Lebens wird mit der Taufe zeichenhaft an den Kindern vollzogen.<\/p>\n<p>Im Glauben an Jesus Christus und in der Erinnerung an seine Taufe erscheint das Leben im neuen Licht. Wenn man so will, setzt die Taufe das \u201eadventliche\u201c Leben im Angesicht des nahenden Reiches Gottes fort. Die Offenbarung ist die Zeitenwende und diese Ver\u00e4nderung hat einen Namen: Jesus Christus. Von ihm geht die \u201eZeitansage\u201c des Lebens aus. Denn mit ihm ist das Reich Gottes nicht nur nahe herbei gekommen, wie es Johannes der T\u00e4ufer predigte, sondern das Reich Gottes hat schon begonnen. Die neue Zeit ist da! Der Text aus dem Johannesevangelium f\u00fchrt deshalb mitten in diese Zeitansage hinein, weil klar ist, dass mit der Taufe Jesu Christi sich die Wirklichkeit der Offenbarung erweist. Das adventliche Leben setzt das Ereignis im Stall zu Bethlehem voraus und das Reich Gottes kann sich nur ereignen, wenn Jesus Christus selbst wieder anwesend ist. Und das wird durch die Taufe besiegelt. Der Glaube des Menschen ist nun nichts anderes als das Bekenntnis zu dem Anspruch, der in allen biblischen Texten ausgesagt wird, dass sich Gott in Jesus Christus zum Heil des Menschen offenbart hat. Christliche Existenz hat also bis heute \u201ejohanneische\u201c Z\u00fcge und der Zeigefinger geh\u00f6rt zur Ausstattung eines Christenlebens, der er weiss dass derjenige, der das Kreuz auf sich genommen hat, gleichzeitig als Lamm die S\u00fcnde der Welt getragen hat. In diesem johanneischen Gedanken ist die Theologie Martin Luthers ganz in ihrem Zentrum und so kann man genau diese Aussage auf dem Altarbild von Lucas Cranach in der Stadtkirche in Wittenberg erkennen: Der Prediger Martin Luther verweist in der Haltung des Johannes auf den, der am Kreuz h\u00e4ngt und genau damit zum \u201eLeuchtfeuer\u201c der Welt wurde.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Ralf Hoburg, Hannover<br \/>\n<span title=\"Ralf.Hoburg@t-online.de (Prof. Dr. Ralf Hoburg)\"><a href=\"mailto:Ralf.Hoburg@t-online.de\">Ralf.Hoburg@t-online.de<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Epiphanias, 7. 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