{"id":11680,"date":"2007-01-07T19:48:47","date_gmt":"2007-01-07T18:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11680"},"modified":"2025-04-08T17:20:21","modified_gmt":"2025-04-08T15:20:21","slug":"johannes-2-1-11-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-2-1-11-5\/","title":{"rendered":"Johannes 2, 1-11"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">2. Sonntag nach Epiphanias | 14. Januar 2007 | Johannes 2,1-11 | Eva Meile |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Ein Luxuswunder. So hat man das Ereignis genannt, von dem wir soeben geh\u00f6rt haben: Jesu Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana. Man versteht den Ausdruck. Denn wenn wir sonst von den Wundern h\u00f6ren, die Jesus tat, dann handelte es sich immer darum, Menschen aus tiefem seelischen oder k\u00f6rperlichem Leiden, ja sogar vom Tod selbst zu befreien. Aber in Kana war ja von Not nicht die Rede. Das Problem mit dem Wein, der fehlte, musste man doch wohl als ein Scheinproblem betrachten. Man w\u00fcrde es wohl kaum sonderbar nennen, wenn jemand sich dar\u00fcber wunderte, dass Gott es f\u00fcr notwendig erachten sollte, hier einzugreifen.<\/p>\n<p>Wenn Gott sich entschlossen hatte, seinen Sohn auf unsere Erde zu schicken, um uns von der S\u00fcnde und vom Tod zu erl\u00f6sen, wenn er damit eine v\u00f6llig neue Wirklichkeit er\u00f6ffnen wollte, n\u00e4mlich das Reich Gottes \u2013 und wenn Jesus dann als seine erste g\u00f6ttliche Handlung auf einer angeheiterten Hochzeit etwas tat, was der Nummer eines Zauberk\u00fcnstlers glich, was dann die ohnehin schon ausgelassene Stimmung noch steigerte \u2013 kann man es da jemanden verdenken, wenn er meint, das sei ehrlich gesagt dummes Zeug?<\/p>\n<p>Aber so dachte jedenfalls der Evangelist Johannes nicht. Er behauptete ganz im Gegenteil, dass dies das erste Zeichen war, das die Herrlichkeit Jesu, seine einzigartige Bestimmung offenbarte!<\/p>\n<p>Kann so wenig so viel bedeuten? Ja, kann es das nicht sehr wohl? Haben nicht alle erlebt, dass nur ganz kleine Zeichen tiefe Zusammenh\u00e4nge zu entschleiern verm\u00f6gen? Ein Wort, eine Andeutung, eine Geste kann gen\u00fcgen f\u00fcr den, der Augen hat zu sehen und Ohren zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das erste Zeichen, wer Jesus war, war anscheinend nur ein verbl\u00fcffender, ja mirakul\u00f6ser gesellschaftlicher Spa\u00df. Aber er bedeutete etwas ganz und gar Entscheidendes, n\u00e4mlich: Verwandlung ist m\u00f6glich. Im Gr\u00f6\u00dften wie im Kleinsten. Verwandlung von gew\u00f6hnlichem Wasser in edlen Wein, Verwandlung des ordin\u00e4ren, engen, selbstgen\u00fcgsamen Menschenlebens in ein Leben, das vom Geist Gottes durchgl\u00fcht ist. Verwandlung der alten, kranken und m\u00fcden Welt in einen neuen Himmel und eine neue Erde. In allen F\u00e4llen geht es um ein und dieselbe Geste von Seiten Gottes, um einen Hauch der Erneuerung in eine Welt des Elends.<\/p>\n<p>Es begann in Kana, es galt \u00fcberall, wo Jesus sich zeigte, es gilt heute, dort wo er bestimmen kann: Dort geschieht die Verwandlung. Und wir m\u00f6gen es angemessen finden oder nicht, die Verwandlung h\u00f6rt nicht beim rein Geistigen oder Seelischen auf, sie verbreitet sich auch in der materiellen Welt: wenn an ihrem Wege Kr\u00fcge mit Wasser stehen, was kann sie daran hindern, die Kr\u00fcge stattdessen voller Wein zu hinterlassen? Ein etwas \u00fcberfl\u00fcssiger Luxus \u2013 gewiss. Aber Gottes \u00dcberfluss ist von der Art, dass er sich mit unseren Ma\u00dfst\u00e4ben f\u00fcr gro\u00df und klein, f\u00fcr wesentlich und unwesentlich, angemessen und unangemessen nicht messen l\u00e4sst. Es ist das Wesen der Verwandlung, nicht nur Not und Trauer zu lindern, sondern auch die Freude zu vergr\u00f6\u00dfern, ja sogar die Freude zu kr\u00f6nen, die bereits gro\u00df ist \u2013 so wie es das Zeichen bei der Hochzeit von Kana zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde uns daher gut anstehen, wenn wir unsere Ver\u00e4rgerung dar\u00fcber beherrschen w\u00fcrden, dass die Hochzeitsg\u00e4ste an jenem Tag doppelt so betrunken waren, wie sie es sonst gewesen w\u00e4ren. Die Ver\u00e4rgerung offenbart ja nur, wie weit wir davon entfernt sind zu verstehen, dass Jesus es nicht lassen kann, selbst im Kleinen, seine Herrlichkeit zu offenbaren, seinen Willen zu Freude und Glanz und Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Ich wundere mich immer wieder dar\u00fcber, dass das Christentum so sehr missverstanden wird, wie das oft der Fall ist. Wie oft trifft man nicht unter Leuten \u2013 und nicht zuletzt in den Medien \u2013 auf banale und tief unwissende \u00c4u\u00dferungen \u00fcber das unterdr\u00fcckende und alle Freude zerst\u00f6rende Wesen des Christentums. Wie kann man nur Jesus so sehr in den verkehrten Hals bekommen? Ihn, der nicht nur Wasser in Wein verwandelte, sondern der auch unser ganzes Leben verwandelt, indem er sich selbst diesem Menschenleben hingibt, d.h. im Gro\u00dfen wie im Kleinen an ihm teilnimmt, in den erhabenen Augenblicken des Gl\u00fccks und in den Stunden der Angst und der Todesverlassenheit. Und das alles, um uns zu sagen: Gott hat euch nicht vergessen \u2013 wo immer ihr seid, im Licht oder in der Finsternis. Er ist bei euch, um eure Trauer in Freude zu verwandeln, eure Schw\u00e4che in St\u00e4rke, euer Wasser in Wein.<\/p>\n<p>Das Zeichen von Kana zeigt uns Jesus als den wahren Weinstock, den Weinstock, der in unsere Welt umgepflanzt wurde, damit wir auf ihn gepfropft werden konnten. Ohne Bedingungen, ohne religi\u00f6se oder moralische oder zeremonielle Reinigungsprozesse wie denen, wozu die Wasserkr\u00fcge in Kana bestimmt waren. Die Verwandlung von Wasser in Wein bedeutet, dass wir keine Pr\u00fcfung zu bestehen haben, um von Gott angenommen und geliebt zu werden. Seine Liebe str\u00f6mt uns entgegen von Christus, freigebig, reichlich, ja verschwenderisch.<\/p>\n<p>Das klingt in den Ohren vieler Menschen anst\u00f6\u00dfig, und es hat denn auch die Welt vom ersten Tage an emp\u00f6rt, als die frohe Botschaft erklang. Es emp\u00f6rt uns kleine, knauserige, neidische, rechthaberische Seelen, die der Meinung sind, dass bestimmte Menschen das Wohlwollen Gottes mehr verdienen als andere. Aber Gott k\u00fcmmert sich nicht um unsere armselige Auffassung von dem, was gerecht sein mag. Sein Wesen ist \u00dcberfluss, er l\u00e4sst seine Sonne scheinen und seinen Regen fallen auf Gerechte uind Ungerechte gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Aber eines ist ihm nicht gleichg\u00fcltig, n\u00e4mlich ob wir seine Gaben annehmen, uns vom Strom seiner Liebe \u00fcberschwemmen und unser eigenes Leben in ihrem Bild umformen lassen. Seine Bitte an uns lautet: Leitet den Strom weiter.<\/p>\n<p>Das ist nicht zu viel verlangt. Und dennoch kommt es uns unerreichbar vor. Wir sind und bleiben von anderer Art als er. Aber das Evangelium von der Hochzeit in Kana verk\u00fcndet uns den Trost, dass Gott eine jede Art verwandeln kann. Auch einen Menschen, der zu 75 Prozent aus Wasser besteht, kann er in anregenden Wein verwandeln, auch die vertrocknete, krumme, verkrampfte Seele kann er in einen fruchtbaren Zweig an seinem eigenen Weinstock verwandeln.<\/p>\n<p>Tut, was immer er zu euch sagt! So sagte Maria, die Mutter Jesu, zu den Dienern auf dem Hochzeitsfest. Das war klug gesagt. Denn wer tut, was Jesus sagt, wird erfahren, dass f\u00fcr ihn oder sie alles geschehen kann. Nichts braucht mehr hoffnungslos oder zum Verzweifeln zu sein. Verwandlung ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pastorin Eva Meile<br \/>\nC.F. Richs Vej 2<br \/>\nDK-2000 Frederiksberg<br \/>\nTel.: ++ 45 \u2013 38 33 19 12<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:eva@meile.dk\">eva@meile.dk<\/a><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Epiphanias | 14. Januar 2007 | Johannes 2,1-11 | Eva Meile | Ein Luxuswunder. So hat man das Ereignis genannt, von dem wir soeben geh\u00f6rt haben: Jesu Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kana. Man versteht den Ausdruck. 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