{"id":11685,"date":"2007-01-07T19:48:47","date_gmt":"2007-01-07T18:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11685"},"modified":"2025-04-08T15:19:17","modified_gmt":"2025-04-08T13:19:17","slug":"johannes-4-4-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-4-4-15\/","title":{"rendered":"Johannes 4,4-15"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">3. Sonntag nach Epiphanias | 21. Januar 2007 | Johannes 4,4-15 | Thomas Oesterle |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>&#8222;Jesus musste aber durch Samarien reisen. Da kam er in eine Stadt Samariens, die hei\u00dft Sychar, nahe beim dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus m\u00fcde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder. Es war um die sechste Stunde. Seine J\u00fcnger waren in die Stadt gegangen, um Essen zu kaufen. <\/em><br \/>\n<em>Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu sch\u00f6pfen. Jesus spricht zu ihr: &#8222;Gib mir zu trinken&#8220;. <\/em><br \/>\n<em>Da spricht die samaritische Frau zu ihm: &#8222;Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Die Juden haben doch keine Gemeinschaft mit den Samaritern!&#8220; <\/em><br \/>\n<em>Jesus antwortete und sprach zu ihr: &#8222;Wenn du die Gabe Gottes erkennen w\u00fcrdest und erkennen w\u00fcrdest wer der ist, der zu dir sagt: `Gib mir zu trinken&#8216;! &#8211; dann w\u00fcrdest du ihn bitten, und er g\u00e4be dir lebendiges Wasser.&#8220; <\/em><br \/>\n<em>Spricht die Frau zu Jesus: Herr, du hast doch nichts, womit du sch\u00f6pfen k\u00f6nntest und der Brunnen ist tief. Woher hast du dann lebendiges Wasser? Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh&#8220;. <\/em><br \/>\n<em>Jesus antwortete und sprach zu ihr: &#8222;Wer von diesem Wasser des Brunnens trinkt, den wird wieder d\u00fcrsten. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, der wird in Ewigkeit nicht d\u00fcrsten, sondern das Wasser das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. Spricht zu ihm die Frau: Herr gib mir solches Wasser, damit mich nicht d\u00fcrstet, und ich nicht herkommen muss, um zu sch\u00f6pfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Einleitung: <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">(1)<\/a><\/p>\n<p>kennen sie das? Sie haben einen richtigen Durst und greifen nach einem so genannten Erfrischungsgetr\u00e4nk, also nach einer dieser so stark beworbenen Limonaden. Wenn sie das tun, dann trinken sie oft ein Getr\u00e4nk, das 100gr Zucker pro Liter enth\u00e4lt. Durch die Zugabe von S\u00e4uren empfinden sie zwar kurzfristig ein erfrischendes Gef\u00fchl auf der Zunge, aber ihr Durst wird rasch wieder zur\u00fcckkehren. So entsteht ein regelrechter Kreislauf. Durst \u2013 \u00fcbers\u00fc\u00dftes Getr\u00e4nk \u2013 neuer Durst. Der Durst wird durch Limonaden nicht wirklich gestillt, weil sie das Durstgef\u00fchl gar nicht wirklich \u00fcberwinden wollen, sonst lassen sich ja nicht weiterhin Limonaden verkaufen. Immer wenn ich mich selbst auf Reisen in den hei\u00dfen Regionen dieser Erde befand, habe ich ganz automatisch das Colatrinken eingestellt, und mit gro\u00dfen Genuss klares Wasser getrunken. Nur so kann man in hei\u00dfen Klimazonen die Menge an Fl\u00fcssigkeit aufnehmen, die man tats\u00e4chlich braucht.<\/p>\n<p><strong>Teil I<\/strong><\/p>\n<p>Der klare Schluck Wasser ist aber keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Es ist l\u00e4ngst nicht \u00fcberall auf der Erde so, dass man den Hahn aufdreht und dann unbegrenzt das wertvolle Nass ist Spitzenqualit\u00e4t zur Verf\u00fcgung hat. Wasser und der Kampf ums Wasser, k\u00f6nnte in den kommenden Jahren viel Streit auf unserer guten, alten Erde entfachen. Deshalb ist es \u2013 so glaube ich \u2013 richtig, dass ich mich in dieser Predigt zuerst einmal mit dem k\u00f6rperlichen Durst auseinandersetze, jenem Durst, der die Zunge am Gaumen kleben l\u00e4sst und dem Wasser, das dann Abhilfe schafft. Auch Jesus &#8211; so beginnt unser Predigttext \u2013 kam an den Brunnen bei Sychar mit dem Wunsch seinen Durst zu stillen. Er hatte noch einem weiten Reiseweg bis Jerusalem vor sich und sp\u00fcrte das ganz verst\u00e4ndliche Bed\u00fcrfnis, einige kr\u00e4ftige Schlucke klaren Brunnenwassers zu trinken. Es wird zwar nachher im Predigttext auch um einen \u00fcbertragenen Durst gehen, um einen Durst nach Lebenssinn, aber zuerst einmal m\u00f6chte ich diese leibliche und materielle Dimension des Durstes ernst nehmen. Wasser, als etwas materiell-gegenst\u00e4ndliches, ist ein unverzichtbares Lebensgut, und die Orte, an denen Wasser gefunden wurde, sind seit alters her umstritten, besonders in einem so trockenen Gebiet, wie Israel und Pal\u00e4stina, wo die biblischen Geschichten ja spielen. Egal ob sich Abraham und der K\u00f6nig Abimelech streiten, oder fremde Hirten und die sch\u00f6ne Rachel: Immer geht es um einen Verteilungskampf, der sich auf ein knappes Lebensmittel bezieht. Da wird dann auch mal getrickst oder gek\u00e4mpft, schlie\u00dflich h\u00e4ngt am Wasser einen bessere oder schlechtere Zukunft, es ist ausschlaggebend f\u00fcr Wohlstand oder Armut. In unserer Geschichte wird dabei deutlich: Religi\u00f6se Motive bilden oft die Begleitmusik bei diesen Verteilungsk\u00e4mpfen. Wie sagt doch die Samariterin zum Juden Jesus: \u201eUnser Stammvater Jakob gab uns diesen Brunnen\u201c &#8211; und indirekt ist damit gesagt: \u201eEr hat ihn nicht euch Juden gegeben.\u201c Jesus macht aber im Gespr\u00e4ch mit der Frau bewusst: Religion ist kein Instrument zur Untermalung von Verteilungsk\u00e4mpfen oder \u00fcberbetonten Eigentumsrechten. Dadurch, dass Gott uns allen ein immaterielles Gut im \u00dcberma\u00df schenken will, einen Lebenssinn der in uns zu einer Quelle des Lebens wird, k\u00f6nnen wir, wenn es um die Verteilung materieller G\u00fcter geht, auch einmal die H\u00e4nde \u00f6ffnen und geben wo die Not gro\u00df ist. So wie die beharrliche Bitte Jesu die Frau dazu bringt, das Brunnenwasser mit ihm zu teilen, so hilft der Glaube dazu, die G\u00fcter der Welt solidarisch zu teilen. Glaube ist kein Instrument um Bevorzugungen zu sch\u00fctzen oder abzusichern.<\/p>\n<p>Doch auch von anderen Grenz\u00fcberwindung redet der heutige Predigttext. Im Juden Jesus und der samaritischen Frau treffen die Vertreter von zwei Volksgruppen aufeinander, die ein langer und verletzender Streit trennt. Zuerst hatten die Samariter hinterfragt, ob Gott wirklich nur im Tempel von Jerusalem wohnt, oder ob er nicht auch auf dem sch\u00f6nen Berg Garizim wohnen k\u00f6nnte, der mitten im samaritischen Gebiet lag? Sie haben Gott dann dort oben einen Tempel gebaut und waren damit in Konkurrenz zur heiligen Stadt Jerusalem getreten. Die Reaktion darauf, war die Zerst\u00f6rung dieses Tempels auf dem Garizim durch einen j\u00fcdischen K\u00f6nig. Doch auch die Samariter waren in ihrer Reaktion nicht zimperlich. Kurz vor dem hohen j\u00fcdischen Passahfest im Jerusalemer Tempel, schlichen sie sich nachts auf den Tempelberg und verstreuten dort Leichenknochen. So war der Tempel entweiht und das Fest konnte nicht gefeiert werden. Es waren dann wohl Juden, die daraufhin dem Statthalter Pilatus dar\u00fcber informierten, dass die Samariter sich am Berg Garizim zusammenrotten w\u00fcrden, um \u00fcbriges Tempelger\u00e4t aus Moses Zeiten zu suchen und auszugraben. Der verunsicherte Statthalter, der sowieso jede religi\u00f6se Ansammlung mit Argwohn beobachtete, schickte daraufhin eine Kohorte los und lie\u00df ein Blutbad unter den versammelten Samaritern anrichten. Als einige Jahre sp\u00e4ter j\u00fcdische Pilger \u2013 \u00e4hnlich wie Jesus \u2013 vom Norden aus Galil\u00e4a kommend, durch Samaria nach Jerusalem ziehen wollten, wurden sie von den Samaritern ermordet. Darauf brach ein B\u00fcrgerkrieg zwischen Samaritern und Juden aus, der so heftig war, dass selbst der Historiker Tacitus im fernen Rom dieses Geschehen festhielt.<\/p>\n<p>Das, liebe Gemeinde, war der Hintergrund, vor dem sich der Jude Jesus der samaritischen Frau zuwendet mit der Bitte: \u201eGib mir Wasser.\u201c Alles, was durch schlimme Feindschaft \u00fcber Jahrhunderte an Hass gewachsen war, wird hier durchbrochen. Jesus praktiziert hier in dieser Hinwendung das, was er in der Bergpredigt in den pr\u00e4gnanten Satz gefasst hatte: \u201eLiebet eure Feinde\u201c. Erneut ist hier der Glaube nicht ein Instrument um Gr\u00e4ben zu vertiefen, sondern ein Mittel, um sie zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Und noch ein Tabu, noch eine kritische Grenze, \u00fcberwindet Jesus. Indem er als Mann auf eine Frau zugeht und sie um Wasser bittet und indem er diese Frau danach in ein Lehrgespr\u00e4ch verwickelt, geht er in einer f\u00fcr seine Zeit v\u00f6llig neuen Weise mit Frauen um. Das Johannesevangelium hat wie kaum ein anderes Evangelium Frauen in den Mittelpunkt des Interesses ger\u00fcckt. Jesus \u00fcberwindet in unserem heutigen Predigttext alle Schranken, die ihm durch Sitte und Herkommen auferlegt worden sind. W\u00e4hrend man in der j\u00fcdischen Mischna aus der Zeit Jesu S\u00e4tze finden kann wie: \u201eJeder der zuviel mit dem Weibe spricht, vernachl\u00e4ssigt die Thora und ererbt am Ende die H\u00f6lle\u201c \u2013 wischt Jesus alle Herabsetzungen und Missachtungen von Frauen durch eine patriarchale Tradition, in dieser Begegnung vom Tisch.<\/p>\n<p>Jesus lebt uns im ersten Teil des heutigen Predigttextes also vor, dass Christsein die \u00dcberwindung von Grenzen und Tabus bedeuten kann. Er tut das auf drei Feldern. Zuerst: Sie kennen alle den Spruch: \u201eBeim Geld da h\u00f6rt die Freundschaft auf\u201c. Dagegen macht Jesus deutlich, dass eine wahrhafte geistliche Gemeinschaft auch den Bereich des Materiellen umfasst, egal ob es um das teilen von Wasser, oder das teilen von Wohlstand geht.<\/p>\n<p>Zum zweiten \u00fcberwindet Jesus jene Tabus, die durch die tiefe Feindschaft von V\u00f6lkern entstehen k\u00f6nnen. Das gelingt auch heute noch. Was z.B. an deutsch-franz\u00f6sischer Freundschaft &#8211; trotz zweier entsetzlicher Weltkriege im R\u00fccken &#8211; in den letzen 60 Jahren entstanden ist, das war ein in der Summe gro\u00dfartiger Prozess, der ein St\u00fcck weit dem entsprach, was Jesus hier schon vor 2000 Jahren vorgelebt hat.<\/p>\n<p>Und zuletzt \u00fcberwindet Jesus das Tabu, das durch die Missachtung und Ausgrenzung von Frauen bis heute noch lebendig ist. Als unser katholischer Bischof in W\u00fcrttemberg bei seinem Neujahrsempfang das Jahr 2007 als \u201eJahr der Berufung in die Priesterberufe\u201c ausrief, da antwortete ihm die Sprecherin des Di\u00f6z\u00f6sanrates trocken: \u201eEs gibt genug Frauen, die sich f\u00fcr ein Priesteramt berufen f\u00fchlen, vielleicht ist es an der Zeit, ihre Berufung zu erh\u00f6ren.\u201c Mit einem Blick auf das Lehrgespr\u00e4ch Jesu mit der Frau am Brunnen, kann man zur Sprecherin des Di\u00f6z\u00f6sanrates nur mit \u00dcberzeugung sagen: \u201eRecht hat die Frau &#8211; und zwar in einem geradezu jesuanischen Sinne.\u201c<\/p>\n<p><strong>Teil II<\/strong><\/p>\n<p>Doch nun kommen wir zum zweiten Teil des Predigttextes, in dem sich auf verbl\u00fcffende Weise der Schwerpunkt ver\u00e4ndert. Jetzt ist das Thema pl\u00f6tzlich der Gegensatz von nat\u00fcrlichem Wasser und einem &#8211; noch n\u00e4her zu beschreibenden &#8211; \u201elebendigen Wasser\u201c. Wie so oft im Johannesevangelium, so wird auch hier im Predigttext ein Missverst\u00e4ndnis geschildert. Es ist ein Missverst\u00e4ndnis, auf das man sich einlassen muss, um am Ende zu erkennen, was lebendiges Wasser eigentlich ist. Denn das lebendige Wasser, das Jesus im Sinne hat, ist ein Wasser, das den Durst nach Leben auf ewig stillt und nicht, wie das nat\u00fcrliche Wasser, nur f\u00fcr ein kurzfristiges verschwinden des Durstes sorgt. Was aber ist das nun \u201elebendiges Wasser\u201c? \u00c4hnlich wie bei der Frau am Brunnen, hinterl\u00e4sst dieser Begriff bei uns offene Fragen. Doch das Johannesevangelium weist uns einem Weg zum Verstehen dieser Wendung. Es schildert eine Szene in der Jesus im Tempel der Menge zuruft: \u201eWer durstig ist soll zu mir kommen und trinken \u2013 jeder der mir vertraut, denn aus meinem Inneren wird lebendiges Wasser str\u00f6men.\u201c Und hier f\u00fcgt das Evangelium dann erkl\u00e4rend hinzu: \u201eJesus meinte damit den Heiligen Geist, den die erhalten sollten, die ihm vertrauten.\u201c (Joh 7, 37-39): Also: das lebendige Wasser ist der Heilige Geist, der von Jesus zu den Glaubenden kommen soll. Dieser Geist Gottes bleibt aber nicht nur eine Gabe, die wir passiv empfangen. Nein, er wird in uns zu einer lebendigen Quelle, die uns selbst aktiv macht, bereit, das was wir selbst empfangen haben, auch an Andere weiterzugeben. Wir k\u00f6nnen das, weil mit diesem Geist Gottes auch wieder Erf\u00fcllung und Lebensmut in unser Dasein einzieht. Man k\u00f6nnte mit einem gro\u00dfen Theologen sagen: Wir finden durch Gottes Geist wieder den \u201eMut um Sein\u201c. Doch was bedeutet das eigentlich konkret?<\/p>\n<p>Ich denke, wir Menschen haben deshalb so einen gro\u00dfen Lebensdurst, weil wir uns insgeheim dar\u00fcber im Klaren sind, dass unser Dasein auch immer vom Nichts bedroht ist. Der Tod bedroht uns ganz elementar. Aber auch Schuld kann unser Leben bedrohen. Der junge Martin Luther hat das vor ziemlich genau 500 Jahren im Kloster in Erfurt ganz tief gesp\u00fcrt. Sinnlosigkeit kann uns bedrohen. Wir modernen Menschen merken das \u00fcberdeutlich. Da erdenken wir gro\u00dfartige Erfindungen, die unser Leben erleichtern und bereichern und dann sehen wir, dass in der Folge dieser Erfindungen, das ganze Weltklima aus den Fugen ger\u00e4t. Und Ungl\u00fcck kann unser Leben auch bedrohen, jener Schicksalsschlag nach dem nichts mehr so ist wie zuvor. Gegen all\u2019 diese Bedrohungen anzuleben und anzuhoffen, dazu braucht es Mut. Einen Mut, der sich \u00e4u\u00dfern kann im Glauben an eine Auferstehung aus dem Tod. Einen Mut, der sich zeigt, im Vertrauen auf einen gn\u00e4digen Gott \u2013 trotz aller Schuld. Einen Mut, der erneut Sinn finden kann durch das biblische Wort, das mitten in aller Sinnlosigkeit neuen Sinn zu stiften vermag. Einen Mut, der sich in jenen Gl\u00fccksmomenten besonders deutlich zeigt, in denen wir die N\u00e4he des Geistes Gottes sp\u00fcren. Lebendiges Wasser, das Jesus uns schenken will und das in uns zur Quelle wird, aus der wir immer wieder trinken k\u00f6nnen, das k\u00f6nnte \u2013 wenn man es nicht mit symbolischen Worten fassen will \u2013 ein Lebensmut sein, der mir im glaubenden Gottvertrauen geschenkt wird. Dieser Lebensmut macht mich stark, gegen die Bedrohungen und \u00c4ngste, die ich empfinde, ja er wird selbst zu Ermutigung f\u00fcr die Menschen um mich herum. Leider strahlen wir Christen oft so wenig von diesem Lebensmut aus. Friedrich Nietzsche hat schon etwas Wahres erfasst, als er den Nachfolgern Christi vorwarf: \u201eErl\u00f6ster m\u00fcssten mir seine J\u00fcnger aussehen\u201c. Lebensmut muss zu einer nach au\u00dfen wirkenden Kraft werden, die nicht nur uns, sondern auch unsere Mitmenschen pr\u00e4gen kann. Diesen Lebensmut gewinnt ein Mensch dann, wenn er bejahen kann, dass er von Gott bejaht ist. Gottes Ja zu mir sucht in meinem Herzen ein antwortendes Ja und aus diesem Wechselspiel entsteht Ermutigung und Kraft gegen alle Bedrohungen des Lebens. Im weiteren Verlauf dieser Geschichte, zwischen Jesus und der Samariterin am Brunnen wird sich zeigen, wie viel Mut diese Frau selbst aus ihrem Gespr\u00e4ch am Brunnen gezogen hat, wie sehr sie \u201eJa\u201c sagen konnte, zu dem gro\u00dfen \u201eJa\u201c, das in jeder Geste dieser Begegnung mit Jesus steckte. Trotz ihrer wohl schlechten sozialen Stellung in ihrem Dorf gelingt es ihr, die Bewohner dort zu \u00fcberzeugen und zu Jesus hinzuf\u00fchren. Sie ist selbst ermutigt und kann andere Menschen ermutigen, Hoffnung, Vergebung, Sinn und Gl\u00fcck bei dem Mann aus Nazareth zu suchen und zu finden.<\/p>\n<p><strong>Schluss<\/strong><\/p>\n<p>Nun bin ich heute einen weiten Weg mit ihnen in dieser Predigt gegangen. Er begann mit dem \u00dcberwinden von Tabus und reichte hin bis zu jenem Lebensmut, der aus dem Glauben hervor w\u00e4chst. Vom materiellen teilen des Trinkwassers bis hin zu dem spirituellen Grund, der den Lebens\u00e4ngsten begegnen kann. Vom Wasser das nass ist, bis hin zu einem Wasser, das ein Symbol ist.<\/p>\n<p>Doch beides geh\u00f6rt ja auch in einem Christenleben zusammen, wenn das Christentum nicht zu einer zwiesp\u00e4ltigen Sache werden soll, die so wenig den Lebensdurst l\u00f6scht, wie irgendeine s\u00fc\u00dfe Limonade. Materielles teilen kann zu einer geistlichen Erfahrung werden, die uns neue Aspekte unseres Glaubens verstehen l\u00e4sst. Und geistliche Erfahrung wird sich bis ins Materielle hinein auswirken, sonst w\u00e4re sie nicht eine wirkliche Ermutigung. Vom Schluck Wasser, den man am Brunnen teilt und mit dem man auch alten Hass und \u00fcberkommene Vorurteile durchbrechen kann, bis hin zur Erkenntnis, wie mein Durst nach Leben sich auf ewig stillen l\u00e4sst, hat uns der heutige Predigttext etwas zu sagen. Das ist ein Ausdruck f\u00fcr den Reichtum des Johannesevangeliums, denn nur in einem weiten Raum wo beides seinen Platz findet, kommt der christliche Glaube zu seiner Eigentlichkeit. AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p>Anmerkung:<br \/>\n<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a>(1) Grundlage dieser Predigt ist eine publizierte Predigtmeditation des Verfassers:<br \/>\nThomas Oesterle, in : \u201eF\u00fcr Arbeit und Besinnung\u201c\u2013 Zeitschrift der evangelischen Landeskirche im W\u00fcrttemberg\u201c 1. Jahrgang Heft 1\/2007 S. 16 ff, Stuttgart, 2007<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: 16px;\">Pfarrer Thomas Oesterle <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial; font-size: 16px;\">Konrad-Hausmannweg 15 <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial; font-size: 16px;\">73614 Schorndorf <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial; font-size: 16px;\">Tel: 07181\/76902 <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial; font-size: 16px;\">mail: <a href=\"mailto:ev.pauluski.ost.schorndorf@t-online.de\">ev.pauluski.ost.schorndorf@t-online.de<\/a><\/span><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Epiphanias | 21. Januar 2007 | Johannes 4,4-15 | Thomas Oesterle | &#8222;Jesus musste aber durch Samarien reisen. Da kam er in eine Stadt Samariens, die hei\u00dft Sychar, nahe beim dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. Es war aber dort Jakobs Brunnen. 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