{"id":11698,"date":"2007-01-07T19:48:47","date_gmt":"2007-01-07T18:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11698"},"modified":"2025-04-08T15:10:02","modified_gmt":"2025-04-08T13:10:02","slug":"johannes-12-34-36-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-12-34-36-2\/","title":{"rendered":"Johannes 12, 34-36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias | 28. Januar 2007 | Johannes 12,34-36 | J\u00f6rg Egbert Vogel |<\/span><\/b><\/h3>\n<p><em>34 Die Menge hielt Jesus entgegen: Wir haben aus dem Gesetz geh\u00f6rt, dass der Messias bis in Ewigkeit bleiben wird. Wie kannst du sagen, der Menschensohn m\u00fcsse erh\u00f6ht werden? Wer ist dieser Menschensohn?<\/em><br \/>\n<em>35 Da sagte Jesus zu ihnen: Nur noch kurze Zeit ist das Licht bei euch. Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt, damit euch nicht die Finsternis \u00fcberrascht. Wer in der Finsternis geht, weiss nicht, wohin er ger\u00e4t.<\/em><br \/>\n<em>36 Solange ihr das Licht bei euch habt, glaubt an das Licht, damit ihr S\u00f6hne des Lichts werdet. Dies sagte Jesus. Und er ging fort und verbarg sich vor ihnen.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nals ich vor 16 Jahren nach dem Fall der Mauer zwischen Ost und West zum ersten Mal nach Taiz\u00e8 fahren konnte, war das ein sehr pr\u00e4gendes Erlebnis. Ich hatte schon viel \u00fcber Taiz\u00e9 geh\u00f6rt und gelesen und die Ges\u00e4nge waren mir l\u00e4ngst vertraut, aber das pers\u00f6nliche Erleben in dieser einen Woche \u00fcbertraf alle Erwartungen. Die Begegnung mit dem damals noch blutjungen 76 j\u00e4hrigen fr. Roger geh\u00f6rte dazu, aber vor allem ein Gottesdienst, ein Gebet, das ich so bis dahin noch nie erlebt hatte und in das ich also unvorbereitet hineingeriet, am Ende der Woche, am Samstagabend, die Nacht der Lichter.<br \/>\nMitten im Gebet verteilten Kinder mit ihren Kerzen, die sie an der Kerze in der Mitte der Kirche angez\u00fcndet hatten, das Licht unter den vielleicht 3000 Anwesenden, die alle am Eingang eine weisse d\u00fcnne Kerze erhalten hatten.<\/p>\n<p>In der sonst recht dunklen Kirche wurde es immer heller w\u00e4hrend sich das Licht ausbreitete und <em>B\u00e9nissez le Seigneur \u2013 Preist den Herrn! <\/em>gesungen wurde.<br \/>\nIch kann mich gut erinnern, wie es mir dabei kalt den R\u00fccken herunter lief.<br \/>\nInzwischen habe ich unz\u00e4hlige Male die Nacht der Lichter gefeiert, in Taiz\u00e9 und noch \u00f6fter an anderen Orten. Und noch immer ist mir die Symbolik des sich ausbreitenden Lichtes eine der wichtigsten Symbole des christlichen Glaubens: dort wo geglaubt wird, wo Gott vertraut wird, wo die Liebe Gottes sich ausbreiten kann, wird aus Finsternis Licht, die Dunkelheit wird erhellt, die Nacht wird zum Tag.<\/p>\n<p>Als Jesus gefragt wird von den sich neugierig um ihn scharenden Menschen, wer denn der Menschensohn sei, von dem er immer spricht, gibt er eine etwas r\u00e4tselhaft ausweichende Antwort und sagt:<\/p>\n<p><em>Nur noch kurze Zeit ist das Licht bei euch. Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt, damit euch nicht die Finsternis \u00fcberrascht. Wer in der Finsternis geht, weiss nicht, wohin er ger\u00e4t.<br \/>\nSolange ihr das Licht bei euch habt, glaubt an das Licht, damit ihr S\u00f6hne des Lichts werdet.<\/em><\/p>\n<p>Jesus beantwortet die Frage, wer der Menschensohn sei oder warum er sich selbst als Menschensohn tituliert nicht, jedenfalls nicht direkt, aber er bezeichnet sich in seiner Antwort als das Licht, \u00e4hnlich wie an anderer Stelle als das Licht der Welt.<br \/>\nUnd der Glaube an ihn, das Licht, f\u00fchrt die Glaubenden dazu, selber S\u00f6hne und T\u00f6chter, Kinder des Lichts, zu werden.<br \/>\nDer Menschensohn ist das Licht und der Glaube an das von Gott kommende Licht, macht die Glaubenden zu Kindern des Lichts.<\/p>\n<p>Vielleicht fragen Sie sich auch manchmal, liebe Gemeinde, warum nun der christliche Glaube in den 2000 Jahren seiner Geschichte, so wenig Licht in die Finsternis dieser Welt gebracht hat.<br \/>\nJa das Christentum scheint in Vergangenheit und Gegenwart immer wieder urs\u00e4chlich und aufs Engste mit Gewaltherrschaft und Krieg verbunden zu sein.<\/p>\n<p>Wie siehst es denn aus am Anfang des 3. Jahrtausends?<br \/>\nNach der Entspannungsphase nach dem kalten Krieg in den 70iger und 80iger Jahren und dem hoffnungsvollen Untergang des Kommunismus in den 90igern, muss man jetzt den Eindruck gewinnen, als w\u00fcrde die Kriegsgefahr tagt\u00e4glich anwachsen und die Gewalt n\u00e4hme immer mehr zu.<br \/>\nWie ist das m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Das praktisch allen Religionen und vor allem dem Christentum innewohnende Friedenspotential ist in der Geschichte bisher kaum wirksam geworden.<br \/>\nUnd auch jetzt muss man objektiv betrachtet den Religionen den Friedenswillen doch deutlich absprechen, wenn man sich in der heutigen Weltsituation umschaut.<br \/>\nDie Folge ist, dass die Religionen als gesellschaftliche Friedensgestaltungskraft nicht mehr ernst genommen werden, weder von den Politikern, noch von den Menschen.<\/p>\n<p>Die Juden haben und hatten zur Zeit Jesu eine klare Vorstellung davon, wie es aussehen wird, wenn der Messias kommt und sein Friedensreich errichtet.<br \/>\nUnd deshalb fragen sie Jesus: <em>Wir haben aus dem Gesetz geh\u00f6rt, dass der Messias bis in Ewigkeit bleiben wird. Wie kannst du sagen, der Menschensohn m\u00fcsse erh\u00f6ht werden?<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Die Erwartung ist ganz klar: Der Messias wird kommen und in der Welt weltlich sichtbar f\u00fcr alle Welt seine Friedensherrschaft errichten. Dann brauchen sich die Menschen nicht mehr selber um den Frieden zu bem\u00fchen, nicht mehr selbst Verantwortung f\u00fcr die Welt und die Menschheit \u00fcbernehmen. Nach dem Motto: Der Messias wird\u2019s schon richten!<\/p>\n<p>Die Problematik dieser Erwartung ist damit schon angedeutet und Jesus weist sie deshalb auch zur\u00fcck und korrigiert sie.<br \/>\n<em>Nur noch kurze Zeit ist das Licht bei euch. Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt, damit euch nicht die Finsternis \u00fcberrascht. Wer in der Finsternis geht, weiss nicht, wohin er ger\u00e4t.<br \/>\n<\/em>Der Messias ist nicht der innerweltliche Herrscher, der alles in Ordnung bringt, was der Mensch vermasselt.<br \/>\nEr ist die Lichtspur Gottes in der Dunkelheit der Welt, der es zu folgen gilt, damit es immer und immer heller wird in der Welt, wie es immer heller wird in der dunklen Kirche, wenn eine Kerze nach der anderen sich entz\u00fcndet.<\/p>\n<p>Der Schl\u00fcsselsatz ist f\u00fcr mich: <em>Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt.<\/em><br \/>\nWir m\u00fcssen den Weg des Lichtes gehen, oder es geschieht nichts.<br \/>\nAuf den Messias zu warten wie die Juden, oder auf den wiederkommenden Christus, hat nur theoretischen Wert, wenn wir nicht begreifen, dass jedes auch noch so kleine Engagement f\u00fcr den Frieden, f\u00fcr die Vers\u00f6hnung, f\u00fcr die \u00c4rmsten der Armen, f\u00fcr den N\u00e4chsten ein Licht aufleuchten l\u00e4sst in der Finsternis und dass wir, jeder von uns, immer und immer wieder solche kleinen Lichter anz\u00fcnden, dort wo wir es k\u00f6nnen, in unserem Lebensbereich.<\/p>\n<p>Dann wird es auch allm\u00e4hlich in der \u00fcberm\u00e4chtig erscheinenden Finsternis immer heller werden.<\/p>\n<p>In Taiz\u00e9 gibt es jede Woche ein interkontinentales Treffen, bei dem Jugendliche aus aller Welt von ihren pers\u00f6nlichen Engagements f\u00fcr Andere berichten. Jeder dieser Berichte zeigt solch ein Licht, das irgendwo in der Welt leuchtet und die Welt heller macht.<br \/>\nAuch, dass wir uns als Gemeinde zum Beispiel f\u00fcr Schulen im Nahen Osten einsetzen, in Pal\u00e4stina, Libanon, Jordanien und Israel, und Sch\u00fclerpatenschaften f\u00fcr bed\u00fcrftige Kinder \u00fcbernommen haben, macht die Welt ein wenig heller.<\/p>\n<p>Es gibt sie \u00fcberall, diese Lichtspuren Gottes, die die Friedensherrschaft des Messias jetzt schon anzeigen.<\/p>\n<p>Manchmal, wenn wir wieder von Bombenanschl\u00e4gen in Bagdad oder Raketenangriffen auf Israel oder Gaza h\u00f6ren und Politiker dies rechtfertigen, als geh\u00f6re es zum Alltag, mag uns die Finsternis erdr\u00fcckend scheinen.<\/p>\n<p>Doch \u00fcberall, wo Menschen an des Licht glauben, werden sie selber zu Kindern des Lichts und lassen Licht in der Finsternis scheinen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Pfr. J\u00f6rg Egbert Vogel, Basel<\/strong><br \/>\n<a href=\"mailto:j.e.vogel@zipor.eu\"><strong>j.e.vogel@zipor.eu<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias | 28. Januar 2007 | Johannes 12,34-36 | J\u00f6rg Egbert Vogel | 34 Die Menge hielt Jesus entgegen: Wir haben aus dem Gesetz geh\u00f6rt, dass der Messias bis in Ewigkeit bleiben wird. Wie kannst du sagen, der Menschensohn m\u00fcsse erh\u00f6ht werden? 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