{"id":11699,"date":"2007-01-07T19:48:48","date_gmt":"2007-01-07T18:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11699"},"modified":"2025-04-21T17:16:16","modified_gmt":"2025-04-21T15:16:16","slug":"johannes-123536","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-123536\/","title":{"rendered":"Johannes 12:35+36"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>4. Sonntag nach Epiphanias | 28.01.2007 | Johannes 12:35+36 | Christoph Hildebrandt-Ayasse |<\/h3>\n<p>Jesus sprach zum Volk:<br \/>\nEs ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch.<br \/>\nWandelt, solange ihr das Licht habt,<br \/>\ndamit euch die Finsternis nicht \u00fcberfalle.<br \/>\nWer in der Finsternis wandelt, der wei\u00df nicht, wo er hingeht.<br \/>\nGlaubt an das Licht, solange ihr&#8217;s habt,<br \/>\ndamit ihr Kinder des Lichtes werdet.<br \/>\nDas redete Jesus<br \/>\nund ging weg<br \/>\nund verbarg sich vor ihnen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<br \/>\nwenn man uns nicht kannte, dann wurden wir Kinder von Erwachsenen fr\u00fcher im Dorf gefragt: \u201eWem seiner bist du denn?\u201c<br \/>\nUnd dann konnte man antworten: \u201edem Pfarrer seiner\u201c oder \u201edem Schmidt aus der Ringgasse seiner\u201c oder \u201edem Doktor seiner\u201c. Damit war klar, wo man hingeh\u00f6rte und wessen Kind man war.<br \/>\n\u201eWem seiner\u201c sind wir? Wo geh\u00f6ren wir hin?<br \/>\n\u201eGlaubt an das Licht, solange ihr&#8217;s habt,<br \/>\ndamit ihr Kinder des Lichtes werdet.\u201c<br \/>\nDazu fordert uns Jesus auf. Werdet Kinder des Lichtes!<br \/>\nDas ist nun eine sehr bildhafte, symbolische Sprache: \u201eKinder des Lichtes\u201c, \u201eglaubt an das Licht\u201c.<br \/>\nAber manches l\u00e4sst sich besser mit einem Bild oder in einem Symbol ausdr\u00fccken als mit trockenen Erkl\u00e4rungen oder Definitionen.<br \/>\nBesonders der Evangelist Johannes \u00fcberliefert uns diese bildhafte Rede von Jesus. Wer Jesus ist, das l\u00e4sst sich mit theologischen und religionsgeschichtlichen Worten und Begriffen darlegen. Aber eindr\u00fccklicher mit Bildern und Symbolen.<br \/>\nSo auch hier in 12. Kapitel des Johannesevangeliums. Da wird berichtet, wie das Volk \u00fcber den \u201eMenschensohn\u201c diskutiert. Der Menschensohn, das war ein anderer Begriff f\u00fcr den Heiland, den Retter, den Messias, den Erl\u00f6ser. Und jeder dieser theologischen Begriffe hat kleine, feine Unterschiede in der Bedeutung.<br \/>\nWer ist er, der Menschensohn? Wann kommt er? Und wenn er kommt, wird unsere Welt dann mit einem Schlag besser oder muss der Menschensohn erst erh\u00f6ht werden, entr\u00fcckt werden oder gar sterben?<br \/>\nDie Leute diskutieren \u00fcber den Menschensohn und sein Schicksal \u2013 und merken nicht, dass er, Jesus, vor ihnen steht.<br \/>\nSie kennen das bestimmt auch: da steht man in einem Laden vor dem K\u00fchlregal und sucht verzweifelt, sagen wir, die Saure Sahne. Schlie\u00dflich fragt man eine Angestellte nach der Sahne, nur um festzustellen, dass man die ganze Zeit direkt davor gestanden hat.<br \/>\nSo eine Art Betriebsblindheit gibt es auch in spirituellen, geistlichen Dingen. Ein blockierter Glaube, der das Naheliegende nicht sieht. Das passiert Frommen wie Zweiflern.<br \/>\nDa spricht man fromm seine Gebete, liest seine Bibel und singt seine Lieder und merkt nicht, wie Gottes Wort einen ganz neu ansprechen k\u00f6nnte.<br \/>\nOder da ist man so auf seine Zweifel, seine Skepsis und Kritik am Glauben fixiert, dass man seine liebgewonnenen Urteile nicht loslassen kann, auch wenn es augenscheinlich anders ist.<br \/>\nAber es gibt solche Momente, die sollte man nicht ungenutzt verstreichen lassen \u2013 werdet Kinder des Lichtes!<br \/>\nLicht ist ein starkes Symbol.<br \/>\nWas Jesus f\u00fcr uns bedeutet, \u00fcberliefert uns der Evangelist Johannes in Bildern und Symbolen. Im Evangelium sagt Jesus von sich: \u201eIch bin das Brot des Lebens\u201c oder: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben\u201c oder \u201eder gute Hirte\u201c oder \u201edie T\u00fcr\u201c.<br \/>\nWorte, die Bilder und Gef\u00fchle in uns ausl\u00f6sen. Bilder zum Nachdenken, zum Meditieren. Bilder, in die man sich nachsinnend hineinzeichen und hineindenken kann.<br \/>\n\u201eIch bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.\u201c<br \/>\nDieses Wort Jesu aus dem Johannesevangelium sagen wir, wenn wir den Neugetauften in unserer Gemeinde die Taufkerze \u00fcberreichen. Licht f\u00fcr den neuen Lebensweg.<br \/>\nLicht ist ein starkes Symbol.<br \/>\nNiemand ist gern im Finstern unterwegs. Niemand m\u00f6chte auf der Schattenseite des Lebens gehen m\u00fcssen. Niemand erinnert sich gerne an die dunklen Momente im Leben. Im Dunkeln findet man keinen Ausweg.<br \/>\n\u201eWer in der Finsternis wandelt, der wei\u00df nicht, wo er hingeht\u201c, so wie Jesus das sagt, so ist es. Das hat mancher schon erfahren m\u00fcssen. Wenn man nicht mehr sehen kann, wo der Lebensweg hinf\u00fchrt.<br \/>\nDas Licht am Ende des Tunnels kann man sich nicht selber anz\u00fcnden. Der Lichtschein, der weiterhilft und aus dem Dunkel f\u00fchrt, kommt von au\u00dfen. Licht f\u00fchrt zum Leben. Licht ist Leben.<br \/>\nLicht ist das erste Sch\u00f6pfungswerk Gottes. Es erm\u00f6glicht Leben auf unserem Planeten. Licht weist den Israeliten den Weg durch die W\u00fcste und leuchtet als Feuers\u00e4ule nachts. Gott wohnt in einem Licht. Gott ist Licht. F\u00fcr viele Religionen ist Licht ein zentrales Symbol. Nicht nur Kinder haben gerne ein Licht, das nachts in der Wohnung leuchtet.<br \/>\nLicht ist ein starkes, lebendiges Symbol; ein Symbol, das auf Jesus Christus hinweist.<br \/>\n\u201eGlaubt an das Licht, solange ihr&#8217;s habt,<br \/>\ndamit ihr Kinder des Lichtes werdet.\u201c<br \/>\nKinder des Lichtes, Menschen, die an Jesus Christus glauben, haben das Lebensgef\u00fchl unter der Sonne Gottes zu leben und einmal in sein Licht zu gehen.<br \/>\nNun ist aber nicht alles eitel Sonnenschein im Leben.<br \/>\nAuch in den Bericht des Johannes f\u00e4llt ein Schatten: Jesus ruft die Leute damals, ruft uns heute auf, an ihn, das Licht der Welt zu glauben, in seinem Licht zu leben, Kinder des Lichtes zu werden \u2013 und dann geht er weg und verbirgt sich.<br \/>\nUnd seine Bewegung spiegelt die ganze Bandbreite unseres Glaubenslebens: zwischen Gottvertrauen und dem Gef\u00fchl von Gott und der Welt verlassen zu sein. Zwischen Gottesn\u00e4he und Gottesferne.<br \/>\nAber gerade so sollte es nicht sein, so hin und her geworfen zwischen Glauben und Zweifel, zwischen hell und finster.<br \/>\n\u201eWandelt, solange ihr das Licht habt\u201c; \u201eGlaubt an das Licht, solange ihr es habt.\u201c<br \/>\nDieses \u201esolange\u201c ist so wichtig.<br \/>\nEs bedeutet: verpasst die begl\u00fcckenden Momente im Glauben nicht. Verpasst nicht diesen \u201ehelle Schein im Herzen\u201c von dem der Apostel Paulus schreibt (vgl. die Schriftlesung: 2. Kor. 4,6), diesen hellen Schein, den der Glaube an Jesus schenkt. Freut euch, wenn der Glaube euch leicht f\u00e4llt. Dies tr\u00e4gt durch so manche schwere Zeit.<br \/>\nDiese Erfahrung machen wir jedes Jahr in der Vesperkirche hier bei uns in St. Leonhard. Da gibt es Begegnungen, Gespr\u00e4che, Gebete, Momente die so wertvoll sind, dass sie ein ganzes Jahr lang tragen. Sie sind wie ein innerer Schatz, den man immer wieder hervor holen kann. Dieser helle Schein tr\u00e4gt manche durch dunkle und schwere Zeiten. Und f\u00fcr andere sind sie so wertvoll, dass sie ihren Terminkalender oder Urlaubsplan danach richten.<br \/>\nMomente, die man nicht verpassen darf, solange sie leuchten.<br \/>\nAugenblicke gelungenen Zusammenlebens, die durch das ganze Jahr tragen.<br \/>\nHeute ist der letzte Sonntag nach Epiphanias. Heute enden die Sonntage in der Weihnachtszeit. Und heute werden wir dazu aufgefordert, das Licht der Weihnachtszeit mit zu nehmen in das Jahr, das vor uns liegt.<br \/>\n\u201eWerdet Kinder des Lichtes\u201c fordert uns Jesus auf.<br \/>\nTragen wir sein Licht im Herzen?<br \/>\nIst der Funke des Weihnachtslichtes auf uns \u00fcbergesprungen?<br \/>\nGelingt es uns, sein Licht weiter zu geben?<br \/>\nAmen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Christoph Hildebrandt-Ayasse<br \/>\n<a href=\"mailto:pfarramt@leonhardskirche.de\">pfarramt@leonhardskirche.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.leonhardskirche.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.leonhardskirche.de<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. Sonntag nach Epiphanias | 28.01.2007 | Johannes 12:35+36 | Christoph Hildebrandt-Ayasse | Jesus sprach zum Volk: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht \u00fcberfalle. 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