{"id":11716,"date":"2021-02-07T19:48:51","date_gmt":"2021-02-07T19:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11716"},"modified":"2023-03-09T14:42:00","modified_gmt":"2023-03-09T13:42:00","slug":"jesaja-55-10-12a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-55-10-12a\/","title":{"rendered":"Jesaja 55, 10-12a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesimae, 11. Februar 2007<br \/>\nPredigt zu Jesaja 55, 10-12a, verfa\u00dft von Antje Marklein <\/span><\/b><\/h3>\n<hr \/>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong>: Im Gottesdienst sollten sowohl die Epistel (Hebr. 4, 12f) als auch das Evangelium in der langen Fassung (Lk 8, 4-15) gelesen werden.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\nWelch eine Vielfalt der Bilder bieten uns die Texte dieses Sonntags: Bilder vom Wort Gottes.<\/p>\n<p>Lebendig, kr\u00e4ftig und sch\u00e4rfer als ein Schwert ist das Wort Gottes in der Epistel beschrieben worden \u2013 vielleicht haben Sie schon die Losung des kommenden Kirchentages herausgeh\u00f6rt?<\/p>\n<p>Das Wort Gottes ist wie der Same, den der S\u00e4mann auss\u00e4t in die Natur. Und wo er hinf\u00e4llt, bringt er Frucht \u2013 oder nicht. So sagte es das Evangelium.<\/p>\n<p>Jetzt h\u00f6ren wir im Predigttext bei Jesaja: Das Wort Gottes ist wie Schnee und Regen, der die Erde fruchtbar macht und auf ihr etwas wachsen l\u00e4sst.<br \/>\nH\u00f6ren wir Jesaja 55, 10-12a: J\u00f6rg Zink hat so \u00fcbersetzt:<br \/>\nSo spricht Gott:<br \/>\nWie der Regen, der Schnee vom Himmel f\u00e4llt<br \/>\nund nicht wieder dorthin zur\u00fcckkehrt,<br \/>\nohne dass er die Erde feuchtet<br \/>\nund fruchtbar macht<br \/>\nund sie sprossen l\u00e4sst,<br \/>\nohne dass sie Samen dem S\u00e4mann gibt<br \/>\nund dem Essenden Brot,<br \/>\nso ist\u2019s mit dem Wort, das von mir ausgeht:<br \/>\nEs kehrt nicht ohne Wirkung zu mir zur\u00fcck,<br \/>\nsondern tut, was mir gef\u00e4llt,<br \/>\nund richtet aus, wozu ich es sende.\u201c<br \/>\nJa, in Freuden sollt ihr ausziehen<br \/>\nUnd in Frieden geleitet werden.<\/p>\n<p>Gottes Wort wirkt, Gottes Wort setzt eine Wirklichkeit! Es ver\u00e4ndert, es schafft Neues, es wirkt.<br \/>\nGottes Wort? Was meint es in der Bibel, was meint es in unserer Sprachwelt?<br \/>\nIm Alten Testament, insbesondere bei den Propheten ist das Wort Gottes das, was als Botschaft Gottes durch den Mund der Propheten an sein Volk ergeht: Drohworte, Mahnungen und Verhei\u00dfungen, die Propheten dem Volk Israel in unterschiedlichsten politischen und sozialen Zusammenh\u00e4ngen sagen. Diese Worte schaffen Realit\u00e4ten! Die Propheten und das Volk Israel k\u00f6nnen sich ihnen nicht entziehen. Wenn Gott spricht, dann geschieht das, was er sagt. Diese Erfahrung steht hinter einem solchen Satz: Das Wort Gottes ist wie Schnee und Regen, der die Erde fruchtbar macht und auf ihr etwas wachsen l\u00e4sst.<br \/>\nIm Neuen Testament, zun\u00e4chst in den Evangelien, meint \u201eWort Gottes\u201c die christliche Heilsbotschaft, die Botschaft, die Gott durch Jesus Christus in seine Welt gegeben hat. Also ist die christliche Botschaft wie der Same, den der S\u00e4mann auss\u00e4t und er bringt unterschiedlich viel Frucht, je nachdem, worauf er trifft.<br \/>\nSchlie\u00dflich der Hebr\u00e4er-Text, einer der j\u00fcngsten Briefe im Neuen Testament, der wiederum versteht die ganze Bibel als \u201eWort Gottes\u201c. Lebendig, kr\u00e4ftig und sch\u00e4rfer spricht die Bibel zu den Menschen, mit all ihren Geschichten, Verhei\u00dfungen, Geboten und Predigten.<\/p>\n<p>Das Wort Gottes wirkt, es ver\u00e4ndert, es schafft eine neue Wirklichkeit.<br \/>\nDiese Wirklichkeit aber h\u00e4ngt ab von dem Menschen, auf den das Wort trifft: Es macht einen Unterschied, ob Menschen im 6.Jh. vor Christus im babylonischen Exil sind und von Gott gesagt bekommen: Mein Wort kehrt nicht ohne Wirkung zu mir zur\u00fcck. Oder ob frisch getaufte Jugendliche das im Jahr 2007 h\u00f6ren. Und wieder anders wirkt dieser Satz auf Menschen, die in Einsamkeit und Trauer gefangen sind und Trost brauchen.<\/p>\n<p>Ich stelle mir den Zusammenhang vor, in dem dieser Text entstanden ist: Die erste Generation der nach Babylon in das Exil verschleppten Israeliten hatte noch an den Ufern der Fl\u00fcsse gesessen und geweint \u2013 by the rivers of Babylon &#8211; Die zweite Generation hat sich jetzt eingerichtet. Sie haben eigene H\u00e4user, k\u00f6nnen sich relativ frei bewegen, haben Arbeit und Auskommen. Die Hoffnung auf R\u00fcckkehr ist l\u00e4ngst entschwunden, ja die Menschen zweifeln am Wert ihrer eigenen Religion. Die babylonische Religion und die einheimischen Br\u00e4uche \u00fcben Faszination aus. Da tritt ein neuer Prophet auf, der zweite Jesaja. Ihr werdet zur\u00fcckkehren nach Jerusalem, sagt er den Israeliten. Kehrt auch zur\u00fcck zu eurem Gott. Ihm und nur ihm d\u00fcrft ihr vertrauen. Und dann sagt der Prophet:<br \/>\nWie der Regen, der Schnee die Erde feuchtet und macht, dass sie fruchtbar wird, so, genau so wirkt Gottes Wort bei uns.<br \/>\nSo verl\u00e4sslich wie Schnee und Regen, wie Samen und Brot ist Gott \u2013 sagt der Prophet. und ruft doch zugleich die Menschen dazu auf, das gerade verl\u00e4sslich Gewordene zu verlassen, sich wieder aufzumachen zu neuen Ufern. Wie sch\u00f6n, m\u00f6gen die Israeliten sagen, wie sch\u00f6n w\u00e4re es doch, wenn Gott so verl\u00e4sslich w\u00e4re wie Schnee und Regen, wie Samen und Brot. Aber wir haben uns doch gerade so gut eingerichtet. Ein Aufbruch zu neuen Ufern, jetzt? Wer sagt uns, dass das gut geht? Dass Gott so verl\u00e4sslich ist?<br \/>\nLasst euch drauf ein, sagte der Prophet. Gottes Wort wirkt.<br \/>\nWie leicht lassen sich diese Worte auf unsere Zeit und Situation \u00fcbertragen.<br \/>\nWorte wirken. Das erleben wir. Jeden Tag.<br \/>\n\u201eWie gut dass es dich gibt.\u201c oder \u201eDu bist die beste Mutter der Welt.\u201c \u201eWelch ein Segen, dass Sie gekommen sind.\u201c \u201eDu bist mein bester Freund.\u201c \u201eOhne Sie w\u00fcrde hier alles drunter und dr\u00fcber gehen.\u201c Nicht, dass diese S\u00e4tze objektiven Wahrheitsgehalt h\u00e4tten. Die Worte wirken. Das eigene Selbstwertgef\u00fchl wendet sich zum Guten. Ich bedeute jemandem etwas. Ohne eine solche Wertsch\u00e4tzung l\u00e4sst es sich schwer leben. Und sie bewirkt viel. Sicherheit schafft sie und er\u00f6ffnet neue M\u00f6glichkeiten. Mit einen guten Selbstwertgef\u00fchl versehen wage ich mich auch auf ungewohnte Wege, lasse mich auf Neues ein, traue mir zu, mein Leben zu leben auch bei allen Unw\u00e4gbarkeiten. Und es gelingt, dieses Leben.<br \/>\nViel Gutes bewirken solche wertsch\u00e4tzenden Aussagen.<br \/>\nWie anders ist jedoch der Alltag. Menschen h\u00f6ren, Menschen sp\u00fcren: Ich bin nichts mehr wert, werde nicht gebraucht, werde abgeschoben, werde freigestellt oder gar nicht erst \u00fcbernommen. Der raue Ton unter Jugendlichen erschreckt mich immer wieder: Nicht nur Schimpfw\u00f6rter, sondern mehr noch die vernichtenden Aussagen ber\u00fchren mich: Du bist ein St\u00fcck Dreck, du bist eine Null, was bist du schon. Sind das Signale, die sie auch bekommen in unserer Gesellschaft, die sie weitergeben, weil sie es hautnah so erleben?<\/p>\n<p>In der Taufe haben wir einmal von Gott gesagt bekommen: Du geh\u00f6rst zu mir. Du bist mein Kind. Wer so angesehen wird, der strahlt das aus, der gibt diese Wertsch\u00e4tzung weiter.<br \/>\nMein Wort, sagt Gott, richtet aus, wozu ich es sende! Seine Worte wollen etwas bewirken in uns, ja sie bewirken es ohne unser Zutun. Allein der Glaube, so hat es Luther immer wieder betont, allein der Glaube, die Bereitschaft, dass in mir und durch mich etwas geschieht, l\u00e4sst wirklich Gro\u00dfes geschehen.<br \/>\nWie gut kann es sein, solche Worte von Gott zu h\u00f6ren: F\u00fcrchte dich nicht, ich habe dich erl\u00f6st. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Oder: Ich will dich segnen und du wirst ein Segen sein. Oder auch: Ich bin bei dir alle Tage bis an das Ende der Welt. Oder: Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Worte zum Leben. Worte die wirken, die Leben erst m\u00f6glich machen. Mit solchen Worten im Lebensgep\u00e4ck sind auch Aufbr\u00fcche zu neuen Ufern m\u00f6glich.\u201c In Freuden sollt ihr ausziehen, und in Frieden geleitet werden.\u201c, sagt Gott.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Antje Marklein<br \/>\nW\u00f6hlerstr. 22<br \/>\n30163 Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:Antje.Marklein@evlka.de\">Antje.Marklein@evlka.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae, 11. Februar 2007 Predigt zu Jesaja 55, 10-12a, verfa\u00dft von Antje Marklein Vorbemerkung: Im Gottesdienst sollten sowohl die Epistel (Hebr. 4, 12f) als auch das Evangelium in der langen Fassung (Lk 8, 4-15) gelesen werden. Liebe Gemeinde! Welch eine Vielfalt der Bilder bieten uns die Texte dieses Sonntags: Bilder vom Wort Gottes. 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