{"id":11717,"date":"2007-02-07T19:48:47","date_gmt":"2007-02-07T18:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11717"},"modified":"2025-04-08T15:13:17","modified_gmt":"2025-04-08T13:13:17","slug":"jesaja-556-12a-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-556-12a-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 55:6-12a"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3>Sexagesimae | 11.02.2007 | Jesaja 55:6-12a | Heinz Janssen |<\/h3>\n<p><em>\u201ePredigen will ich\u2019s, schreiben will ich\u2019s, aber zwingen und dringen will ich niemanden.\u201c Martin Luther<br \/>\n<\/em><strong><br \/>\nMenschenwort und Gotteswort<\/strong><\/p>\n<p><em> ( 6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist. <strong><br \/>\n<\/strong> 7 Der Gottlose lasse von seinem Wege und der \u00dcbelt\u00e4ter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. <\/em><br \/>\n<em>8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, <\/em><br \/>\n<em>9 sondern so viel der Himmel h\u00f6her ist als die Erde, so sind auch meine Wege h\u00f6her als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.) <\/em><\/p>\n<p><em>10 Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel f\u00e4llt und nicht wieder dahin zur\u00fcckkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und l\u00e4\u00dft wachsen, da\u00df sie gibt Samen, zu s\u00e4en, und Brot, zu essen, <\/em><br \/>\n<em>11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zur\u00fcckkommen, sondern wird tun, was mir gef\u00e4llt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. <\/em><\/p>\n<p><em>12 Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. <\/em><br \/>\n<em>( 12b Berge und H\u00fcgel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle B\u00e4ume auf dem Felde in die H\u00e4nde klatschen. <\/em><br \/>\n<em>13 Es sollen Zypressen statt Dornen wachsen und Myrten statt Nesseln. Und dem HERRN soll es zum Ruhm geschehen und zum ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird.) <\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p><em>Menschenwort<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Wir kennen die leeren Worte, das Wortgeklingel, die Leerformeln und die Worth\u00fclsen \u2013 sie sind ohne Inhalt, nichtsagend, richten nichts aus und bleiben ohne Wirkung. Dabei sind Worte das Kostbarste, was wir haben. Wir gut tun mir die Worte eines Menschen, der mich in einer schwierigen Lebenssituation wahrnimmt und mir Mut machen, mich aufrichten will. Was k\u00f6nnen Worte bewirken wie \u201eIch denke an Dich\u201c, \u201eDu darfst mich jederzeit anrufen\u201c, \u201eIch habe immer Zeit f\u00fcr Dich\u201c. Solche Worte schaffen Beziehung, sie geben Halt und lassen mich sp\u00fcren, dass ich nicht allein und verlassen bin.<\/p>\n<p>Worte dieser guten Art verhallen nicht einfach oder gehen ins Leere, sondern wecken in mir so etwas wie neue Kr\u00e4fte und Lebendigkeit, und sie helfen mir, mich dem Leben wieder ganz neu zuzuwenden, gespannt auf das, was auf mich zukommt, gest\u00e4rkt, um neue Aufgaben und Herausforderungen zu bestehen.<\/p>\n<p>Mit Worten verst\u00e4ndigen wir uns und sprechen uns aus, mit Worten gestalten wir unsere Beziehungen und bestimmen die Atmosph\u00e4re, schaffen ein heilsames oder zerst\u00f6rerisches Klima. Ein Segen, wenn gute Worte aus unserem Mund kommen.<\/p>\n<p><em>Gotteswort<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Damit n\u00e4hern wir uns dem Geheimnis des Wortes Gottes, an das uns der Prophet heranf\u00fchren m\u00f6chte. Wir ahnen die tiefe Bedeutung, wenn es am Anfang der biblischen Sch\u00f6pfungsgeschichte hei\u00dft: \u201eUnd Gott sprach\u2026\u201c Und \u00e4hnlich beginnt das Johannesevangelium: \u201eIm Anfang war das Wort\u2026\u201c Das Wort Gottes ist voller Wirkkraft, b\u00e4ndigt das Chaos, gestaltet, schafft Gutes, hilft weiter. Gottes Wort ist aufgeschrieben in der Bibel, auch Menschenwort ist aufgeschrieben.<\/p>\n<p>Gleich einem Prolog seiner Botschaft verk\u00fcndigt der Prophet die Best\u00e4ndigkeit des Wortes Gottes, von der er in der Stunde seiner Berufung geh\u00f6rt hat: \u201eDas Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich (Jesaja 40,8). Und gleich einem Epilog m\u00fcndet seine Botschaft in die Worte, die heute unser Predigttext sind und uns in einem Gleichnis die Wirkung und Zuverl\u00e4ssigkeit vor Augen stellen:<\/p>\n<p><em>10<\/em><em> Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel f\u00e4llt und nicht wieder dahin zur\u00fcckkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und l\u00e4\u00dft wachsen, da\u00df sie gibt Samen, zu s\u00e4en, und Brot, zu essen,<br \/>\n11 so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zur\u00fcckkommen, sondern wird tun, was mir gef\u00e4llt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.<br \/>\n<\/em> Wie anschaulich der Prophet hier vom Wort Gottes redet. Es ist kr\u00e4ftig und wirksam wie der Regen und Schnee, die so wichtig f\u00fcr das Wachsen und Gedeihen der Fr\u00fcchte unserer Erde sind. \u00dcber zweieinhalbtausend Jahre sind inzwischen vergangen, seit diese Botschaft mutlosen Menschen \u00fcberbracht wurde. Sie galt der damaligen israelitisch-j\u00fcdischen Gemeinde im babylonischen Exil. Das Leben in der Gefangenschaft fern von der Heimat war f\u00fcr die Deportierten traurig und belastend. Das Vertrauen auf Gott, mit dem sie immer Hoffnung auf Befreiung und Heimkehr verbanden, war geschwunden, Resignation bestimmte ihr Lebensgef\u00fchl. Das Wort Gottes, das ihnen bisher so wichtig war, in dem sie Orientierung, Halt und Trost suchten, erreichte nicht mehr ihr Herz. Es hatte, so empfanden sie, keine Wirkung mehr. Als befreiendes Wort, das sie in der Hoffnung, bald aus der Gefangenschaft heimzukehren, st\u00e4rken sollte, konnten sie es nicht mehr h\u00f6ren, es machte sie eher wehm\u00fctig. Kennen wir dieses Gef\u00fchl nicht auch? Dass wir das Wort Gottes zwar h\u00f6ren, aber es nicht annehmen k\u00f6nnen, dass die Botschaft von der N\u00e4he Gottes, von seinen guten Gedanken, Wegen und von seinem Frieden wie dogmatische Leerformeln klingen?<\/p>\n<p>Dem Propheten, der mit seinem Volk in Gefangenschaft war und im Namen Gottes predigte, waren solche Empfindungen bestimmt nicht fremd, ebensowenig wie Zeiten innerer Leere und Hoffnungslosigkeit, die einen Menschen an den Rand der Resignation und Verzweiflung bringen k\u00f6nnen. Vieles spricht daf\u00fcr, dass er sich seinem Volk im Glauben nicht \u00fcberlegen wusste, auch nicht in den \u201eGedanken\u201c, die sich auf die Planung eines gelingenden Lebens und weiterf\u00fchrenden (Lebens-)Weges ausrichten; vielmehr war er seinem Volk in der Sehnsucht nach dem befreienden und wirkungskr\u00e4ftigen Gotteswort zutiefst verbunden. Sollte das Wort Gottes auf einmal nichts mehr gelten oder hat Gott sogar aufgeh\u00f6rt, zu und mit seinem Volk zu sprechen? Fiel Gottes Wort, wie es in Jesu Gleichnis vom S\u00e4mann, der heutigen Lesung, hei\u00dft (Lukas 8,4-8), auf den Weg, wo es schutzlos war, auf den Fels, wo es keine Feuchtigkeit hatte, oder unter die Dornen, die es erstickten? Haben wir zu wenig geglaubt, Gott vertraut, zu wenig gebetet, mit ihm das Gespr\u00e4ch gesucht?<\/p>\n<p><em>Evangelium \u2013 bedingungslos und heilsam<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Die Erfahrung mit eigenen Zweifeln und deren \u00dcberwindung (im H\u00f6ren auf das Wort Gottes) k\u00f6nnen mit dazu beigetragen haben, dass der Prophet dem Volk nicht mit Vorw\u00fcrfen gegen\u00fcbertritt, keine Schuld aufweist und keinerlei Forderungen stellt. Darum wird er gerne als der \u201eEvangelist des Alten\/Ersten Testaments\u201c bezeichnet. Seine Botschaft ist, wie es der Vergleich des Wortes Gottes mit Regen und Schnee zum Ausdruck bringt, bedingungslos voller Trost und Zuspruch; so steht es in den beiden Versen, die unserem Predigttext vorangehen:<\/p>\n<p><em>8<\/em><em> Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,<br \/>\n9 sondern so viel der Himmel h\u00f6her ist als die Erde, so sind auch meine Wege h\u00f6her als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Gottes Gedanken entziehen sich uns, sie erweisen sich meist erst im R\u00fcckblick als heilvoll. Wo wir Menschen mit unseren Lebensplanungen an eine Grenze sto\u00dfen und unsere Wege in einer Sackgasse enden, ist Gott auf dem Plan, \u00f6ffnet Gott Wege, die weiterf\u00fchren und gut f\u00fcr uns sind. Worte eines fr\u00fcheren Propheten, Jeremias, klingen hier an: \u201eIch wei\u00df wohl, was ich f\u00fcr Gedanken \u00fcber euch habe, spricht Gott: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung (Jeremia 29,11). Menschen, die keine Perspektive mehr haben, bekommen eine neue Blickrichtung, das Vertrauen in Gottes M\u00f6glichkeiten wird geweckt und gest\u00e4rkt. Wo nach unserer Einsch\u00e4tzung nichts mehr geht und m\u00f6glich ist, setzt Gottes Wirken oft heilvoll ein \u2013 \u201ebei Gott sind alle Dinge m\u00f6glich\u201c, sagt Jesus (Matth\u00e4us 19,26). Gott steht zum Wort seiner Verhei\u00dfungen, die darauf zielen, dass unser Leben Frucht bringt in Glaube, Liebe und Hoffnung und wir das Wachstum solcher Fr\u00fcchte achtsam f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><em>Ermutigung zum Aufbruch<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Die Trostworte, mit denen der Prophet als Bote Gottes sein Volk in der scheinbar hoffnungslosen Situation der Gefangenschaft aufrichten sollte, waren ihm nicht fertig und wohlformuliert vorgegeben. Es waren die Worte der Propheten vor ihm, die in den Gottesdiensten vorgelesen wurden und ihn inspirierten, und es war der priesterliche Zuspruch, der ihn schon oft ermutigte und ihm eine neue Sicht gab \u2013 bis die Zeit kam, dass er sich von Gott gerufen wusste, seinem Volk anzuk\u00fcndigen, was es so sehnlich erhoffte: das Ende der Gefangenschaft und die Heimkehr:<\/p>\n<p><em>12<\/em><em> Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Worin sehen wir uns heute gefangen, und wonach sehnen wir uns? Was kann heute unsere Gedanken anregen und Zuspruch und Hilfe f\u00fcr unseren Lebensweg sein?<\/p>\n<p>(Zeit zur stillen Besinnung)<\/p>\n<p>\u201eSucht Gott, ruft ihn an\u201c, ermutigt der Prophet auch uns heute. Bleiben wir im Gespr\u00e4ch mit Gott, im pers\u00f6nlichen und gemeinsamen Gebet. Und bleiben wir im Gespr\u00e4ch \u00fcber Gott. Tauschen wir uns \u00fcber unsere Lebens- und Glaubenserfahrungen aus. H\u00fcten wir uns vor frommem Schein. Nehmen wir einander vor Gott und unter seinem Zuspruch wahr. Lassen wir es uns zurufen, dass auch wir uns auf Gottes Wort verlassen d\u00fcrfen und Gott uns im Frieden geleitet. Der Wochenspruch legt es uns ans Herz: \u201eHeute, wenn ihr seine Stimme h\u00f6ren werdet, so verstockt eure Herzen nicht\u201c (Hebr\u00e4er 3,15).<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Lieder: <\/em>Auf und machet die Herzen weit <strong>(<\/strong>454<strong>)<\/strong><em><br \/>\n<\/em>Herr, dein Wort, die edle Gabe (EG 198)<br \/>\nDein Wort, o Herr, lass allweg sein (EG 196,1+5+6)<br \/>\nBefiehl du deine Wege (EG 361)<br \/>\nKomm, Herr, segne uns (EG 170)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Nachwort: Exegetische Hinweise zur Predigtperikope<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Jes 55,6-13 steht am Schluss der seit B. Duhm \u201eDeuterojesaja\u201c, dem \u201eEvangelisten des Alten\/Ersten Testaments\u201c, zugewiesenen Texte Jes 40-55. Die pointierte Rede vom Wort Gottes (V.10f.) erinnert an den Prolog Jes 40,1-11 (bes. V.6-8), sodass Jes 55,6-11 als Epilog bezeichnet werden kann.\u00a0<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Abgrenzung unserer Predigtperikope (Jes 55,[6-9]10-12a) spiegelt die umstrittene Frage der literarischen Einheitlichkeit von Jes 55,6-13. P. Volz z. B. nimmt V.8f. mit V.6f. zusammen, die er als Predigt bzw. Predigthema auffasst, wobei einzelne Gemeindeglieder, nicht das Gesamtvolk, die Adressaten seien. In V.6f.8f. wolle der Prophet sagen, dass es \u201eim Leben eines Volkes wie eines einzelnen Stunden\u201c gebe, \u201ein denen Gott ganz nahe herzutritt, in besonderen Schicksalen, im Ruf des Gewissens\u2026Solche Stunden sollen doch ja ergriffen werden\u201c (S. 144). Das Wort von den Gedanken und Wegen in V.8f. beweise nach P. Volz \u201eganz zeitlos und ganz grunds\u00e4tzlich die unerbittliche Notwendigkeit der Umkehr als Voraussetzung der Gottesgemeinschaft\u201c (S. 145), und das Wort in V.10f. versteht P. Volz als Rede JHWHs an den Propheten, nicht als \u00f6ffentliche Rede (S. 147).<\/p>\n<p>Die wahrscheinlich redaktionelle Einheit Jes 55,6-13 beginnt mit einer Aufforderung, JHWH zu suchen, nach ihm zu fragen (<em>dirschu<\/em>), ihn anzurufen (<em>qira\u2019uhu<\/em>) und die Chance nicht zu verpassen (vgl. den Wochenspruch zu diesem Sonntag Sexagesimae: Heute, wenn ihr seine Stimme h\u00f6ren werdet, so verstockt eure Herzen nicht, Hebr\u00e4er 3,15). V.7 (m\u00f6glicherweise von V.8 \u201eGedanken\/Wege\u201c inspirierter Zusatz) scheint V.6 zu unterstreichen, indem er den Frevler (<em>rascha`<\/em>) und \u00dcbelt\u00e4ter (<em>\u00b4isch<br \/>\n\u00b4aw\u00e4n<\/em>) eindringlich zum Verlassen seines Weges und seiner Gedanken und zur Hinwendung zu JHWH hin aufruft.<\/p>\n<p>V.8-9 und V.10-11 stehen im Zeichen der Begr\u00fcndung der innerhalb Jes 40-55 polyphonen pophetischen Verhei\u00dfungen des neuen Exodus, der Befreiung der Jud\u00e4er aus der babylonischen Gefangenschaft (bes. 48,20-55,13). V.8-9 (\u201eDenn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken\u2026\u201c) stellen \u201eentgegen den zweifelnden Fragen Israels\u201c (C. Westermann, S. 230) die unbegrenzten M\u00f6glichkeiten Gottes den menschlichen begrenzten M\u00f6glichkeiten gegen\u00fcber (vgl. das Jesuswort \u201ebei Gott sind alle Dinge m\u00f6glich\u201c, Mt 19,26); das hebr\u00e4ische Wort <em>machschebot<\/em>, das Martin Luther mit \u201eGedanken\u201c \u00fcbersetzt, bedeutet eigentlich das Vorhaben, die Pl\u00e4ne. V.10-11 betonen angesichts einer resignativen Haltung der Gefangenen, weil scheinbar nicht eintrifft, was der Prophet im Namen Gottes angek\u00fcndigt hatte, die Wirk- und Durchsetzungskraft des Wortes Gottes.<\/p>\n<p>Die Beschr\u00e4nkung auf V.10-12a trifft sicherlich die thematische Mitte von V.6-13: Das Wort (<em>dabar<\/em>) Gottes ist wirksam und verl\u00e4sslich und wird sich als solches erweisen; der angek\u00fcndigte Auszug der Jud\u00e4er aus der babylonischen Gefangenschaft steht bevor, sie werden im Frieden in ihre jud\u00e4ische Heimat geleitet werden. Zur Veranschaulichung der Wirksamkeit und Verl\u00e4sslichkeit des Wortes Gottes dient der Vergleich mit dem Regen und Schnee, die \u201evom Himmel fallen\u201c und ihre Bestimmung nicht verfehlen, sondern auf der Erde Frucht und Gedeihen wirken.<\/p>\n<p>Warum unsere Perikope die Verse 12b-13 wegl\u00e4sst, ist wenig einsichtig, umschreiben sie doch hyperbolisch (V.12b-13a) die Freude des Auszugs, in welche die Pflanzen einstimmen (V.12b) und sich in pr\u00e4chtige fruchtbare Gew\u00e4chse verwandeln (V13a). Der Auszug aus der Gefangenschaft und die Heimkehr sollen \u201ein Richtung auf\/f\u00fcr JHWH, seinen Namen, ein ewiges nicht ausrottbares Zeichen geschehen\u201c (V.13b) \u2013 Gottes \u201eEhre ist das letzte Ziel alles Geschehenden, wie zu seinem Lob alles Geschaffene da ist\u201c (C. Westermann, S. 235).<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, was dem Propheten Herz und Mund f\u00fcr seine Botschaft \u00f6ffnete, die ihn mit seinem Volk aus der Gefangenschaft, auch aus den den menschlichen Gedanken und Wegen herausholen und das Vertrauen in die Wirkkraft und Zuverl\u00e4ssigkeit des Wortes Gottes neu st\u00e4rken sollte. Gewiss stand am Anfang die Berufung zum Propheten, die aber als inneres Geschehen ein Geheimnis, Geheimnis des Glaubens, bleibt. Alles, was wir aus der Bibel von seiner Berufung wissen, ist die Aufforderung \u201ePredige!\u201c, seine Frage \u201eWas soll ich predigen?\u201c und die Antwort, die auch als Zusammenfassung seiner Botschaft am Ende seiner Predigtt\u00e4tigkeit stehen k\u00f6nnte: \u201eDas Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich\u201c (Jesaja 40,8).<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Literatur:<\/em> B. Duhm, Das Buch Jesaja, HK 3.1, 4.Aufl., G\u00f6ttingen 1922<br \/>\n(= 5.Aufl.. G\u00f6ttingen 1968), S. 413-418. &#8211; P. Volz, Jesaja II, KAT, IX, Leipzig 1932, S. 137-149. &#8211; C. Westermann, Das Buch Jesaja, ATD 19, 2.Aufl., G\u00f6ttingen 1970, S. 225-235.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Heinz Janssen<br \/>\nProvidenz-Kirche Heidelberg Altstadt\/City<br \/>\n<a href=\"mailto:providenz@aol.com\">providenz@aol.com<\/a><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae | 11.02.2007 | Jesaja 55:6-12a | Heinz Janssen | \u201ePredigen will ich\u2019s, schreiben will ich\u2019s, aber zwingen und dringen will ich niemanden.\u201c Martin Luther Menschenwort und Gotteswort ( 6 Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist. 7 Der Gottlose lasse von seinem Wege und der \u00dcbelt\u00e4ter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15488,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22,1,2,727,157,853,114,1259,431,349,109,671],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11717","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jesaja","category-aktuelle","category-at","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-heinz-janssen","category-kapitel-55-chapter-55","category-kasus","category-predigten","category-sexagesimae"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11717","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11717"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22531,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11717\/revisions\/22531"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11717"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11717"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11717"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11717"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}