{"id":11720,"date":"2007-02-07T19:48:48","date_gmt":"2007-02-07T18:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11720"},"modified":"2025-04-21T17:18:31","modified_gmt":"2025-04-21T15:18:31","slug":"markus-41-20-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-41-20-7\/","title":{"rendered":"Markus 4,1-20"},"content":{"rendered":"<div align=\"left\">\n<h3><b><span style=\"color: #000099;\">Sexagesimae | 11. Februar 2007 |\u00a0Markus 4,1-20 | Bent Arendt |<\/span><\/b><\/h3>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnten wir uns heute eine Predigt sparen. Denn Jesu Gleichnis vom S\u00e4mann ist ja bereits im Text, den wir geh\u00f6rt haben, ausgelegt: \u201dVersteht ihr dieses Gleichnis? Der S\u00e4mann s\u00e4t das Wort. Denjenigen, f\u00fcr die das Wort ges\u00e4t wird, ergeht es so und so,\u201d wie Jesus erkl\u00e4rte.<\/p>\n<p>Es ist ganz ungew\u00f6hnlich in der Geschichte von Jesus, fast die einzige Stelle, an der eine solche Erkl\u00e4rung des Gleichnisses Jesu folgt. Warum tut er das? Es spaltet ja die Aufmerksamkeit zwischen zwei Botschaften: einem Gleichnis \u00fcber einen Bauern, der \u00fcberall s\u00e4t \u2013 und auf der anderen Seite einer Erkl\u00e4rung, wie Menschen den Boden f\u00fcr die Saat bilden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte wetten, dass 90 Prozent der Menschen hier in der Kirche sich vor allem auf den letzten Teil des Gleichnisses mit der Erkl\u00e4rung konzentriert haben. Denn Erkl\u00e4rungen verlangen wir. Mit der Hilfe von Erkl\u00e4rungen verstehen wir die Welt und machen sie uns zu eigen, so dass wir uns nicht blo\u00df mitrei\u00dfen lassen wie kleine Kinder, sondern dass wir uns verhalten k\u00f6nnen zu dem, was wir h\u00f6ren und sehen, und zu dem, was mit uns geschieht.<\/p>\n<p>Alle Erziehung und alle Ausbildung dient ja dem Zweck, Erfahrungen zu vermitteln, durch die wir mit der Welt umgehen k\u00f6nnen. In unseren Erkl\u00e4rungen steckt immer auch etwas von uns selbst \u2013 etwas von unseren Einstellungen und der Art und Weise, wie wir nun einmal das Leben gern handhaben m\u00f6chten. Und vielleicht liefert Jesus deshalb eine solche Erkl\u00e4rung: um uns die M\u00f6glichkeit zu geben, dass wir selbst in der Botschaft irgendwie mit enthalten sind.<\/p>\n<p>Zuerst erhalten wir die Botschaft: Das Gleichnis vom S\u00e4mann, der wild um sich s\u00e4te. Und dann bekommen wir die Erkl\u00e4rung \u2013 genau wie wenn wir selbst die Dinge erkl\u00e4ren wollten: \u201dWo steckst du selbst in dieser Sache? Was willst du tun?\u201d Das ist das Unversch\u00e4mte oder Beunruhigende an der Verk\u00fcndigung Jesu, dass wir sie nicht blo\u00df h\u00f6ren k\u00f6nnen als etwas, was \u201ddamals\u201d oder \u201dden anderen\u201d geschah, sondern dass wir selbst in die Geschichte mit einbezogen sind, indem wir sie h\u00f6ren und eine Erkl\u00e4rung erhalten. Es geht nicht um irgendeine fremde, unwirkliche Weltordnung, die wir \u00fcbernehmen k\u00f6nnen oder auch nicht, sondern es geht immer um etwas Pers\u00f6nliches, um eine Geschichte, in der wir mit dabei sind: \u201dWie siehsts du selbst das Leben? und wie erkl\u00e4rst du es?\u201d<\/p>\n<p>Hier stehen wir vor einem Gott, der sich offenbar selbst hemmnungslos verausgabt, \u00fcberall, wo wir sind, und sich zu einem Teil des Lebens macht, das wir haben \u2013 gleichwie die Saatk\u00f6rner, die im Fr\u00fchjahr oder Herbst ausgestreut werden und zu einem Teil im Gang des Lebens werden.<\/p>\n<p>Wir bekommen etwas in der Begegnung mit Gott. Unser Leben ist nicht blo\u00df eine Ewigkeitsmaschine, die im Leerlauf l\u00e4uft und l\u00e4uft und das eine Leben nach dem anderen durchl\u00e4uft, sondern eine Wirklichkeit, in der Gott etwas von uns will, wenn er das Korn so wild um sich wirft.<\/p>\n<p>In dem Augenblick, wo wir sagen: \u201dGott\u201d, sind wir zusammen mit Ihm, der etwas will, in dem, was das Unsrige ist, und zwar ungeachtet, ob wir Frucht bringen oder brachliegen. Gott ist derjenige, der uns etwas will, auch wenn wir brachliegen und keine Frucht in unserem Leben bringen. Damit wir ihn erkennen k\u00f6nnen, aus unserem Leben, wie es jetzt ist.<\/p>\n<p>Zu sagen: \u201dIch wei\u00df nicht, was Gott mir will!\u201d \u2013 oder: \u201dIch wei\u00df nicht, was ich mit Gott anfangen soll\u201d \u2013 ist dasselbe wie: \u201dIch wei\u00df nicht, wozu ich lebe.\u201d Das ist ehrlich gesagt: vor allem die Menschen, die nicht wissen, was sie wollen, sind es, die Gott will \u2013 damit wir etwas wollen, so wie wir ihm in Jesu Leben begegnen.<\/p>\n<p>Wir werden uns immer von selbst \u00fcber all das \u00e4rgern k\u00f6nnen, was zu nichts wird. Aber weil Gott etwas mit uns will, egal ob wir Ihn annehmen oder nicht, genau deshalb k\u00f6nnen wir uns allzeit an das halten, was Frucht bringt. Auf diese Weise m\u00fcssen wir eigentlich Gott voraussetzen, obgleich wir uns nach Belieben einbilden m\u00f6gen, dass nur wir selbst es sind. Denn wenn es an uns selbst liegt, wo die Erkl\u00e4rungen und unsere eigene Handlungsweise herrschen, ja, dann werden drei Viertel unseres Lebens oder noch mehr verloren sein oder spurlos an uns vorr\u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Aber das ist in Ordnung: Es sind ja gerade die Menschen, die mit ihrem Eigenen zu viel Raum einnehmen \u2013 was S\u00fcnde genannt wird, sie sind es, die Gott will, denen er die M\u00f6glichkeit geben will, die S\u00fcnde zu vergeben, die Vergebung der S\u00fcnden, um nach dem die Hand ausstrecken zu k\u00f6nnen, was er uns reicht. Die Liebe kann nur zu Wirklichkeit werden, wenn wir sie annehmen und von einem anderen Ort kommen lassen als von uns selbst. Wir k\u00f6nnen die Liebe Frucht bringen lassen, wenn wir das Leben ordentlich zusammenf\u00fcgen, die Erde d\u00fcngen mit uns selbst und so leben, dass wir mit allem, was wir erkl\u00e4ren und handhaben wollen und k\u00f6nnen, um der Liebe willen leben und nicht umgekehrt. Wie Eltern oder Erwachsene, die nicht anders k\u00f6nnen als sich des kleinen Kindes annehmen, das ins Leben gekommen ist, um uns so viel zu geben, indem der Erwachsene mit sich selbst erst an zweiter Stelle kommen kann.<\/p>\n<p>Die Barmherzigkeit ist nicht unser eigenes Produkt, etwas, was ich selbst leiste und du empf\u00e4ngst, sondern eine Wirklichkeit, die f\u00fcr uns entsteht und die uns das Leben teilen l\u00e4sst ohne Unterscheidung zwischen dein und mein. Wir k\u00f6nnen der Barmherzigkeit Raum geben, wo ich nicht nur mich selbst, und mich selbst in deinem Spiegelbild, sehen will, sondern wo ich dich dort sehe, wo du bist, und du mich, wo wir uns begegnen, im gemeinsamen Leben. Wie an einem Tag, wo es gut f\u00fcr mich ist, dass ich mich deiner mit mehr annehmen kann, als du selbst kannst, ohne dass ich daf\u00fcr Dank bekommen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Und die Freude, wie ist es m\u00f6glich, dass sie uns unaufh\u00f6rlich erfasst und sich ausbreitet und Wurzel schl\u00e4gt, wenn nicht deshalb, weil sie offenbar unter uns verbreitet wird, auch wenn wir uns von selbst weit von ihr entfernt haben?<\/p>\n<p>Den Menschen, der v\u00f6llig in seiner eigenen Welt gefesselt ist, nennen wir deprimiert. Ebenso w\u00fcrde eine Menschheit ohne Gott unter einer gro\u00dfen, das Leben zerst\u00f6renden Depression leiden. Aber wir k\u00f6nnen uns von der Freude \u00fcbermannen lassen, wenn wir das Leben annehmen, wie es zu uns kommt, im Vertrauen darauf, dass es jemanden gibt, der uns etwas will, was sehr wohl anders sein kann als das, was wir selbst wollen \u2013 und dass es gut ist, dass es so ist. So wie ein schlaftrunkener, finsterer und verdrie\u00dflicher Morgen, an dem die Sonne aufgeht und uns mit ihrer Flut von Licht \u00fcberw\u00e4ltigt.<\/p>\n<p>So kennen wir Gott als den, der f\u00fcr uns ein Leben will, das wir nicht erkl\u00e4ren und verstehen k\u00f6nnen, das wir nur empfangen k\u00f6nnen, in dem Leben, das wir zu erkl\u00e4ren und zu verstehen und zu handhaben versuchen und mit dem wir etwas wollen. Wie das Gleichnis vom S\u00e4mann mit seiner Erkl\u00e4rung zusammenh\u00e4ngt. Wenn Gott uns nicht genau so wollte, dann w\u00fcrden wir zugrunde gehen aus Verdruss \u00fcber all den Schwund, der schon drei Viertel unseres Lebens bestimmt. Aber weil Gott so reichlich f\u00fcr uns will, dass die Frucht allen Schwund weit \u00fcbersteigt, d\u00fcrfen wir handeln wie Er: d\u00fcrfen wir es dreingeben in der Vergebung, all das, was Gott uns obendrein gibt \u2013 30, 60, ja, 100fach, wovon ein Bauer ja selbst heute nicht einmal zu tr\u00e4umen wagt. Das gibt uns eine gewisses Vertrauen, das Leben anzupacken.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p class=\"Stil1\" align=\"left\">Pastor Bent Arendt<br \/>\nLarsen-Ledets Gade 1<br \/>\nDK-8000\u00a0\u00c5rhus C<br \/>\nTel.: ++ 45 \u2013 86 12 21 36<br \/>\ne-mail: <a href=\"mailto:brar@os.dk\">brar@os.dk<\/a><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>\u00dcbersetzung aus dem D\u00e4nischen: Dietrich Harbsmeier <\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong> \u00a0<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sexagesimae | 11. Februar 2007 |\u00a0Markus 4,1-20 | Bent Arendt | Eigentlich k\u00f6nnten wir uns heute eine Predigt sparen. Denn Jesu Gleichnis vom S\u00e4mann ist ja bereits im Text, den wir geh\u00f6rt haben, ausgelegt: \u201dVersteht ihr dieses Gleichnis? Der S\u00e4mann s\u00e4t das Wort. 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