{"id":11753,"date":"2007-02-07T19:48:46","date_gmt":"2007-02-07T18:48:46","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11753"},"modified":"2025-04-08T14:51:02","modified_gmt":"2025-04-08T12:51:02","slug":"die-gueldene-sonne-eg-449","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/die-gueldene-sonne-eg-449\/","title":{"rendered":"&#8222;Die g\u00fcldene Sonne&#8220; (EG 449)"},"content":{"rendered":"<div id=\"content\">\n<div id=\"predigt\">\n<h3 id=\"kopf\" class=\"blau\">Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007<br \/>\n&#8222;Die g\u00fcldene Sonne&#8220; (EG 449),<br \/>\nPredigt verfasst von Otto Vogel<\/h3>\n<div id=\"predigttext\">Liebe Gemeinde,<br \/>\ndie Distanz des beginnenden 3. Jahrtausends zur 2. H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts ist recht gro\u00df. Und einen renitenten Pfarrer betrachtet ein Dekan auch nicht nur bewundernd. Aber es sind diese Texte und diese Sprache mit ihrer wundersch\u00f6nen Melodie, die aufmerken lassen! Distanz der Jahre, Renitenz des Berliner Pfarrers Gerhardt hin oder her: ich mag etliche seiner Gedichte, auch wenn sie mit ihren alten Vokabeln und heutigen Unzeitigkeiten einer so fremden Welt zu entstammen scheinen. Ich mag sie, und das, obwohl ich nicht einmal so richtig angeben kann, warum. Also versuche ich, es zu ergr\u00fcnden.<br \/>\nDa sitzt einer 1666 in Berlin und hat mit seinem obersten Dienstherrn massive Probleme. Seit dem Augsburger Religionsfriede 1555 ist der oberste Kirchenaufseher, im deutschen Vielstaatengemisch der jeweilige Landesherr. Mit diesem seinem obersten Dienstherrn &#8211; und das ist in seinem Falle Friedrich Wilhelm, auch der Gro\u00dfe Kurf\u00fcrst genannt &#8211; liegt er im Streit. Friedrich Wilhelm baut ihm nach Interventionen breiter Schichten einen goldenen Weg zur\u00fcck ins Predigtamt; den will er nicht beschreiten: er k\u00fcndigt 1668 und zieht die Arbeitslosigkeit vor. Nicht mal Hartz IV.<br \/>\nWas seine geliebte Frau Anna Maria dazu wohl gesagt hat? Richtig begreifen konnte ihn keiner mehr, nachdem der Gro\u00dfe Kurf\u00fcrst so konziliant war. Aber ihm ging es um Zentrales, f\u00fcr ihn stand sein Glauben auf dem Spiel. Friedrich Wilhelm hatte zum Spannungsausgleich zwischen Reformierten und Lutheranern ein Toleranzedikt erlassen und wollte per Unterschrift alle Pfarrer darauf verpflichten. Paul Gerhardt war seit seiner Schul- und Studienzeit in Sachsen und Wittenberg Lutheraner. \u00dcberzeugt. Kompromisslos. Unbeugsam. Keine Unterschrift. Und als sie ihm erlassen wird, wittert er einen faulen Kompromiss dahinter. Das kann er nicht. Bitte um Entlassung. Das Ende vom Lied: er wird die gut dotierte Stelle in Berlin verlassen, ab in den Spreewald ziehen, ins s\u00e4chsische L\u00fcbben f\u00fcr die letzten paar Jahre. Und dabei hatte er Gl\u00fcck, dass er das tun konnte und nicht mittellos da stand. Seine Frau stirbt noch in Berlin im Jahr vor dem Wechsel; als 62j\u00e4hriger Witwer zieht er dann mit dem 7j\u00e4hrigen verbliebenen Sohn um. Vier Kinder hatte er in seiner kurzen Ehe mit Anna Maria in den zur\u00fcckliegenden 14 Jahren beerdigen m\u00fcssen. Nur Paul Friedrich erreichte das Erwachsenenalter.<br \/>\n1666 &#8211; zwei Jahre also vor diesem 2. Berliner Abschied schreibt er seine &#8222;G\u00fcldene Sonne&#8220;; eines seiner 139 Lieder. Inmitten der Schwierigkeiten notiert er es, in denen er sitzt. Zunehmend wird er in seiner Haltung unverst\u00e4ndlich im Kollegenkreis und bei denen, die sich so vehement f\u00fcr ihn bei K\u00fcrf\u00fcrsten eingesetzt hatten. Der F\u00fcrst wollte ihm die Unterschrift ersparen, ihm, dessen &#8222;Befiehl du deine Wege\u0085&#8220; der hohe Herr so besonders mochte.<br \/>\n&#8222;Die g\u00fcldene Sonne \u0085 ist im Gesangbuch eingeordnet als &#8222;MORGENLIED&#8220;. Das ist ja in Ordnung. Aber es doch viel mehr als eine Sonnenhymne. Die Sonne ist ihrem Dichter nur glitzerndes Bild, durch das seine Situation, wie er sie empfindet und deutet, hindurchglitzert. Nat\u00fcrlich kennt er, der Bub vom Lande, alle diese Naturerscheinungen im Tages- und Jahrsablauf. Um Gr\u00e4fenhainichen, seinem Heimatort, geh\u00f6rten die Wiesen und Fluren in seinen Alltag. Oft genug nutzt er diesen Anschauungsunterricht in seinen Liedern. So ist die strahlende Sonne f\u00fcr ihn zwar auch das Gestirn, das m\u00e4chtig aufgeht und w\u00e4rmt in diesem kalten Jahrhundert. Bei den Klimatologen rubriziert es als die &#8222;kleine Eiszeit&#8220;. Sonnenstrahlen kr\u00e4ftigen bei allen das Wohlbefinden, die von den kalten Monaten und schwachen W\u00e4rmed\u00e4mmungen jener Zeit mehr als genug hatten.<br \/>\nDie g\u00fcldene Sonne ist aber andererseits auch seit eh und je das Synonym f\u00fcr Christus und Sein Licht und Seine W\u00e4rme und Strahlkraft. Die g\u00fcldene Sonne, voll Freud und Wonne &#8211; schon mit den ersten W\u00f6rtlein dieses Lieds ist Paul Gerhardt nicht nur am Tagesanfang, sondern im Zentrum seines Glaubens: Christus. ER ist es, der uns h\u00e4lt und tr\u00e4gt und aufrichtet. Aber er sagt es nicht als dogmatischen Lehrsatz. Hier dichtet ein &#8222;ICH&#8220;, ein Ich, das seine Gef\u00fchle wahrnimmt, sie ausspricht; ein Ich, das dabei seine Empfindungen reflektiert und sie mit seinem Glauben in einen Zusammenhang stellt.<br \/>\nWas sind denn die &#8222;Grenzen&#8220; und sein &#8222;Haupt und Glieder&#8220;, die darnieder liegen anderes als seine augenblickliche Verfasstheit? Wer k\u00f6nnte in dem Konflikt, in dem er lebt, nicht auch depressive Stimmungen kennen, die niederdr\u00fccken und einen nur mit gesenktem Kopf dastehen lassen? Seine Grenzen gehen ihm sehr wohl auf. Gegen den Gro\u00dfen Kurf\u00fcrsten kommt er nicht an; vielmehr: er will ihn ja achten. Aber er kann seine \u00dcberzeugung nicht verraten. In diesem Konflikt ist sein Scheitern unausweichlich, und das wei\u00df er. Die Grenzen sind ihm schmerzlich bewusst.<br \/>\nIn vielen seinen Liedern wird das deutlich: da sitzt einer und nimmt seine Situation sehr klar wahr. Er leugnet sie nicht, und er leidet darunter. In seinem Glauben aber arbeitet er diese Erfahrungen so durch, dass er \u00e4hnlich den Psalmisten, die Situation annehmen kann und zuletzt sagt: &#8222;\u0085aber nun steh ich, bin munter und fr\u00f6hlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht.&#8220; Solche Selbstdeutung vertr\u00e4gt kein gesenktes Haupt.<br \/>\nNoch zweimal richtet er seinen Blick in die Natur. In Strophe 2 ist diese Betrachtung Ausgangspunkt, um auf Gottes Sch\u00f6pfung zu verweisen. Das ist nicht untypisch f\u00fcr seine Zeit. Es sind aber knappe Striche, die er setzt: Die Sch\u00f6pfung dient zu Gottes Ehre; sie ist Lehrerin f\u00fcr die Menschen und macht den begrenzten Lebensraum deutlich, der sich von Gottes Ewigkeit &#8211; Gott sei Dank &#8211; erheblich unterscheidet. Das Motiv stellt er einerseits in den Versen 7 + 8 und dann in seiner Schlussstrophe noch viel deutlicher heraus.<br \/>\nIm vierten Vers taucht die Sch\u00f6pfung als Tagesrhythmus nochmals auf: Abend und Morgen. Aber der Grundrhythmus der Sch\u00f6pfung ist hier nicht mehr Anlass zum Staunen des Menschen, sondern Anlass zur Sorge Gottes. N\u00e4mlich, dass ER tr\u00f6stlicherweise unaufh\u00f6rlich auf uns bezogen bleibt. Tag f\u00fcr Tag. Dieses Gef\u00fchl der Geborgenheit ist es, was mich wohl am meisten bei Paul Gerhardts Biographie erstaunt hat. Es tr\u00e4gt seine Lieder, ist deren Tenor.<br \/>\nSeit er 11 Jahre alt war, war Krieg in Deutschland, drei\u00dfig Jahre lang, also bis er 41 war. Drei\u00dfig Jahre lang w\u00e4hrt dieses Hauen und Stechen; durch Jugend, Studium und bis in die Lebensmitte hat er es allzu deutlich vor Augen: nichts als Krieg, Zerst\u00f6rung, Feuersbrunst, Sch\u00e4ndung und Pl\u00fcnderung und in deren Gefolge Pest und andere Seuchen, die den \u00dcberlebenden dann noch den Rest geben. Sein Bruder stirbt mit 32, da war er 31 und im nahen Wittenberg. Das Heimatst\u00e4dtchen Gr\u00e4fenhainichen wurde zerst\u00f6rt; wie in vielen Orten \u00fcberlebt nur noch \u00bc der Bev\u00f6lkerung. Und keine Spur von verlorenem Urvertrauen! Er dichtet mit dieser seiner Geschichte im R\u00fccken:<br \/>\n&#8222;Wenn wir uns legen, so ist ER zugegen. Wenn wir aufstehen, so l\u00e4sst ER aufgehen \u00fcber uns Seiner Barmherzigkeit Schein.&#8220; Bei solchen S\u00e4tzen wird mir ganz warm ums Herz und ich wei\u00df nicht: schaut der nicht hin oder verdr\u00e4ngt er alles oder: Ist er in so einer festen Glaubensgewissheit, die ihn einfach tr\u00e4gt, gerade in diesen dunklen Stunden, die er aktuell durch macht und die er bereits durchgemacht hat.<br \/>\n&#8222;Ist Gott f\u00fcr mich, so trete gleich alles hinter mich&#8220; ist eines der Lieder dieser Predigtreihe. Diese Worte der Zuversicht und der Gewissheit aus dem Lied, das er 12 Jahren zuvor geschrieben hat, scheinen auch hier durch, wenn auch nicht so k\u00e4mpferisch. Ob er hier 1666 im Fundamentalkonflikt seiner Laufbahn mit sich ganz im Reinen ist? Oder einfach gelassener? Oder doch resignierter? Und gerade darin sich Gottes Barmherzigkeit ganz gewiss?<br \/>\nIm 5. Vers dann dr\u00e4ngt sich nochmals sein K\u00fcrf\u00fcrsten-Konflikt durch: Es ist wieder an die Situation des Morgenlieds angekn\u00fcpft, verbunden mit der Bitte um Bewahrung. Insofern ist es dem Morgensegen Luthers nachgedichtet. Die Bitte um das Abtreiben der T\u00fccke und um das Bestehen auf den Geboten Gottes ist aber genau sein Anliegen, dem er hier Geh\u00f6r verschafft: Er bitte Gott darum, dass er seinen Konflikt durchstehen kann mit dem Beharren auf der reinen Lehre. Er will an ihr festhalten, so wie er sie versteht; alles andere w\u00e4re ihm ein \u00e4u\u00dferst t\u00fcckisches Verhalten. Und dieses Renegatentum wirft er vielen Mitstreitern vor, die sich dem f\u00fcrstlichen Ansinnen unterwerfen. So nicht! hofft er, bittet er und betet er.<br \/>\nEs ist in der Strophe darauf nicht nur als allgemeine ethische Haltung gemeint, wenn er bittet, dass &#8222;geiziges Brennen und unchristliches Rennen nach Gut mit S\u00fcnde&#8220; hinausgeworfen werden m\u00f6ge aus seinem Herzen. Auch hier ist es seine Lage, die den Horizont zum Verstehen bietet. Gewiss war es verf\u00fchrerisch, die Pfr\u00fcnde in Berlin zu behalten; er kannte ja andere Zeiten. Zeiten voller Armut und angef\u00fcllt mit Mangel. 1651 war er auf seine erste Pfarrstelle in Mittenwalde berufen worden. Das T\u00f6chterchen seines Berliner Brotgebers, bei dem er seit 1643 Hauslehrer war, konnte er aber erst vier Jahre nach Amtsantritt heiraten. Im zerst\u00f6rten St\u00e4dtchen musste erst eine Bleibe geschaffen werden und die Leute waren arm; der Pfarrer auch. So hatten Braut und Br\u00e4utigam lange warten m\u00fcssen: 48 Jahre z\u00e4hlte er bei dieser Hochzeit, und sie war 32. Was ihm seine Anna Maria in der Frage des Beharrens auf der \u00dcberzeugung gesagt hat, ist nicht \u00fcberliefert. Dass es ein Druck gewesen sein wird, die Familie wieder in die Armut zu st\u00fcrzen, wenn er das Amt an St. Nikolai aufgeben w\u00fcrde &#8211; das darf wohl angenommen werden.<br \/>\nAch, Paul Gerhardt, was f\u00fcr Dich so richtig geschienen hat, war es das, wenn Du jetzt vom himmlischen Garten drauf schaust?<br \/>\nDie Festigkeit seiner Entscheidung ist aber gewiss auch die Festigkeit seiner Theologie. Im Zentrum seines Liedes steht sie in den Versen 7 und 8. Wie oft in der Barock-Lyrik wird die Verg\u00e4nglichkeit artikuliert. Paul Gerhardt h\u00e4lt sich aber damit nicht lange auf, sondern setzt sie in den schroffsten Gegensatz: Alles! Alles vergeht.<br \/>\nElend, Tod, Abschiede ohne Ma\u00dfen &#8211; das sind ja die Lebenserfahrungen seines damals 59j\u00e4hrigen Lebens. (Ich werde inne: Als er die G\u00fcldene Sonne dichtet war er so alt, wie ich in diesem Jahr werde.) Aber er bleibt nicht bei einem Lamento \u00fcber die Verg\u00e4nglichkeit allen Daseins. Im Gegenteil: Alles vergeht &#8211; im Vers 12 wird darin auch eben das Elend eingeschlossen. Alles vergeht. Gott sei es gedankt! Alles. Die Menschen, die Erde und der Himmel und auch das Elend. Alles.<br \/>\nDemgegen\u00fcber steht das klare &#8222;Aber&#8220;: &#8222;Gott aber stehet ohn alles Wanken. Sein Wort und Wille hat ewigen Grund.&#8220; Es gibt ihn nicht, den archimedischen Punkt auf dieser Welt, der fest st\u00fcnde und von dem aus, die Welt aus den Angeln gehoben werden k\u00f6nnte. Nur Gott wankt nicht. Was ER sagt, hat Bestand. Was ER will, bleibt in Geltung. Gott sei Dank! Denn darin ist unser Heil beschlossen, in dem, was Bestand hat ohne Ende, was nie und nimmer zu Schaden kommen wird. Gott sei Dank. Unser Bitten um Gesundung und die Hoffnung auf Genesung hat darin den bleibenden Grund; und die Zuversicht auf Frieden in Ewigkeit bei Gott ist darin verankert.<br \/>\nIn den vier letzten Versen hebt Paul Gerhardt zu einem gro\u00dfe Gebet an, in dem er seine Gedanken nochmals ganz auf sich bezieht. Da ordnet er sich ein vor Gott. Es sind dem\u00fctige Worte, die atemberaubend sind. Konsequent richtet er sich an Gott aus; er, der so stark seine Worte als ein Subjekt formuliert, kann sich zur\u00fccknehmen auf das Ma\u00df, als der er sich vor Gott erkennt und glaubt. Und gerade so kann er stehen lassen, was er nicht \u00e4ndern kann. Er lamentiert nicht, sondern sieht Gottes Hand in allem, was er erlebt. Und er lebt eigentlich gerne und die Sch\u00f6pfung ist ihm etwas sehr Wertvolles, das er w\u00fcrdigt und genie\u00dfen kann.<br \/>\nJammertal und Lebensort &#8211; es geh\u00f6rt beides zusammen. Vielleicht ist das ein Grund f\u00fcr die Wirkung seiner Lieder. Wer machte nicht die Erfahrung von Schwierigkeiten, von Belastungen, die niederdr\u00fccken bis auf den Boden, und Erfahrungen von Verlusten, von \u00c4ngsten und von leiblichen oder seelischen kargen Zeiten? Hier formuliert einer vor, wie sich damit leben l\u00e4sst, fern davon, einen Ratgeber zu schreiben. Er redet nur von sich und trifft mit seinen Worten doch so viele andere in ihren Lebenslagen damit. Aber dann k\u00f6nnen auch seine Selbstinterpretationen Hilfen werden f\u00fcr viele in solchen Lagen, sich zu besinnen und sich zu begreifen. Sie k\u00f6nnen beitragen, eigene Widrigkeiten im Leben zu \u00fcberwinden, und Quelle werden, aus denen neue Hoffnung und Zuversicht flie\u00dfen. &#8222;Willst Du mir geben, womit mein Leben ich kann ern\u00e4hren\u0085&#8220;, &#8222;Willst Du mich kr\u00e4nken \u0085 Wohlan! so mach es, wie Dir es beliebt.&#8220; So oder so &#8211; f\u00fcr Paul Gerhardt sind seine Wege allezeit eingezeichnet in Gottes Hand, und daraus will er sein Leben annehmen. &#8222;Ich habe gestellet alles in Deine Beliebung und Hand.&#8220;<br \/>\nWie man das kann, nach alledem, was er erlebt hat? Ich wei\u00df es nicht. Es f\u00e4llt mir nur das Pauluswort ein, dass Gottes Kraft in den Schwachen m\u00e4chtig ist. Aber das gilt ja nicht nur f\u00fcr unseren Liederdichter. Es gilt f\u00fcr uns alle. Im Schlussvers kommt Paul Gerhardt nochmals auf sein Eingangsmotiv der Sonne zur\u00fcck. \u00dcber den weiten Weg seines Gedichts hat es keine Rolle mehr gespielt. Aber Christus ist der tragende Grund seiner Gedanken. So wie er IHN zu Beginn einf\u00fchrt als den Bezwinger aller Niedergeschlagenheit und Selbstzweifel, so ist ER der Horizont der Zukunft, in dem alles Leid und Elend ein Ende haben wird.<br \/>\nWie es einem Landkind entspricht, ist es nicht das neue Jerusalem, die himmlische Stadt, die da vor seinem Auge steht. Er sieht vielmehr den befriedeten Bauerngarten hinterm Haus vor sich, voller Freude und seliger Stille, also: das Refugium ohne Hauen und Stechen und brandschatzen und Folterschreie. Auf diesen Horizont hin lebt er. Von ihm her gewinnt er die Kraft zu einer Daseinsbew\u00e4ltigung, die nicht freudlos ist, aber voller glaubender und kraftvoller Zuversicht. &#8222;Dahin sind meine Gedanken gericht.&#8220; Er fl\u00fcchtet nicht ins Jenseits und nicht in die Innerlichkeit. Er bleibt in seiner Welt und auf dieser Erde, mit beiden Beinen. Aber die Perspektive ist sein Kraftquell, inmitten aller Einschr\u00e4nkungen das Leben zu f\u00fchren, wovon er seinem einzig \u00fcberlebenden Sohn, Paul Friedrich, im Testament sagt:<br \/>\n&#8222;Summa Bete flei\u00dfig, studiere was Ehrliches, lebe friedlich und diene redlich und bleibe in deinem Glauben und Bekenntnis best\u00e4ndig, so wirst Du einmal auch sterben und von dieser Welt scheiden: willig, fr\u00f6hlich und seliglich.&#8220;<br \/>\nIch gestehe, den Grundton solcher Ergebenheit ist mir bisher eher fremd. Aber ich beginne zu verstehen und hoffe von meinem Gleichaltrigen gelernt zu haben und nochmals ganz neu nachzudenken. Und werde nachher fr\u00f6hlich und bewegt und hoffentlich auch zuversichtlich singen:<br \/>\n&#8222;Kreuz und Elende, die nehmen ein Ende. Nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonnen gew\u00fcnschtes Gesicht.&#8220; Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Otto Vogel<\/strong><\/p>\n<div id=\"fuss\" style=\"width: 500px;\"><strong>Dekan<\/strong><br \/>\n<strong>Karlsruhe<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007 &#8222;Die g\u00fcldene Sonne&#8220; (EG 449), Predigt verfasst von Otto Vogel Liebe Gemeinde, die Distanz des beginnenden 3. Jahrtausends zur 2. H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts ist recht gro\u00df. Und einen renitenten Pfarrer betrachtet ein Dekan auch nicht nur bewundernd. 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