{"id":11756,"date":"2021-02-07T19:48:51","date_gmt":"2021-02-07T19:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11756"},"modified":"2023-03-10T08:41:25","modified_gmt":"2023-03-10T07:41:25","slug":"auf-auf-mein-herz-mit-freuden-eg-112","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/auf-auf-mein-herz-mit-freuden-eg-112\/","title":{"rendered":"&#8222;Auf, auf, mein Herz, mit Freuden&#8220; (EG 112)"},"content":{"rendered":"<div id=\"content\">\n<div id=\"predigt\">\n<h3 id=\"kopf\" class=\"blau\"><strong>Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Auf, auf, mein Herz, mit Freuden&#8220; (EG 112),<\/strong><br \/>\n<strong>Predigt verfasst von Martin Laube<\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<div id=\"predigttext\">\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>mit Ostern und dem Osterfest ist das so eine Sache. Auf der einen Seite geh\u00f6rt Ostern zusammen mit Weihnachten zu den h\u00f6chsten Festen der Christenheit. Wir feiern die Auferstehung Jesu, die uns zugute geschehene \u00dcberwindung von S\u00fcnde, Schuld und Tod. Auf der anderen Seite aber hat Ostern bei weitem nicht die Bedeutung von Weihnachten. So richtig stellt sich keine Festtagsfreude ein; manchmal wirkt die fr\u00f6hliche Stimmung geradezu m\u00fchsam-bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Weihnachten f\u00e4llt uns das Feiern leicht: Der warme Kerzenschein, die wohlduf\u00adtenden Ger\u00fcche und die staunenden Kinderaugen lassen uns sofort warm und festlich ums Herz werden. Dazu die Geschichte vom Kind in der Krippe: Die Geburt Jesu im Stall, das Kommen Gottes in die Welt k\u00f6nnen wir uns vorstellen. Die Szene ist anschaulich und in ihrer Bedeutung f\u00fcr uns verst\u00e4ndlich. Aber Ostern?<\/p>\n<p>Si\u00adcher, es ist das Fest des Fr\u00fchlings, des jungen und aufbl\u00fchenden Lebens. Aber ist uns nur halb so festlich zumute wie Weihnachten? Und Hand aufs Herz: K\u00f6n\u00adnen wir wirklich etwas anfangen mit dem, was wir da feiern &#8211; die Auferstehung Jesu von den Toten? Wir wissen von Kindesbeinen an, da\u00df diese Auferstehung <em>das<\/em> entscheidende Heilsereignis ist, da\u00df es hier im wahrsten Sinne des Wortes um Le\u00adben und Tod geht, da\u00df mit der Auferstehung Jesu unser aller Tod \u00fcberwun\u00adden ist. Doch k\u00f6nnen wir uns das irgendwie begreiflich machen?<\/p>\n<p>Wie man sich das mit der Auferstehung Jesu denken soll, geh\u00f6rt zu den heikel\u00adsten Fragen \u00fcber\u00adhaupt. Und da\u00df damit auch unser Tod \u00fcberwunden sein soll, klingt ebenso gewichtig wie r\u00e4tselhaft &#8211; r\u00fchren wir damit doch an die schwerste aller Fragen, die n\u00e4mlich, wie es mit uns weiter\u00adgeht, wenn wir irgendwann sterben m\u00fcssen. Ist es vielleicht gerade diese Bedeu\u00adtungs\u00adschwere des Osterfestes, das so bedr\u00e4ngende Thema Tod und Sterben, das uns nicht ganz so unbeschwert feiern l\u00e4\u00dft und dem Osterfest eine so eigent\u00fcmli\u00adche F\u00e4rbung verleiht?<\/p>\n<p>Es kommt noch etwas hinzu. Manchmal hat man den Eindruck, als sei der Kar\u00adfreitag fast wichtiger als der Oster\u00adsonntag. Gerade den Evangelischen wird oft nachgesagt, sie betonten vor al\u00adlem das Leiden und Sterben Christi und lie\u00dfen die Auferstehung demgegen\u00fcber in den Hinter\u00adgrund treten. Bei uns sei andauernd von S\u00fcnde und Schuld die Rede; Protestanten h\u00e4tten immer ein schlechtes Gewis\u00adsen. Darum sei uns ge\u00adrade der Tod Jesu so wichtig &#8211; die Tatsache, da\u00df Jesus um unserer S\u00fcnde willen gelitten und gestorben sei.<\/p>\n<p>Zumindest, wenn man auf die Kirchenmusik blickt, ist da etwas dran: Bachs Matth\u00e4us- und Johannespassion geh\u00f6ren zu den wunder\u00adbarsten und am meisten gespielten Werken der Kirchenmusik. \u00dcberhaupt ist vor allem die Passionszeit die Zeit der Kirchenmusik. Auf vielf\u00e4ltigste und eindring\u00adlichste Weise ist gerade das Leiden und Sterben Jesu musikalisch ausgestaltet worden. Osteroratorien gibt es demgegen\u00fcber kaum &#8211; jedenfalls nicht von ber\u00fchmten Komponisten.<\/p>\n<p>Aber es gibt immerhin ber\u00fchmte Osterlieder. Eines davon ist das Lied von Paul Gerhardt: \u201eAuf, auf, mein Herz, mit Freuden&#8220;. Es stammt aus dem Jahre 1647 und ist von Gerhardts Freund, dem Berliner Kantor Johann Cr\u00fcger, vertont worden. Im Mittelpunkt steht hier nun eine geradezu \u00fcberbordende Freude \u00fcber das, was Ostern geschehen ist. Zwar handelt auch dieses Lied von Sterben und Tod, aber das bedr\u00fcckt oder beeintr\u00e4chtigt die Freude nicht &#8211; im Gegenteil: Gerade weil jetzt der Tod \u00fcberwunden ist, kann gelacht, gesungen und getanzt werden. Johann Cr\u00fcger hat seiner Melodie einen italienischen Tanzrhythmus zugrunde gelegt; das Lied erh\u00e4lt so einen beschwingten und leichten Charakter. Vielleicht achten Sie einmal darauf, wenn wir jetzt gemeinsam die ersten beiden Strophen singen.<\/p>\n<p>Auf, auf, mein Herz, mit Freuden,<\/p>\n<p>nimm wahr, was heut geschicht!<\/p>\n<p>Wie kommt nach gro\u00dfem Leiden<\/p>\n<p>nun so ein gro\u00dfes Licht!<\/p>\n<p>Mein Heiland war gelegt<\/p>\n<p>da, wo man uns hintr\u00e4gt,<\/p>\n<p>wenn von uns unser Geist<\/p>\n<p>gen Himmel ist gereist.<\/p>\n<p>Er war ins Grab gesenket,<\/p>\n<p>der Feind trieb gro\u00df Geschrei;<\/p>\n<p>eh er&#8217;s vermeint und denket,<\/p>\n<p>ist Christus wieder frei<\/p>\n<p>und ruft Viktoria,<\/p>\n<p>schwingt fr\u00f6hlich hier und da<\/p>\n<p>sein F\u00e4hnlein als ein Held,<\/p>\n<p>der Feld und Mut beh\u00e4lt.<\/p>\n<p>In diesen beiden Strophen beschreibt Gerhardt zun\u00e4chst, was an Ostern gesche\u00adhen ist. Dabei hat man fast den Eindruck, als habe er ein Ostergem\u00e4lde aus der christlichen Malerei vor Augen &#8211; eines jener Bilder, auf denen Christus mit der Sie\u00adgesfahne in der Hand dargestellt wird, auf dem offenen Grabe stehend, w\u00e4hrend am Boden die ohnm\u00e4chtigen W\u00e4chter liegen: <em>\u201eist Christus wie\u00adder frei \/ und ruft Vik\u00adtoria, \/ schwingt fr\u00f6hlich hier und da \/ sein F\u00e4hnlein als ein Held, \/ der Feld und Mut beh\u00e4lt&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Doch zugleich bietet Gerhardt alles andere als eine neutrale, aus sicherer Di\u00adstanz formulierte Beschreibung. <em>\u201eAuf, auf, mein Herz, mit Freu\u00adden&#8220;<\/em> &#8211; Gerhardt setzt mit einer Aufforderung ein, einer Aufforderung, die an sich selbst, an das eigene Herz gerichtet ist. Die Betrachtung der Osterszene erweckt Herz und Sinne. Es geht um das eigene Erleben, das innere Zwiegespr\u00e4ch mit sich selbst, das Auf\u00admerken auf die eigene Seele. Die schwierige Frage, wie man sich das mit der Auf\u00aderstehung soll <em>denken<\/em> k\u00f6nnen, ist f\u00fcr Gerhardt gar nicht so wichtig. Seine Anrede hat nicht den Verstand, sondern das Herz zum Adressaten. Er fordert sich selbst, aber zugleich auch uns dazu auf, einfach wahrzunehmen, was da geschehen ist, und sich von ganzem Herzen dar\u00fcber zu freuen: <em>\u201eAuf, auf, mein Herz, mit Freu\u00adden, \/ nimm wahr, was heut geschicht!&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung, warum wir uns freuen sollen, folgt auf dem Fu\u00dfe: <em>\u201eWie kommt nach gro\u00dfem Leiden nun so ein gro\u00dfes Licht&#8220;<\/em>. Pr\u00e4gnanter kann man kaum zusammenfassen, worum es Ostern geht. Und zugleich wahrt Gerhardt das Ge\u00adheimnis der Osternacht, indem er auf alle weiteren Spekulationen verzichtet und es beim Kommen dieses gro\u00dfen Lichts bel\u00e4\u00dft. Zwar gestaltet Gerhardt die Szene noch weiter aus; doch <em>wie genau<\/em> die Auferstehung vor sich gegangen ist, spart er dabei aus: <em>\u201eEr war ins Grab gesenket, \/ der Feind trieb gro\u00df Geschrei; \/ eh er&#8217;s ver\u00admeint und denket, \/ ist Christus wieder frei&#8220;.<\/em> Die Erz\u00e4hlung wechselt jetzt unvermit\u00adtelt von der Vergangenheitsform in die Gegenwart. Christus ist so pl\u00f6tz\u00adlich und unerwartet wieder frei, da\u00df der Feind geradezu \u00fcberrumpelt ist; mitten in dessen Geschrei hinein ruft Christus sein \u201eViktoria&#8220; und setzt damit die neue Wirk\u00adlichkeit in Kraft, w\u00e4hrend das Alte nun vergangen ist.<\/p>\n<p>Was diese neue Wirklichkeit auszeichnet, wird in der ersten Strophe ebenfalls bereits angedeutet: <em>\u201eMein Heiland war gelegt \/ da, wo man uns hintr\u00e4gt, \/ wenn von uns unser Geist \/ gen Himmel ist gereist&#8220;.<\/em> Christus ist gestorben und wurde begra\u00adben. Er hat damit das Schicksal erlitten, das auch uns allen bevorsteht. Gerade das begr\u00fcndet nun zugleich unsere besondere Schicksalsgemeinschaft mit ihm: Indem er sich im Tod mit uns gleichmacht, hat umgekehrt das, was mit ihm nach dem Tode passiert, Folgen auch f\u00fcr uns. In den folgenden Strophen wird ausf\u00fchrlich von diesen Folgen die Rede sein. Hier, in der ersten Strophe, bel\u00e4\u00dft er es bei einer Andeutung &#8211; die aber von der Melodie gro\u00dfartig kommentiert und begleitet wird.<\/p>\n<p><em>\u201eMein Heiland war gelegt&#8220;:<\/em> Die Melodie setzt unten an, im Bereich des Leidens und des Todes. Die Betonung liegt auf dem langen <em>\u201egelegt&#8220;<\/em> &#8211; auf dem Leichnam im Grabe. Doch dann nimmt sie pl\u00f6tzlich Fahrt auf, dr\u00e4ngt nach vorne, steigt durch eine aufregende Modulation unauf\u00adhaltsam aus der Tiefe in die H\u00f6he empor und verwandelt sich von einer Klageme\u00adlodie des Todes in eine Freudenmelodie des Lebens. Durch ihren dichten, zum Ende auf dem hohen \u201ec&#8220; hin dr\u00e4ngenden Spannungsbogen nimmt die Melodie bereits vorweg, was der Strophentext erst nach und nach entfaltet. Die Strophen drei bis f\u00fcnf machen den Anfang.<\/p>\n<p>Das ist mir anzuschauen<\/p>\n<p>ein rechtes Freudenspiel.<\/p>\n<p>Nun soll mir nicht mehr grauen<\/p>\n<p>vor allem, was mir will<\/p>\n<p>entnehmen meinen Mut<\/p>\n<p>zusamt dem edlen Gut,<\/p>\n<p>so mir durch Jesum Christ<\/p>\n<p>aus Lieb erworben ist.<\/p>\n<p>Die H\u00f6ll und ihre Rotten,<\/p>\n<p>die kr\u00fcmmen mir kein Haar;<\/p>\n<p>der S\u00fcnden kann ich spotten,<\/p>\n<p>bleib allzeit ohn Gefahr.<\/p>\n<p>Der Tod mit seiner Macht<\/p>\n<p>wird nichts bei mir geacht&#8216;:<\/p>\n<p>er bleibt ein totes Bild,<\/p>\n<p>und war er noch so wild.<\/p>\n<p>Die Welt ist mir ein Lachen<\/p>\n<p>mit ihrem gro\u00dfen Zorn,<\/p>\n<p>sie z\u00fcrnt und kann nichts machen,<\/p>\n<p>all Arbeit ist verlorn.<\/p>\n<p>Die Tr\u00fcbsal tr\u00fcbt mir nicht<\/p>\n<p>mein Herz und Angesicht,<\/p>\n<p>das Ungl\u00fcck ist mein Gl\u00fcck,<\/p>\n<p>die Nacht mein Sonnenblick.<\/p>\n<p>Nach der Beschreibung der Osterszene geht Gerhardt nun zu ihrer Ausdeutung \u00fcber. Im Ich-Stil, als Auslegung der eigenen Fr\u00f6mmigkeit, legt er dar, was sich durch Ostern f\u00fcr uns ver\u00e4ndert hat. Die Auferstehung Jesu ist f\u00fcr ihn gerade nicht irgendein wundersames Spektakel und auch nicht nur etwas, das uns irgendwann in ferner Zukunft betrifft, sondern Grund und Beginn einer vollst\u00e4ndig neuen Sicht auf unser Leben hier und jetzt. Die siegreiche Befreiung Christi aus den F\u00e4ngen des Todes bedeutet f\u00fcr uns die Befreiung von den Sorgen und \u00c4ngsten, die uns manchmal hintergr\u00fcndig umtreiben, manchmal aber auch dr\u00fcckend und schwer auf uns lasten. Zugegeben, in der dritten Strophe formuliert Gerhardt das noch zur\u00fcckhaltend und vorsichtig: <em>\u201eDas ist mir anzuschauen \/ ein rechtes Freudenspiel; \/ nun soll mir nicht mehr grauen \/ vor allem, was mir will \/ entnehmen meinen Mut&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Doch in den darauffolgenden Strophen wird er deutlicher. Aus der Perspektive der Auferstehung verlieren die M\u00e4chte und Gewalten dieser Welt ihre bedrohliche Kraft. Wir leben zwar in der Welt; doch das, was uns hier widerf\u00e4hrt, kann uns nicht mehr wirklich treffen. Der Tod als Inbegriff all&#8216; dessen, wovor wir uns f\u00fcrchten und \u00e4ngsten, ist \u00fcberwunden. Er ist selbst nur noch ein \u201etotes Bild&#8220; und hat seine dr\u00e4ngende Macht verloren: <em>\u201eDer Tod mit seiner Macht \/ wird nichts bei mir geacht&#8216;: \/ er bleibt ein totes Bild, \/ und w\u00e4r er noch so wild&#8220;.<\/em> Man kann f\u00f6rm\u00adlich sp\u00fcren, mit welcher Intensit\u00e4t Gerhardt gerade diese Einsicht einzusch\u00e4rfen sucht. Dabei handelt es sich keineswegs um eine s\u00fc\u00dfliche, weltfremde Fr\u00f6mmelei. Gerhardt wei\u00df vielmehr nur zu gut, wovon er spricht. Als er diese Zeilen schreibt, w\u00fctet noch der 30j\u00e4hrige Krieg in Europa. Pl\u00fcnderung und Zerst\u00f6rung, Hungers\u00adnot und Elend bilden den Hintergrund f\u00fcr einen beinahe trotzigen Spott auf die Irrungen und Wirrungen dieser Welt: <em>\u201eDie Welt ist mir ein Lachen \/ mit ihrem gro\u00ad\u00dfen Zorn, \/ sie z\u00fcrnt und kann nichts machen, \/ all Arbeit ist verlorn&#8220;. <\/em><\/p>\n<p>In dem Bem\u00fc\u00adhen, die Freiheit des Christenmenschen gegen\u00fcber dem Lauf der Welt deutlich zu machen, versteigt sich Gerhardt schlie\u00dflich sogar in geradezu pa\u00adradoxe Formulie\u00adrungen. Ihnen k\u00f6nnen wir vielleicht nicht folgen. Doch sie lassen ahnen, wie radi\u00adkal die von Christus bewirkte Befreiung die bisherigen Verh\u00e4ltnisse umkehrt und die Sicht auf die Welt ver\u00e4ndert. Selbst das Ungl\u00fcck erscheint nun als Gl\u00fcck, selbst die Nacht als Sonnenblick: <em>\u201eDie Tr\u00fcbsal tr\u00fcbt mir nicht \/ mein Herz und Angesicht, \/ das Ungl\u00fcck ist mein Gl\u00fcck, \/ die Nacht mein Sonnenblick&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Freilich bleibt Gerhard bei dieser spannungsvollen Dramatik nicht stehen. Die melodische und inhaltliche Bewegung seines Liedes weist \u00fcber den irdischen Tru\u00adbel hinaus auf eine zur Ruhe kommende Vollendung. Die dunklen Gewalten wer\u00adden jetzt zur\u00fcckgelassen und verschwinden in der Ferne.<\/p>\n<p>Ich hang und bleib auch hangen<\/p>\n<p>an Christus als ein Glied;<\/p>\n<p>wo mein Haupt durch ist gangen,<\/p>\n<p>da nimmt er mich auch mit.<\/p>\n<p>Er rei\u00dfet durch den Tod,<\/p>\n<p>durch Welt, durch S\u00fcnd, durch Not,<\/p>\n<p>er rei\u00dfet durch die H\u00f6ll,<\/p>\n<p>ich bin stets sein Gesell.<\/p>\n<p>Er dringt zum Saal der Ehren,<\/p>\n<p>ich folg ihm immer nach<\/p>\n<p>und darf mich gar nicht kehren<\/p>\n<p>an einzig Ungemach..<\/p>\n<p>Es tobe, was da kann,<\/p>\n<p>mein Haupt nimmt sich mein an,<\/p>\n<p>mein Heiland ist mein Schild,<\/p>\n<p>der alles Toben stillt,<\/p>\n<p>Er bringt mit an die Pforten,<\/p>\n<p>die in den Himmel f\u00fchrt,<\/p>\n<p>daran mit g\u00fcldnen Worten<\/p>\n<p>der Reim gelesen wird:<\/p>\n<p>\u201eWer dort wird mit verh\u00f6hnt,<\/p>\n<p>wird hier auch mit gekr\u00f6nt;<\/p>\n<p>wer dort mit sterben geht,<\/p>\n<p>wird hier auch mit erh\u00f6ht.&#8220;<\/p>\n<p>Die starke Ausrichtung auf das ewige Leben, die alle Lieder Paul Gerhardts durch\u00adzieht, ist uns Heutigen fremd geworden. Wir leben hier und heute &#8211; und wollen, da\u00df wir in <em>diesem<\/em> Leben von Gott gef\u00fchrt und geleitet werden. Der Verweis auf einen Ausgleich f\u00fcr alles Schlechte im Jenseits erscheint uns da schnell als billige Vertr\u00f6stung, die die harte Realit\u00e4t von Leid und Schmerz nicht ernst nimmt.<\/p>\n<p>Vielleicht aber kann man die drei letzten Strophen von Gerhardts Lied auch an\u00adders verstehen. Entscheidend ist zun\u00e4chst, da\u00df der christliche Glaube die Hoffnung auf eine umfassende Vollendung einschlie\u00dft. Der Weg allein ist eben <em>nicht<\/em> das Ziel, und unser Leben hier auf Erden ist ein Leben im Vorletzten, ein Leben, das von H\u00f6hen und Tiefen gepr\u00e4gt bleibt &#8211; ein Leben, durch das man sich manchmal durchk\u00e4mpfen mu\u00df, das uns nicht nur sch\u00f6ne, sondern auch schwere Stunden bietet. Wir sind stets darum bem\u00fcht, dieses Leben in den Griff zu bekommen &#8211; Herr zu sein \u00fcber unsere Entscheidungen, alles richtig zu machen, unsere Vorstel\u00adlungen und Pl\u00e4ne zu verwirklichen. Oft aber haben wir das Gef\u00fchl, wir werden wie in einem rei\u00dfenden Strom mitgerissen und m\u00fcssen uns anstrengen, damit wir zu\u00admindest den Kopf \u00fcber Wasser halten.<\/p>\n<p>Gerhardt nimmt dieses Lebensgef\u00fchl auf, gibt dem Bild aber eine ganz andere Wendung. Im Glauben an Christus sind wir mit Christus verbunden; an ihm \u201eh\u00e4n\u00adgen&#8220; wir, und er ist es, der uns durch den rei\u00dfenden Strom, durch die tosenden Gewalten hindurch emporzieht: <em>\u201eIch hang und bleib auch hangen \/ an Christus als ein Glied; \/ wo mein Haupt durch ist gangen, \/ da nimmt er mich auch mit. \/ Er rei\u00dfet durch den Tod, \/ durch Welt, durch S\u00fcnd, durch Not, \/ er rei\u00dfet durch die H\u00f6ll, \/ ich bin stets sein Gesell&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Gerhardt ist es die Bindung an Christus, die uns durch unser Leben hin\u00addurchtr\u00e4gt &#8211; nicht irgendeine spirituelle Selbsterfahrung oder ein scheinbar so wohltuendes religi\u00f6ses Innewerden. So etwas kann uns den Halt nicht bieten, auf den es Gerhardt ankommt. Ihn finden wir allein in Christus &#8211; er ist es, der uns mit\u00adten im Leben und \u00fcber das Leben hinaus Schutz und Schirm bietet: <em>\u201eEs tobe, was da kann: \/ mein Haupt nimmt sich mein an; \/ mein Heiland ist mein Schild, \/ der alles Toben stillt&#8220;.<\/em> Damit hat Gerhardt schlie\u00dflich sein Ziel erreicht: Im Auge des Sturms herrscht v\u00f6llige Ruhe, unter dem Schild Christi finden wir unseren Frieden. Das kann die Pforte sein, <em>\u201edie in den Himmel f\u00fchrt&#8220;;<\/em> es kann aber auch der Frieden sein, aus dem wir immer wieder neu die Kraft sch\u00f6pfen, um gest\u00e4rkt in das Brausen und die lebendige F\u00fclle unseres Lebens zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"fuss\" style=\"width: 500px;\">\nPD Dr. Martin Laube<br \/>\nStudienleitung Theologie, Ethik und Geschichte<br \/>\nEvangelische Akademie Loccum<br \/>\nM\u00fcncheh\u00e4ger Stra\u00dfe 6, 31547 Rehburg-Loccum<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:Martin.Laube@evlka.de\">Martin.Laube@evlka.de<\/a><\/div>\n<div id=\"bemerkung\" style=\"width: 500px;\"><\/div>\n<\/div>\n<hr width=\"100%\" \/>\n<div style=\"margin-left: 50px;\"><a href=\"#top\">(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><script language=\"javascript\"><![CDATA[\n<!--\ndocument.write(\"<IMG WIDTH=\"1\" HEIGHT=\"1\" \");\ndocument.write(\"SRC=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=2&#038;bn=neukirch\");\ndocument.write(\"&#038;f=pg-13.html\");\ndocument.write(\"&#038;r=r1\");\nif(document.referrer.toLowerCase().indexOf('http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/')<0) { document.write(\"&#038;w=\"+escape(document.referrer)); } document.write(\"\">\");\n\/\/ -->\n]]><\/script><noscript><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/count.pl?j=1&amp;bn=neukirch&amp;f=pg-13.html&amp;r=r1\"\/><\/noscript><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007 &#8222;Auf, auf, mein Herz, mit Freuden&#8220; (EG 112), Predigt verfasst von Martin Laube Liebe Gemeinde, mit Ostern und dem Osterfest ist das so eine Sache. 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