{"id":11766,"date":"2021-02-07T19:48:51","date_gmt":"2021-02-07T19:48:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11766"},"modified":"2023-03-10T08:43:56","modified_gmt":"2023-03-10T07:43:56","slug":"ein-laemmlein-geht-und-traegt-die-schuld-eg-83","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/ein-laemmlein-geht-und-traegt-die-schuld-eg-83\/","title":{"rendered":"&#8222;Ein L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld&#8220;, (EG 83)"},"content":{"rendered":"<div id=\"content\">\n<div id=\"predigt\">\n<h3 id=\"kopf\" class=\"blau\"><strong>Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007<\/strong><br \/>\n<strong>&#8222;Ein L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld&#8220;, (EG 83)<\/strong><br \/>\n<strong>Eine Liedpredigt zu Paul Gerhardt in der Passionszeit verfasst von Ralf Hoburg<\/strong><\/h3>\n<hr \/>\n<div id=\"predigttext\">Denke ich an die Passionszeit, so f\u00e4llt mir unwillk\u00fcrlich ein Lied von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1647 ein: &#8222;Ein L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld der Welt und ihrer Kinder.&#8220; Es werden dabei Erinnerungen an die vielen Passionsandachten in mir wach, die ich mit der fast immer gleichen Gruppe \u00e4lterer Menschen aus der Gemeinde in d\u00e4mmerigem Abendlicht im M\u00e4rz eines jeden Jahres in einer f\u00fcr die Anzahl der Menschen viel zu gro\u00dfen alten gotischen Kathedrale im Herzen des pietistischen Ostwestfalens feierte. Es geh\u00f6rt aber zu denjenigen Liedern, die der Gemeinde seit Jahrzehnten wohlvertraut waren und traditionell gesungen werden &#8211; vermutlich bis auf den heutigen Tag. Ich mochte das Lied von Anfang an nicht. Es war mir unsympathisch. Seine Verse atmeten f\u00fcr mich den pathetischen Muff einer mir zu engen hochkirchlichen Fr\u00f6mmigkeit und seine Melodie war mir vom Rhythmus ungewohnt und klang nicht eing\u00e4ngig melodisch, sondern steif und unzusammenh\u00e4ngend mit einer seltsam unterschwellig durchscheinenden Todessehnsucht und Melancholie. Meiner heiter fr\u00f6hlichen Fr\u00f6mmigkeit lag damals und auch heute das frische Sommerlied aus Paul Gerhardts Hand &#8222;geh aus mein Herz und suche Freud in dieser sch\u00f6nen Sommerzeit&#8220; mit seinem sch\u00f6pfungstheologischen Vielklang viel n\u00e4her und ich gestehe, dass ich die Getragenheit und Schwere des Passionsliedes beim eigenen Singen immer mit einer vorausgreifenden \u00f6sterlichen Fr\u00f6hlichkeit im Herzen konterkariert habe, denn letztlich ist mir die Reich-Gottes-Theologie immer n\u00e4her als die Theologie des Kreuzes. Die schwerf\u00e4llige gro\u00dfe Orgel der Kirche drosselte das Tempo des Liedes noch und f\u00fchrte zu einer fast unertr\u00e4glichen Langsamkeit und Dissonanz zwischen dem Orgelspiel und der hinterher- oder vorhersingenden Gemeinde. Im Laufe meiner wenigen Jahre im Pfarramt wurde gerade dieses Lied f\u00fcr mich zum Symbol einer auf den Glanz vergangener Zeiten fixiert starrenden Gemeindekirche, die sich in Gottesdienst und pfarrherrlichem Gehabe gegen eine bunter und lebendiger werdende gesellschaftliche Umwelt geradezu verbarrikadierte und kaum noch wahrnahm, was sich um sie herum abspielte. Es war ungef\u00e4hr die Zeit, als der Soziologe Gerhard Schulze sein aufregendes Buch \u00fcber die Erlebnisgesellschaft schrieb, B\u00fccher \u00fcber Kultmarketing erschienen und die Evangelische Kirche in Deutschland in ihrer dritten Mitgliedschaftsstudie den neuen Typ des sog. &#8222;kirchlich Distanzierten&#8220; wahrnahm und analysierte. Im Ruhrgebiet fand ein Kirchentag statt, der sich in einen spannenden Dialog mit der modernen \u00c4sthetik, der Kunst und dem Theater begab und hinter dem Teutoburger Wald existierte in Ostwestfalen eine satte Kirchlichkeit, die so tat &#8222;als w\u00e4re nichts geschehen&#8220; (K. Barth) und unbeirrt eben jenes Passionslied mit einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit sang als m\u00fcsse jeder Mensch wissen, um welchen Inhalt es bei diesem Lied geht.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>I) Jesus &#8211; sein Leben ist das Leiden f\u00fcr die Welt<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem ich gelernt habe, das Passionslied Paul Gerhardts unabh\u00e4ngig eines Gemeindekontextes zu sehen, habe ich mich damit ausges\u00f6hnt. Seine Melodie hat f\u00fcr mich in seiner Spr\u00f6digkeit sogar Charme, der sich wohltuend unterscheidet von seichten Kirchenfl\u00f6ten \u00e0 la Hufeisen (Anzeigentext: &#8222;Zeitzeichen und Hans-J\u00fcrgen Hufeisen schenken Ihnen ein Musiktitel&#8220; &#8211; extra zum Paul Gerhardt-Jahr\u0085). Wahrlich Kirche: Du bist ein echter Leuchtturm des 21. Jahrhunderts! Inzwischen kann ich sagen, dass es mir gerade wegen der theologischen Unaufgeregtheit seiner Aussagen zu einem Kleinod eigener Passionstheologie geworden ist, die sich mir in einem anderen Licht erschlie\u00dft. Wie die Schriftstellerin Gabriele Wohmann es in einer Betrachtung zu Paul Gerhardts Liedern j\u00fcngst ausgedr\u00fcckt hat, ist gerade dieses Lied f\u00fcr mich ein Beispiel der &#8222;extrem komplizierten Glaubenszuversicht&#8220;, die dem Protestantismus anheftet und die sich dem religi\u00f6s Neugierigen nicht auf den ersten Blick erschlie\u00dft. Das ist es, was ich mehr und mehr wieder entdecke: So wie das Lied von Paul Gerhardt antik und eckig, spr\u00f6de und durch und durch pathetisch klingt, so ist der Protestantismus nicht seicht und es bedarf mancher gedanklicher Anstrengung, das Evangelische zu verstehen. Dazu braucht es Information und Aufkl\u00e4rung in einer religi\u00f6s unmusikalischen Umwelt, die Aussagen so zu erschlie\u00dfen, dass sie eine Relevanz f\u00fcr den heutigen Menschen haben k\u00f6nnen.<br \/>\nVor diesem Hintergrund wird das Passionslied ganz in der musikalischen Tradition der Reformation zu einem katechetischen Lehrst\u00fcck, in dessen Mitte die Christologie steht. In Aufnahme der Christologie des Johannesevangeliums besingt das Lied den stellvertretenden S\u00fchnetod Jesu Christi. Jesus ist in erster Linie nicht der Wunderheiler, das ethisch-moralische Vorbild, nicht der &#8222;Bruder&#8220; und schon lange kein Held, sondern sein Leben geht v\u00f6llig auf in seiner Funktion: Er ist das Lamm, das die Schuld der Welt tr\u00e4gt und die S\u00fcnden der Menschen b\u00fc\u00dft. Und es ist theologisch gekonnt, wie der Dichter Paul Gerhardt hier die Passion als Leidensgeschichte nahe bringt. Jesus von Nazareth ist der Gottesknecht, der in der hebr\u00e4ischen Bibel in Jesaja 53 als der stellvertretend Leidende beschrieben wird. Und obwohl er freiwillig und &#8222;gern&#8220; wie Paul Gerhardt schreibt, sich in dieses Schicksal und Leiden f\u00fcgt, ist den Worten der Strophe sehr wohl zu entnehmen, dass dieser Tod keine St\u00e4rke war, sondern Entsagung und unsagbares Leid: &#8222;es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die W\u00fcrgebank, entsaget allen Freuden\u0085&#8220; (Strophe 1) Man sp\u00fcrt es zwischen den Zeilen, wie k\u00f6rperlich der Dichter dieses Leiden nachempfindet. Dieser Jesus von Nazareth &#8222;entsaget allen Freuden&#8220; &#8211; sein Tod ist das Zeichen und ein \u00e4u\u00dferer Ausdruck f\u00fcr die Brutalit\u00e4t in der Welt.<br \/>\nGeschrieben sind die Verse 1647 und also kurz vor dem Ende eines uns\u00e4glichen Mordens im Verlauf des 30j\u00e4hrigen Krieges. Wer die Klagen einer &#8222;Mutter Courage&#8220; nach Bert Brecht im Ohr hat oder die unbesch\u00f6nigende Kriegsberichterstattung in Grimmelhausens &#8222;Simplicissimus&#8220; sp\u00fcrt in den Worten Gerhardts die Wahrnehmung der Grausamkeit dieses Krieges. Es sind die Mittenwalder Jahre, in denen Paul Gerhardt in dem kleinen St\u00e4dtchen eine Pfarrstelle bekleidet. In diese Zeit f\u00e4llt aber auch der Tod der ersten Tochter. Noch drei weitere Kinder musste Paul Gerhardt gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna Maria zu Grabe tragen. Es darf vermutet werden, dass dieses Lebensschicksal den Glauben von Anna Maria und Paul Gerhardt gepr\u00e4gt hat. Das Leben erlebten beide in seiner H\u00e4rte und sie sp\u00fcrten die Sehnsucht der Menschen nach Hoffnung. Von beidem handelt das Passionslied, aber es konzentriert sich zun\u00e4chst ganz auf das stellvertretende Leiden Jesu Christi. Die Aufgabe des Lammes und Kindes ist es, sich der Menschen zu erbarmen: &#8222;Geh hin, mein Kind, und nimm Dich an\/ der Kinder, die ich ausgetan\/ zur Straf und Zornesruten;\/\u0085&#8220; Hier liegt der Kern der theologischen Aussage: Es geht um die Erl\u00f6sung, die im Zentrum der Passionstheologie steht. Und in der Form der Sprache eine g\u00f6ttlichen Selbstoffenbarung wird dem Gottessohn zugesagt: &#8222;Du kannst und sollst sie machen los\/ durch Sterben und durch Bluten.&#8220; Das stellvertretende Leiden Jesu von Nazareth verwandelt sich zur befreienden Erl\u00f6sung f\u00fcr die Menschen. Das Passionslied wird ganz auf diese Mitte hin konzentriert, n\u00e4mlich der freiwilligen Hingabe des Sohnes und seiner Deutung als Erm\u00f6glichung des Heils f\u00fcr die Menschen und die Welt einerseits und der frommen Antwort des Menschen darauf andererseits. In dieser doppelten Ausrichtung bleibt Paul Gerhardt ganz der reformatorischen Theologie verhaftet und greift aber gleichzeitig in seiner Wendung eigener Fr\u00f6mmigkeit Aspekte von Johann Arndt und vor allem auch Gedanken fr\u00fchpietistischer Pr\u00e4gung auf. Sein Passionslied zeigt ein gro\u00dfes St\u00fcck Herzenstheologie und steht an der Schwelle zwischen einer konservierenden Theologie der Orthodoxie und der lebenszugewandten Fr\u00f6mmigkeit des Pietismus, in der der Glaube dem Leben dienlich sein sollte. Man kann fast sagen, dass Paul Gerhardt im Vorgriff auf Schleiermacher die Empfindungen des frommen Gem\u00fcthes zum Thema seiner Passionstheologie macht.<\/p><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>II) Fr\u00f6mmigkeit als Dank des Glaubens\u00a0<\/strong>Der zweite Teil des Liedes besingt deshalb das andere gro\u00dfe Thema der Reformation: den Glauben. Der Glaube wird von Paul Gerhardt als Bekenntnis und Einverst\u00e4ndnis des Menschen gesehen. Es geht um die Wirkung des Heils und der Befreiung durch den Tod Jesu Christi auf den Menschen. Beide Teile des Liedes, das freiwillige Leiden und Sterben des Sohnes, wie es vor allem Strophe 1 und 2 besingen, und der Glaube des Menschen werden einander zugeordnet. W\u00e4hrend die Strophen 1-3 die Perspektive des Gottessohnes und leidenden Lammes einnehmen, wechselt Paul Gerhardt ab Strophe 4 die Richtung der Betrachtung. Nunmehr handelt das Lied vom Menschen unter der Bedingung der Gnade. Kann man soweit gehen und in der Anlage des Liedes die Dialektik von Gesetz und Evangelium, wie sie Luther vielfach zum Ausdruck gebrach hat, wiederfinden? Es ist die Haltung der Dankbarkeit und Fr\u00f6mmigkeit, aus der nun in gewisser Weise ein anderes Licht auf die Strophen 1-3 f\u00e4llt. Und obwohl die \u00f6sterliche Gewissheit in diesem Passionslied nicht direkt zum Ausdruck kommt und nur am Ende der dritten Strophe metaphorisch durch das Bild der zerspringenden Felsen angedeutet wird, sp\u00fcrt man es beim Singen des Liedes sehr wohl deutlich. Der Grund allen Singens und letztendlich auch der Grund aller Passionstheologie ist das Ostergeschehen. Dieser geradezu fr\u00f6hliche Wechsel, der das Gem\u00fct und die Seele vom Mitleiden hin zur Freude bewegt, ist deutlich in Strophe 3 zu h\u00f6ren, indem Paul Gerhardt geradezu lautmalerisch die Vokale unterst\u00fctzend zu Hilfe nimmt: &#8222;O Liebe, Liebe, du bist stark\u0085&#8220;<br \/>\nDieser gro\u00dfe Freund, der in Strophe 2 der Retter des Menschen wird, ist es wert, im Leben geehrt und verehrt zu werden. Ihm unterstellt sich der Mensch und eignet ihm sein Leben zu. Auch hier ist der Dichter ganz nahe an der biblisch-reformatorischen Einsicht des in Jesus Christus neu gewordenen Menschen. So schreibt Paul Gerhardt als Quintessenz seiner Lebensauffassung in Strophe 4: &#8222;Mein Lebetage will ich Dich\/ aus meinem Sinn nicht lassen&#8220; und am Schluss der Strophe geradezu im Stile eines Hochzeitsversprechens: &#8222;ich will mich Dir, mein h\u00f6chster Ruhm,\/ hiermit zu deinem Eigentum\/ best\u00e4ndiglich verschreiben.&#8220; In gewisser Weise zitiert Paul Gerhardt hier eine Stelle aus den Liedern Martin Luthers, die das Leben des Menschen unter der Gnade \u00e4hnlich im Bild des hochzeitlichen Tausches beschreibt. Das Leben im Glauben erinnert sich stets der Quelle und des Ursprungs der Gnade und sch\u00f6pft daraus Kraft. Aus dem Glauben resultiert dann der Wunsch selbst t\u00e4tig zu werden und der Dichter m\u00f6chte sich selbst in seinen Worten &#8222;zum Freudenopfer bringen&#8220;. Was hier in durchaus euphorisch klingender Sprache und sicherlich im Gestus pathetischen Wollens ausgedr\u00fcckt wird, ist letztlich die Grunderkenntnis des Glaubens, n\u00e4mlich das eigene Leben nicht als Ergebnis des eigenen K\u00f6nnens oder Wollens zu begreifen, sondern als in Gottes Wirken begr\u00fcndet zu sehen und dieses g\u00f6ttliche Wirken leitet sich von dem stellvertretenden Tod Jesu Christi her. Das Leben im Glauben findet seine Identit\u00e4t in der Welt, indem es r\u00fcckverweisend auf Christus blickt. Gleichzeitig resultiert aus dieser Erinnerung eine zukunftsweisende und das Leben nach vorne stark ver\u00e4ndernde Kraft, wodurch sich letztlich das dritte gro\u00dfe protestantische Thema innerhalb des Passionsliedes ank\u00fcndigt, n\u00e4mlich die Hoffnung oder anders: das auf das Reich Gottes ausgerichtet bleibende Leben.<\/p>\n<p><strong>III)\u00a0Mit dem Glauben besser leben<\/strong><\/p>\n<p>Gegen Ende des Liedes zeigt sich dann noch dieses Thema, das &#8211; obwohl mit dem zweiten eng zusammenh\u00e4ngend &#8211; eine Nuance anders ausgerichtet ist und das wie ich meine heute vor dem Hintergrund einer synkretistischen Alltagsfr\u00f6mmigkeit besonders aktuell ist. Vielleicht kann man diesen thematischen Appendix, der schon bei Paul Gerhardt auftaucht in Aufnahme einer Begrifflichkeit von Albert Schweitzer mit dem Begriff der &#8222;Lebensdienlichkeit&#8220; des Glaubens beschreiben. Der Glaube dient dazu, den Menschen im Leben zu bewahren und &#8211; so sagt es Paul Gerhardt in Strophe 6 &#8211; soll sein &#8222;mein Schutz,\/ in Traurigkeit mein Lachen,\/ in Fr\u00f6hlichkeit mein Saitenspiel&#8220;. Damit geht es um die Bew\u00e4hrung im Leben, die mit dem Glauben an Jesus Christus erreicht werden soll. Paul Gerhardt dichtet in dieser vorletzten Strophe: &#8222;Das soll und will ich mir zunutz\/ zu allen Zeiten machen;\/ im Streite soll es sein mein Schutz,\/\u0085&#8220; Wollte man in der modernen Sprache der Werbung argumentieren, so k\u00f6nnte man leicht den Slogan kreieren: Mit Glauben lebt sich&#8217;s besser&#8220;. Der Glaube ist der Begleiter des Menschen in allem auf und ab des allt\u00e4glichen Lebens und in Einsamkeit geradezu auch ein &#8222;Sprachgesell&#8220;.<br \/>\nHier ist das Passionslied durchaus aktuell und wie ich finde \u00e4u\u00dferst modern. Trotz aller neuen Kommunikationsmittel suchen viele Menschen heute den Halt, der im Leben und im Sterben zwischen allem Wandel Bestand hat. Wir reden unendlich viel, telefonieren noch mehr, seit es Flatrates gibt, haben Handys und Email. Aber kommen wir uns bei alldem auch nahe? Reden wir \u00fcber das, was &#8222;uns unbedingt angeht&#8220;: den Sinn des Lebens und die Angst vor dem Tod? Es geht letztlich um die Lebensorientierung, die inmitten der bunten Palette der Lebensangebote wegzubrechen droht. Es ist so wie Peter Maffay in dem Song &#8222;\u00dcber sieben Br\u00fccken musst Du gehen\u0085&#8220; besingt: &#8222;Manchmal bin ich schon am Morgen m\u00fcd&#8216;,\/ Und dann such&#8216; ich Trost in einem Lied&#8220;. Der Glaube dient der eigenen Lebensorientierung. Wenn es eine Botschaft gibt, die mich trotz der anf\u00e4nglich beschriebenen Schwierigkeiten mit diesem Passionslied immer wieder neu besch\u00e4ftigen l\u00e4sst, so ist es diese &#8211; von Paul Gerhardt in Noten gesetzte &#8211; Zuversicht, dass der Glaube an Jesus Christus im eigenen Leben tr\u00e4gt. Warum ich das Heil meines Lebens ausgerechnet daran h\u00e4ngen soll, dass einer f\u00fcr mich den Gang auf die W\u00fcrgebank gegangen ist, kann ich im letzten Grund gar nicht begr\u00fcnden. Vielleicht ist es im Tiefsten das Provokative, dass ein Anderer sich demonstrativ sch\u00fctzend vor mich stellt und f\u00fcr mich stellvertretend stirbt und ich statt selber tot zu sein frisch und frei weiterlebe? Kein Mensch w\u00fcrde dies freiwillig f\u00fcr einen anderen Menschen tun. In diesem stellvertretenden Tod Jesu Christi liegt das Geheimnis, dass das eigene Leben einen Grund hat, der au\u00dferhalb unserer M\u00f6glichkeiten liegt. Das ist das ganze Geheimnis des Glaubens, das Gabriele Wohmann vermutlich mit dem Wort von der &#8222;extrem komplizierten Glaubenszuversicht&#8220; meinte. Wenn man aber die Lieder von Paul Gerhardt singt und beim Singen sp\u00fcrt, dass da eine besondere Kraft auf einen \u00fcbergeht, dann wird die komplizierteste Erkenntnis wieder ganz einfach. Letztlich ist die Musik dann doch eine &#8222;hochtheologische Angelegenheit&#8220;, wie Luther einstmals feststellte, weil die Seele sp\u00fcrt, worum es im Glauben wirklich geht. Na ja, und Paul Gerhardt konnte mehr als ein Liedchen vom Glauben singen. Singen Sie doch zuhause einfach mal eins mit! Sie wissen nicht wie? Schau&#8217;n Sie im Gesangbuch nach.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Ralf Hoburg<\/strong><br \/>\n<strong>E-Mail: <a href=\"mailto:hoburg@efh-hannover.de\">hoburg@efh-hannover.de<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007 &#8222;Ein L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld&#8220;, (EG 83) Eine Liedpredigt zu Paul Gerhardt in der Passionszeit verfasst von Ralf Hoburg Denke ich an die Passionszeit, so f\u00e4llt mir unwillk\u00fcrlich ein Lied von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1647 ein: &#8222;Ein L\u00e4mmlein geht und tr\u00e4gt die Schuld der Welt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15890,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,727,157,120,114,1370,1108,1074,109,1116,126,1328,1126],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-11766","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelle","category-archiv","category-beitragende","category-bes_gelegenheiten","category-deut","category-lieder-paul-gerhardts","category-liedpredigten","category-paul-gerhardt","category-predigten","category-predigtformen","category-predigtreihen","category-ralf-hoburg","category-theologische-persoenlichkeiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11766"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11766\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17404,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11766\/revisions\/17404"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11766"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=11766"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=11766"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=11766"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=11766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}