{"id":11772,"date":"2007-02-07T19:48:47","date_gmt":"2007-02-07T18:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11772"},"modified":"2025-04-08T17:16:54","modified_gmt":"2025-04-08T15:16:54","slug":"nun-lasst-uns-gehen-und-treten-eg-58","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/nun-lasst-uns-gehen-und-treten-eg-58\/","title":{"rendered":"&#8222;Nun lasst uns gehen und treten&#8220; (EG 58)"},"content":{"rendered":"<div id=\"content\">\n<div id=\"predigt\">\n<h3 id=\"kopf\" class=\"blau\"><strong>Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007 | <\/strong><strong>&#8222;Nun lasst uns gehen und treten&#8220; (EG 58)<\/strong><strong>\u00a0| Reinhold Mokrosch |<\/strong><\/h3>\n<p id=\"kopf\" class=\"blau\"><strong>Eine Predigt anl\u00e4sslich des 400. Geburtstages von Paul Gerhardt<\/strong><\/p>\n<div id=\"predigttext\">\n<p>Liebe Mitchristen! Liebe Freunde und Freundinnen von Paul Gerhardt! Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wir haben soeben das Lied &#8222;Nun lasst uns gehen und treten mit Singen und mit Beten&#8220; gesungen. Es stammt von Paul Gerhardt, an dessen 400. Geburtstag in diesem Jahr wir uns in diesem Gottesdienst erinnern wollen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: center;\">\n<p><strong>I.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>Bevor ich aber auf Paul Gerhard, seine Zeit und dieses Lied eingehe, m\u00f6chte, ja muss ich Ihnen von einer Szene in Tanzania\/Ostafrika erz\u00e4hlen, die ich nie vergessen werde. Ich hatte dort an dem Lutheran Theological College of Makumira im Jahr 1997 eine Gastprofessur zur Ausbildung afrikanischer lutherscher Pfarrer \u00fcbernommen. Gleich am Tag nach meiner Ankunft kamen Dutzende von christlichen Tutsi- und Hutu &#8211; Fl\u00fcchtlingen aus dem grauenhaften B\u00fcrgerkrieg des 300 km entfernten Rwanda im College an und baten um Asyl. Sie waren tagelang hungernd marschiert &#8211; verletzt, gepl\u00fcndert, ausgemergelt. Viele hatten Kinder, Eltern und Freunde verloren, die z.T. vor ihren Augen massakriert worden waren.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Nach einer ersten Versorgung fand in der Kirche auf dem College &#8211; Campus von Makumira ein Gottesdienst im Stil lutherscher Liturgie statt, &#8211; nat\u00fcrlich auf Kisuahili. Ich selbst sollte &#8211; auf Englisch &#8211; eine tr\u00f6stende Ansprache halten. Vorher sang die ca. 300 Personen umfassende Gemeinde pl\u00f6tzlich unser Paul Gerhardt &#8211; Lied &#8222;Nun lasst uns gehen und treten&#8220; &#8211; auf Kisuahili. Ich hatte den deutschen Text vor mir. Mir blieb der Atem stecken, als ich sah und h\u00f6rte, mit welcher Inbrunst die rwandischen Fl\u00fcchtlinge sangen:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p>&#8211; &#8222;Wir gehen dahin und wandern\u0085durch so viel Angst und Plagen \/ durch Zittern und durch Zagen \/ durch Krieg und gro\u00dfe Schrecken \/ die alle Welt bedecken.&#8220; Wie treffend hatte P. Gerhardt vor 350 Jahren diese Klagen der Rwander heute beschrieben! Und dann sangen sie weiter:<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8211; &#8222;Ach, H\u00fcter unsres Lebens \/ f\u00fcrwahr es ist vergebens \/ mit unserm Tun und Machen \/ wo nicht Dein Augen wachen!&#8220; Und: &#8222;Gelobt sei Deine Treue \/ die alle Morgen neue; \/ Lob sei den starken H\u00e4nden, \/ die alles Herzleid wenden.&#8220; Woher nahmen sie die Kraft, Gott als H\u00fcter ihres Lebens zu bezeichnen und auf Gottes Treue zu bauen? Ihre nachfolgende Bitte um ein geduldiges Herz war echt:<br \/>\n&#8211; &#8222;Gib mir und allen denen, \/ die sich von Herzen sehnen \/ nach dir und deiner Hulde, \/ ein Herz, das sich gedulde.&#8220; Und in der 12. Strophe glaubte ich zu h\u00f6ren, dass sie f\u00fcr ihre Feinde und M\u00f6rder beteten:<br \/>\n&#8211; &#8222;Sei der Verlassnen Vater, \/ der Irrenden Berater, \/ der Unversorgten Gabe, \/ der Armen Gut und Habe.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Wie ist es m\u00f6glich, fragte ich mich innerlich, dass diese Fl\u00fcchtlinge nach ihrem Grauen so singen? Glauben sie wirklich, dass nach &#8222;so viel Blutvergie\u00dfen \/ die Freudenstr\u00f6me flie\u00dfen&#8220;? Mir rollten Tr\u00e4nen der R\u00fchrung und Scham. Denn solchen starken Glauben hatte ich nicht. Meine Andacht hielt ich spontan \u00fcber dieses Paul &#8211; Gerhardt &#8211; Lied. Ich benannte konkret &#8222;so viel Angst und Plagen, das Zittern und das Zagen, den Krieg und gro\u00dfe Schrecken, die alle Welt bedecken&#8220; und best\u00e4rkte die H\u00f6renden in ihrem Glauben an &#8222;Gottes Treue, die jeden Morgen neue, mit seinen starken H\u00e4nden das Herzleid aller wenden.&#8220; Ich sp\u00fcrte dabei, dass ich redete, aber selbst nicht glaubte. Die Fl\u00fcchtlinge und die Studierenden waren Paul Gerhardt tiefgr\u00fcndiger nachgefolgt als ich. Die anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4che best\u00e4tigten mir das: Ihr Gottvertrauen und ihre Hoffnung waren ungebrochener als meine Vorstellungen, der ich keinerlei Leid in Rwanda erlebt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich m\u00f6chte heute, zehn Jahre nach Tanzania, erneut eine Predigt \u00fcber dieses Lied versuchen. Dazu bitte ich Sie, sich mit mir 350 Jahre zur\u00fcck zu versetzen in die Zeit kurz nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Paul Gerhardt war, wie gesagt, vor 400 Jahren, am 12. M\u00e4rz 1607, in dem kleinen kurs\u00e4chsisch &#8211; lutherschen Dorf Gr\u00e4fenheinischen, nahe Wittenberg, geboren. Sein Lied &#8222;Nun lasst und gehen und treten&#8220;, das wir heute betrachten wollen, hatte er 1653 geschrieben. Er hatte es genau der Melodie zugedichtet, die der bekannte Kantor und Komponist Johann Cr\u00fcger von St. Nicolai in Berlin schon 1649 f\u00fcr das Lied &#8222;Nun lasst uns Gott, dem Herren, Dank sagen und ihn ehren&#8220; (von 1575) in Satzform komponiert hatte. Gerhardt wollte seinen Text damit bewusst in die luthersche Liedtradition einordnen und mit Luther im Stil lutherscher Orthodoxie aussagen: Gott l\u00e4sst viel Leid zu; aber er hilft uns auch und l\u00e4sst uns nicht mehr leiden als wir tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es war 1653 eine grauenhafte Zeit. Zwar war der sog. 30j\u00e4hrige Krieg mit dem Friedensschluss von M\u00fcnster und Osnabr\u00fcck offiziell schon seit f\u00fcnf Jahren beendet, aber er tobte weiter. Er dauerte viel l\u00e4nger als 30 Jahre. Seuchen und Krankheitsepidemien wie Pest, Cholera und Grippe, soziales Chaos, Hunger, Kindersterblichkeit, Armut, Not und weitere marodierende und brandschatzende Banden verw\u00fcsteten nach wie vor deutsche Lande und St\u00e4dte.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich ging es Paul Gerhardt in dieser Zeit 1653 eigentlich nicht schlecht. Er war vor 10 Jahren, also 1643, als Hauslehrer nach Berlin gekommen, wurde von dem bereits genannten bedeutenden und bekannten Kantor und Komponisten Johann Cr\u00fcger entdeckt, durch dessen Vertonungen seiner Liedtexte gef\u00f6rdert und war in wenigen Jahren zum bedeutendsten Liederdichter seiner Zeit aufger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Dazu kam, dass ihm, der erstaunlicherweise noch kein theologisches Examen absolviert hatte und demzufolge auch noch nicht ordiniert war, 1651 eine Pfarrstelle in Mittenwalde angeboten wurde, die er nach geschwind nachgeholtem Examen und erfolgter Ordination bis 1657 besetzte. Au\u00dferdem heiratete er 1655, mit 48 Jahren, Anna Maria in Mittenwalde. Und 1657 erhielt er die ehrenvolle Pfarrstelle von St. Nicolai in Berlin. Anna Maria schenkte ihm f\u00fcnf Kinder, von denen aber vier bereits im 1. Lebensjahr starben. Und auch Anna starb 1668. Paul Gerhardt \u00fcberlebte, abgesehen von seinem Sohn Paul Friedrich, als einziger in seiner Familie. Aber von dieser furchtbaren Katastrophe war er jetzt im Jahr 1653 noch verschont. Es ging ihm, \u00e4u\u00dferlich gesehen, relativ gut. Aber eben nur \u00e4u\u00dferlich gesehen. Denn der jetzt 46j\u00e4hrige hatte, wie gesagt, 35 Jahre seines Lebens nur Tod und Verw\u00fcstung erlebt. Und auch seine Pfarrei Mittenwalde, in der er 1653 als Pfarrer wirkte, war total gebrandschatzt, gepl\u00fcndert und verw\u00fcstet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">In dieser Situation schrieb er die trostreichen 15 Strophen unseres Liedes. Oder sind sie nicht trostreich? Gehen wir dem Duktus des Liedes noch einmal nach:<\/p>\n<p>Die 1. Strophe beginnt mit dem Dank, dass Gott uns &#8222;bis hierher&#8220; Kraft gegeben hat. &#8222;Bis hierher&#8220;! Steckt hinter dieser Formulierung ein Zweifel, dass der Kraftstrom vielleicht versiegen k\u00f6nnte? Ich wei\u00df es nicht. Solche Skepsis bei gleichzeitiger unersch\u00fctterlicher Glaubenszuversicht w\u00e4re Paul Gerhardt aber m.E. zuzutrauen.<br \/>\nDie 2. und 3. Strophe enthalten eine immense Klage; aber keine Anklage: Von Jahr zu Jahr erleben wir &#8222;Angst und Plagen, Zittern und Zagen, Krieg und Schrecken&#8220;. Verzweiflung ohne Hoffnung strahlen diese Strophen aus.<br \/>\nErst durch die 4. und 5. Strophe treten Hoffnung, Vertrauen, ja Optimismus, der typische Paul-Gerhardt-Optimismus hinzu: &#8222;Wie von treuen M\u00fcttern \/ in schweren Ungewittern \/ die Kindlein hier auf Erden \/ mit Flei\u00df bewahret werden, \/ also auch und nicht minder \/ l\u00e4sst Gott uns, seine Kinder, \/ wenn Not und Tr\u00fcbsal blitzen, \/ in seinem Scho\u00dfe sitzen.&#8220; Woher, frage ich, nimmt er diese Erfahrung mitten im Elend? Gott der Vater verh\u00e4lt sich wie eine sch\u00fctzende Mutter? Wirklich? Woher diese Erfahrung? Woher dieses Bild?<br \/>\nIn der 6. und 7. Strophe steigert sich dieses Gottvertrauen zur absoluten Gewissheit: &#8222;Ach, H\u00fcter unsres Lebens (mitten im Krieg!), \/ f\u00fchrwahr, es ist vergebens \/ mit unserm Tun und Machen, \/ wo nicht dein Augen wachen. \/ Gelobt sei Deine Treue, \/ die alle Morgen neue; \/ Lob sei den starken H\u00e4nden, \/ die alles Herzleid wenden.&#8220; Hier sind Resignation und Hoffnung, Angst und Vertrauen, Verlassenheit und Geborgenheit, Sehnsucht und Liebe, Trauer und Freude vereint. Und das Besondere: Paul Gerhardt findet keinen Trost durch Weltflucht und Jenseitskult, sondern er ist \u00fcberzeugt, dass Gott mitten im Leben Trost und Hoffnung gibt. &#8222;Er sieht den Lauf der hei\u00dfen Tr\u00e4nen und fasst zu Hauf all unser Sehnen&#8220; versichert er in einem anderen Lied. Das ist ein irdischer Trost. In ihm entdecke ich auch einen Trotz:<br \/>\nDenn in den folgenden drei Bitt &#8211; Strophen (8. &#8211; 10. Strophe) wird m.E. auch Widerstand gegen das Schicksal und gegen irdische Ungerechtigkeiten sichtbar: &#8222;Lass ferner dich erbitten, \/ o Vater, und bleib mitten \/ in unserm Kreuz und Leiden \/ ein Brunnen unsrer Freuden. \/ Gib mir und allen denen, \/ die sich von Herzen sehnen \/ nach dir und deiner Hulde, \/ ein Herz, das sich gedulde.&#8220; Das ist Widerstand gegen Schicksalsergebenheit und Selbstbemitleidung! Die Bitte, das Schicksal geduldig aushalten zu k\u00f6nnen, enth\u00e4lt den Mut, es \u00fcberwinden zu k\u00f6nnen. &#8222;Mut&#8220; war eine entscheidende Eigenschaft, welche f\u00fcr die Barock &#8211; Christen und besonders f\u00fcr Paul Gerhardt immens wichtig war. &#8222;Herz, Seel und Mut, nimm alles hin&#8220; hatte er in seinem Weihnachtslied &#8222;Ich steh an deiner Krippe hier&#8220; gedichtet und damit zum Ausdruck gebracht, dass er auch seinen Lebensmut von Christus habe.<br \/>\nDie Bitten um geistliche Gaben in den letzten Strophen (11. &#8211; 15. Strophe) sind wiederum Bitten, das Schicksal des Lebens mit Mut zu bestehen: &#8222;Sprich deinen milden Segen \/ zu allen unsern Wegen, \/ lass Gro\u00dfen und auch Kleinen \/ die Gnadensonne scheinen. \/ Hilf gn\u00e4dig allen Kranken, \/ gib fr\u00f6hliche Gedanken \/ den hoch betr\u00fcbten Seelen, \/ die sich mit Schwermut qu\u00e4len. \/ Und endlich, was das meiste, \/ f\u00fcll uns mit deinem Geiste, \/ der uns hier herrlich ziere \/ und dort zum Himmel f\u00fchre.&#8220; Paul Gerhardt l\u00e4sst uns bitten um Gottes Segen, um Gnade, um fr\u00f6hliche Gedanken und &#8211; der H\u00f6hepunkt &#8211; um Gottes Geist. Es sind die klassischen Gaben, die der von Gott Gerechtfertigte nach lutherscher Tradition von Gott erh\u00e4lt, um im Alltag Gutes tun zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sp\u00fcren Sie, liebe Mitchristen und Paul Gerhardt &#8211; Fans, dass dieses Lied die Seelenbewegung eines Christen nachzeichnet, der in Not ist? Ich zeichne noch mal die Stationen &#8211; im Wir- und Ich-Stil, wie Gerhardt es tut:<\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>1. Station: Wir danken, dass Gott uns Kraft gegeben hat &#8222;bis heute&#8220;; Gewissheit, dass wir auch in Zukunft Kraft haben werden, haben wir noch nicht.<\/div>\n<div>2. Station: Wir klagen \u00fcber unsere grauenhafte Not und Angst! Von Hoffnung kann keine Rede sein!<br \/>\n3. Station: \u00dcberraschend kommt aber die Gewissheit: Gott wird uns bewahren, weil er uns das zugesagt hat.<br \/>\n4. Station: Wir erinnern uns an Gottes Verhei\u00dfungen und vergewissern uns im Bekenntnis: Ja, Gott, Du hast mir zugesagt, mein H\u00fcter, Bewahrer, treuer Lebensbegleiter, Vater, Berater, Gabe, Habe und Brunnen der Freude zu sein. Daran will ich mich halten.<br \/>\n5. Station: In diesem Glauben bitten wir: Gott, schenke mir Segen, Gnade, fr\u00f6hliche Gedanken und deinen Geist, damit ich mich dem Schicksal nicht ergebe, sondern es mit Hoffnung \u00fcberwinde.<br \/>\nIch wage zu sagen: Das ist die Bewegung unseres christlichen Glaubens: Dank f\u00fcr Gottes Kraft! Trotzdem schonungslose Klage! Erinnerung an Gottes Verhei\u00dfung! Bekenntnis zu dieser Verhei\u00dfung und zu Gott als H\u00fcter und Bewahrer! Bitte um Gottes Segen, Gnade und Geist, um das Schicksal zu bestehen und zu \u00fcberwinden! Paul Gerhardt beschreibt hier &#8211; in barock-poetischer Manier -, was Christsein bedeutet!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>IV.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Haben die afrikanischen Fl\u00fcchtlinge aus Rwanda das besser begriffen als ich und viele von uns? Ja, nat\u00fcrlich! Sie sind Paul Gerhardt und seiner Lebenssituation mit Kriegs-, Hunger-, Krankheits-, aber auch Sch\u00f6pfungs- und Transzendenzerlebnissen viel n\u00e4her als wir. Sie f\u00fchlen sich viel mehr als wir allein auf Gott geworfen. Sie haben nicht die medizinischen und \u00f6konomischen M\u00f6glichkeiten, die wir haben. Totales und absolutes Vertrauen auf Gott ist ihre einzige M\u00f6glichkeit. Sie singen mit ganz anderen Empfindungen als wir Paul Gerhardts Lieder &#8222;Geh aus mein Herz und suche Freud\u0085&#8220; oder &#8222;Nun ruhen alle W\u00e4lder\u0085&#8220; oder &#8222;Ich steh an deiner Krippe hier\u0085&#8220; oder &#8222;Oh Haupt voll Blut und Wunden\u0085&#8220; oder &#8222;Aus tiefer Not schrei ich zu dir\u0085&#8220; oder &#8222;Du meine Seele singe\u0085&#8220; und &#8222;Befiehl du deine Wege\u0085&#8220; Sie sind, so empfand ich es in Makumira, Paul Gerhardts Glaubenserfahrungen n\u00e4her als wir.<\/p>\n<p>Stimmt das? \u00c4u\u00dferlich gesehen: ja! Aber innerlich gesehen f\u00fchle auch ich mich oft in der Situation Paul Gerhardts. Er spricht auch mir aus dem Herzen. Alle o.g. Lieder singe ich mit tiefen Gef\u00fchlen. Ja, ich kann mir kaum einen Sommer ohne &#8222;Geh aus, mein Herz\u0085&#8220;, kein Weihnachten ohne &#8222;Ich steh an Deiner Krippen hier\u0085&#8220;, keinen Karfreitag ohne &#8222;Oh Haupt voll Blut und Wunden\u0085&#8220;, keine Beerdigung ohne &#8222;Befiehl du deine Wege\u0085&#8220; und keinen Morgen ohne &#8222;Die g\u00fcldne Sonne\u0085&#8220; vorstellen. Aber k\u00f6nnte ich auch in gr\u00f6\u00dfter Verzweiflung und Not singen: &#8222;Gott l\u00e4sst uns, seine Kinder, wenn Not und Tr\u00fcbsal blitzen, in seinem Scho\u00dfe sitzen?&#8220; Ich bin unsicher! Aber ich bin gewiss, dass ich mit Paul Gerhardt in jeder Lebenssituation singen kann:<br \/>\n&#8222;Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens. \/ In ihm ruht aller Freuden F\u00fclle, ohn` ihn m\u00fchst du dich vergebens \/ Er ist dein Quell und deine Sonne \/ scheint t\u00e4glich hell zu deiner Wonne, \/ Gib dich zufrieden.&#8220;<br \/>\nGottes Friede, der gr\u00f6\u00dfer ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Prof. Dr. Reinhold Mokrosch<\/strong><br \/>\n<strong>Institut f\u00fcr Ev. Theologie<\/strong><br \/>\n<strong>Univ. Osnabr\u00fcck<\/strong><br \/>\n<strong>49069 Osnabr\u00fcck<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigreihe zu Paul Gerhardt \/ 2007 | &#8222;Nun lasst uns gehen und treten&#8220; (EG 58)\u00a0| Reinhold Mokrosch | Eine Predigt anl\u00e4sslich des 400. Geburtstages von Paul Gerhardt Liebe Mitchristen! 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