{"id":11837,"date":"2022-07-05T12:15:18","date_gmt":"2022-07-05T10:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=11837"},"modified":"2022-07-05T12:49:28","modified_gmt":"2022-07-05T10:49:28","slug":"roemer-14-7-13-matthaeus-5-43-48","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-14-7-13-matthaeus-5-43-48\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 14; Matth\u00e4us 5"},"content":{"rendered":"<h3>4. So. n. Trinitatis | 10.07.2022 | R\u00f6mer 14,7-13; Matth\u00e4us 5,43-48 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<p>Das weltliche Evangelium<\/p>\n<p>Der Glaube an Christus ist das Ende einer wohlbekannten und selbstverst\u00e4ndlichen religi\u00f6sen Bindung: \u201eWenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was werdet ihr f\u00fcr Lohn haben? Und wenn ihr nur zu euren Br\u00fcdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes?\u201c Hier handelt es sich um einen v\u00f6lligen Bruch mit einem Selbstverst\u00e4ndnis, nach dem man einer Gruppe angeh\u00f6rt, stattdessen verweist Jesus seine J\u00fcnger darauf, den Blick von sich selbst auf die Welt zu richten: \u201eIch aber sage euch: Liebt eure Feinde, bittet f\u00fcr die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel\u201c. Die Aufgabe der J\u00fcngerschaft besteht nicht darin, sich selbst im Gegensatz zur Welt zu best\u00e4tigen, sondern darin, eine Beziehung zur ganzen Sch\u00f6pfung einzugehen und ihr verpflichtet zu sein, \u201edenn er l\u00e4sst seine Sonne aufgehen \u00fcber\u00a0 B\u00f6se und Gute und l\u00e4sst regnen \u00fcber Gerechte und Ungerechte\u201c. Die Gerechtigkeit Gottes l\u00e4sst sich nicht am Zustand der Welt ablesen, sondern allein darin, dass man eine Beziehung zur Welt eingeht.: \u201eDarum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.\u201c<\/p>\n<p>Um J\u00fcnger Jesu und Kinder ihres himmlischen Vaters zu sein, m\u00fcssen sie die Geborgenheit der Gemeinschaft verlassen. Die Bestimmung des Gesetzes \u00fcber Freund und Feind, rein und unrein, gerecht und ungerecht sind aufgehoben und durch ein universell g\u00fcltiges Gesetz ersetzt, jedem Menschen unter Gottes Himmel ohne Feindschaft zu begegnen. Vielmehr sollen sie mit einer vertrauten und wohlgeordneten Gemeinschaft brechen und sich stattdessen einer neuen Gerechtigkeit anheimgeben, in der es nicht um die \u00fcblichen Privilegien geht. Die religi\u00f6se Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Klan muss einer mehr existenziellen und universalen Bindung unter dem Vater weichen, der Herr ist \u00fcber Himmel und Erde.<\/p>\n<p>In jeder Hinsicht ist dieser Abschnitt in der Bergpredigt das \u00dcberraschendste und Revolution\u00e4rste in der ganzen Verk\u00fcndigung Jesu. Das entspricht durchaus der Forderung von Paulus, seinen Bruder nicht zu verurteilen: \u201eDu aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden. Denn es steht geschrieben: \u201aSo wahr ich lebe, spricht der Herr, spricht der Herr, mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen sollen Gott bekennen\u2018. So wird nun jeder von uns f\u00fcr sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr einer denn anderen richten, sondern richtet vielmehr darauf euren Sinn, dass niemand seinem Bruder einen Ansto\u00df oder \u00c4rgernis bereite\u201c (R\u00f6mer 14,10-13). Die Vorstellung, man geh\u00f6re einer besonders abgegrenzten Gemeinde an mit besonderen Privilegien und einem besonderen Stratus, wird in dieser Weise \u00fcberraschend deutlich abgewiesen. Mit den J\u00fcngern und der Gemeinden des Paulus werden wir dagegen darauf verwiesen, f\u00fcr die Welt zu leben und allein mit einer pers\u00f6nlichen Verantwortung gegen\u00fcber Gott selbst.<\/p>\n<p>Der Glaube an Christus kann in diesem Sinne als eine Selbstaufgabe bezeichnet werden, aber nicht in einem exklusiven Sinne, indem man sich z.B. aus der Welt zur\u00fcck zieht oder Gott in reiner Kontemplation sucht, sondern umgekehrt inklusiv indem man sich der Welt in all ihrer gesch\u00f6pflichen Vielfalt hingibt.<\/p>\n<p>Die Radikalit\u00e4t ist nicht zu \u00fcbersehen. So wie die die unendliche Kloake der Kirchengeschichte mit kirchlichen Richtungen, besserwissenden Gruppierungen, esoterischen Kirchen, hasserf\u00fcllten Abgrenzungen und kriegerischen Schw\u00e4rmereien in ihrer Unendlichkeit best\u00e4tigt, wie schwierig diese Forderung zu verstehen, zu akzeptieren und im Leben zu realisieren ist und wie leicht sie in ihr Gegenteil umschl\u00e4gt und pervertiert wird.<\/p>\n<p>Was Jesus fordert, ist eine weltliche Wirklichkeit, wenn man nur die die grundlegende Voraussetzung einbezieht, dass Jesus von allen verlangt, den Feind zu lieben und f\u00fcr die zu beten, die einen verfolgen. Weil sie wie Gott vollkommen sein und in ihrer Liebe Freund und Feind umfassen sollen.<\/p>\n<p>Jesus verlangt das scheinbar Undenkbare. Die Forderung ergeht in relationalen Begriffen, nicht nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der Zugeh\u00f6rigkeit. Du sollst deinen Feind lieben und f\u00fcr die beten, die dich verfolgen. Das ist \u00fcberraschend konkret. Lieben hei\u00dft im Sinne des Evangeliums einen anderen willkommen hei\u00dfen, und das beschr\u00e4nkt sich nicht auf eine private, erotische und k\u00f6rperliche Beziehung, auch wenn das Erotische und K\u00f6rperliche heute eine neue Gefahrenzone f\u00fcr Feindschaft und Verfolgung geworden ist und deshalb sehr wohl als Feindbild zu beachten w\u00e4re. Hier wird jedoch eine Liebe verk\u00fcndigt, die Br\u00fccken baut zwischen Menschen. So wie Psalm 23 Gott als einen Hirten beschreibt, der mir \u201eeinen Tisch bereitet im Angesicht meiner Feinde\u201c, ein Gott, der reich ist an Treue und Segen. So ist die Liebe, reich an Treue und Segen w\u00fcnscht sie ein gutes Leben und eine hoffnungsvolle Zukunft, also ist sie ein Gegensatz zum Hass. In dieser Weise fordert Jesus von seinen J\u00fcngern, dass sie jegliche Feindschaft \u00fcberwinden und darin Freude finden sollen, die Undenkbaren und Unerw\u00fcnschten zu sich einzuladen. Wo die Feindschaft ein Hindernis ist, an der Gemeinschaft teilzuhaben, und Freundschaft und Bruderschaft untergr\u00e4bt, da ist die Liebe eine Br\u00fccke \u00fcber diese Kluft. Liebe hei\u00dft Gegens\u00e4tze \u00fcberwinden und den Zorn des anderen ertragen. Die Liebe besitzt die Kraft, die Feindschaft, die K\u00e4mpfe und die Niederlagen fr\u00fcherer Zeiten zu \u00fcberwinden und vielleicht geradezu die Scham zu \u00fcberwinden, die eine Feindschaft unweigerlich mit sich bringt.<\/p>\n<p>Jesus interessiert sich nicht besonders f\u00fcr die anderen Gruppen, f\u00fcr die, die hassen und verfolgen, und es ist v\u00f6llig abwegig, die Motive dieser Gruppen zu untersuchen, um ihr Verhalten zu erkl\u00e4ren. Entscheidend ist nicht der Konflikt, sondern die Beziehung und dass man Kontakt und Gemeinschaft erm\u00f6glicht, dia-logos im buchst\u00e4blichen Sinne. Das kann man fast als eine Missionsstrategie verstehen. Die J\u00fcnger sollen ihre Widersacher nicht abweisen und verurteilen, sondern sie sollen einen Dialog durch Gebet und Werke der Liebe erm\u00f6glichen und sie dadurch von ihrer Botschaft \u00fcberzeugen, dass wie einen gemeinsamen Herrn haben, Jesus Christus.<\/p>\n<p>Diese Strategie kann noch immer angebracht sein in einer Wirklichkeit, wo die Unterschiede und der Abstand zwischen Bev\u00f6lkerungsgruppen und Religionen weiter immer gr\u00f6\u00dfer und h\u00e4rter wird.<\/p>\n<p>Schlie\u00dfe dich nicht ein in dein eigenes befestigtes Haus, wehre dich nicht mit harter Hand gegen alle Angriffe. Geh vielmehr hin zu denen, die sich selbst verschanzt haben mit Wut und die Aggression reagieren. Das ist eine \u00fcberraschend weltliche Art und Weise, der Wirklichkeit zu begegnen, wo anderen auch ein Existenzrecht einr\u00e4umt, aber doch immer mit der Strategie, zu einem gemeinsamen Verst\u00e4ndnis der Zusammengeh\u00f6rigkeit mit anderen zu gelangen trotz Hass und Feindschaft, weil wir ein Leben unter dem Himmel des Herrn gemeinsam haben.<\/p>\n<p>\u201eDenn wenn ihr nur zu euren Br\u00fcdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!\u201c Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p>DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p>Email: rn(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4. So. n. 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