{"id":12028,"date":"2022-07-13T17:35:56","date_gmt":"2022-07-13T15:35:56","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=12028"},"modified":"2022-07-20T09:29:44","modified_gmt":"2022-07-20T07:29:44","slug":"genesis-12-1-4a-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-12-1-4a-2\/","title":{"rendered":"Genesis 12, 1-4a"},"content":{"rendered":"<h3>Nach vorne mitgenommen | 5. Sonntag nach Trinitatis | 11.07.22 | Genesis 12,1-4a | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p>1) Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vater Haus in ein Land, das ich dir zeigen will.<\/p>\n<p>2) Und ich will dich zum gro\u00dfen Volk machen und will dich segnen und dir einen gro\u00dfen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.<\/p>\n<p>3) Ich will segnen, die dich segnen, und will verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.<\/p>\n<p>4) Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte. Und Lot zog mit ihm.<\/p>\n<p>Zu jeder gut erz\u00e4hlten Biographie, liebe Gemeinde, geh\u00f6rt das Kapitel \u00fcber den Aufbruch des Helden ins Leben, und dieser Aufbruch erz\u00e4hlt sich umso besser, wenn der Held dabei einem Ruf folgt. In der Wirklichkeit sieht es gegenw\u00e4rtig so aus, als bed\u00fcrfe es dieses Rufs gar nicht mehr. Was der Held hinter sich l\u00e4sst, kann in seiner Hoffnungslosigkeit und Enge genug erkl\u00e4ren, weshalb er sich auf und davon macht. Wer aufgebrochen ist, hat vielleicht nur eher als andere gesp\u00fcrt, dass da, wo er gelebt hat, in Zukunft kein Platz mehr sein wird.<\/p>\n<p>\u201eEtwas Besseres als den Tod, finde ich \u00fcberall\u201c. Mit diesem verzweifelt hoffenden Wort der Stadtmusikanten aus dem M\u00e4rchen mag sich mancher selbst herausrufen.<\/p>\n<p>Doch wohin soll er sich wenden?<\/p>\n<p>Soll er sich intensiver und in Kontakt mit Gleichgesinnten bem\u00fchen, durch Einhalten von Klimazielen doch noch dem Leben auf diesem Planeten eine Chance zu geben?, oder vielleicht mit Gleichgestimmten ein friedliches Miteinander einzu\u00fcben und zumindest selbst seinen inneren Frieden zu finden? Ist es noch angesagt und aussichtsreich, darauf zu achten, dass die Gerechtigkeit nicht an den Landesgrenzen, an der Hautfarbe oder an den Rollenverteilungen endet?<\/p>\n<p>Mittlerweile scheinen die Ziele wieder zu konkurrieren. Das Klimaziel soll sich unterordnen, wenn der Krieg auch bei uns mit Mangel droht. F\u00fcr das warme Wasser aus der Leitung nehmen wir auch die Erw\u00e4rmung von Fl\u00fcssen und Seen in Kauf, und friedlicher kann es erst werden, wenn nur gen\u00fcgend Waffen gesprochen haben.<\/p>\n<p>Wer mag da noch f\u00fcr den Kampf um eine bessere Welt aufbrechen, wenn es viel n\u00f6tiger scheint, die eigene Haut zu retten.<\/p>\n<p>Diese Flucht nach vorne ist dann letztlich kein Aufbruch in die Zukunft, sondern meint, Zeiten wiederherstellen zu k\u00f6nnen, die es so ideal niemals gegeben hat.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist die Erde schon zu zerst\u00f6rt, als dass wir zum alten Raubbau zur\u00fcckkehren k\u00f6nnten, und es hilft auch keine Wiederbelebung von Landserromantik gegen den technologischen Fortschritt im Krieg. Wie lange bleibt das Morden und Verheeren von St\u00e4dten und Landstrichen f\u00fcr uns noch auf die Bilder beschr\u00e4nkt, von denen wir immerhin wegschauen und einen anderen Kanal w\u00e4hlen k\u00f6nnen? Aber das Programm auf dem anderen Kanal, der Traum von der Heiligen Familie ist auch nur noch eine Spielfilml\u00e4nge von unserem Elend entfernt.<\/p>\n<p>Wenn die Seelen erlahmen, die Erdmassen rutschen und ganze T\u00e4ler unter sich begraben, wo ist da noch Raum f\u00fcr den Glauben, der Berge versetzen kann?<\/p>\n<p>Wie schwer f\u00e4llt es, sich nicht in die Scham und Verborgenheit zur\u00fcckzuziehen, wenn alsbald mit den Gas- und Stromrechnungen die Armut bei dir anklopft.<\/p>\n<p>Wer wagt heute noch zu behaupten: <em>Wir<\/em> <em>schaffen das!<\/em><\/p>\n<p>K\u00f6nnen <strong>wir <\/strong>noch schaffen, was <strong>ich <\/strong>nicht mehr schaffen werde?<\/p>\n<p>Auch der Aufbruch unter ein Kirchendach scheint nicht mehr aussichtsreich zu sein, wenn die Kirchen alle M\u00fche darauf verwenden m\u00fcssen, ihr eigenes Dach zu befestigen, weil st\u00e4ndig der weltanschauliche Wind darunter f\u00e4hrt und sogar das Auge des Gesetzes kritisch hereinschaut. Wer wird noch in die Kirchen aufbrechen wollen, wenn selbst ihre Gl\u00e4ubigen mit dem Aufbruch aus den Kirchen drohen.<\/p>\n<p>Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Sch\u00f6pfung, so hie\u00dfen mal die B\u00e4nder, mit denen sich die christlichen Kirchen an die wohlmeinenden Menschen in der Welt binden wollten,<\/p>\n<p>Heute m\u00fcssen sie sich fragen, wer sich ihnen \u00fcberhaupt noch verbunden f\u00fchlen will und wer ihre Botschaft noch h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Vielleicht noch rechtzeitig f\u00fchrt uns der Apostel Paulus auf Abram und seinen Aufbruch zur\u00fcck:<\/p>\n<p>So war es mit Abram: Er hat Gott geglaubt und es ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Erkennt also: die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. ( Galater 3, 6f.)<\/p>\n<p>Die Kirchen k\u00f6nnen an Abram festhalten, aber nicht so, wie an einen Helden des Glaubens, der uns als leuchtendes Beispiel dienen k\u00f6nnte. Gott will ihn zum Vater vieler V\u00f6lker machen und er soll fortan Abraham hei\u00dfen. Dieser Abraham ist nicht einer von uns, aber wir k\u00f6nnen solche von ihm sein. Im Glauben an den Juden und Gottessohn Jesus Christus sind wir seine Kinder, geh\u00f6ren auch wir in die Heilsgeschichte.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir darum genauer auf die Geschichte seines Aufbruchs. Es herrscht am Anfang der Geschichte nicht etwa eine Aufbruchsstimmung. Abraham h\u00f6rt nicht einen Ruf, der auch anderen gelten w\u00fcrde. Er soll <strong>sich <\/strong>aufmachen. Nur ihm gilt der Ruf und die Zusage. Was ihn gerade noch gebunden hat, worin er seine Sicherheiten gesehen und woran er seine Zuversicht auch gekn\u00fcpft haben mag, alles das l\u00e4sst er zur\u00fcck. Die Zusage von Nachkommen, muss dem, dessen Frau Sara unfruchtbar ist, wie ein Hohn vorkommen. Aber er glaubt daran. So beginnt mit seinem Aufbruch sein h\u00f6chstpers\u00f6nliches Verh\u00e4ltnis mit Gott und Gottes mit ihm. Nur Abraham wei\u00df, dass er gerufen ist und nur er wei\u00df, wer ihn gerufen hat. Er bricht in ein anderes Menschsein auf, und seine Hoffnung kann nicht darin liegen, einfach am Ende zu dem alten Menschen, in seine alte Heimat zur\u00fcckzukehren. Sein H\u00f6ren ist sein Glaube, und dieser hat die Richtung nach vorne.<\/p>\n<p>Der Glaube holt mich nicht zur\u00fcck, ich werde nach vorne mitgenommen. Die Zukunft ist mein Land. Auf diesem Land liegt Segen. Gott will mit mir sein Leben, sein Land und seinen Segen teilen.<\/p>\n<p>T\u00e4glich kann ich den Segen Gottes erwarten, am Morgen und am Abend und kann weitergeben, kann segnen, die mich segnen. Segnen und Teilen geh\u00f6ren zusammen.<\/p>\n<p>Mit dieser Zuversicht verlieren die bangen Fragen nach den Ressourcen auf der Erde und in uns Menschen, die wir darauf wohnen d\u00fcrfen, ihren Schrecken, und wir lernen neu:<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen uns zur\u00fccknehmen, das hei\u00dft doch eigentlich: Wir<em> k\u00f6nnen<\/em> teilen.<\/p>\n<p>Nur der Krieg n\u00e4hrt sich doch davon, dass wir nicht teilen wollen.<\/p>\n<p><em>Wir schaffen das \u2013 <\/em>hei\u00dft doch vor allen Dingen, wir sind bereit, Mut, Zuversicht, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen zu teilen.<\/p>\n<p>Glauben wir mit Abraham.<\/p>\n<p>Amen!<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Friedrich Seven<\/p>\n<p>friedrichseven@t-online<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach vorne mitgenommen | 5. 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