{"id":12030,"date":"2022-07-13T17:39:45","date_gmt":"2022-07-13T15:39:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=12030"},"modified":"2022-07-20T00:28:26","modified_gmt":"2022-07-19T22:28:26","slug":"genesis-12-1-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/genesis-12-1-4\/","title":{"rendered":"Genesis 12, 1-4"},"content":{"rendered":"<h3>Bereit zu gehen? | 5. So. n. Trinitatis | 17.07.2022 | 1. Gen 12,1-4 | Andreas Schwarz |<\/h3>\n<p>1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum gro\u00dfen Volk machen und will dich segnen und dir einen gro\u00dfen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war f\u00fcnfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.<\/p>\n<p>Abram, wieso eigentlich Abram?\u00a0Gibt es irgendeinen Grund daf\u00fcr, dass Gott gerade ihn anspricht?\u00a0Dass er ausgerechnet ihn zu einem gro\u00dfen Volk und seinen Namen gro\u00df machen will,\u00a0dass in ihm alle Geschlechter der Erde gesegnet sein sollen?\u00a0Wir werden in seiner Lebensgeschichte nicht viel finden, was als Begr\u00fcndung f\u00fcr all das taugt, was Gott ihm verspricht.\u00a0Vielleicht werden wir uns wundern, werden staunen, warum das so ist.\u00a0Und wom\u00f6glich entdecken, dass das immer wieder so ist.\u00a0Dass Gott sich Leute f\u00fcr seine gro\u00dfen Versprechungen und Zusagen aussucht, die es nicht wirklich verdient haben.\u00a0Wir k\u00f6nnten auf die Spur kommen, was \u201aGnade\u2018 bedeutet.\u00a0Etwas zum Staunen n\u00e4mlich.\u00a0Etwas, das wir \u00fcberhaupt nicht erwartet haben,\u00a0weil es der Logik und unserer Vernunft \u00fcberhaupt nicht entspricht.\u00a0Abram erlebt, was Gnade bedeutet, weil er es keineswegs verdient hat, so hervorgehoben zu werden.\u00a0Da war vorher nichts.\u00a0Und sp\u00e4ter auch nicht.\u00a0Seine gro\u00dfe und bis heute bleibende Bedeutung hat er,\u00a0weil Gott ihm gn\u00e4dig ist.\u00a0Gott wendet sich ihm zu.\u00a0Gott beschenkt ihn.\u00a0V\u00f6llig ohne Grund.\u00a0Einfach so.\u00a0Weil er es will.\u00a0Das ist Gnade.\u00a0Du kannst sie dir nicht verdienen.\u00a0Im Grunde genommen kannst du sie auch nicht verlieren.\u00a0Weil sie au\u00dferhalb von dir liegt.\u00a0Es ist nicht deine, sie geh\u00f6rt dir nicht.\u00a0Sie wird dir geschenkt.\u00a0Und du kannst dich wundern, kannst staunen.\u00a0Wie du dich wunderst, dass es gerade Abram ist, der so au\u00dfergew\u00f6hnlich behandelt wird.<\/p>\n<p>Er war schon alt, als Gott ihn ansprach; 75 Jahre \u2013 verheiratet, aber kinderlos. Ein Nomade. Das einzige St\u00fcck Land, das er in seinem Leben erwarb, war ein Erbbegr\u00e4bnis f\u00fcr seine Frau. Und das im Land, das ihm verhei\u00dfen wurde.<\/p>\n<p>Auch unter dem Gesichtspunkt von Integration gibt es im Blick auf ihn keine Erfolge zu verzeichnen.<\/p>\n<p>Abraham ist geb\u00fcrtiger Iraker mit mutma\u00dflich syrischem Pass; denn er wohnte vor seinem Aufbruch bei seiner Sippschaft in Syrien. Sp\u00e4tere Kontakte zu der Bev\u00f6lkerung des verhei\u00dfenen Landes sind sporadisch und nicht immer positiv. Denken wir nur an die Zust\u00e4nde in Sodom und Gomorrha.<\/p>\n<p>Auch Abrahams Familienleben ist weit davon entfernt als gl\u00fccklich oder als ideal bezeichnet zu werden.\u00a0Aus Angst um sein Leben und im Zweifel an der Zuverl\u00e4ssigkeit von Gottes Zusagen hat er dem fremden K\u00f6nig gegen\u00fcber seine Frau als Schwester ausgegeben und zeitweise \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Da Sara keine Kinder bekommen hatte, legte er sich zu seiner Magd Hagar; die gebar den Ismael. Da die beiden Frauen sich aber \u00fcberhaupt nicht vertrugen, musste Hagar mit ihrem Sohn in die W\u00fcste fliehen.<\/p>\n<p>Abram \u2013 ein Vorbild im Glauben?\u00a0Nein, keine Geschichte heldenhaften Glaubens.\u00a0Und wir h\u00e4tten ein Ideal, dem wir nacheifern.<\/p>\n<p>Abram ist nicht anders, als wir \u2013 schwach, verf\u00fchrbar, \u00e4ngstlich, zweifelnd.\u00a0Wir sind nicht anders, als er.\u00a0Taktierend und auf eigenen Vorteil bedacht.\u00a0Das aber genau ist dann Gnade.\u00a0Etwas, das Gott dir schenkt,\u00a0<u>obwohl<\/u> du es nicht verdient hast,\u00a0<u>weil<\/u> du es nicht verdient hast.\u00a0Gnade ist zum Wundern und zum Staunen.\u00a0Sie kommt unerwartet, von au\u00dfen zu dir.\u00a0Und \u00e4ndert doch alles im Leben.\u00a0Denn es steht unter einem anderen Stern als vorher.<\/p>\n<p>Jetzt \u2013 mit Gottes Gnade \u2013 hat das Leben eine Zusage.\u00a0Es gibt ein Versprechen.\u00a0Eines, das er selbst einl\u00f6sen wird.\u00a0Und nichts im Leben spricht mehr dagegen.\u00a0Das gute Wort setzt sich durch: der Segen.\u00a0Kein besseres Wort gibt es auf der Erde, als den Segen.\u00a0St\u00e4rker als Fluch,\u00a0st\u00e4rker als jede Hassrede.<\/p>\n<p>Das m\u00fcssen wir gerade deutlich zur Kenntnis nehmen: im Umfeld der Politik. In den Uneinigkeiten entgleisen manche Volksvertreter und vergreifen sich in ihren Gedanken und Worten zum Hass. Wir h\u00f6ren hasserf\u00fcllte Redeweise, also Worte, die die W\u00fcrde <em>anderer herabsetzen und entwerten.<\/em> <em>D<\/em>ie W\u00fcrde der Betroffenen wird so nicht ernst genommen. Eine Redeweise, der diese W\u00fcrde egal ist.<\/p>\n<p>Das nimmt zu und wird durch die digitalen Medien versch\u00e4rft.\u00a0Gut, wenn es noch wahrgenommen und kritisiert wird, wenn Menschen, besonders unsere Volksvertreter zurechtgewiesen werden.\u00a0Die Welt braucht keinen Hass, an dem geht sie blo\u00df zugrunde.\u00a0Sie braucht gute Worte.\u00a0Sie braucht Segen.\u00a0Sie braucht Zuwendung, Verst\u00e4ndnis, Respekt, Wertsch\u00e4tzung.\u00a0Menschen m\u00fcssen auf ihr leben k\u00f6nnen.\u00a0In Frieden und Freiheit.\u00a0In Gemeinschaft und F\u00fcrsorge.\u00a0Egal, wo einer herkommt und hingef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p><em><strong>Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Da bleibt nichts mehr, worauf du dich verlassen hast.\u00a0Nicht das Land deiner V\u00e4ter, deine Herkunft, deine Heimat.\u00a0Wo du aufgewachsen bist, wo du dich auskennst; wo du jeden Weg schon einmal gegangen bist und auch die Schleichwege und Abk\u00fcrzungen kennst.\u00a0Auch die dir vertrauten Menschen bleiben zur\u00fcck, Verwandte und Freunde, die Geborgenheit der gewohnten Beziehungen.\u00a0Die dir ein Zuhause gaben, gute Gespr\u00e4che, gegenseitige Hilfe.\u00a0Und auch dein Haus, dein R\u00fcckzug, die sicheren Mauern vor Unwetter und Einbruch. Wo du so sein darfst, wie du dich f\u00fchlst und auch im Schlafanzug fr\u00fchst\u00fccken kannst.\u00a0Wo du nur den reinl\u00e4sst, den du bei dir haben m\u00f6chtest.\u00a0Alles weg. Geh!\u00a0Gib alle deine Gewohnheiten, alles, was dich scheinbar sichert, was dir Geborgenheit geboten hat, auf und geh!<\/p>\n<p>Was ist das Gesch\u00e4ft?\u00a0Wenn Abram so viel aufgeben muss, was kriegt er dann?\u00a0Wof\u00fcr lohnt es sich?\u00a0Was k\u00f6nnte ihn locken und reizen, sich darauf einzulassen?\u00a0Und nicht antworten: \u201aOch, danke f\u00fcr das Angebot, aber ich glaube, ich bleibe lieber hier\u2018.<\/p>\n<p><strong>Ein Land, das ich dir zeigen will.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ganz sch\u00f6n riskant. Es k\u00f6nnte ja irgendein Land sein; eines, wohin ich nun wirklich nicht will.\u00a0Viel zu kalt, viel zu hei\u00df, viel zu weit weg.\u00a0Was Gott im Tausch f\u00fcr die Gewohnheit und die Tradition gibt ist: Zukunft, Gemeinschaft und Segen.\u00a0Und dann gibt es keine Einw\u00e4nde und keine Fragen.\u00a0Abram geht, denn daf\u00fcr kann er aufgeben und aufbrechen. Das lohnt sich auf jeden Fall.\u00a0Denn wenn Gott mitgeht,\u00a0wenn er seinen Segen gibt,\u00a0dann wird es gut.\u00a0Es wird besser, als es im Gewohnten jemals h\u00e4tte werden k\u00f6nnen.\u00a0Es wird gut, dauerhaft gut, ewig gut.\u00a0F\u00fcr ihn, f\u00fcr seine Familie, f\u00fcr alle Geschlechter auf der Erde.\u00a0Es gibt etwas Besseres als das, was wir schon immer kannten und in dem wir uns zuhause gef\u00fchlt haben.\u00a0Leben nicht in den eigenen vier W\u00e4nden, sondern unter freiem, offenen Himmel.\u00a0Leben unter dem Segen Gottes.\u00a0Gott geht mit.\u00a0Wohin auch immer. Er geht mit.\u00a0Dann kannst du getrost gehen.<\/p>\n<p>In eine Ehe, die er segnet.\u00a0Kannst dein Kind als Geschenk annehmen und in der Liebe Christi erziehen.\u00a0Weil er das Kind und dich dazu segnet.\u00a0Du kannst dich als junger Menschen zu deiner Taufe bekennen und \u201eJa\u201c zu Jesus Christus sagen.\u00a0Ohne zu wissen, was da alles auf dich zukommt, ohne dein Leben im Glauben planen zu k\u00f6nnen.\u00a0Du bist gesegnet. Eingesegnet. Er geht mit.\u00a0Er hat einen Plan und er hat ein Ziel.\u00a0Du kennst das nicht und du wei\u00dft nicht, was unterwegs sein wird.\u00a0Aber es geht auf das Land zu, dass Gott zeigen wird.<\/p>\n<p>Und darum geht Abram los.\u00a0Und erlebt, was Gnade bedeutet.\u00a0Wird Vater eines ganzen Volkes, obwohl er mit 75 noch immer kein Kind hatte.\u00a0Weltreligionen heute berufen sich auf ihn, auf seinen Namen.\u00a0Als die Menschen sich selbst einen Namen machen wollten und den Turm in Babel bis zum Himmel planten, endete es in einem Fiasko.\u00a0Als Gott mit Abram redete, versprach er, seinen Namen gro\u00df zu machen.\u00a0Gnade ist nicht, was du planst und umsetzt und am Ende wom\u00f6glich nicht schaffst.\u00a0Gnade ist, was Gott dir schenkt.\u00a0Seinen Segen.<\/p>\n<p>Damit du es nicht vergisst, h\u00f6rst du es in jedem Gottesdienst.\u00a0Es vergeht kein Gottesdienst, ohne dass Gott dir wieder verspricht: ich segne dich. Ich gehe mit dir. Du bist nie allein, ich sehe dich, ich begleite dich, ich bin da.<\/p>\n<p>Besonders wenn du dich verl\u00e4ufst und verirrst.\u00a0Das Ziel bleibt f\u00fcr dich und du wirst ankommen,\u00a0im Land, das ich dir zeigen werde.<\/p>\n<p>Es lohnt sich. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfarrer Andreas Schwarz<\/p>\n<p>Pforzheim<\/p>\n<p><a href=\"mailto:p.andreas.schwarz@gmail.com\">p.andreas.schwarz@gmail.com<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Seit 2001 bin ich Pfarrer in der Gemeinde Pforzheim der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Baden (ELKiB); vorher 16 Jahre in einer Gemeinde der Selbst\u00e4ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Ca. 20 Jahre davon habe ich nebenher das \u00fcberregionale Jugendpfarramt geleitet.<\/p>\n<p>Seit 1999 bin ich Herausgeber der Lesepredigten f\u00fcr die SELK\u00a0 (und auch die ELKiB).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereit zu gehen? | 5. So. n. Trinitatis | 17.07.2022 | 1. Gen 12,1-4 | Andreas Schwarz | 1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum gro\u00dfen Volk machen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12025,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,437,1,2,360,157,114,220,349,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-12030","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-genesis","category-5-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-at","category-andreas-schwarz","category-beitragende","category-deut","category-kapitel-12-chapter-12","category-kasus","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12030"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12445,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12030\/revisions\/12445"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12025"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12030"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=12030"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=12030"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=12030"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=12030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}