{"id":12043,"date":"2022-07-13T17:05:57","date_gmt":"2022-07-13T15:05:57","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=12043"},"modified":"2022-07-13T17:58:11","modified_gmt":"2022-07-13T15:58:11","slug":"matthaeus-1613-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-1613-26\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 16,13-26"},"content":{"rendered":"<h3>5. Sonntag nach Trinitatis | 17.07.2022 | Mt 16,13-26 | Poul Joachim Stender |<\/h3>\n<p>Das d\u00e4nische System \u201dNEMiD\u201d f\u00fcr elektronische Kommunikation mit den Beh\u00f6rden wird bald durch ein neues abgel\u00f6st. Aber es ist noch in Betrieb, man kann mit einem Kode sein Bankkonto einsehen oder Mitteilungen der Beh\u00f6rden lesen. Man muss dann mit verschiedenen Schl\u00fcsseln Sicherheitsschleusen \u00fcberwinden. Aber haben wir auch solche Schl\u00fcssel, wenn wir zu einander finden wollen? Ich erinnere mich an die Frauen in meiner Jugend, die einen undurchdringlichen Firewall hatten. Ich machte Witze, lie\u00df mich von der Sonne braun brennen, um gut auszusehen, so dass ich heute einen festen Parkplatz vor der Hautklinik meiner hellh\u00e4utigen Schwester in Charlottenlund habe. Aber ich hatte keinen Schl\u00fcssel f\u00fcr 9% von ihnen Und wenn ich die Frauen fragte: \u201eWas ist dein Kode? Was ist der Schl\u00fcssel zu dir?\u201c machte es die Sache nur noch schlimmer. \u201eArmer Kerl\u201c, antworteten sie. Und so ist es noch immer mit unserem Verh\u00e4ltnis zu unseren Mitmenschen. H\u00e4tten wir doch nur einen Schl\u00fcssel, einen Kode, der uns die Leute aufschlie\u00dfen k\u00f6nnte. Einen Kode f\u00fcr den Mitmenschen. Man kann versuchen, den Firewall zu seinen Mitmenschen mit gutem Essen oder Witzen oder Bildung zu durchbrechen. Aber das gelingt in der Tat nicht immer.<\/p>\n<p>Jesus sagt im heutigen Text zu Petrus: \u201eIch will dir die Schl\u00fcssel des Himmelreichs geben. Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmelreich gebunden sein\u201c, und was du auf Erden l\u00f6sen wirst, soll auch im Himmel gel\u00f6st sein\u201c. Das nenne ich ein Schl\u00fcsselwort, einen Kode. Wir m\u00fcssen erkennen, dass wir auch den Schl\u00fcssel haben, unsere Mitmenschen total herunterzumachen. F\u00fchre dich auf wie ein Schwein, sei ungebildet, stinke nach Schwei\u00df. Rede h\u00e4sslich. Sag, dass du Trump magst. Du hast die verschlossen. Access denied. Aber es gibt auch einen Schl\u00fcssel, der einen anderen Menschen \u00f6ffnen kann. Bildung, H\u00f6flichkeit, Charme, Mut, einen besonderen Blick auf das Leben. Ich wei\u00df es, wir haben die Schl\u00fcssel, mit denen wir einander aufschlie\u00dfen k\u00f6nnen.\u00a0 Und ich wei\u00df, dass Jesus in die Welt gekommen ist, um uns solche Kodes zu geben, mit denen wir in den Himmel und zueinander finden. Das ist banal gesprochen. Aber die Wahrheit ist banal.\u00a0 Jesus ist der Schl\u00fcssel zum Himmelreich, und die Liebe, die er uns gab, ist der Schl\u00fcssel zu unseren Mitmenschen. Jesus fragt, wer er ist. So wie ich das sehe, so haben wir Jesus furchtbar abgewertet mit den Antworten, die wir heute geben. Gott ist genauso wertlos gemacht worden wie unser Geld zurzeit wegen der Inflation. Wir haben Christus zu einem netten Mann gemacht, einem gro\u00dfen Denker, einem Beispiel f\u00fcr die Liebe. Und nat\u00fcrlich ist er das. Aber er ist in erster Linie Gott selbst. Und wir sollten erschrecken, wenn wir vor ihm stehen. Nichts ist so unbegreiflich, so gro\u00df, so undefinierbar wir Gott. Als Jesus fragt, wer er ist, sagt Petrus sehr treffend das, was wir nicht gerne bekennen: \u201eDu bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes\u201c. Und besser und zutreffender l\u00e4sst sich das nicht sagen. Die d\u00e4nische Volkskirche beruht auf dem Bekenntnis. Unsere kirchliche Grundlage ist nicht \u00d6kologie oder gr\u00fcne Kirche oder Nachhaltigkeit oder gutes Arbeitsmilieu. Die Grundlage, auf der alles beruht, ist das folgende Bekenntnis: \u201eDu bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes\u201c. Wir sollten deshalb die Kirche nicht f\u00fcr alles M\u00f6gliche da sein lassen und dann vergessen, dass wir ausschlie\u00dflich Kirche sind, um zu verk\u00fcnden, dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes ist. Das ist nicht ein toter Gott, eine Statue, ein goldenes Kalb, was wir anbeten. Wir beten einen lebendigen Gott an, und wenn wir einen lebendigen Gott haben, sollen wir Menschen auch lebendig sein und keine vertrockneten Mumien, Stockfische, die nur an Geld denken, an Karriere oder Pension im Alter. Nachdem Petrus gesagt hat, wer Jesus ist, sagt Jesus zu Petrus: \u201eUnd ich sage dir, du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen!\u201c\u00a0 Und da stand Petrus. Klein jund verletzlich und beweglich neben den enormen, starken, soliden Felsen bei C\u00e4sarea Philippi, und doch ist sein Name Felsen. Sollte unsere Kirche wirklich auf etwas so Wackligem und Zerbrechlichen wie ihn gebaut werden?<\/p>\n<p>Es gab mal einen d\u00e4nischen S\u00e4nger, der hie\u00df John Mogensen. Der schrieb einen Song, in der diese Zeile vorkam: \u201eAber du bist Ger\u00f6llstein\u201c (ein \u201eRollstein\u201c). Das bezog sich zwar in dem Lied auf eine Frau, die er liebte, die an seine Liebe nicht genug hatte und von der er schrieb: \u201eDu bist ein Ger\u00f6llstein, du hast nicht genug an einem, deshalb musst du deine eigenen Wege gehen\u201c. Aber ich kann den Satz verwenden, weil ein Ger\u00f6llstein wesentlich ist im Christentum. Der Stein, der vom Grab Jesu rollte, war ein Ger\u00f6llstein. Er rollte fort vom Tode und schuf neues Leben f\u00fcr Jesus und damit f\u00fcr uns alle. Und wenn Jesus bei C\u00e4sarea Philippi seine Kirche mit Petrus bauen will, so deshalb, weil seine Kirche in Bewegung sein will, neues Leben schaffen will, sie soll rollen k\u00f6nnen, sie soll immer unterwegs sein in Richtung auf mehr Liebe, mehr Mitmenschlichkeit und mehr Kontakt mit Gott. Und wir Christen sollen auch Ger\u00f6llsteine sein. Nicht in dem Sinne, dass wir f\u00fcr alles offen sein sollen und uns durch den geringsten Wind bewegen lassen sollen. Wenn Toleranz ein gro\u00dfes Scheunentor ist, das immer offensteht und alles hineinl\u00e4sst, dann habe ich nicht viel \u00fcbrig f\u00fcr Toleranz. Aber Jesus Christus, der Sohn Gottes, soll mit seinem m\u00e4chtigen Wort imstande sein, und in Bewegung zu bringen zu ihm und zu einander.<\/p>\n<p>Der Konflikt zwischen Russland und Ukraine ist tragisch. Wie die Felsen bei C\u00e4sarea Philippi stehen sie sich standhaft, unbeugsam und steinhart einander gegen\u00fcber. Aber eben dies sollen wir nicht sein, wenn unsere Haltungen und Einstellungen dazu f\u00fchren, dass Menschen get\u00f6tet werden. Wir sollen in Bewegung sein, wir sind die \u201erollende\u201c Kirche, die rollenden Christen, stets auf dem Wege zu Gott, zu einander, zu Frieden, zu Liebe. Was ist das H\u00f6chste, was ein Mensch erreichen kann? Ist es Wissen? Tugend? G\u00fcte? Sch\u00f6nheit? Sieg? Es gibt etwas, was h\u00f6her und m\u00e4chtiger ist. Respekt. Es ist nichts so gro\u00df wie der Respekt, der daher kommt, dass wir verstanden haben, dass das Leben eine Gabe ist. Das Leben geh\u00f6rt nicht uns. Es geh\u00f6rt Gott. Und wir halten wirklich das Leben anderer Menschen in unseren H\u00e4nden. Ich bin es, der das Leben meines Mitmenschen sch\u00fctzt. Und wenn wir einem anderen Menschen gegen\u00fcberstehen, m\u00fcssen wir voller Respekt sein. Denn dieser Mensch ist im Bilde Gottes geschaffen. Wir sind nicht wie die Felsen in C\u00e4sarea Philippi. Wir sind wir der Fels Simon Petrus. In Ehrfurcht vor dem Leben, das uns Gott gegeben hat, k\u00f6nnen wir Meinungen und Einstellung sowohl als Menschen wie auch als Kirche \u00e4ndern, wenn wir uns in Bewegung setzen zu Gott und zueinander, zu Liebe und Frieden. Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. 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