{"id":12420,"date":"2022-07-19T10:50:47","date_gmt":"2022-07-19T08:50:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=12420"},"modified":"2022-07-20T16:29:06","modified_gmt":"2022-07-20T14:29:06","slug":"roemer-63-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-63-11\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 6,3-11"},"content":{"rendered":"<h3>Tot und doch lebendig | 6. Sonntag nach Trinitatis | 24.07.22 | R\u00f6mer 6,3-11 | Barbara Pfister |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 Wir wurden also mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit,<br \/>\nwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist, auch wir in der Wirklichkeit eines neuen Lebens unseren Weg gehen. 5 Wenn wir n\u00e4mlich mit dem Abbild seines Todes aufs Engste verbunden sind, dann werden wir es gewiss auch mit dem seiner Auferstehung sein. 6 Das gilt es zu erkennen: Unser alter Mensch wurde mit ihm gekreuzigt, damit der von der S\u00fcnde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht mehr Sklaven der S\u00fcnde seien. 7 Denn wer gestorben ist, ist von allen Anspr\u00fcchen der S\u00fcnde befreit. 8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir fest, dass wir mit ihm auch leben werden. 9 Denn wir wissen, dass Christus, einmal von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr \u00fcber ihn. 10 Sofern er starb, starb er der S\u00fcnde ein f\u00fcr alle Mal; sofern er aber lebt, lebt er f\u00fcr Gott. 11 Das gilt auch f\u00fcr euch: Betrachtet euch als solche, die f\u00fcr die S\u00fcnde tot, f\u00fcr Gott aber lebendig sind, in Christus Jesus. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(R\u00f6mer 6,3-11; Z\u00fcrcher Bibel)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Mitgegangen \u2013 mitgehangen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abMitgegangen \u2013 mitgehangen!\u00bb Eine Redewendung, die ich fr\u00fcher in meinem p\u00e4dagogischen Alltag sehr oft verwendete. Wer bei einem Streich oder einer verbotenen Aktion mitmacht, muss die negativen Konsequenzen mittragen, wenn die Gruppe auf frischer Tat ertappt wird. Doch ab und zu war die Konsequenz von \u00abmitgegangen \u2013 mitgehangen\u00bb auch durchaus erfreulich, wenn z.B. ein Kind der Klasse einen Wettbewerb gewonnen hatte und alle andern mit in den Genuss des Preisgeldes kamen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses \u00abmit\u00bb durchzieht unseren heutigen Predigttext: mitgekreuzigt, mitbegraben, mitgestorben, mitauferweckt\u2026 W\u00e4hrend bei verbotenen Aktionen unsere individuelle Entscheidung massgeblich ist, ob wir mitmachen und somit auch mitverantwortlich sein wollen, so geht es in dieser Passage des R\u00f6merbriefes nicht so sehr um einen individuellen Entscheid als vielmehr um das grunds\u00e4tzliche \u00abMensch sein\u00bb. Gewisse Dinge des \u00abMensch sein\u00bb sind uns allen mitgegeben, ob wir wollen oder nicht. Niemand von uns hat selbst gew\u00e4hlt, in welcher Zeit und auf welchem Kontinent wir geboren werden wollen. Nationalit\u00e4t, B\u00fcrgerort, die vorhandenen oder fehlenden finanziellen Ressourcen, Bildungschancen oder auch die Familienkonstellation sind uns mitgegeben &#8211; sozusagen als \u00abErbe\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>\u2026 mit allen negativen Folgen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die ersten Kapitel der Bibel (Vgl. Genesis 1-3) beschreiben ein f\u00fcr die gesamte Menschheit gigantisches Ausmass von folgeschwerem \u00abmitgegangen-mitgehangen\u00bb. Da lebten die ersten Menschen ihre urspr\u00fcngliche Berufung, das, wozu sie geschaffen worden sind: Sie liebten Gott und einander und k\u00fcmmerten sich um die Sch\u00f6pfung. Dazu waren sie f\u00e4hig, weil sie frei waren und aufs engste mit ihrem Sch\u00f6pfer verbunden. Doch dass diese Bindung an Gott die gr\u00f6sstm\u00f6gliche menschliche Freiheit garantiert, diesem Konzept misstrauten sie und durchtrennten bald schon diese Verbindung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Leider wurde ihnen erst im Nachhinein bewusst, dass mit dieser Trennung das heilsame Zusammenspiel von \u00abBindung und Freiheit\u00bb komplett auseinanderbrach. Die erhoffte gr\u00f6ssere Freiheit trat nicht ein, daf\u00fcr eine unheilvolle Verstrickung in alles, was Beziehungen verunm\u00f6glicht: die Beziehung zu Gott, zum N\u00e4chsten, zu sich selbst und zur Sch\u00f6pfung. Bis hin zur Endkonsequenz dieses absoluten Beziehungsabbruchs: dem Tod \u2013 dem Ende aller Beziehungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Niemand von uns ist direkt schuldig an dieser Misere und trotzdem gilt f\u00fcr uns alle, als nachfolgende Menschengenerationen: \u00abMitgegangen \u2013 mitgehangen\u00bb. Es ist unser \u00abErbe\u00bb als Menschen, dass uns diese urspr\u00fcnglich v\u00f6llige Freiheit hin zum Guten oder B\u00f6sen abhandengekommen ist. Wir sind \u00abeingepflanzt\u00bb in den Grund und Boden von S\u00fcnde, Verg\u00e4nglichkeit und Tod, von Geburt an. Dies ist der Grund, weshalb Zerst\u00f6rerisches aus unseren Gedanken, Worten oder Taten hervorw\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gibt es daraus ein Entrinnen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Der Ausweg: MIT Christus sterben<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Apostel Paulus gibt uns im Predigttext die Antwort: Es gibt einen Ausweg! \u00abVerpflanzt\u00bb werden und uns neu verorten. Paulus nutzt die Taufe als Bild um diese zu erkl\u00e4ren, denn sie zeigt eindr\u00fccklich, dass nicht nur der Weg in die Misere, sondern auch der Ausweg daraus, nach dem Prinzip \u00abmitgegangen-mitgehangen\u00bb funktioniert. Doch entscheidend ist, mit wem wir mitgehen und somit aufs engste verbunden werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir Pfarrpersonen werden kaum m\u00fcde, zu betonen, dass die Taufe das sichtbare Zeichen f\u00fcr Gottes bedingungsloses \u00abja\u00bb zu uns ist und damit der Beginn eines neuen Lebens mit Gott markiert wird. Und das stimmt. Doch es ist nur die halbe Wahrheit. Paulus beginnt seine Ausf\u00fchrung anders:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? (V3)\u00a0Wir sind also mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod. (V4a)\u00a0Wenn sein Tod gewissermassen zu unserem Tod geworden ist (V5a) ist der Mensch, der wir waren, als wir noch ohne Christus lebten, mit ihm gekreuzigt worden. Unser von der S\u00fcnde beherrschtes Wesen ist damit gestorben. So m\u00fcssen wir nicht mehr l\u00e4nger Sklaven der S\u00fcnde sein. (V.6)\u00a0Denn wer gestorben ist, ist von allen Anspr\u00fcchen der S\u00fcnde befreit. (V7)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unser Ausweg aus der Misere beginnt mit Tod und Sterben.<br \/>\nDie Taufe lebt vom Prinzip \u00abmitgegangen \u2013 mitgehangen\u00bb mit Jesus Christus. Mit dem, den Gott in die Welt sandte, um uns einen Ausweg zur\u00fcck in den urspr\u00fcnglichen Zustand der Freiheit zu er\u00f6ffnen. So wie das, was die ersten Menschen getan haben Auswirkungen auf alles Folgende hatte, so hat nun auch das, was Jesus Christus tat, Auswirkungen f\u00fcr alle die, die sich aufs engste mit ihm verb\u00fcnden. Dieses \u00absich verb\u00fcnden mit ihm\u00bb beinhaltet die Bereitschaft, mit ihm zu sterben. Dabei denke ich weder an Todesw\u00fcnsche noch Suizidgedanken oder falsch verstandenes Martyrium. Es geht auch nicht um unseren physischen Tod, den wir auf dem Friedhof betrauern, sondern um das Absterben und Begraben unseres s\u00fcndigen, todverfallenen \u00abMensch seins\u00bb, welches sich in unserer Trennung von Gott, also unserer Gottlosigkeit, zeigt. \u00abMit Christus zu sterben\u00bb heisst: Ich bin bereit, meine Selbstzentriertheit und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung aufzugeben und zuzugeben: Ich brauch dich Gott \u2013 ohne dich kann ich nicht leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Mit-sterben als Befreiung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Sinne \u00abmit Christus zu sterben\u00bb bringt einen heilsamen Macht- und Statuswechsel mit sich:\u00a0 Unsere bisherige \u00abSklavenbesitzerin\u00bb \u2013 so nennt die Bibel die zerst\u00f6rerische Macht der S\u00fcnde (Vgl. R\u00f6mer 6,16+7; Johannes 8,34 u.a.) \u2013 verliert ihren Anspruch an uns. Der Tod ist nicht das Ende der Existenz, sondern aller Beziehungen. Wenn jemand stirbt, sind fortan Vertr\u00e4ge nicht mehr bindend und auf das Zur\u00fcckzahlen der Schulden kann kein Anspruch mehr erhoben werden \u2013 jedenfalls nicht gegen\u00fcber dem Verstorbenen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir mit Christus sterben, heisst das also: wir sind tot f\u00fcr die S\u00fcnde. Wir stehen in keiner Beziehung mehr zu ihr. Sie ist nicht l\u00e4nger unsere \u00abBesitzerin\u00bb. Bei uns gibt es fortan nichts mehr zu holen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">N.T. Wright erz\u00e4hlt dazu ein Beispiel<a href=\"applewebdata:\/\/9748C420-27C8-4F46-8745-FB316715C109#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> von einem Hausmieter. Dessen Vermieter war ein Tyrann. Er betrat das Haus unangemeldet, erh\u00f6hte die Mietkosten und drohte mit juristischen Massnahmen, sollte der Mieter seinen Forderungen nicht nachkommen. Aus Angst gab der Mieter jeweils nach und ging auf die Forderungen ein. So lange, bis er ein neues Haus fand. Zu seinem Gl\u00fcck \u00fcbernahm ein anderer die noch ausstehenden Mietkosten und der Mieter konnte umziehen. Am neuen Ort fand er endlich Frieden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben bereits gesehen, dass Freiheit ohne Bindung unm\u00f6glich ist. Also heisst Christ werden und sich taufen lassen: ich verb\u00fcnde mich aufs engste mit Jesus Christus. Ich gebe ihm Raum in mir und ich finde meinen Platz, sozusagen meine neue Wohnung, in ihm. Jesus Christus ist meine neue Identit\u00e4t \u2013 mich ohne ihn und ihn ohne mich gibt\u2019s in Zukunft nicht mehr zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Mit-auferweckt werden zu ewigem Leben<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Doch die Taufe ist nicht nur ein Bild daf\u00fcr, dass wir mit Christus gekreuzigt, gestorben und begraben werden, sondern auch mit ihm zu einem neuen Leben auferstehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit unseren 3 Tr\u00f6pfchen Wasser geht diese Symbolkraft weitgehend verloren. Doch fr\u00fcher oder in anderen Kirchen und Kulturen, wo man die T\u00e4uflinge noch ganz ins Wasser taucht, wird dies deutlicher sichtbar. Da wird man wortw\u00f6rtlich \u00abaus der Taufe gehoben\u00bb was umgangssprachlich bedeutet: neu geschaffen und ins Leben gerufen werden \u2013 ganz \u00e4hnlich, wie wir es im Eingangsvers geh\u00f6rt haben:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Ich habe dich befreit! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du geh\u00f6rst zu mir. (Jesaja 43,1)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mitten in diesem verg\u00e4nglichen Leben, zwischen Geburt und Tod, beginnt mit dem eingepflanzt werden in Christus das ewige Leben. Ewig bedeutet nicht einfach zeitlos, sondern ein Leben in neuer Qualit\u00e4t. Ein Leben, \u00fcber das S\u00fcnde und Tod keine Macht mehr haben, weil unser \u00abmit Christus gestorben sein\u00bb bereits hinter uns liegt und wir jetzt \u00abmit ihm leben\u00bb.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Menschen, die \u00abmit Christus leben\u00bb, m\u00fcssten wir eigentlich auch schon mit ihm bei Gott, unserem Vater im Himmel, sein. Doch das dem nicht so ist, merken wir tagt\u00e4glich. In diesem neuen Leben liegt eine unaufl\u00f6sbare Spannung: \u00abIn Christus\u00bb sind wir schon dort, wo wir hingeh\u00f6ren, w\u00e4hrend wir immer noch voll und ganz hier auf Erden sind. Ich habe dies einmal versucht zu malen\u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-12421 alignright\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"684\" srcset=\"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-731x1024.jpg 731w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-768x1076.jpg 768w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-1097x1536.jpg 1097w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-1462x2048.jpg 1462w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-9x12.jpg 9w, https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/mystischer-Leib-Christi_Bild-scaled.jpg 1828w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><\/p>\n<p>Der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus ist nicht mehr sichtbar unter uns. Er ist zur\u00fcckgekehrt in die unsichtbare Welt\u00a0zu seinem himmlischen Vater. Das zeigt dieser gelbe Bereich oberhalb des Kreuzesquerbalken, wo sich der Kopf der Figur befindet. Und doch ist er gleichzeitig auf geheimnisvolle Weise auf dieser Welt geblieben, n\u00e4mlich durch uns! Wir, die wir \u00abin ihm sind\u00bb, d.h. mit ihm gestorben und auferweckt worden sind, verk\u00f6rpern Jesus Christus auf dieser Welt.\u00a0(Vgl. Epheser 4,15; Kolosser 2,19)<\/p>\n<p>Die Taufe und der Glaube an Jesus Christus sind somit nie etwas rein Individuelles, denn nur zusammen mit allen andern, die er ebenfalls gerufen, befreit und sich \u00abeinverleibt\u00bb hat, machen wir ihn sichtbar auf dieser Erde. Wir brauchen einander auf dem Weg, n\u00e4her zu Christus, dem Kopf dieses Leibes. Wir brauchen Eltern, die uns den Weg weisen, Paten, die uns begleiten, eine christliche Gemeinde, wo wir miteinander den Glauben an Gott feiern, teilen und einander ermutigen k\u00f6nnen. Und wir brauchen auch die Lebensgeschichten von Glaubensvorbildern, die vor uns ein Leben \u00abmit Christus\u00bb begonnen haben und nun bereits am Ziel angekommen sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Tot und lebendig im hier und jetzt<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses Wissen darum, wo wir in Wirklichkeit hingeh\u00f6ren, zu wem wir geh\u00f6ren, das ist nicht einfach eine Jenseitsvertr\u00f6stung f\u00fcr die Zukunft. Sich seiner Taufe zu vergewissern ist ein starkes Mittel, um im Hier und Jetzt zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So fordert Paulus uns auf: <em>Betrachtet euch als solche, die f\u00fcr die S\u00fcnde tot, f\u00fcr Gott aber lebendig sind, in Christus Jesus. (V 11)<\/em> Oder andere \u00dcbersetzungen sagen es noch deutlicher: <em>Haltet daran fest!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich nehme nochmals die Geschichte vom Mieter auf, der endlich in ein neues Haus umziehen konnte. Es kann passieren, dass auch am neuen Ort eines Tages der alte Vermieter wieder vor der T\u00fcr steht, klingelt, vielleicht sogar poltert und seine Forderungen nach h\u00f6herer Miete lautstark rumschreit. Im Kopf des Mieters mag sofort das alte Muster losgehen: Besser seinen Forderungen nachkommen und bezahlen, dann beruhigt er sich! Doch der Mieter muss diesem Gedanken nicht Folge leisten. Er kann auch die letzte Quittung hervorholen und sich zu vergewissern: das Geld, auf das der alte Vermieter Anrecht hatte, ist bezahlt! Ich schulde ihm nichts mehr! Er hat keine Macht mehr \u00fcber mich! Da ist der neue Mietvertrag, der verbindlich ist. Von jetzt an bin ich nur noch meinem neuen Vermieter verpflichtet!<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Oder mit den Worten des R\u00f6merbriefes:<br \/>\nErinnere dich daran, wer du wirklich bist! Tot f\u00fcr die Anspr\u00fcche deines alten Lebens und der S\u00fcnde, aber lebendig mit Christus, um f\u00fcr Gott zu leben.<\/span><\/p>\n<p>Wenn wir \u00abmit Christus\u00bb leben, haben wir eine ganz neue Freiheit. Wir m\u00fcssen nicht l\u00e4nger dem Anspruch der S\u00fcnde nachgeben. Wir m\u00fcssen im Bild vom Mieter gesprochen weder die T\u00fcre aufmachen noch den alten Vermieter zufrieden stellen. Wir sind befreit zu entscheiden, auf wen wir h\u00f6ren und wem wir uns verpflichten wollen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-12422 alignleft\" src=\"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Weihwassergeschirr-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"210\" \/>Zur Erinnerung, was meine wahre Identit\u00e4t ist, wo ich hingeh\u00f6re und zu wem, dazu habe ich etwas bei den Katholiken abgeschaut. Ich habe neben meine T\u00fcr so ein kleines Wassergeschirr geh\u00e4ngt zur Tauferinnerung mitten im Alltag.<br \/>\nDabei geht es nicht um eine magische Wirkung der Taufe. Nicht das Wasser oder die Worte machen den Unterschied, sondern das, was in der Taufe geschieht und auf das wir uns im Glauben einlassen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin mit Christus gestorben und mit ihm zu einem neuen Leben auferweckt.<br \/>\n<em>Nun lebe in Wirklichkeit nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Das Leben, das ich noch im Hier und Jetzt lebe, lebe ich im Vertrauen auf den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sein Leben f\u00fcr mich gegeben hat. (Gal 2,20)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liturgische Hinweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Eingangsvers: <\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eF\u00fcrchte dich nicht, denn ich habe dich erl\u00f6st\/befreit; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!\u201c (Jesaja 43,1)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich bin getauft auf deinen Namen (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 177)<br \/>\nWenn wir mit Christus gestorben sind (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 176)<br \/>\nIch will dir danken, weil du meinen Namen kennst (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 183)<br \/>\nGelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben (reformiertes Gesangbuch der Schweiz 239)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Tauferinnerung:<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend dem Musikst\u00fcck nach der Predigt d\u00fcrfen die Gottesdienstbesuchenden, die das wollen beim Taufstein vorbeikommen, sich selbst entweder mit dem Wasser ein Kreuz auf die Handinnenfl\u00e4che zeichnen oder sich bekreuzen und dazu laut oder leise sprechen: \u00abIch bin mit Christus gestorben\u00bb (dieser Satz steht auf dem Taufstein geschrieben). Neben dem Taufstein steht ein grosser Spiegel mit einer kleinen Christusfigur darauf. Auf dem Spiegel steht, was laut oder leise gesprochen werden kann, w\u00e4hrend man einen Blick in den Spiegel wirft: \u00abIch bin mit Christus auferweckt. Er lebt in mir!\u00bb<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/9748C420-27C8-4F46-8745-FB316715C109#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. N.T. Wright: Paulus f\u00fcr heute, der R\u00f6merbrief Band 1; Giessen 2014; S. 138<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">VDM Barbara Pfister<br \/>\nBubikon<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:barbara_pfister@gmx.ch\">barbara_pfister@gmx.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Barbara Pfister, geb. 1977, Pfarrerin in der ev. ref. Kirche Wetzikon (Z\u00fcrich).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tot und doch lebendig | 6. 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