{"id":12664,"date":"2022-08-01T12:07:16","date_gmt":"2022-08-01T10:07:16","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=12664"},"modified":"2022-08-01T12:07:16","modified_gmt":"2022-08-01T10:07:16","slug":"markus-1241-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-1241-44\/","title":{"rendered":"Markus 12,41-44"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">8. So. n. Trinitatis &#8211; IV | 07.08.2022 | Mk 12,41-44 | Suse G\u00fcnther |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegen\u00fcber und sah zu, wie das Volk Geld hineinlegte. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein. Das gibt zusammen einen Heller. Und er rief seine J\u00fcnger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gegeben als alle, die etwas hineingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem \u00dcberfluss hineingelegt. Diese aber hat von ihrer Armut alles, was sie zum Leben hatte, hineingelegt.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott, gib uns ein Herz f\u00fcr Dein Wort und nun ein Wort f\u00fcr unser Herz. AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Bonhoeffer Haus des Dekanates, in dem ich arbeite, stehen im Eingang Regal und K\u00fchlschrank, in denen Lebensmittel des Food-Sharing aufbewahrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Food-Sharing bedeutet \u201eEssens-Teilung\u201c. Hier k\u00f6nnen Einzelh\u00e4ndler, aber auch Privatpersonen Lebensmittel, die sie selbst nicht mehr brauchen, abgeben. Andere kommen und k\u00f6nnen sich kostenlos bedienen. Anders als bei der \u201eTafel\u201c, f\u00fcr die man einen Berechtigungsschein braucht, darf jeder kommen. Leider herrscht in der letzten Zeit in Regal und K\u00fchlschrank fast immer Ebbe. Und die, die sich etwas zu essen holen m\u00f6chten, gehen leer aus. Mit einigen komme ich ins Gespr\u00e4ch. Mit einem syrischen Busfahrer zum Beispiel, der auf Minijobbasis und Zuruf arbeitet. Und jetzt, in der Ferienzeit, wo keine Sch\u00fcler gefahren werden m\u00fcssen, eben nicht. Auf die Schnelle einen Schein f\u00fcr die \u201eTafel\u201c zu bekommen, ist nat\u00fcrlich nicht m\u00f6glich in der deutschen B\u00fcrokratie, in der alles seinen manchmal sehr langwierigen Gang geht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Schicksal bewegte mich noch, als ich dann selbst einkaufen ging und in einem kleinen Gesch\u00e4ft vorne einen Tisch sah, auf dem heruntergesetzte Waren am Haltbarkeitsdatum ausgestellt waren. \u00a0Zur Inhaberin sagte ich deshalb: \u201eWenn Sie mal etwas nicht loswerden, dann k\u00f6nnen Sie es gerne beim Food-Sharing abgeben.\u201c Woraufhin sie eine T\u00fcte nahm und alles und noch einiges mehr f\u00fcr mich einpackte. Obwohl sie mich gar nicht kannte. Sie hat mir einfach vertraut. Und ich war froh, das Regal wieder f\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Und an diesem Tag zwei so bedenkenswerte Erfahrungen gemacht zu haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich kam mir ein wenig vor wie Jesus, der den Sammelkasten im Blick hatte. Ich stelle mir vor, dass auch er bewegt war, von dem, was er da erlebte. Nicht nur von der armen Witwe, die ihre zwei kleinen Kupferm\u00fcnzen einlegte. Sondern auch von den Reichen, die in ihrem Reichtum ganz offensichtlich nicht geizig geworden sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es hat Jesus so besch\u00e4ftigt, dass er davon seinen J\u00fcngern erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geben k\u00f6nnen ist eine Gabe. Es ist eine Gabe, wenn jemand einen gro\u00dfz\u00fcgigen Charakter hat. Es ist auch eine Gabe, wenn jemand in seinem Abgeben nicht herablassend ist, davon gibt es ebenfalls genug Beispiele. Ich meine aber vor allem deshalb, dass geben K\u00f6nnen eine Gabe ist, weil es unser Selbstbewusstsein entscheidend pr\u00e4gt, wenn wir so viel haben, dass wir davon abgeben k\u00f6nnen. So wenig zu haben, dass wir nichts mehr weitergeben k\u00f6nnen, das bringt Menschen an den Rand der Gesellschaft. Bilder davon gibt es genug: M\u00fctter in Afghanistan, die ihre Kinder verhungern sehen. Nachbarn dort, die auch nicht mehr weiterhelfen k\u00f6nnen, obwohl sie es wollen. Bilder, die uns bewegen, die aber doch immer noch andere betreffen. Aber selbst nicht mehr den kleinsten Spielraum zu haben, das bringt uns an die unterste Leitersprosse, nimmt uns jede M\u00f6glichkeit, zu handeln, macht uns vollkommen abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und genau das war die arme Witwe in Jesu Erz\u00e4hlung nicht. Sie hatte immer noch die Freiheit, ihre zwei Scherflein, die kleinsten im r\u00f6mischen Reich g\u00fcltigen M\u00fcnzen, abzugeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So als w\u00fcrden wir zwei f\u00fcnf Cent St\u00fccke in die Kollekte werfen. Und zwar nicht, weil wir den 50 Euro Schein lieber f\u00fcr uns behalten. Sondern, weil im Geldbeutel wirklich nur noch diese zwei f\u00fcnf Cent St\u00fccke drin sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">H\u00e4tte es damals nicht auch die Reichen gegeben, die ihre gro\u00dfen Summen gespendet haben, so h\u00e4tte das alles wohl nicht funktioniert. Aber weil alle abgeben haben, hat es gereicht. Mich erinnert das an Gottesdienste, die ich in Kamerun miterlebt habe. Die Kollekte wird dort nicht versch\u00e4mt am Ausgang in eine Sammelb\u00fcchse gesteckt. Sondern an einer zentralen Stelle des Gottesdienstes direkt nach der Predigt begleitet von viel Gesang und Tanz nach vorne vor den Altar getragen. Jeder kann es sehen, welchen Schein da einer oder eine in den Korb legt. Aufrecht und mit viel Selbstbewusstsein bringen die Menschen ihr Geld, verbunden mit der Botschaft: \u201eIch kann es. Ich kann es mir leisten. Ich bin frei, das zu tun.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine solche Haltung pr\u00e4gt, gibt Selbstbewusstsein. Das habe ich in Kamerun in dieser Kirchengemeinde immer wieder feststellen k\u00f6nnen auch bei denen, die die ganz kleinen Scheine gegeben haben (M\u00fcnzen gibt es in Kamerun nicht)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es scheint mir, dass uns im allt\u00e4glichen Umgang miteinander diese Haltung manchmal verloren geht. Wenn ich vor einer B\u00e4ckerei mit dem Auto anhalte, aussteigen m\u00f6chte und ein Mann, der kurz darauf eintrifft, mich so zuparkt, dass ich nur schwer aus meinem Auto herauskomme, wenn er dann nat\u00fcrlich vor mir in der B\u00e4ckerei ist und zuerst drankommt, zumal er mir die T\u00fcr vor der Nase zugeschlagen hat, dann zeugt das, anders, als er es vielleicht meint, nicht von Selbstbewusstsein. Die Maxime \u201ejeder muss sehen, wo er bleibt\u201c hilft nur so lange weiter, wie wir selbst uns um uns ausreichend k\u00fcmmern k\u00f6nnen. Sobald wir aber auf Hilfe angewiesen sind, wird etwas anderes wichtig: Das Miteinander-Leben, Aufeinander-Achten, Aneinander-Denken. Ich erlebe es im Krankenhaus t\u00e4glich, wie schwer es den Menschen f\u00e4llt, v\u00f6llig abh\u00e4ngig zu werden. Und wie gut es uns allen tut, wenn wir uns nach wie vor auf Augenh\u00f6he begegnen. Wenn wir, die wir noch hilfreich sein k\u00f6nnen, also von denen lernen, die in ihrer Situation so tapfer sind und ein so bewegtes Leben hatten. Und wenn die, die jetzt Hilfe annehmen m\u00fcssen, sich auch auf das besinnen, was ihnen immer noch m\u00f6glich ist. Eine Frau sagte mir: \u201eich bete t\u00e4glich f\u00fcr alle meine Lieben, denn die haben daf\u00fcr keine Zeit\u201c \u2013 ob das ihre zwei Scherflein sind, die sie in die Sammelb\u00fcchse wirft? Oder doch eher Sesterzen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Krankenhaus hat mir in all den Jahren \u00fcbrigens noch niemand die T\u00fcr vor der Nase zugeschlagen. Weil wir alle wissen, wie sehr wir voneinander profitieren und dass jeder und jede an der je eigenen Stelle wichtig ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist es wichtig, dass Jesus genau hinschaut. Dass er alle sieht. Die Gro\u00dfen und die Kleinen des Zusammenlebens. Und weil er genau hinsieht, gehe ich davon aus, dass er auch mich nicht vergisst. Dass ich nicht zu genau nachz\u00e4hlen muss, ob ich zu meinem Recht komme in dieser Welt. Ich darf wissen, dass Gott mir mit Jesus immer schon zu meinem Recht geholfen hat. Das macht mich frei. L\u00e4sst mich selbst auch die im Blick behalten, denen es immer schwerer wird, mit den kleinen M\u00fcnzen monatlich auszukommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und l\u00e4sst mich eben auch immer wieder auf Menschen treffen, die gerne etwas abgeben, gar alles geben, was sie haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Miteinander und mit Gott unterwegs sein, das l\u00e4sst uns auch in diesen Tagen unsere Stra\u00dfe zuversichtlich gehen. AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Suse\u00a0G\u00fcnther, Pfarrerin im Dekanat Zweibr\u00fccken<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. So. n. Trinitatis &#8211; IV | 07.08.2022 | Mk 12,41-44 | Suse G\u00fcnther | Die Gnade unsres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. AMEN Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegen\u00fcber und sah zu, wie das Volk Geld hineinlegte. 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