{"id":12864,"date":"2022-08-01T11:25:00","date_gmt":"2022-08-01T09:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=12864"},"modified":"2022-08-09T11:45:38","modified_gmt":"2022-08-09T09:45:38","slug":"matthaeus-722-29","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-722-29\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7,22-29"},"content":{"rendered":"<h3>8. So. n. Trinitatis | 07.08.22 | Mt 7,22-29 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei der Predigtvorbereitung fiel mir ein alter Witz ein, den Sie sicher kennen, das m\u00fcssen Sie entschuldigen. Es geht um die Frage, wie man einen Boomerang nennt, der nicht zur\u00fcckkehrt, also ein Boomerang, den man wirft, der nicht zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Man nennt ihn einen Zeigestock!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und warum?\u00a0 Warum denke ich an diesen alten Witz?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht weil der Text in vieler Hinsicht wie ein Boomerang sein kann. Denn w\u00e4hrend man so eifrig damit besch\u00e4ftigt ist, alle die falschen Propheten zu entlarven und sie zu verurteilen, k\u00f6nnen die Worte auf einen selbst zur\u00fcckfallen. Denn so viele m\u00fcssen wissen, dass sie schlimme Leute sind. Dass sie Fake News verbreiten, wie es heute hei\u00dft. Aber steht man da selbst auf der richtigen Seite? Wohl kaum!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Blo\u00df weil man sich \u00fcber andere aufregt, so bedeutet das ja nicht, dass man allein deswegen notwendigerweise das reine Evangelium verk\u00fcndigt. Der Ansto\u00df kann einen selbst treffen mit der Kraft eines Boomerangs.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, es geht auch um die Frage, ob es eigentlich unsere Aufgabe ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Ist es nicht eigentlich unsere Aufgabe, auf Christus zu zeigen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist das nicht die Aufgabe? Und bedeutet das nicht, wenn man auf Christus zeigt, dann kann man nicht auf andere zeigen? Dass Christus der ist, auf den man zeigen soll, damit wir anderen nicht betroffen sind?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jemand hat mior neulich gesagt, dass der Graben heute nicht besteht zwischen denen, die an Gott glauben, und denen, die nicht an Gott glauben, sondern der Graben geht zwischen denen, die die S\u00fcnde anerkennen, und denen, die die S\u00fcnde nicht anerkennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das klingt vielleicht etwas kryptisch, aber das ist vielleicht so, weil wir uns nicht ganz klar sind, was S\u00fcnde bedeutet. Das bedeutet ja nicht, dass man schlimme Dinge tut. Das bedeutet nicht, dass man schlecht handelt. Sondern es bedeutet, dass man seine Welt nicht \u00fcberschauen kann. Das ist S\u00fcnde. Dass wir stets daran tragen, Mensch zu sein, und dass wir nicht davon loskommen mit der Begrenzung, die das bedeutet. Eigentlich bedeutet es, dass man nie saubere H\u00e4nde hat und sich nie an dem ganz richtigen Platz befindet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man die S\u00fcnde nicht anerkennt, kann man sie zwar mit Worten und Begriffen beschreiben, und dann f\u00e4ngt man an, mit den Fingern auf andere zu zeigen und zwischen wahren und falschen Propheten zu unterscheiden. Dann baut man sein Haus auf Sand.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man diese Schuld anerkennt \u2013 lasst uns das blo\u00df so nennen \u2013 dann ist man nicht imstande, mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich gegenseitig abzugrenzen. Dann sind wir alle im selben Boot.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann wird es etwas schwierig, die falschen Propheten zu finden, denn dann besteht die Gefahr, dass alles wie ein Boomerang auf einen zur\u00fcckf\u00e4llt und es sich erweist, dass wir selbst nicht anders sind wie die anderen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Wirklichkeit, wenn es darauf ankommt, k\u00f6nnen wir ja deshalb nur auf Christus zeigen. Christus, und nur er, macht uns alle gleich. Wo man Christus vergisst, entstehen Hierarchien, wo die, die das Sagen haben, immer im Recht sind. Wo Christus vergessen wird, werden die Menschen zu Klienten. Wo Christus vergessen wird, werden einige darum gebeten zu schweigen. Wo Christus vergessen wird, werden Menschen kleinlich gegen einander, wollen wir Recht haben gegen einander, und das d\u00fcrfen wir nie haben \u2013 wir sollen niemals auf einander sehen wir ein Gericht. Wo Christus vergessen wird, bauen wir unser Haus auf Sand, und wenn die Fluten, d.h. die Forderungen der Liebe, steigen, dann f\u00e4llt unser Haus schlie\u00dflich zusammen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir nur auf Christus zeigen, dann stehen wir da als Menschen, von denen Christus einer wurde, im Fleisch gekommen, wie es im Johannesevangelium hei\u00dft. Dann k\u00f6nnen wir einander sehen als Mitmenschen, denen wir verpflichtet sind, eine Pflicht zu lieben und ehren. Trotz allem.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn wo die Worte auf Christus zeigen, stehen wir da, ohne jemanden etwas vorwerfen zu k\u00f6nnen, nur der N\u00e4chstenliebe verpflichtet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das heutige Evangelium ist ein Boomerang. Ein Boomerang, der furchtbar zur\u00fcckkehren kann und uns als den falschen Propheten entlarven kann. Deshalb ist der heutige Text ein Evangelium, weil er auf Christus verweist und auf ihn allein, und uns damit dazu befreit, dieses schwierige Leben miteinander zu leben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In dieser Hinsicht ist das Evangelium dann kein Boomerang, sondern ein Zeigestock, der nicht auf sich selbst zur\u00fcckweist, sondern auf Christus verweist, in dem all unsere Hoffnung, alle unsere Freude und all unserer Trost ist. Christus ist der, auf den wir zeigen sollen, damit wir andere frei sind. Bei ihm, der allein recht haben kann uns gegen\u00fcber und Recht hat mit dem Recht der Vergebung, der uns deshalb aus der Finsternis rufen kann, wenn sie uns \u00fcberw\u00e4ltigt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lasst deshalb das Unwetter nur kommen und lasst uns nur fallen \u2013 wir fallen mit dem Herrn, der uns ruft als die Seinen und der uns wiederaufrichtet, auch wenn ein falscher Prophet daher f\u00e4hrt und Finsternis in der Welt verbreitet. Selbst da steht Christus und sagt: Du bist mein! Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-Aalborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: trr(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. So. n. Trinitatis | 07.08.22 | Mt 7,22-29 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Thomas Reinholdt Rasmussen | Bei der Predigtvorbereitung fiel mir ein alter Witz ein, den Sie sicher kennen, das m\u00fcssen Sie entschuldigen. Es geht um die Frage, wie man einen Boomerang nennt, der nicht zur\u00fcckkehrt, also ein Boomerang, den man wirft, der nicht zur\u00fcckkehrt. 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