{"id":12959,"date":"2022-08-11T08:03:50","date_gmt":"2022-08-11T06:03:50","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=12959"},"modified":"2022-08-11T11:01:43","modified_gmt":"2022-08-11T09:01:43","slug":"matthaeus-2514-30-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2514-30-6\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 25,14-30"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">| Was w\u00e4chst, wenn wir Gaben nicht vergraben | 9. So, n. Trinitatis | 14.08.22 | Mt 25,14-30 | Paul Wellauer |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Psalmgebet im Wechsel Psalm 53 | Die Torheit der Gottlosen | Die Bibel nach Martin Luther, 2017**) | [1\u00a0Eine Unterweisung Davids, vorzusingen, zum Reigentanz.]<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I <em>2\u00a0Die Toren sprechen in ihrem Herzen: \u00bbEs ist kein Gott.\u00ab Sie taugen nichts; ihr Treiben ist ein Gr\u00e4uel; da ist keiner, der Gutes tut.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II <em>3\u00a0Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I <em>4\u00a0Aber sie sind alle abgefallen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II <em>5\u00a0Wollen denn die \u00dcbelt\u00e4ter sich nichts sagen lassen, die mein Volk fressen, dass sie sich n\u00e4hren, Gott aber rufen sie nicht an?<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I <em>6\u00a0Da erschrecken sie sehr, wo kein Schrecken ist; doch Gott zerstreut die Gebeine derer, die dich bedr\u00e4ngen. Du machst sie zuschanden, denn Gott hat sie verworfen.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II <em>7\u00a0Ach dass die Hilfe aus Zion \u00fcber Israel k\u00e4me! \/ Wenn Gott das Geschick seines Volkes wendet, freue sich Jakob und sei Israel fr\u00f6hlich!<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I+II AMEN<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>| Lesung Altes Testament | 1.Chronik 22,11-19 | David bereitet den Bau des Tempels vor | Die Bibel nach Martin Luther, 2017**)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>11 <\/em><em>So sei nun der HERR mit dir, mein Sohn, und es wird dir gelingen, dass du dem HERRN, deinem Gott, ein Haus baust, wie er von dir geredet hat. 12\u00a0Auch wird der HERR dir geben Klugheit und Verstand und wird dich bestellen \u00fcber Israel, dass du haltest das Gesetz des HERRN, deines Gottes. 13\u00a0Dann aber wird es dir gelingen, wenn du die Gebote und Rechte befolgst, die der HERR dem Mose f\u00fcr Israel geboten hat. Sei getrost und unverzagt, f\u00fcrchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken! 14\u00a0Siehe, ich habe in meiner M\u00fchsal herbeigeschafft f\u00fcr das Haus des HERRN hunderttausend Zentner Gold und tausendmal tausend Zentner Silber, dazu Bronze und Eisen, das nicht zu wiegen ist, denn es ist zu viel; auch Holz und Steine habe ich herbeigeschafft, davon kannst du noch mehr anschaffen. 15\u00a0Auch hast du viele Arbeiter, Steinmetzen und Leute, die in Stein und Holz arbeiten, und allerlei Meister f\u00fcr jede Arbeit 16\u00a0in Gold, Silber, Bronze und Eisen, ohne Zahl. So mache dich auf und richte es aus! Der HERR sei mit dir! 17\u00a0Und David gebot allen Oberen Israels, seinem Sohn Salomo zu helfen: 18\u00a0Ist nicht der HERR, euer Gott, mit euch und hat euch Ruhe gegeben ringsumher? Denn er hat die Bewohner des Landes in meine Hand gegeben, und das Land ist unterworfen dem HERRN und seinem Volk. 19\u00a0So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen. Und macht euch auf und baut Gott, dem HERRN, ein Heiligtum, dass man die Lade des Bundes des HERRN und die heiligen Ger\u00e4te Gottes in das Haus bringe, das dem Namen des HERRN gebaut werden soll.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">| Lesung Predigttext Neues Testament | Matth\u00e4us 25,14-30 | Die Z\u00fcrcher Bibel, 2007***)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Geschichte vom anvertrauten Geld<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>14\u00a0Es ist wie mit einem, der seine Knechte rief, bevor er ausser Landes ging, und ihnen sein Verm\u00f6gen anvertraute; 15\u00a0und dem einen gab er f\u00fcnf Talent, dem andern zwei, dem dritten eines, jedem nach seinen F\u00e4higkeiten, und er ging ausser Landes. Sogleich 16\u00a0machte sich der, der die f\u00fcnf Talent erhalten hatte, auf, handelte damit und gewann f\u00fcnf dazu, 17\u00a0ebenso gewann der, der die zwei hatte, zwei dazu. 18\u00a0Der aber, der das eine erhalten hatte, ging hin, grub ein Loch und verbarg das Geld seines Herrn.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>19\u00a0Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab. 20\u00a0Und der, der die f\u00fcnf Talent erhalten hatte, trat vor und brachte f\u00fcnf weitere Talent und sagte: Herr, f\u00fcnf Talent hast du mir anvertraut; f\u00fcnf Talent habe ich dazugewonnen. 21\u00a0Da sagte sein Herr zu ihm: Recht so, du bist ein guter und treuer Knecht! \u00dcber weniges warst du treu, \u00fcber vieles will ich dich setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn! 22\u00a0Da trat auch der mit den zwei Talent vor und sagte: Herr, zwei Talent hast du mir anvertraut; zwei Talent habe ich dazugewonnen. 23\u00a0Da sagte sein Herr zu ihm: Recht so, du bist ein guter und treuer Knecht! \u00dcber weniges warst du treu, \u00fcber vieles will ich dich setzen. Geh ein in die Freude deines Herrn! 24\u00a0Da kam auch der, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste von dir, dass du ein harter Mensch bist. Du erntest, wo du nicht ges\u00e4t hast, und du sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast, 25\u00a0und weil ich mich f\u00fcrchtete, ging ich hin und verbarg dein Talent in der Erde; da hast du das Deine. 26\u00a0Da antwortete ihm sein Herr: Du b\u00f6ser und fauler Knecht! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht ges\u00e4t habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? 27\u00a0Dann h\u00e4ttest du mein Geld den Wechslern bringen sollen, und ich h\u00e4tte bei meiner R\u00fcckkehr das Meine mit Zinsen zur\u00fcckerhalten. 28\u00a0Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talent hat. 29\u00a0Denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird haben im \u00dcberfluss; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er hat. 30\u00a0Und den unn\u00fctzen Knecht werft hinaus in die \u00e4usserste Finsternis! Dort wird Heulen und Z\u00e4hneklappern sein. <\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Selig ist jeder Mensch, der Gottes Wort h\u00f6rt, in seinem Herzen bewahrt und danach handelt. Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde, liebe Br\u00fcder und Schwestern, verbunden in der Gnade und Liebe Gottes<\/p>\n<h4 style=\"font-weight: 400;\"><strong>1. Gott baut auf Vertrauen \u2013 Vertrauen baut auf<\/strong><\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir haben den Bericht von Jesus geh\u00f6rt: Er erz\u00e4hlt von einem reichen Mann und seinen drei Knechten. Im Gleichnis, das Jesus vor dieser Geschichte erz\u00e4hlt, geht es um die f\u00fcnf klugen und die f\u00fcnf t\u00f6richten Jungfrauen. Die Klugen haben gen\u00fcgend \u00d6l f\u00fcr ihre Lampen, als der Br\u00e4utigam eintrifft, die T\u00f6richten haben ihr \u00d6l bereits aufgebraucht. In beiden Gleichnissen geht es um das \u00abK\u00f6nigreich der Himmel\u00bb, (Matth\u00e4us 25,1) und danach wird Jesus \u00fcber das Weltgericht sprechen, \u00fcber die Trennung zwischen denen, die zu Gottes Reich geh\u00f6ren und den anderen, die in der Finsternis sein werden, wo \u00abHeulen und Z\u00e4hneklappern sein wird\u00bb (Vers 30). Es geht um Entscheidungen und Scheidungen, um weises Verhalten, das zu einem guten Ende f\u00fchrt und um t\u00f6richtes Vorgehen, das tragisch endet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In unserem Gleichnis werden uns drei unterschiedliche Knechte vor Augen gef\u00fchrt. Wir wissen wenig von ihnen, einzig, dass sie unterschiedliche F\u00e4higkeiten hatten. Griechisch wird hier der Begriff \u00abdynamis\u00bb verwendet: Vereinfacht gesagt waren sie demnach unterschiedlich dynamisch, hatten ein je eigenes Mass an St\u00e4rken und F\u00e4higkeiten, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir k\u00f6nnen nur vermuten: Der erste hat sich wohl bereits fr\u00fcher bew\u00e4hrt oder hat einen guten Posten auf dem Betrieb: Ihm werden f\u00fcnf Talent Silber anvertraut. Umgerechnet sind das rund 100 Jahresl\u00f6hne eines Tagel\u00f6hners.****) Der mittlere Monatslohn in der Schweiz war 2020*****) rund 6&#8217;500 CHF, im Jahr macht das 78&#8217;000 CHF. Das heisst, dieser Knecht erh\u00e4lt in heutigen Zahlen rund 7,8 Millionen CHF, f\u00fcr die meisten von uns eine schier unvorstellbare Summe! Der Zweite erh\u00e4lt zwei und der Dritte ein Talent Silber, in heutigen Betr\u00e4gen immer noch 3,12 Millionen, bzw. 1,56 Millionen CHF. Und da wir Schweizer ja gerne rechnen, will ich auch die Gesamtsumme des anvertrauten Verm\u00f6gens nicht unterschlagen: 12,48 Millionen CHF.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Mann hatte zum einen ein ansehnliches Verm\u00f6gen, zum anderen grosses Vertrauen in seine Knechte: Es heisst von ihm, dass er \u00ablange Zeit ausser Landes\u00bb ging. (Verse 14.19)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kurze Zwischenfrage: Wem w\u00fcrden sie 12,5 Millionen Schweizer Franken anvertrauen, wenn sie auf eine l\u00e4ngere Reise gehen? Welche Kriterien und Sicherheiten w\u00e4ren ihnen da wichtig? Und richtig verstanden: Wir sprechen nicht von einer Bank, bei der sie dieses Geld deponieren, sondern von Privatpersonen, Menschen aus ihrem beruflichen oder privaten Umfeld. Zu wem haben sie ein so grosses Vorschussvertrauen, dass sie ihm oder ihr ein derart riesiges Verm\u00f6gen anvertrauen m\u00f6chten?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich gehe davon aus, der verm\u00f6gende Mann hatte seine Kriterien, seine Erfahrungen, einen klaren Kopf und ein vertrauensvolles Herz, bevor er sein Verm\u00f6gen aufteilte. Ich stelle mir vor, er kannte die F\u00e4higkeiten und St\u00e4rken seiner Knechte, ebenso wie ihre Schw\u00e4chen und Grenzen. Und da die Erz\u00e4hlung von Jesus ja von Gottes Reich handelt, wird sich hinter dem verm\u00f6genden Mann Gott verbergen. Von ihm erwarten wir wohl zuletzt, dass er seine Knechte \u00fcberfordert. An der H\u00f6he der Betr\u00e4ge aber wird deutlich: Er fordert sie ganz sch\u00f6n heraus und er bringt ihnen ein riesiges Mass an Vorschussvertrauen entgegen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Masseinheit f\u00fcr einen Zentner Silber ist zur Zeit von Jesus \u00abTalent\u00bb: Kein Zufall, dass dieses Wort bei uns eine ganz andere Bedeutung erhalten hat. Diese neue Bedeutung des alten Wortes deutet darauf hin, auf welche \u00abPointe\u00bb diese Geschichte hinausl\u00e4uft: Es geht um mehr als \u00abbloss\u00bb Geld, es geht um unsere Begabungen, unseren Besitz, unsere Leidenschaft, all das, was Gott uns anvertraut hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus macht deutlich: Gott gibt grossz\u00fcgig. Gott denkt in Jahresgeh\u00e4ltern. Gott sieht die grossen Linien. Gott schenkt uns enormes Vorschussvertrauen. Und Gott kennt uns: Jedem und jeder vertraut er einen individuellen Betrag an, sein spezifisches Startkapital, ihr besonderes Verm\u00f6gensportfolio, seine angemessene Aufgabe, ihre pers\u00f6nliche Herausforderung. Gott baut auf Vertrauen, unermessliches Vorschussvertrauen. Und dieses Vertrauen baut auf: Menschen und ihre M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb die zweite Frage: Kannst du dir vorstellen, dass Gott dir zutiefst vertraut? So sehr, dass er dir einen so unermesslichen Reichtum anvertraut? Wer M\u00fche hat, sich so grosse Geldbetr\u00e4ge vorzustellen, kann die Rechnung ja f\u00fcr einmal mit Minuten, Stunden und Tagen machen: Ein Tag hat 1&#8217;440 Minuten, ein Jahr 525&#8217;600 Minuten. Ein gute halbe Million Minuten sind dir j\u00e4hrlich anvertraut: Wie \u00abinvestierst\u00bb du sie? Wie sieht der Ertrag f\u00fcr Gottes Reich aus? Baue auf Gottes Vertrauen!<\/p>\n<h4 style=\"font-weight: 400;\"><strong>2. Angst ist ein schlechter Ratgeber<\/strong><\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Gleichnis von Jesus hat f\u00fcr zwei der drei Knechte ein \u00abHappy End\u00bb, f\u00fcr den dritten leider nicht. Den ersten beiden ist es gelungen, ihr anvertrautes Verm\u00f6gen zu verdoppeln. Sie haben ihre Talente eingesetzt, mit dem Geld \u00abgearbeitet\u00bb, auch wenn der Volksmund sagt, dass Geld nicht arbeiten kann. Aber mit Geld kann Arbeit erm\u00f6glicht werden, die einen Mehrwert schafft. So werden die ersten Beiden nach der R\u00fcckkehr vom Hausherrn sehr gelobt: Sie haben mit ihrem Geld etwas bewirkt. Sie haben das Vorschussvertrauen des Gebers ihrerseits weitergegeben, das Geld Dritten anvertraut und es \u00fcber die \u00ablange Zeit\u00bb verdoppeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beim dritten Knecht aber regierte die Angst. Er entdeckte im anvertrauten Geldbetrag nicht das Vorschussvertrauen, sondern f\u00fcrchtete Argwohn und Strafe. \u00abHerr, ich wusste von dir, dass du ein harter Mensch bist. Du erntest, wo du nicht ges\u00e4t hast, und du sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast, und weil ich mich f\u00fcrchtete, ging ich hin und verbarg dein Talent in der Erde; da hast du das Deine.\u00bb (Verse 24-25). Sein Denken und Handeln wir nicht von Vertrauen, den guten Vorbildern oder dem Mut der anderen Knechte geleitet, sondern von Furcht. Er hat so grosse Angst vor dem Besitzer des Geldes, dass er wie gel\u00e4hmt ist. Das \u00abgrosse Geld\u00bb weckt in ihm weder Abenteuerlust noch Kreativit\u00e4t, weder Unternehmertum noch Wachstumspl\u00e4ne. Erstarrt vor Furcht vergr\u00e4bt er das Geld seines Meisters.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Als Pfarrer und Seelsorger denke ich da sofort seelsorgerlich: Wie konnte es nur so weit kommen, dass er nichts wagt oder ausprobiert? Wurde er in seinem bisherigen Leben und Arbeiten so entmutigt, gemobbt, benachteiligt oder zu wenig gef\u00f6rdert? Gerne w\u00fcrde ich ihn beraten, coachen, ermutigen \u2013 gerade, weil sich Jesus ganz besonders um die Schw\u00e4chsten gek\u00fcmmert hat.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, vielleicht ist am Ende der Meister selbst schuld: Hat er seine Erwartungen zu unklar ausgesprochen? \u00abUnausgesprochenen Erwartungen zerst\u00f6ren jede Beziehung\u00bb, liest man in jedem Beratungsbuch. Er hat ihnen den Geldbetrag ja ohne weitere Anweisung \u00fcbergeben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Mitchristin, lieber Mitchrist: Wenn dich solche Fragen und \u00c4ngste umtreiben, w\u00e4re es allenfalls wirklich weise und wirkungsvoll, dich mit einer Seelsorgerin oder einem Berater zu unterhalten. Gott baut auf Vertrauen. Angst ist ein schlechter Ratgeber.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Hausherr in der Gleichniserz\u00e4hlung zeigt sich jedoch zuletzt nicht als Seelsorger, sondern als Gesch\u00e4ftsmann. Und so argumentiert er sinngem\u00e4ss: Wenn du nichts wagst, hast du alles verloren!\u00a0 \u00abDu hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht ges\u00e4t habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann h\u00e4ttest du mein Geld den Wechslern bringen sollen, und ich h\u00e4tte bei meiner R\u00fcckkehr das Meine mit Zinsen zur\u00fcckerhalten.\u00bb (Verse 26-27) Der Meister beschimpft den dritten Knecht sehr hart, nimmt ihm das eine Talent ab und wirft ihn hinaus. Er macht deutlich: \u00abAngst ist ein schlechter Ratgeber. Vertrauen w\u00e4re die fruchtbare Grundlage f\u00fcr erfolgreiches Handeln.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir fragen uns: Warum l\u00e4sst Jesus in der Geschichte diesen Herrn so hart und herzlos handeln? Jesus zeigt sich hier unbarmherzig und n\u00fcchtern. Sonst spricht in seinen Predigten und Gespr\u00e4chen oft von Liebe, von Glauben und Hoffnung. Doch auch dabei kann er durchaus n\u00fcchtern und klar sein. Jesus war nicht naiv und vertr\u00e4umt: Er kennt seine Menschen und weiss, wann er Klartext reden und ihnen einen Spiegel vorhalten muss.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es scheint, als wolle er allen Zuh\u00f6renden, auch uns, liebe Gemeinde, dir und mir, sagen: \u00abWer will, der findet einen Weg, die andern eine Ausrede!\u00bb Talente, Begabungen, F\u00e4higkeiten, Glaube, Liebe und Hoffnung sind wunderbare Dinge, die Gott uns geschenkt hat, damit wir damit \u00abwuchern\u00bb, sie einsetzen, etwas wagen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Stellt euch vor, die MusikerInnen, die den heutigen Gottesdienst mitgestalten, w\u00fcrden bloss irgendwo in einem dunklen Keller f\u00fcr sich selbst musizieren und nie an die \u00d6ffentlichkeit kommen und andere mit ihrer Musik erfreuen: Das w\u00e4re doch \u00abS\u00fcnd und schaad!\u00bb Oder die Helferinnen in der Kinderh\u00fcte und im Kindergottesdienst w\u00fcrden zu Hause bleiben, aus Angst, es k\u00f6nnte mit den anvertrauten Kindern etwas Unvorhergesehenes passieren. Diese Liste liesse sich beliebig erweitern: Gott sei Lob und Dank, dass ihr hier im Gottesdienst und viele im Hintergrund der Gemeinde ihre Talente einsetzen! Dies geschieht zur Freude von vielen anderen Menschen und zur Ehre Gottes: \u00abAuf dass Gottes Reich wachse und gedeihe!\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ihr als Musiker habt wohl nicht von der Wiege an konzertreif musiziert: Anfangs war es m\u00f6glicherweise eher nervig f\u00fcr euch und eure Umgebung, als ihr \u00fcben musstet. (Als Vater von sechs Kindern, die alle eines oder mehrere Instrumente \u00fcbten, weiss ich, wovon ich spreche.) Doch ihr habt es gewagt, eure Talente nicht zu vergraben, sondern ihr habt sie investiert, damit gewuchert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein letzter kurzer Gedanke:<\/p>\n<h4 style=\"font-weight: 400;\"><strong>3. Gott tut Wunder, wenn wir etwas wagen<\/strong><\/h4>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Gleichnis verdoppeln sich die Talente \u00abwie von selbst\u00bb, als die Knechte es wagen, sie zu investieren. Ich vertraue zutiefst darauf: Wenn Gott uns solche Reicht\u00fcmer an Gaben anvertraut, schenkt er uns auch seinen Schutz und Segen, seine Freude und Leidenschaft, seine Ausdauer und Kreativit\u00e4t dazu, damit sich diese vermehren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nochmals zur\u00fcck zu unseren talentierten MusikerInnen: Warum habt ihr eure musikalischen Talente weiterentwickelt, Zeit, Herzblut und Nerven in die Musik investiert? Hoffentlich nicht aus Angst vor dem \u00abb\u00f6sen Musiklehrer\u00bb oder strafenden Eltern, sondern aus Begeisterung an der Musik, aus Freude an wunderbaren Kl\u00e4ngen, aus der \u00dcberzeugung, auch anderen damit eine Freude machen zu k\u00f6nnen und Gott damit zu ehren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Manchmal brauchte es wohl auch Ermutigung beim \u00dcben und Motivation von aussen, jemanden, der Erfolge erkennt und das Talent \u00abschleift\u00bb. Und auch Weisheit ist n\u00f6tig: Welches Instrument passt zu dir: Klavier oder Gitarre, Gesang oder Querfl\u00f6te?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Angst ist ein schlechter Ratgeber \u2013 Vertrauen schon: Jemand musste es dir zutrauen, dir vertrauen, dass es gut rauskommt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Hausherr im Gleichnis von Jesus vertraut seinen Dienern sein ganzes Verm\u00f6gen an. Gott schenkt uns uneingeschr\u00e4nktes Vertrauen. Nicht nur wir sollen an ihn glauben, er glaubt l\u00e4ngst schon an uns: \u00abMit meinem \u00abKapital\u00bb und meiner Hilfe schaffst du das, geh mutig voran, probiere etwas aus \u2013 und gleich nochmals!\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00abVertraut den neuen Wegen, auf die der Herr euch weist!\u00bb, werden wir im letzten Lied des Gottesdienstes singen. In der zweiten Strophe heisst es: \u00abDer uns in fr\u00fchen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.\u00bb<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lebendigkeit, Vielfalt und Wachstum im Reich Gottes sind nur m\u00f6glich, wenn Menschen ihre Gaben nicht vergraben, sondern zur Freude anderer Menschen und zur Ehre Gottes einsetzen.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Gott baut auf Vertrauen \u2013 Vertrauen baut auf: <\/strong>Gott beschenkt uns mit unermesslichen Reicht\u00fcmern und Vorschussvertrauen. Wenn wir dieses einsetzen, bauen wir sein Reich mit auf.<\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Angst ist ein schlechter Ratgeber: <\/strong>Wir m\u00fcssen \u00fcber \u00c4ngste reden und sie gemeinsam und mit Gottes Hilfe \u00fcberwinden.<\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><strong> Gott tut Wunder, wenn wir etwas wagen: <\/strong>Der Knecht, der anf\u00e4nglich f\u00fcnf Talente erhielt, hatte am Ende 11 Talente. So oder so: Mehr als genug.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott hat mehr als genug Segen, mehr als genug Liebe, mehr als genug Weisheit, mehr als genug Vertrauen, usw. f\u00fcr jede und jeden von uns.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich w\u00fcnsche uns allen viele erfreuliche, spannende und belebende Erfahrungen, wenn wir unsere Gaben nicht vergraben, sondern damit etwas wagen. Gott wirkt Wunder, wenn wir etwas wagen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">AMEN<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">****) 1 Talent = 60 Minen \u00a0\/ 1 Mine = 100 Drachmen \/ 1 Drachme \/ 1 Denar = Tageslohn (vgl. Matth\u00e4us 20,1-16) \uf0e8 1 Talent = 6&#8217;000 Tagesl\u00f6hne = 20 Arbeitsjahre! <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ma%C3%9Fe_und_Gewichte_in_der_Bibel#Gewichte\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ma%C3%9Fe_und_Gewichte_in_der_Bibel#Gewichte<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*****) <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/arbeit-erwerb\/loehne-erwerbseinkommen-arbeitskosten.html\">https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/arbeit-erwerb\/loehne-erwerbseinkommen-arbeitskosten.html<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge*)<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 163 Jesus, Herr und Haupt der Deinen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ERG 537 Geh aus, mein Herz und suche Freud<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RG 811 Wir wolln uns gerne wagen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RG 843 Vertraut den neuen Wegen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 85 Vergiss es nie \/ Der Clou \/ Du bist du<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 89 Wer bittet, dem wird gegeben<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW 97 Sein wie du<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Build Your Kingdom Here | Chris Llewellyn | Gareth Gilkeson | William Herron |\u00a9 2011 Thankyou Music (Admin. by SCM H\u00e4nssler)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">___<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">*) ERG = Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 1998<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">RW = R\u00fcckenwind, Lieder f\u00fcr den Gottesdienst, Hrsg. Evang Landeskirche des Kantons Thurgau, Theologischer Verlag, Z\u00fcrich 2017<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">**) Die Bibel nach Martin Luthers \u00dcbersetzung, revidiert 2017, \u00a9 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">***) Die Z\u00fcrcher Bibel, Ausgabe 2007, \u00a9 Friedrich Reinhard Verlag Basel, &amp; Theologischer Verlag, Z\u00fcrich<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pfr. Paul Wellauer, Bischofszell, Schweiz<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: paul.wellauer@internetkirche.ch<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Web: <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/\">www.internetkirche.ch<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.internetkirche.ch\/livestream\">www.internetkirche.ch\/livestream<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Paul Wellauer, geb. 1967, Pfarrer und Mitglied im Kirchenrat der evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau, Schweiz. Seit 2009 in Bischofszell-Hauptwil, 1996-2009 in Z\u00fcrich-Altstetten, davor 1993-1996 Seelsorger und Projektleiter in der Stiftung Sozialwerke Pfr. Ernst Sieber, Z\u00fcrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>| Was w\u00e4chst, wenn wir Gaben nicht vergraben | 9. So, n. Trinitatis | 14.08.22 | Mt 25,14-30 | Paul Wellauer | | Psalmgebet im Wechsel Psalm 53 | Die Torheit der Gottlosen | Die Bibel nach Martin Luther, 2017**) | [1\u00a0Eine Unterweisung Davids, vorzusingen, zum Reigentanz.] I 2\u00a0Die Toren sprechen in ihrem Herzen: \u00bbEs [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12890,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,468,1,157,853,114,118,349,3,396,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-12959","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-9-so-n-trinitatis","category-aktuelle","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-25-chapter-25","category-kasus","category-nt","category-paul-wellauer","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12959"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12962,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12959\/revisions\/12962"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12959"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12959"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12959"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=12959"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=12959"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=12959"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=12959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}