{"id":13036,"date":"2022-08-23T21:11:03","date_gmt":"2022-08-23T19:11:03","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13036"},"modified":"2022-08-23T21:54:19","modified_gmt":"2022-08-23T19:54:19","slug":"2-samuel-12-1-15a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-samuel-12-1-15a\/","title":{"rendered":"2. Samuel 12, 1-15a"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u201e\u2026 wenn ihm die sch\u00f6ne Nachbarin gef\u00e4llt \u2026\u201c | 11. Sonntag nach Trinitatis | 28.08.2022 | Predigt zu 2. Samuel 12, 1-15a | verfasst von Konrad Gl\u00f6ckner |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kanzelgru\u00df:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">h\u00f6ren wir f\u00fcr die Predigt eine Geschichte aus dem Alten Testament. Sie ist uns \u00fcberliefert im 2. Buch Samuel im 12. Kapitel, in den Versen 1-15:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Lesung von 2 Sam 12, 1-15: 1\u00a0Und der HERR sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei M\u00e4nner in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. 2\u00a0Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; 3\u00a0aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Sch\u00e4flein, das er gekauft hatte. Und er n\u00e4hrte es, dass es gro\u00df wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es a\u00df von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Scho\u00df, und er hielt&#8217;s wie eine Tochter. 4\u00a0Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er&#8217;s nicht \u00fcber sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war. Und er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. 5\u00a0Da geriet David in gro\u00dfen Zorn \u00fcber den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat! 6\u00a0Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat. 7\u00a0Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum K\u00f6nig gesalbt \u00fcber Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls 8\u00a0und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen in deinen Scho\u00df, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun. 9\u00a0Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durch das Schwert der Ammoniter. 10\u00a0Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei. 11\u00a0So spricht der HERR: Siehe, ich will Unheil \u00fcber dich kommen lassen aus deinem eigenen Hause und will deine Frauen nehmen vor deinen Augen und will sie deinem N\u00e4chsten geben, dass er bei deinen Frauen schlafen soll an der lichten Sonne. 12\u00a0Denn du hast&#8217;s heimlich getan, ich aber will dies tun vor ganz Israel und im Licht der Sonne. 13\u00a0Da sprach David zu Nathan: Ich habe ges\u00fcndigt gegen den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine S\u00fcnde weggenommen; du wirst nicht sterben. 14\u00a0Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum L\u00e4stern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben. 15\u00a0Und Nathan ging heim. Und der HERR schlug das Kind, das Urias Frau David geboren hatte, dass es todkrank wurde.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Geschichte wirft Fragen auf! Da steht er, der K\u00f6nig David. Ein M\u00f6rder und sexueller Straft\u00e4ter ist er, aber keine Instanz kann ihn richten. Er selbst verk\u00f6rpert das Recht. Wenn er es nicht tut, wer sonst kann ihn zur Rechenschaft ziehen? Sie? Oder Sie? Oder ich?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nathan macht sich auf den Weg! Gebannt schauen wir zu. Ah \u2013 das ist geschickt! Eine Parabel, ein Gleichnis von einem reichen Mann der seinen armen Nachbarn bestiehlt.\u00a0 Das einzige und geliebte Schaf nimmt er ihm, obwohl er selbst so viele besitzt. Eine emp\u00f6rende und ergreifende Geschichte. Und der K\u00f6nig reagiert entsprechend: Wiedergutmachung ist nicht genug! Durch seinen Geiz und seine Gier hat der Mann sein Recht zu Leben verwirkt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Todesstrafe! David f\u00e4llt das Urteil, ohne zu z\u00f6gern. Aber sieht er denn nicht, dass er selbst Vergleichbares und noch viel Schlimmeres tat? Von Begierde getrieben hat er seine Macht missbraucht und Batseba, die sch\u00f6ne Frau seines Nachbarn an sich gerissen. Seinen Nachbar indes, den Soldaten Uria, hat er im Krieg gegen die Ammoniter gezielt hinschlachten lassen, weil es ihm nicht gelang, diesem redlichen Mann das nun zu erwartende Kind, die Frucht seiner Untat, unterzuschieben. Ach &#8211; wir alle kennen diese Geschichte. Unter vorgehaltener Hand wird sie \u00fcberall erz\u00e4hlt. Erstaunlich nur wie gut wir auch das Muster kennen, das uns hier begegnet, n\u00e4mlich dass Menschen selbstgerecht auftreten, eigene Vergehen gro\u00dfz\u00fcgig ausblenden, verharmlosen, aber schamlos mit dem Finger auf andere zeigen, beckmesserisch deren Fehler benennen und \u00fcber sie richten. Auch davon k\u00f6nnten wir endlos Geschichten erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDu bist der Mann\u201c h\u00f6ren wir Nathan nun sagen. Kurz und knapp l\u00e4sst er die Katze aus dem Sack und schon brennt die Luft: Der K\u00f6nig selbst steht am Pranger und sein soeben gef\u00e4lltes Urteil f\u00e4llt prompt auf ihn selbst zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eSo spricht der Herr, der Gott Israels \u2026\u201c f\u00e4hrt Nathan fort und gibt sich so als Prophet, als ein Bote Gottes zu erkennen. Oh, es gibt doch eine Instanz, die \u00fcber dem K\u00f6nig noch steht und vor der sich seine Willk\u00fcr als Willk\u00fcr und Unrecht entpuppt: Gott und seine Gebote, die uns Menschen auf das hin verpflichten, was dem Leben dient. Gottes Gebote sind verbindliche Norm und sie waren dem K\u00f6nig bekannt. Wissentlich hat er sie \u00fcbertreten, weil ihm anderes wichtiger und bedeutsamer war. Sein Wille, nicht Gottes Wille sollte geschehen. Oh ja \u2013 der K\u00f6nig hat es gewusst. Selbstrechtfertigung kann ihm nur gelingen, indem er sich selbst und alle anderen bel\u00fcgt und indem er die Gegenwart Gottes und seinen Anspruch verleugnet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geben wir dem K\u00f6nig David etwas Zeit, diese Botschaft sacken zu lassen. Und halten auch wir ein wenig inne und betrachten genauer, was es hei\u00dft, dass sich Willk\u00fcr als Willk\u00fcr und Unrecht entpuppt und dass wir selbst uns bel\u00fcgen und in L\u00fcgen verstricken, wenn wir diese Tatsache leugnen. Dass dies so ist, darin bin ich mir sicher. Wir Menschen tragen einen Kompass in uns, dessen Nadel uns sensibel auf die Heiligkeit Gottes und allen Lebens hinweist und uns auf unserem Lebensweg auf seinen Willen und Anspruch verweist. Freilich, der Ausschlag der Nadel kann vielf\u00e4ltig beeinflusst und abgelenkt werden. In der Seefahrt wei\u00df man, dass die Nordung von Standort zu Standort, ja selbst von Schiff zu Schiff variiert. Es sind Erfahrungen von Generationen, die uns erlauben, diese Kr\u00e4fte zu erkennen und zu durchschauen. Und zur Verantwortung der Seefahrt geh\u00f6rt es, sich um dieses Wissen zu bem\u00fchen. Auch f\u00fcr unseren Lebenskompass gilt: Selbst wenn er je in verschiedene Richtungen weist und wir je andere Kurse f\u00fcr richtig ansehen, die Ursache daf\u00fcr, dass er ausschl\u00e4gt, ist stets dieselbe: Es ist der Anspruch Gottes an uns, der diese Nadel bewegt und der ihr eine Grundrichtung verleiht. Uns Menschen verbindet ein tiefes Gesp\u00fcr daf\u00fcr, dass die Entscheidung \u00fcber Recht oder Unrecht zuletzt nicht unserem eigenen Gutd\u00fcnken obliegt. Daraufhin sind wir ansprechbar, egal, wie m\u00e4chtig wir sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Putin zum Beispiel wei\u00df, davon bin ich fest \u00fcberzeugt, dass er Recht beugt, dass er sich und sein Volk bel\u00fcgt und dass er Gott l\u00e4stert, weil er eigene Interessen weit \u00fcber dessen Gebote stellt. Selbst wenn er inzwischen glauben sollte, was er nun sagt \u2013 auf dem Weg dahin hat er gezielt und bewusst Grenzen \u00fcberschritten, an denen sich das, was sich gelingendem Leben verpflichtet wei\u00df von Abwegen scheidet. Statt f\u00fcr Leben und Wahrheit hat er sich f\u00fcr L\u00fcge und Tod entschieden. Ebenso Trump, der von Alternativen Wahrheiten faselt. Nat\u00fcrlich, nicht immer liegt die Wahrheit klar auf der Hand. Man kann \u00fcber Sichtweisen streiten, verschiedene Aspekte betonen und zu unterschiedlichen \u00dcberzeugungen gelangen. Alternativen sind m\u00f6glich. Der Kompass, der uns Orientierung verleiht, kann in verschiedene Richtungen weisen. Aber dies darf uns nicht dazu verleiten, den inneren Anspruch aufzugeben, in unserem Handeln wahrhaftig und der Wahrheit verpflichtet zu sein. Wir k\u00f6nnen uns nicht der gemeinsamen Suche und dem Gespr\u00e4ch mit anderen entziehen und willk\u00fcrlich Ma\u00dfst\u00e4be setzen, ohne uns an uns selbst, an unseren N\u00e4chsten und an Gott zu vergehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf Recht und Wahrheit hin sind wir ansprechbar. Und wie gut, wenn es Menschen gibt, die sich dieses trauen. Wie gut, wenn es Gesellschaften und Institutionen gibt, die den Mut haben, Instanzen prophetischer Kritik in sich zu tragen und zu dulden, weil sie um die Gefahr von Machtmissbrauch und um den Wert der gemeinsamen Suche nach Wahrheit wissen. Demokratie, Gewaltenteilung, Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit sind hohe Werte und sie sind ein gewachsener Ausdruck der Anerkennung und der Achtung des Anspruchs Gottes an unser Leben \u2013 selbst wenn eine s\u00e4kulare Gesellschaft dies so nicht sagen w\u00fcrde. Auch das Gegen\u00fcber von Staat und Kirche ist ein Ausdruck davon. Wir Christen in diesem Land d\u00fcrfen dankbar sein, hier zu leben. Und wir sollten uns ernsthaft bem\u00fchen, glaubhaft zu sein und glaubhaft die Weisheit der B\u00fccher und Schriften auf die wir vertrauen in das Gespr\u00e4ch einzubringen, wenn es darum geht, Missweisungen im Ausschlag des Kompasses zu entdecken, der uns Orientierung verleiht. Nathan steht vor den K\u00f6nig \u2013 und dessen Antwort steht aus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eIch habe ges\u00fcndigt gegen den Herrn.\u201c bekennt dieser und sofort wird ihm Vergebung zuteil. \u201eSo hat auch der Herr deine S\u00fcnde weggenommen; du wirst nicht sterben.\u201c\u00a0 &#8211; spricht Nathan ihm zu. Wie bitte? Das reicht? Ein rasch im stillen K\u00e4mmerlein dahingeworfenes Schuldbekenntnis reicht f\u00fcr einen M\u00f6rder und sexuellen Straft\u00e4ter aus, um von Gott, um von der h\u00f6chst denkbaren Instanz Vergebung zu erlangen? Alles wieder gut? &#8211; ohne dass sich David bei denen entschuldigt, denen er Unrecht getan hat; ohne, dass er zu Wiedergutmachung und Strafe verurteilt wird? Wie gesagt, diese Geschichte wirft Fragen auf! Aber sie h\u00e4lt auch Antworten bereit. Im Folgenden wird deutlich, dass Gottes Vergebung und die Frage nach Folgen und Strafen der Tat auf verschiedenen Ebenen liegen. Sie sind nicht losgel\u00f6st voneinander, aber doch voneinander geschieden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst: Gestehen wir David doch zu, dass seine Reue aufrichtig ist. Immerhin, seine Schuld weist er nicht von sich, verstrickt sich nicht weiter in ihr! Nehmen wir an, dass er aufschreckt und zutiefst \u00fcber sich selbst besch\u00e4mt ist, dass er von Herzen umkehrt zu Gott. Nehmen wir an \u2026 wissen k\u00f6nnen wir es nicht. In das Herz blicken, das kann nur Gott. Aber im Namen Gottes spricht Nathan die Vergebung der S\u00fcnden ihm zu. Das was trennend war, zwischen ihm, David, und Gott, das gibt es nicht mehr. Nicht f\u00fcr Gott, welcher David vielleicht stets liebevoll zugewandt war und gerade darum auch selbst unter seinem Vergehen litt. Nicht f\u00fcr Gott und so auch f\u00fcr David nicht mehr, der die Vergebung Gottes gerne glauben und annehmen darf. Diese Vergebung aber, sie betrifft Davids ureigenes Verh\u00e4ltnis zu Gott und damit das, was f\u00fcr ihn zutiefst seinen Selbstwert begr\u00fcndet. Diese Vergebung ist ein Geschenk, die ihm erlaubt, ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die W\u00fcrde des eigenen Lebens zu wahren, auch wenn dieses schwer mit Schuld belastet ist. Und diese Schuld, diese bleibt und sie haftet an ihm. Sie bleibt, auch wenn ihm von Gott die S\u00fcnde vergeben ist! Was zwischen Gott und uns Menschen gilt, gilt nicht in gleicher Weise zwischen uns Menschen. Vergebung von denen, an denen er schuldig geworden ist, kann der K\u00f6nig nicht automatisch erwarten oder gar einklagen (\u201eGott hat mir vergeben, also erwarte ich gleiches von Euch!\u201c) \u2013 er kann nur darum bitten. Wird ihm Ablehnung zuteil, so bew\u00e4hrt sich seine W\u00fcrde \u2013 um die er neu wei\u00df \u2013 daran, ob er die Ablehnung auszuhalten vermag, ohne sich beleidigt oder gekr\u00e4nkt der Gemeinschaft zu entziehen, in die er hineingestellt ist. Und ohne aufzuh\u00f6ren, sich um Wiedergutmachung und ein gelingendes Miteinander zu m\u00fchen. Und Vergebung wiederum k\u00f6nnen wir ihm und einander leichter gew\u00e4hren, wenn wir Reue erkennen und wenn wir wissen, dass Gott auch uns vergibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sp\u00fcren, die Ebenen sind verschieden und doch nicht losgel\u00f6st voneinander: Was sich im Verborgenen, nur zwischen Gott und uns Menschen vollzieht, das dringt auch nach au\u00dfen. Aufrichtige Bu\u00dfe ver\u00e4ndert uns Menschen und unser Verhalten auch untereinander. So still sind die K\u00e4mmerlein gar nicht, in denen unsere Gespr\u00e4che mit Gott sich vollziehen. Waren wir nicht alle dabei und wurden zu Zeugen, wie David vor Gott seine Schuld anerkennt? Damit verpflichtete er sich zugleich zur Wiedergutmachung bei seinen Opfern. Er erkannte an, dass sein zuvor \u00fcber den reichen Mann gesprochenes Urteil zurecht auf ihn zur\u00fcckf\u00e4llt. 4fach sollte dieser bezahlen und des Todes sterben sollte er auch. \u201eDu bist der Mann!\u201c hatte Nathan gesagt. Und in der Tat, David muss vielfach bezahlen, nur sterben, das muss er nicht. Sterben, das wird das Kind, das seinem Vergehen entstammt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wie aber ist all dies zu verstehen, dass David die S\u00fcnde vergeben ist, nicht aber die Schuld, dass er am Leben bleibt, nicht aber das Kind? Welche Antwort h\u00e4lt die Geschichte auf diese Fragen bereit. Was wei\u00df sie noch \u00fcber die verschiedenen Dimensionen und Ebenen menschlichen Lebens?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nicht die S\u00fcnde aber die Schuld bleibt bestehen. Die Tat steht im Raum und die Vergebung des S\u00fcnders hebt die Folgen der S\u00fcnde nicht auf. Schuldgeschichten schreiben sich fort \u2013 Vergebung aber erlaubt, dass innerhalb der Schuldgeschichte und in diese hinein sich neue Anf\u00e4nge und neue Aufbr\u00fcche einschreiben. Durch Vergebung ersticken wir nicht in der Schuld \u2013 \u201eDie G\u00fcte des HERRN ist`s, dass wir nicht gar aus sind.\u201c &#8211; so steht es im Psalter.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Folgen der Tat z\u00e4hlt der Prophet Nathan im Einzelnen auf: Das Schwert, dass David auf Uria niederfahren lie\u00df, soll von seinem Hause von nun an nimmermehr weichen. Die Entehrung, die David Uria zukommen lie\u00df, wird ihm \u00f6ffentlich widerfahren. Und der durch seine Untat gezeugte Sohn wird des Todes sterben. Dies alles tritt ein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Durch seinen Missbrauch der Macht und die Schwere seiner Vergehen, steht die Frage berechtigt im Raum, ob David sich seines k\u00f6niglichen Amtes noch als w\u00fcrdig erweist. Sein Sohn Absalom wird diese Frage \u00f6ffentlich stellen und das Volk dar\u00fcber spalten. Im Machtkampf wird David obsiegen, aber bevor dies geschieht, wird Absalom sich \u00f6ffentlich an den Nebenfrauen Davids vergangen haben. Keine sch\u00f6ne Geschichte! Sch\u00f6n wird sie auch nicht, wenn der Streit wieder und wieder aufflammt, bis dahin, dass sich die V\u00f6lker Judas und Israels teilen, weil es zu viele gibt, die K\u00f6nig sein wollen. Aber zugleich wird der Batseba und dem David ihr Sohn Salomo geboren, der K\u00f6nig der Weisheit, der die Stadt Jerusalem zu Glanz bringen wird und den Tempel erbaut. Zutiefst wird dem zerstrittenen Volk auch Identit\u00e4t bewahrt und neu eingestiftet. Vergebung \u2013 ein Neuanfang inmitten einer Geschichte von Schuld. Und auch unseren Herrn Jesus Christus werden wir einen Sohn Davids nennen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aber was ist das Kind, das der Schandtat des K\u00f6nigs erwuchs? Was hat es mit dem Sohn Davids auf sich, der stirbt? Begegnet uns Gott hier nicht grausam, weil er dieses Opfer verlangt? \u201eNein!\u201c ist die Antwort. Dieser Sohn Davids stirbt, weil er nicht ausreichend Kraft und Vitalit\u00e4t auf seinen Weg mitbekam. Dies ist tragisch und traurig, wie der Tod vieler ungeborener oder fr\u00fch sterbender Kinder auch. Tragisch ist es, aber es ist keine Strafe Gottes und kein stellvertretendes Opfer an Stelle des Todes, den David sonst h\u00e4tte sterben m\u00fcssen. Davon war nie die Rede gewesen \u2013 Gott jedenfalls hatte es nicht gesagt. Das Todesurteil stand allein deshalb im Raum, weil David so harsch \u00fcber den Reichen richtet, der sich das Schaf seines N\u00e4chsten nahm. Und so auch der Tod Jesu, auch den haben wir Menschen beschlossen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine alte Geschichte. Sie wirft spannende Fragen auf und h\u00e4lt spannende Antworten bereit. Es ist eine alte Geschichte, aber je l\u00e4nger wir lauschen, umso mehr merken wir, wie wir selbst an ihr teilhaben, denn ihre Folgen schreiben sich fort. Und wir kennen die Muster, von denen sie uns erz\u00e4hlt. In unserem t\u00e4glichen Leben finden wir diese wieder. Die K\u00f6nige von heute tragen andere Titel und Reue w\u00fcrden wir uns bei so manchen von ihnen w\u00fcnschen. Wir fragen nach Schuld und Vergebung auch in unserem Leben und nach dem Kompass, dessen Nadel uns sensibel auf die Heiligkeit Gottes und die Heiligkeit allen Lebens hinweist &#8211; und wie wir entdecken, wenn er sich durch fremde Kr\u00e4fte und M\u00e4chte verstellt. Diese Geschichte kann uns dabei helfen und sie ermutigt uns, auf Gottes Vergebung zu bauen \u2013 und ihm zu glauben, dass er Wege ins Leben wei\u00df, selbst dort, wo wir Tod und Verderben nur sehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und der Friede Gottes, der h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen. <\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Dr. Konrad Gl\u00f6ckner<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kirchweg 42, 18565 Hiddensee<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:Kloster@pek.de\">Kloster@pek.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Konrad Gl\u00f6ckner, geb. 1966, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Seit 2008 t\u00e4tig als Pastor in Kloster, Insel Hiddensee<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Zur Anregung als Schuldbekenntnis im Gottesdienst:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Vers\u00f6hnungsgebet von Coventry:<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Alle haben ges\u00fcndigt und ermangeln des Ruhmes,<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>den sie bei Gott haben sollten. (R\u00f6m 3,23)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den Hass, der Rasse von Rasse trennt,<br \/>\nVolk von Volk, Klasse von Klasse: <strong><em>Vater, vergib!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Streben der Menschen und V\u00f6lker<br \/>\nzu besitzen, was nicht ihr Eigen ist: <strong><em>Vater, vergib!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen<br \/>\nausnutzt und die Erde verw\u00fcstet: <strong><em>Vater, vergib!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unseren Neid auf das<br \/>\nWohlergehen und Gl\u00fcck der Anderen: <strong><em>Vater, vergib!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gefangenen, Heimatlosen und Fl\u00fcchtlinge: <strong><em>Vater, vergib!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Entw\u00fcrdigung von Frauen, M\u00e4nnern und Kindern<br \/>\ndurch sexuellen Missbrauch: <strong><em>Vater, vergib!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Den Hochmut, der uns verleitet, auf<br \/>\nuns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott: <strong><em>Vater, vergib!<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer<br \/>\ndem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Christus! (Eph. 4,32)<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Liedvorschl\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Vers\u00f6hnungsgebet von Coventry, EG 828 (Ausgabe f\u00fcr die Nordelbische Ev.-Luth. Kirche)<\/li>\n<li>WL: Aus tiefer Not schrei ich zu Dir, EG 299, 1-2, 5<\/li>\n<li>Nimm von uns, Herr, du treuer Gott, EG 146, 1-5<\/li>\n<li>Ein reines Herz, Herr schaff in mir, EG 389, 1-5<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026 wenn ihm die sch\u00f6ne Nachbarin gef\u00e4llt \u2026\u201c | 11. Sonntag nach Trinitatis | 28.08.2022 | Predigt zu 2. Samuel 12, 1-15a | verfasst von Konrad Gl\u00f6ckner | Kanzelgru\u00df: Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Amen. 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