{"id":13047,"date":"2022-08-20T16:11:22","date_gmt":"2022-08-20T14:11:22","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13047"},"modified":"2022-08-29T16:30:54","modified_gmt":"2022-08-29T14:30:54","slug":"lukas-736-50-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-736-50-2\/","title":{"rendered":"Lukas 7,36-50"},"content":{"rendered":"<h3>11. Sonntag nach Trinitatis | 28.08.22 | Lukas 7,36-50 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Elof Vestergaard |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Kassia ist der Name eines Liederdichters und Komponisten, der im 9. Jahrhundert im byzantinischen Reich gelebt hat. Sie kam vom Hof in Konstantinopel war gut ausgebildet und wurde wegen ihres Wissens gepriesen. Sie wurde Nonne und gr\u00fcndete ihr eigenes Kloster. Kassia hat eines der bekanntesten Lieder geschrieben, in der Gattung eines \u201eSticheron\u201c, ein liturgisches Prosagedicht \u00fcber den Bericht im Evangelium dieses Sonntags. Das Lied Kassias ist eine Nachdichtung des heutigen Evangeliums, die Erz\u00e4hlung von der s\u00fcndigen Frau, die in das Haus des Pharis\u00e4ers kommt mit ihrem Alabasterkrug und die F\u00fc\u00dfe Jesu salbt. IN D\u00e4nemark hat Grundtvig dieses alte Lied nachgedichtet, es steht im Gesangbuch unter Nr. 151. Er schuf damit noch eine Version einer Auslegung, wie sie sich weiterhin in den Evangelien findet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Unmittelbar erscheint die Erz\u00e4hlung von der Frau mit dem Alabasterkrug mir ein wenig zu gef\u00fchlvoll. Das Bild von der Frau, die mit ihren Tr\u00e4nen die F\u00fc\u00dfe Jesu w\u00e4scht, sie k\u00fcsst und mit ihren Haaren trocknet, ist ziemlich sentimental. Besser wird das nicht in der Nachdichtung Grundtvigs, wo er andeutet, dass diese Frau err\u00f6tet und dass ihre Tr\u00e4nen so zahlreich sind, dass sie geradezu als Tr\u00e4nenstr\u00f6me beschrieben werden, sie die F\u00fc\u00dfe des Herrn \u00fcberschwemmen. Wir sollten jedoch nicht den Hang der Evangelisten und Liederdichter in diesem Fall dazu beitragen lassen, dass die zentralen Anliegen des Evangeliums in den Hintergrund treten, n\u00e4mlich die Hoffnung auf die Vergebung unserer S\u00fcnden, die Jesus so deutlich hervorhebt mit seinen Worten an diese Frau, indem er sagt: \u201eDeine S\u00fcnden sind dir. Vergeben \u2026 Dein Glaube hat Dich erl\u00f6st. gehe hin in Frieden!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sehe doch selbst in der Frau mit dem Alabasterkrug und handele wie sie!\u00a0 Unsere Identifikation mit der Frau wird dadurch unterst\u00fctzt, dass sie nicht namentlich genannt wird. In der Geschichte der Kirche hat man vor allem in der Ostkirche an ihrer Anonymit\u00e4t festgehalten, w\u00e4hrend man sie in der Westkirche schon seit Gregor dem Gro\u00dfen mit Maria Magdalene identifizierte. Es liegt aber eine starke Pointe darin, dass sie namenlos bleibt und wir nicht wissen, wer sie war. Diese Anonymit\u00e4t ist nicht ein Ausdruck daf\u00fcr, dass sie niemand ist, ihre Namenlosigkeit dient vielmehr dazu, dass sich alle Menschen heute in ihr spiegeln und sich in ihr sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das hat die Psalmistin und Komponistin Kassia in ihrem Lied aus dem 9. Jahrhundert deutlich im Blick. Sie bringt diese Frau mit Adam und Eva zusammen. Und vergleicht das Weinen der Frau mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies in die Lebensverh\u00e4ltnisse, wie sie die Menschen heute kennen. Die Tr\u00e4nen, mit denen die Frau die F\u00fc\u00dfe Jesu w\u00e4scht, sind nicht Ausdruck blo\u00dfer R\u00fchrung in der Situation, ein momentanes Gef\u00fchl, sondern sie ber\u00fchren alles menschliche Leid und alle Trauer. Die Tr\u00e4nenstr\u00f6me, von denen Grundtvig spricht, sind der Schmerz \u00fcber den Exit aus dem Paradies, der Mensch lebt hier in dieser Welt, wo Tod und Zerst\u00f6rung herrschen. So schreibt Kassia in ihrem Lied: \u201eWeine \u00fcber deine Taten, die du heute getan hast. Denke daran, wie du einst in Reden v\u00f6llig entlarvt wurdest und aus der etwaigen Freude verbannt. wurdest.\u201c (frei \u00fcbersetzt).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Begegnung zwischen der Frau mit dem Alabasterkrug und Jesus ist somit ein wichtiges Bild f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis und die Begegnung zwischen Gott und Mensch.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gottes Sohn wurde Mensch mitten in dieser Welt, so weit weg vom Paradies. Der lebendige Gott ist hier und begegnet ihr mit Vergebung der S\u00fcnde, verwandelt sie aus einer schlimmen S\u00fcnderin in einen freien Menschen, der Vergebung empf\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Salbung Jesu durch die Frau ist dann die kleine Tat, man kann sie wohl eine kleine Sch\u00f6pfung nennen, die eine Aufforderung an uns beinhaltet, nicht nur nostalgisch an das Paradies zur\u00fcckzudenken, sondern auch umzukehren und uns Gott und unserem N\u00e4chsten zuzuwenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dazu helfe uns Gott. Im Namen Jesu Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Elof Vestergaard<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ribe &#8211; D\u00e4nemark<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Email: eve(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. 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