{"id":13056,"date":"2022-08-31T07:10:29","date_gmt":"2022-08-31T05:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13056"},"modified":"2022-08-31T07:10:29","modified_gmt":"2022-08-31T05:10:29","slug":"apostelgeschichte-9-1-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-9-1-22\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 9, 1-22"},"content":{"rendered":"<h3>12.Sonntag nach Trinitatis | 04.09.2022 | Apg 9, 1-22 | Elisabeth Tobaben |<\/h3>\n<p><em>Apostelgeschichte 9, 1-22<\/em><\/p>\n<p><em>1 <\/em><em>Saulus w\u00fctete immer noch mit Drohung und Mord gegen die J\u00fcnger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>2 <\/em><em>und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anh\u00e4nger des (neuen) Weges, M\u00e4nner und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>3 <\/em><em>Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus n\u00e4herte, geschah es, dass ihn pl\u00f6tzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>4 <\/em><em>Er st\u00fcrzte zu Boden und h\u00f6rte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>5 <\/em><em>Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.<\/em><\/p>\n<p><em>6 <\/em><em>Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>7 <\/em><em>Seine Begleiter standen sprachlos da; sie h\u00f6rten zwar die Stimme, sahen aber niemand.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>8 <\/em><em>Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen \u00f6ffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und f\u00fchrten ihn nach Damaskus hinein.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>9 <\/em><em>Und er war drei Tage blind und er a\u00df nicht und trank nicht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>10 <\/em><em>In Damaskus lebte ein J\u00fcnger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>11 <\/em><em>Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur sogenannten Geraden Stra\u00dfe und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>12 <\/em><em>und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die H\u00e4nde auflegt, damit er wieder sieht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>13 <\/em><em>Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen geh\u00f6rt, wie viel B\u00f6ses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>14 <\/em><em>Auch hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>15 <\/em><em>Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserw\u00e4hltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor V\u00f6lker und K\u00f6nige und die S\u00f6hne Israels tragen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>16 <\/em><em>Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er f\u00fcr meinen Namen leiden muss.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>17 <\/em><em>Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die H\u00e4nde auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erf\u00fcllt werden.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>18 <\/em><em>Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und lie\u00df sich taufen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>19 <\/em><em>Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kr\u00e4ften. Einige Tage blieb er bei den J\u00fcngern in Damaskus;\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>20 <\/em><em>und sogleich verk\u00fcndete er Jesus in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>21<\/em><em>Alle, die es h\u00f6rten, gerieten in Aufregung und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierher gekommen, um sie zu fesseln und vor die Hohenpriester zu f\u00fchren?<\/em><\/p>\n<p><em>22 <\/em><em>Saulus aber trat um so kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen bewies, dass Jesus der Messias ist.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist geradezu sprichw\u00f6rtlich geworden, das Damaskuserlebnis.<\/p>\n<p>Es steht in unserem Sprachgebrauch f\u00fcr eine pl\u00f6tzliche Kehrtwendung von einer \u00dcberzeugung zur anderen, f\u00fcr Bekehrung.<\/p>\n<p>Aber ob man sich so etwas w\u00fcnschen sollte?<\/p>\n<p>Ich denke, Saulus wird eher das Gef\u00fchl gehabt haben, die \u201eBurgen dieser Welt\u201c w\u00fcrden um ihn gerade in Tr\u00fcmmer fallen (Lied), kein Stein bleibt auf dem anderen in seinem alten Leben.<\/p>\n<p>\u201eUnd jetzt muss ich es nur noch tun\u201c, sagte der Student.<\/p>\n<p>Wir hatten uns damals zuf\u00e4llig im Zug getroffen, als er mir erz\u00e4hlte, was er vorhatte. Er wollte nach Hause, und ein schwieriges Familienproblem anpacken.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wollte er seinen Eltern mitteilen, dass er \u00a0das Studienfach wechseln werde.<\/p>\n<p>\u201eJura ist einfach nichts f\u00fcr mich!, sagt er. \u201eUnd ich brauche endlich auch wieder eine Vollleyballmannschaft und einen guten Chor!\u201c<\/p>\n<p>Er hatte sich eine ganze Menge vorgenommen,<\/p>\n<p>Aber er hatte alles sehr gut analysiert und viele Zusammenh\u00e4nge nach meiner Beobachtung richtig durchschaut.<\/p>\n<p>Er wusste genau, was er wollte. \u201eJetzt muss ich es nur noch tun\u201c, sagt<\/p>\n<ol>\n<li>Ich muss lachen und frage: \u201eNur noch?\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p>Er guckt \u00fcberrascht, aber dann lacht er auch und seufzt: \u201eAch ja, vielleicht ist genau das das Schwierigste. Vielleicht brauche ich ja doch so ein kleines Damaskuserlebnis? Oder wenigstens so einen Blitzschlag wie bei Martin Luther? \u00a0Gleich sein ganzes Leben radikal \u00e4ndern und ins Kloster gehen, blo\u00df weil der Blitz einen verschont hat? Eigentlich ganz cool&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Die eigene Erkenntnis und die W\u00fcnsche sind das eine, wenn man etwas ver\u00e4ndern m\u00f6chte im Leben, sie aber dann \u201enur noch\u201c, umzusetzen, das ist dann oft gar nicht so leicht.<\/p>\n<p>Auch wenn man selbst ganz sicher ist, das man nun den richtigen Weg<\/p>\n<p>gefunden hat, garantiert kommt nach den ersten Schritten irgend jemand und sagt: \u201eWie?? <em>Was<\/em> hast du vor? Och nee, das lass man lieber.\u201c<\/p>\n<p>Oder auch abf\u00e4llig, nachdem etwas bereits wunderbar gelungen ist: \u201e<em>Du<\/em> hast dich aber ver\u00e4ndert, fr\u00fcher warst du aber viel umg\u00e4nglicher\u201c.<\/p>\n<p>Meistens hei\u00dft das auf Deutsch: \u00a0Fr\u00fcher warst du bequemer f\u00fcr uns, du hast funktioniert und brav getan, was <em>wir<\/em> von dir erwartet haben. Jetzt stellst du unangenehme Fragen, hast eigene Vorstellungen&#8230;<\/p>\n<p>Da kann es schon sein, dass man manchmal denkt: so ein scheinbar zwangsl\u00e4ufiges Ereignis wie es der Saulus-Paulus erlebt hat, w\u00e4re gar nicht so schlecht!<\/p>\n<p>So dass man vermeintlich gar nicht anders <em>k\u00f6nnte<\/em>, als ganz neu anzufangen, und war ohne dass die Erfahrungen der Vergangenheit einen dauernd einholten und beeinflussten, ohne dass man es noch wollte; Unbelastet, couragiert, voller Elan und Power;<\/p>\n<p>Aber: kann man sich so etwas eigentlich wirklich w\u00fcnschen? Gar planen? Erhoffen?<\/p>\n<p>Saulus hat sich so ein Erlebnis wie das vor Damaskus ganz bestimmt nicht gew\u00fcnscht! \u201eDamaskus-Erlebnisse\u201c plant man nicht, sie geschehen, und man kann sie wohl auch erst im Nachhinein als solche deuten, dann, wenn schon alles anders geworden ist.<\/p>\n<p>Aber wie kommt es dazu?<\/p>\n<p>Das kann sehr unterschiedlich sein, gucken wir mal, wie es bei Saulus passiert ist.<\/p>\n<p>\u201eEr w\u00fctete mit Drohen und Morden gegen die J\u00fcnger des Herrn\u201c steht in der Apostelgeschichte.<\/p>\n<p>Warum tut er das? War er einfach ein cholerischer Typ? Wohl jedenfalls nicht in erster Linie, er geht ja sehr systematisch vor und holt sogar Empfehlungsschreiben ein.<\/p>\n<p>Aus seiner Sicht handelt er v\u00f6llig korrekt, denn er m\u00f6chte f\u00fcr Ordnung sorgen in den Synagogen.<\/p>\n<p>Die Anh\u00e4nger dieses neuen Christus-Glaubens bringen nur Unruhe in die Gemeinde und verwirren das Volk. Das geht auf gar keinen Fall, denn in seinen Augen laufen die Leute so in ihr Ungl\u00fcck!<\/p>\n<p>\u201eAnh\u00e4nger des neuen Weges\u201c nennt die Apostelgeschichte diese Menschen, wahrscheinlich\u00a0 die erste Selbstbezeichnung von Christinnen und Christen.<\/p>\n<p>\u201eGlauben die doch tats\u00e4chlich, Jesus sei der Messias gewesen! So ein Unfug!\u201c, denkt Saulus.<\/p>\n<p>Er war ein hoch gebildeter, sehr frommer und religi\u00f6s hoch engagierter Mann.<\/p>\n<p>Er kannte sich hundertprozentig aus in seiner Bibel und war sich sicher, dass der Messias nat\u00fcrlich nicht aus Nazareth kommen konnte, die Propheten hatten \u00a0schlie\u00dflich etwas ganz anderes geweissagt.<\/p>\n<p>Und dann wurde er auch noch gekreuzigt wie ein Verbrecher, er kann es also gar nicht sein!<\/p>\n<p>Also ist es \u2013innerhalb seines Gedankengeb\u00e4udes- v\u00f6llig logisch, dass Saulus schnaubt und w\u00fctet gegen diese \u201eAnh\u00e4nger des neuen Weges\u201c .<\/p>\n<p>Vielleicht hatte er auch schlicht Angst, weil er tief in sich sp\u00fcrte, dass er selbst niemals in der Lage sein w\u00fcrde, alle Forderungen des Gesetzes wirklich in ganzer Tiefe zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte gut sein, dass er auch deswegen so unnachgiebig war und die verfolgte, die ja nun aus seiner Sicht \u00a0vom Gesetz abgewichen sind &#8211; weil sie Jesus vertrauten.<\/p>\n<p>Ich habe oft erlebt, dass gerade solchen Menschen besonders fanatisch reagieren, die damit innere Zweifel \u00fcbert\u00f6nen und totschlagen wollen.<\/p>\n<p>Oder wie Hermann Hesse sagt: \u201eWas nicht in uns ist, das regt uns auch nicht auf!\u201c<\/p>\n<p>Saulus glaubt, ein gutes Werk zu tun, wenn er hilft, diesen unm\u00f6glichen neuen Glauben so schnell wie m\u00f6glich auszurotten.<\/p>\n<p>Die Anh\u00e4nger sollen gefesselt nach Jerusalem verschleppt werden wo sie wohl wieder zurecht gebracht werden sollen. .<\/p>\n<p>Saulus reist voll Feuereifer nach Damaskus.<\/p>\n<p>Und dann? \u2013<\/p>\n<p>Zwischengedanke: Leider muss ich immer daran denken, wie diese einmal so wundersch\u00f6ne Stadt mit herrlichen Innenh\u00f6fen, Brunnen und alten Geb\u00e4uden heuten aussehen mag&#8230;<\/p>\n<p>Das kann mir gerade den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegziehen&#8230;<\/p>\n<p>Paulus zieht es buchst\u00e4blich den Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg.<\/p>\n<p>Blendend helles Licht, eine Stimme, die auch die Umstehenden, mehr oder weniger Unbeteiligten, h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das allein bewirkt die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung allerdings noch nicht.<\/p>\n<p>Ich denke, Saulus h\u00e4tte sich dieser Stimme auch verschlie\u00dfen k\u00f6nnen, sie vielleicht als psychotisches Erleben auffassen k\u00f6nnen, wom\u00f6glich Tabletten verschreiben lassen dagegen.<\/p>\n<p>Aber das tut er nicht. Er l\u00e4sst sich auf dieses ungew\u00f6hnliche \u201eGespr\u00e4ch ein, er antwortet\u00a0 mit einer Gegenfrage.<\/p>\n<p>Und hier, glaube ich, geschieht der eigentliche Umbruch in Saulus\u201a mit Frage:<\/p>\n<p>\u201eHerr, wer bist du?\u201c<\/p>\n<p>In ihm muss aber zu diesem Zeitpunkt wohl doch schon etwas Entscheidendes\u00a0 geschehen sein.<\/p>\n<p>Mit \u201eHerr\u201c griechisch \u00a0\u201eKyrios\u201c redet er die Stimme an. Das ist \u00a0ein Ehrentitel, mit dem man h\u00f6her Gestellte ansprach: K\u00f6nige oder Herrscher. \u201eDu musst etwas Besonderes sein\u201c, sagt er im Grunde \u00a0schon allein\u00a0 mit dieser Anrede. \u201eIch erkenne deine Macht an.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, wer bist du?\u201c Das ist eine Frage, auf die es keine fertige, perfekte und immer<\/p>\n<p>und zu allen Zeiten und f\u00fcr jeden Menschen richtige Antwort gibt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird es manche \u00dcbereinstimmung geben, \u00fcber die man sich auch verst\u00e4ndigen kann.<\/p>\n<p>Aber wer Jesus f\u00fcr uns genau heute und hier, jetzt und in diesem Moment ist, das h\u00e4ngt offensichtlich immer auch von unserer eigenen Lebenssituation ab!<\/p>\n<p>F\u00fcr Saulus war die Antwort in diesem Moment: \u201eIch bin Jesus, der, den du verfolgst\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn war Jesus zun\u00e4chst mal der, der sein ganzes bisheriges Leben durcheinander gebracht hat, ihn zutiefst in Frage stellte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wird er dann auch noch zu neuen Erkenntnissen kommen.<\/p>\n<p>Als er anf\u00e4ngt, \u00fcberall in den Synagogen selbst die neue Lehre zu verk\u00fcndigen,<\/p>\n<p>da sagt: Jesus ist Gottes Sohn. Er wird komplizierte theologische Gedankengeb\u00e4ude errichten.<\/p>\n<p>Offenbar braucht man<em> Zeit <\/em>f\u00fcr so einen Erkenntnis- und Begegnungsprozess!<\/p>\n<p>Von Saulus jedenfalls erfahren wir, dass er nach seiner Vision nichts mehr sehen kann, so geblendet ist er von dem hellen Licht, das seine Vision und Audition begleitet hatte.<\/p>\n<p>So hat er drei Tage, um nachzudenken, zu beten und sich neu zu orientieren.<\/p>\n<p>Ich stelle mir das schon beunruhigender vor, als es sich im ersten Moment so anh\u00f6rt, drei Tage, na ja, was ist das schon? Aber das wei\u00df Saulus ja vorher nicht, wie lange seine Dunkelheit dauern wird. Nur, dass er irgendwie Anweisungen erhalten wird, sagt ihm die Stimme.<\/p>\n<p>Drei Tage Enge und Angst, Dunkelheit und Orientierungslosigkeit. Wie mag es weitergehen?<\/p>\n<p>Drei Tage. Drei symboltr\u00e4chtige Tage.<\/p>\n<p>Der Verfasser will daran erinnern: So wie das Alte Testament von Jona im Bauch des Fisches erz\u00e4hlt, und so wie die Ostergeschichte erz\u00e4hlt, dass Jesus nach drei Tagen im Reich des Todes aufersteht.<\/p>\n<p>So ist auch die Berufung des Saulus ein St\u00fcck Auferstehung.<\/p>\n<p>So beginnt f\u00fcr Saulus nach drei Tagen ein neues Leben,\u00a0 als Hananias ins Spiel kommt.<\/p>\n<p>Man kann sich \u00a0leicht vorstellen, wie dem zumute gewesen sein muss, als er diesen Auftrag bekommt!<\/p>\n<p>\u201eWie\u201c? \u00a0fragt er. \u201eSaulus? Zu dem willst du mich wirklich ernstlich schicken, Gott?<\/p>\n<p>Das ist doch der, der deinen Heiligen \u00fcberall das Schlimmste angetan hat\u201c!<\/p>\n<p>Da ist die Angst um die eigene Freiheit, denn was, wenn es schief geht?<\/p>\n<p>Wird er, Hananias, dann auch gleich als erster verhaftet und nach Jerusalem verschleppt?<\/p>\n<p>Und au\u00dferdem ist es in der Tat eine unglaubliche Zumutung f\u00fcr ihn, dass Gott da Gro\u00dfes<\/p>\n<p>mit einem vorhat, der sich so sch\u00e4ndlich verhalten hat!<\/p>\n<p>Ist das \u00fcberhaupt m\u00f6glich, dass einer sich so um 180\u00b0 drehen kann, dass sogar aus einem Verfolger ein Anh\u00e4nger des neuen Weges, ein Christ wird?<\/p>\n<p>Und wenn, kann man dann von denen, die bisher die Opfer waren verlangen, dass sie nun mit ihrem ehemaligen Peiniger wom\u00f6glich sogar zusammen in einer Gemeinde leben?<\/p>\n<p>Hananias\u00a0 ist nicht der einzige, der so denkt.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrden wir denn denken, wenn bei uns ein ehemaliger Neonazi oder gar IS-K\u00e4mpfer auftauchen w\u00fcrde, der sagt, er habe Gottes Stimme geh\u00f6rt, ein Licht gesehen und sei jetzt bekehrt??? Er werde ganz gewiss keine Bomben mehr z\u00fcnden?<\/p>\n<p>Als Saulus zu predigen anf\u00e4ngt, st\u00fcrzt er damit die Synagogengemeinde in helle Aufregung und die Juden in Damaskus in dramatische Verwirrung.<\/p>\n<p>Kann man so einem den glauben? Ist das vielleicht eine Falle?<\/p>\n<p>Ein verst\u00e4ndliches Misstrauen.<\/p>\n<p>Vielleicht umso mehr, weil bei uns mit Berichten von so pl\u00f6tzlichen und radikalen Bekehrungen auch oft Erfahrungen wach werden, wie sie der Student mit seinen \u00a0Ver\u00e4nderungspl\u00e4nen machen musste: dass es n\u00e4mlich ganz sch\u00f6n schwierig sein kann und anstrengend.<\/p>\n<p>Auch wenn die gro\u00dfe Ver\u00e4nderung im Leben des Saulus so pl\u00f6tzlich geschieht und au\u00dferdem gerade <em>nicht<\/em>aus eigenem Entschluss entsteht, ist das in unserem eigenen Erleben schlecht<\/p>\n<p>voneinander zu trennen.<\/p>\n<p>Aber gerade deswegen finde ich die Geschichte ausgesprochen ermutigend:<\/p>\n<p>Sogar da noch, wo jemand in Verhaltens- und Glaubensmustern<em> so<\/em> festgefahren ist, dass er selber gar nicht mehr glaubt, dass sich etwas \u00e4ndern k\u00f6nne, selbst da noch kann Gott Bewegung in ein Leben bringen.<\/p>\n<p>Und selbst da, wo jemand denkt, er sei komplett auf dem richtigen Weg und im Recht,<\/p>\n<p>und er h\u00e4tte ein Umdenken und ein neues Leben \u00fcberhaupt nicht n\u00f6tig,<\/p>\n<p>kann Gott Bewegung in ein Leben bringen, Aufbruch, neuen Anfang m\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>Manchmal v\u00f6llig unerwartet. Manchmal umwerfend. Meistens eher langsam, Schritt f\u00fcr Schritt.<\/p>\n<p>Trauen wir es ihm zu!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Liedvorschl\u00e4ge:<\/p>\n<p>Eingangslied: EG 304 Lobet den Herren, denn er ist sehr freundlich<\/p>\n<p>Wochenlied:EG 289, 1-2<\/p>\n<p>Vor der Predigt: EG 378 Es mag sein, dass alles f\u00e4llt<\/p>\n<p>Nach der Predigt: Freit\u00f6ne 112 Anker in der Zeit<\/p>\n<p>Schlusslied: Freit\u00f6ne 200 Weise uns den Weg, Gott, geh mit<\/p>\n<p>Oder EG 410 Christus, das Licht der Welt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12.Sonntag nach Trinitatis | 04.09.2022 | Apg 9, 1-22 | Elisabeth Tobaben | Apostelgeschichte 9, 1-22 1 Saulus w\u00fctete immer noch mit Drohung und Mord gegen die J\u00fcnger des Herrn. 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