{"id":13057,"date":"2022-08-31T07:12:45","date_gmt":"2022-08-31T05:12:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13057"},"modified":"2022-09-06T11:38:13","modified_gmt":"2022-09-06T09:38:13","slug":"apostelgeschichte-9-1-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-9-1-20-2\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 9, 1-20"},"content":{"rendered":"<h3>12. Sonntag nach Trinitatis | 04.09.2022 | Apg. 9, 1-20 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p><em>Vom<\/em> <em>Saulus zum Paulus<\/em>, liebe Gemeinde, so beschreiben wir gerne einen radikalen Sinneswandel bei einem Menschen, und meinen dabei viel mehr als diesen Wandel, sondern vor allem die Richtungs\u00e4nderung, die dessen Leben genommen hat.\u00a0 Geblieben ist sein Eifer, vielleicht gar sein Fanatismus, ge\u00e4ndert hat sich das Ziel, auf das er diesen Eifer nun richtet.<\/p>\n<p>Hat er bisher in seinem Leben vielleicht sogar Menschen mit einer bestimmten Gesinnung , einem bestimmten Glauben verfolgt, so verfolgt er nun solche mit einem anderen Glauben. Ein J\u00e4ger aber ist er geblieben.<\/p>\n<p>So kennen wir\u00a0 Geschichten von B\u00f6sen, die die Guten gejagt haben, bis sie -wie in einem Agentenfilm- zu Guten <em>umgepolt <\/em>worden sind, um ihre Jagd nunmehr auf \u00a0die ehemals Guten fortzusetzen. Aber auch\u00a0 aus unserem wirklichen Leben sind uns <em>F\u00e4lle<\/em> bekannt, bei denen es \u00e4hnlich zugegangen ist und wir an einem Menschen schon bevor wir seine neue Gesinnung bemerkt hatten, noch den alten Zorn auf seiner Stirn wieder erkannt haben.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir doch einmal genauer auf die biblische Geschichte, auf die die prominente Redewendung <em>Vom Saulus zum Paulus<\/em> zur\u00fcckgeht:<\/p>\n<p><em>1) Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die J\u00fcnger des Herrn und ging zum Hohenpriester<\/em><\/p>\n<p><em>2) und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anh\u00e4nger des neuen Weges, M\u00e4nner und Frauen, wenn er sie dort f\u00e4nde, gefesselt nach Jerusalem f\u00fchre.<\/em><\/p>\n<p><em>3) Als er aber auf dem Wege war und in die N\u00e4he von Damaskus kam, umleuchtete ihn pl\u00f6tzlich ein Licht vom Himmel<\/em><\/p>\n<p><em>4) und er fiel auf die Erde und h\u00f6rte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich?<\/em><\/p>\n<p><em>5) Er aber sprach: Herr, wer bist Du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst.<\/em><\/p>\n<p><em>6) Steh auf und geh in die Stadt, da wird man dir sagen, was du tun sollst.<\/em><\/p>\n<p><em>7) Die M\u00e4nner aber, die seine Gef\u00e4hrten waren, standen sprachlos da, denn sie h\u00f6rten zwar die Stimme, aber sahen niemanden.<\/em><\/p>\n<p><em>8) Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und f\u00fchrten ihn nach Damaskus;<\/em><\/p>\n<p><em>9) und er konnte drei Tage nicht sehen und a\u00df nicht und trank nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>10)\u00a0 Es war aber ein J\u00fcnger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich Herr!<\/em><\/p>\n<p><em>11) Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Stra\u00dfe, die die Gerade hei\u00dft, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus, denn siehe er betet<\/em><\/p>\n<p><em>12) und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und die Hand auf ihn legte, damit er wieder sehend werde.<\/em><\/p>\n<p><em>13) Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen geh\u00f6rt \u00fcber diesen Mann, wie viel B\u00f6ses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat;<\/em><\/p>\n<p><em>14)\u00a0 und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zunehmen, die deinen Namen anrufen.<\/em><\/p>\n<p><em>15)\u00a0 Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserw\u00e4hltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor K\u00f6nige und vor das Volk Israel.<\/em><\/p>\n<p><em>16) Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen.<\/em><\/p>\n<p><em>17) Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die H\u00e4nde auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erf\u00fcllt werdest.<\/em><\/p>\n<p><em>18) Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, lie\u00df sich taufen<\/em><\/p>\n<p><em>19) und nahm Speise zu sich und st\u00e4rkte sich. Saulus blieb aber einige Tage bei den J\u00fcngern in Damaskus.<\/em><\/p>\n<p><em>20) Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir merken, wie gro\u00df der \u00a0Abstand\u00a0 der Redewendung <em>Vom Saulus zum Paulus<\/em>, mit der wir uns an unsere eigenen \u00a0Erfahrungen mit Eiferern und Gesinnungspr\u00fcfern\u00a0 erinnern wollen, und dem genauen\u00a0 Hergang der Geschichte wirklich ist.<\/p>\n<p>Da \u00fcberrascht zun\u00e4chst einmal, dass das Bekehrungserlebnis vor Damaskus keineswegs mit einer neuen Namensgebung verbunden ist. Aus dem Zusammenhang der Apostelgeschichte wissen wir zudem, dass Saulus schon vor der Bekehrung \u00a0auch unter dem Namen Paulus bekannt war, und damit unter\u00a0 dem Namen, mit dem er dann in die Geschichte der fr\u00fchen Christenheit eingegangen ist.<\/p>\n<p>Auch ist das, was er in dieser Geschichte getan hat, ja nicht das Werk eines umgedrehten Christenverfolgers, der seit seinem Damaskuserlebnis damit begonnen h\u00e4tte, die Menschen seines Volkes zu verfolgen. Wir kennen ihn doch vielmehr aus seinen Briefen, die er geschrieben hat, als einen\u00a0 Apostel, dem es um die Sammlung der Christen und um die Entfaltung der christlichen Botschaft \u00a0in das Leben und den Alltag\u00a0 der im R\u00f6mischen Reich versprengten Gemeinden ging.<\/p>\n<p>Von der\u00a0 Freiheit von allen irdischen Bindungen, die in der Bindung an Gott dem Menschen gegeben ist, und vom Leben in dieser Freiheit mit anderen Menschen, die sich auch mit\u00a0 Gott verbunden f\u00fchlen, davon war er beseelt und hat dazu das Wort immer wieder ergriffen.<\/p>\n<p>Seine frohe Botschaft war nicht als ein Pfeil gegen andere gerichtet, sondern war und ist eine Anrede an seine Zuh\u00f6rer und Leser.<\/p>\n<p>Deswegen ist er nicht als Verfolger Andersgl\u00e4ubiger in die Geschichte eingegangen, sondern als einer, der seines Glaubens\u00a0 wegen selber verfolgt worden ist und schlie\u00dflich in Rom den Tod gefunden hat.<\/p>\n<p>Mit seinen Briefen, die doch durchweg\u00a0 von der Frohen Botschaft zeugen, wollte er den Menschen das neue Leben bringen.<\/p>\n<p>Dabei hat er mit seinen Argumenten auch daf\u00fcr pl\u00e4diert, dass der neue Glaube von der Freiheit der Christen nicht in blo\u00dfe Freiz\u00fcgigkeit m\u00fcndete, die doch einigen in den Gemeinden zu weit ging.<\/p>\n<p>Er hat nicht nur getr\u00f6stet und aufgebaut, sondern auch gemahnt. Etwa, wenn es um die \u00dcbervorteilung wirtschaftlich Schwacher in der Gemeinde ging und die Geschwisterlichkeit christlichen \u00a0Leben gerade bei der Mahlgemeinschaft nicht mehr gegeben war.<\/p>\n<p>Paulus wollte <strong>versammeln<\/strong> und er hat, wie wir an vielen Stellen seiner Briefe auch lesen k\u00f6nnen,\u00a0 auch Geld <strong>gesammelt <\/strong>f\u00fcr die Gemeinde in Jerusalem, die auf Unterst\u00fctzung angewiesen war.<\/p>\n<p>In einem seiner Briefe schreibt Paulus auch \u00a0von seiner Bekehrung.<\/p>\n<p>Da spricht er von sich als von einer unzeitigen Geburt, die, anders als Petrus,\u00a0 Jesus in der Zeit vor dessen Tod und der kurzen Zeit nach Ostern, also dem irdischen Jesus, gar nicht begegnet ist.<\/p>\n<p>Er hat nicht, wie etwa Thomas, seine Hand in die \u00b4Wunde legen d\u00fcrfen, sondern Christus begegnet ihm und \u00fcberbr\u00fcckt die Distanz zu diesem unzeitigen Menschen und seiner fanatischen Glaubensferne mit der Frage: \u201eWas verfolgst du mich?\u201c\u00a0 Mit dieser Frage wird Saulus Paulus an die Sinnlosigkeit, den Leerlauf seines Fanatismus gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>So ist Paulus nicht umgedreht worden aus einem Kalk\u00fcl einer ideologischen Parteiung, sondern er wurde wiedergeboren und, wie die wunderbare Geschichte erz\u00e4hlt, <em>blindgeboren<\/em>.<\/p>\n<p>Die Menschen, die mit ihm waren, haben ihn dann in seiner Hilflosigkeit nicht etwa manipuliert, sondern zu seinem Ziel geleitet, wo ihm unter\u00a0 den H\u00e4nden eines J\u00fcngers Jesu sein Augenlicht wieder gegeben wird.<\/p>\n<p>\u201eAllein durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.\u201c[1. Korinther 15, 10] So spricht er selbst\u00a0 \u00fcber seine Bekehrung.<\/p>\n<p>Paulus will ab Damaskus nicht mehr verfolgen und vernichten, sondern weitergeben, was er von Gott empfangen hat.<\/p>\n<p>Er ist dankbar, und wir d\u00fcrfen Gott daf\u00fcr danken, f\u00fcr all das Gute, das er uns durch Paulus gegeben hat.<\/p>\n<p>Amen!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Dr. Friedrich Seven, Pfarrer i. R.<\/p>\n<p>37412 Scharzfeld<\/p>\n<p>E-mail: friedrichseven@t-online.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. 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