{"id":13062,"date":"2022-08-31T06:21:30","date_gmt":"2022-08-31T04:21:30","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13062"},"modified":"2022-09-06T09:08:57","modified_gmt":"2022-09-06T07:08:57","slug":"matthaeus-12-31-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-12-31-42\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 12, 31-42"},"content":{"rendered":"<h3>12. Sonntag nach Trinitatis | 04.09.2022 | Mt 12,31-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard |<\/h3>\n<p>\u2019Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben.\u2018<\/p>\n<p>Das ist das das Evangelium f\u00fcr uns an diesem Sonntag: \u2019Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben.\u2018 Hier gibt es keine Vorbehalte. Jesus teilt nicht aus mit geizigen Vorbehalten, er ist gro\u00dfz\u00fcgig, ja geradezu verschwenderisch. \u2019Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben.\u2018 Das ist nicht ein kleiner Tropfen Barmherzigkeit, sondern eine Flut der Liebe Jesu, eine \u00fcbersch\u00e4umende Vergebung, er vers\u00f6hnt sich ganz und eindeutig mit allen Menschen. Die Himmel \u00f6ffnen sich, und ein seliger Regen f\u00e4llt auf alle Menschen dieser Erde ohne Unterschied. Die Regentropfen treffen uns alle und durchn\u00e4ssen Hemd und Kleid, Haar, M\u00fctze, Schleier. Die Liebe Jesu flie\u00dft uns allen zu. Das ist das Evangelium aller Sonntage.<\/p>\n<p>Ich sehe das Pfingstwunder vor mir, wo der Heilige Geist von Gott \u00fcber die ganze Welt ausstr\u00f6mt und sich mit allen Menschen verbindet wie das Nordlicht, das zitternd um ihre K\u00f6rper ruht. Ein Licht und eine magische Spannung, die Vers\u00f6hnung verhei\u00dft. Vers\u00f6hnung zwischen Gott und Menschen und zwischen den Menschen. Eine Welt, die miteinander verbunden ist wie in einem weltumspannenden Netzwerk, das World Wide Web des Heiligen Geistes.<\/p>\n<p>Die Liebe Gottes str\u00f6mt durch die ganze Welt, und Jesus tritt hervor und verk\u00fcndet, dass nicht einmal eine Verspottung des Menschensohnes unvergebbar ist, denn zusammen mit aller S\u00fcnde wird auch die Gottesl\u00e4sterung in dieser neuen Wirklichkeit vergeben, wo die Vers\u00f6hnung alles durchstr\u00f6mt. Das ist eine einzigartige Aussage Jesu. Die Dummheit und Unsicherheit der Menschen soll nicht zwischen ihm und ihnen stehen. Unseren Drang, das Gr\u00f6\u00dfte herunterzumachen, um uns nicht ganz so klein erscheinen zu lassen, hat er durchschaut, auch Ironie, Sarkasmus und Karikatur k\u00f6nnen Jesus nicht von den Menschen trennen. Das Mysterium Gottes ist so gro\u00df, dass das Urteil der Menschen \u00fcber Gott nicht entscheidend ist, denn die Liebe Gottes ver\u00e4ndert alles. Das ist wie mit den Sakramenten, wo Christus handelt ungeachtet der Unterschiede zwischen Menschen und Kirchen, ihrem Eigensinn und ihrer Exklusivit\u00e4t. Deshalb nehmen wir alle auf, die die Taufe begehren, und der Tisch des Herrn beim Abendmahl steht allen offen. Christus hat schon den Tod erlitten und kann nicht mehr verh\u00f6hnt werden, und die dreit\u00e4gige Bewegung vom Kreuz, dem Reich der Toten zur Auferstehung hat die T\u00fcr f\u00fcr alle ge\u00f6ffnet. Die Auferstehung ist der Beginn allen Lichts. Das Christus-Licht scheint f\u00fcr alle Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Alles kann vergeben werden, sagt Jesus, alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung. Die Vergebung, die Jesus schenkt, ist universal und allumfassend. Sie r\u00e4umt ein, dass der Mensch fehlbar ist, dass niemand ohne S\u00fcnde ist, dass alle Jesus l\u00e4stern, ob man das nun als Ablehnung Jesu versteht oder dass man nicht nach seinen Geboten lebt. Die Vergebung umfasst den, der sich sowohl in Wort und Tat gegen Jesus wendet, den Menschensohn. Jesus fordert nicht blinde Unterwerfung, er zensiert nicht die Sprache und moralisiert nicht \u00fcber die Werke.<\/p>\n<p>Es ist etwas anderes, was f\u00fcr Jesus eine Grenze setzt, und das ist die S\u00fcnde gegen den Heiligen Geist: \u201aWer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird\u2019s nicht vergeben, weder in dieser noch in der k\u00fcnftigen Welt\u2018.<\/p>\n<p>Das verlangt eine Erkl\u00e4rung. Was bedeutet der Heilige Geist hier im Evangelium von Jesus Christus? Jesus tritt doppelt auf, sowohl als Menschensohn, der trinkt isst, sich vergn\u00fcgt, der sich \u00e4rgert, der wohl auch einmal austritt \u2013 und dann tritt er auf mit g\u00f6ttlicher Autorit\u00e4t, kann deshalb Wunder tun und \u00dcbernat\u00fcrliches bewirken, er ist Mensch und Gott. Was ihn g\u00f6ttlich macht, ist dies, dass er mit derselben Kraft und Autorit\u00e4t handelt wir der Vater, n\u00e4mlich dem Heiligen Geist. Die Kraft Jesu ist der Heilige Geist. Wer den Heiligen Geist l\u00e4stert, verleugnet die Gottheit Jesu und zweifelt am wahren Wesen Jesu. Handelt er i Namen Gottes oder ist er von b\u00f6sen Kr\u00e4ften getrieben, vom Teufel selbst?<\/p>\n<p>In der inneren Geschichte des Evangeliums kommt dieser Zweifel zum Ausdruck u.a. in der Begegnung mit den Pharis\u00e4ern und Schriftgelehrten. Sie bezweifeln die Autorit\u00e4t Jesu, und sie k\u00f6nnen nicht genug Beweise bekommen. Aber Jesus lehnt es ab, ihnen mehr Zeichen zu geben, denn sie w\u00fcrden das dennoch nicht verstehen.<\/p>\n<p>In einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang trifft uns die Zweideutigkeit in einer anderen Weise, denn wir kennen die Geschichte und wissen, dass Jesus sterben und wieder vom Tode auferstehen wird. Aber wir stehen auch vor der gleichen Herausforderung wie die Zeitgenossen Jesu, dass auch von uns gefordert wird, an die Rede Jesu von Vergebung und Vers\u00f6hnung zu glauben. Das Wort soll noch nimmer in guten Boden fallen, um Wurzeln zu schlagen. Wir m\u00fcssen selbst zeigen, dass es Wurzeln geschlagen hat und jetzt Frucht bringt. Wir m\u00fcssen selbst die Frucht sein, die andere schmecken k\u00f6nnen, so dass das Wort seine Glaubw\u00fcrdigkeit zeigen kann: Vergebung und Vers\u00f6hnung. Das m\u00fcssen auch wir in Wort und Tat weitergeben. Und eines Tages m\u00fcssen wir selbst uns daf\u00fcr verantworten, ob wir uns die Botschaft zu Herzen genommen haben und sie in Wort und Tat an andere weitergegeben haben.<\/p>\n<p>Auf diesem Hintergrund k\u00f6nnen wir vielleicht verstehen, dass die sanften und liebevollen Worte Jesu durch entsprechende harte Worte abgel\u00f6st werden. Die L\u00e4sterung des Geistes wird nicht vergeben. Der Geist, der sich mit den Menschen verbunden hat. Gott lebt damit, dass wir ihn verl\u00e4stern als einen Himmelsk\u00f6nig und einen Menschensohn, aber wenn wir seinen Geist verl\u00e4stern, dann wird der Spott ein Gericht \u00fcber uns selbst, denn wir haben schon Teil am Heiligen Geist, das ist die Gabe und Forderung des Pfingstwunders. Was Jesus danach sagt, ist \u00fcberraschend. Unsere Worte und unsere Sprache verraten, wer wir sind. Wenn wir etwas B\u00f6ses oder Herabsetzendes \u00fcber andere sagen, entlarvt das uns selbst. Wenn wir abwertend \u00fcber andere reden, dann offenbaren wir unsere eigene Niedertracht. Wenn wir den nicht ertragen k\u00f6nnen, der anders ist als wir, offenbaren wir unsere Kleinlichkeit. Jesus sagt, dass ein guter Baum gute Fr\u00fcchte tr\u00e4gt, und ein schlechter Baum schlechte Fr\u00fcchte. Er macht uns f\u00fcr unsere Worte verantwortlich, denn Wort sind Taten, Worte schaffen im Guten wie im B\u00f6sen, was sie sagen. Worte bauen auf und rei\u00dfen nieder, Unter dem ganzen Arsenal von Waffen ist das Wort das st\u00e4rkste. Die Kraft der Sprache ist enorm, Sie kann l\u00f6sen und befreien, sie kann Freude schenken und Liebe erweisen, sie kann W\u00fcrde vermitteln und Gl\u00fcck. Aber sie kann auch das Gegenteil bewirken.<\/p>\n<p>Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Das ist dasselbe Wort, das uns heute frei macht und uns S\u00fcnde und L\u00e4sterung vergibt. Das g\u00f6ttliche Wort, das uns anvertraut ist, mit dem wir uns in der Welt bewegen und an dem wir erkannt werden. Und nach diesem Wort sollen wir leben und frei werden. Seht, das ist mehr als Jona, ja mehr als die Weisheit Salomos. Amen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Pastor Rasmus N\u00f8jgaard<\/p>\n<p>DK-2100 K\u00f8benhavn \u00d8<\/p>\n<p>Email: rn(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. Sonntag nach Trinitatis | 04.09.2022 | Mt 12,31-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) | Rasmus N\u00f8jgaard | \u2019Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben.\u2018 Das ist das das Evangelium f\u00fcr uns an diesem Sonntag: \u2019Alle S\u00fcnde und L\u00e4sterung wird den Menschen vergeben.\u2018 Hier gibt es keine Vorbehalte. 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