{"id":13087,"date":"2022-09-05T09:11:42","date_gmt":"2022-09-05T07:11:42","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13087"},"modified":"2022-09-06T09:19:23","modified_gmt":"2022-09-06T07:19:23","slug":"matthaeus-2020-28-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2020-28-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 20,20-28"},"content":{"rendered":"<h3>13. Sonntag nach Trinitatis |\u00a011.09.2022 | Mt 20,20-28 | Mikkel Wold |<\/h3>\n<p><em>20\u00a0Da trat zu ihm die Mutter der S\u00f6hne des Zebed\u00e4us mit ihren S\u00f6hnen, fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. 21\u00a0Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie sprach zu ihm: Lass diese meine beiden S\u00f6hne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken. 22\u00a0Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. K\u00f6nnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das k\u00f6nnen wir. 23\u00a0Er sprach zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, aber das Sitzen zu meiner Rechten und Linken zu geben steht mir nicht zu. Das wird denen zuteil, f\u00fcr die es bestimmt ist von meinem Vater. 24\u00a0Als das die Zehn h\u00f6rten, wurden sie unwillig \u00fcber die zwei Br\u00fcder. 25\u00a0Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Ihr wisst, dass die Herrscher ihre V\u00f6lker niederhalten und die M\u00e4chtigen ihnen Gewalt antun. 26\u00a0So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch gro\u00df sein will, der sei euer Diener; 27\u00a0und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, 28\u00a0so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als L\u00f6segeld f\u00fcr viele.<\/em> (Lutherbibel 2017, Lk 20,20-28)<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn man denkt, in den Evangelien finde man keinen Humor, hat man das Evangelium dieses Sonntags wohl kaum geh\u00f6rt. Jedenfalls nicht, was den Anfang betrifft. Vor allem in Bezug auf so viel in unserer Zeit, wo es eine Art Volkssport zu sein scheint, sich selbst in einem positiveren Licht erscheinen zu lassen als es in Wirklichkeit ist. Bei einigen geht das schief, weil sie entdeckt und entlarvt werden, aber das passiert ja nur den besonders Gierigen und \u00dcberm\u00fctigen. Andere haben wohl damit Erfolg, dass sie sich so darstellen, dass ihr \u00fcbertriebenes Selbstbild als authentisch erscheint.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Und auch wenn die aufdringliche Mutter der Zebed\u00e4us-S\u00f6hne nicht dezidiert betr\u00fcgt, so hat ihr Ehrgeiz f\u00fcr ihre S\u00f6hne dennoch keine Grenzen, und irgendein Sinn f\u00fcr gleiche W\u00fcrde f\u00fcr alle J\u00fcnger steht ihr da nicht im Wege. Sie ist ja vielmehr \u00fcber alle Ma\u00dfe aufdringlich. Davon erz\u00e4hlt das heutige Evangelium zun\u00e4chst. Die Frau will ihr S\u00f6hne vordr\u00e4ngeln lassen zu den h\u00f6chsten Pl\u00e4tzen im Himmelreich, von dem sie offenbar nicht viel versteht. Es kann deshalb nicht verwundern, dass Jesus sie fragt, was sie da eigentlich will. Die Frage deutet an, dass er ahnt, dass sie unsch\u00f6ne Absichten hat. Und die anderen J\u00fcnger sind sogleich nicht erfreut \u00fcber den Versuch der Zebed\u00e4us-Familie, sich am Thron des Menschensohnes vorzudr\u00e4ngeln. Sie k\u00f6nnen sehr wohl sehen, worum es geht, n\u00e4mlich um Macht. Die Macht als Ziel und deshalb als Ausdruck f\u00fcr einen krankhaften Zustand. Eben gegen diesen krankhaften Zustand wendet sich Jesus. Er sieht ihn in seinen Anf\u00e4ngen und belehrt seine J\u00fcnger dar\u00fcber. Es ist schlimm genug, dass die F\u00fcrsten der V\u00f6lker die V\u00f6lker unterdr\u00fccken und dass die gro\u00dfen Leute ihre Macht missbrauchen, das kannte man sehr wohl in der Zeit Jesu. \u201eSo soll es aber nicht sein unter euch\u201c, sagt Jesus. Weder bei den zw\u00f6lf J\u00fcngern noch in der Kirche Gottes auf Erden. Die Worte: \u201eSo soll es nicht sein unter euch\u201c sind ja nicht nur ein Satz, der sich auf ihre spezielle Situation bezieht. Wenn Jesus sagt: \u201eWer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht\u201c, dann denkt er an das Volk Gottes, dessen Beginn die J\u00fcnger sind und das sp\u00e4ter die Kirche sein wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Wenn es einen Satz gibt, der den W\u00fcnschen und Sehns\u00fcchten vieler im Wege steht, so ist es dieser Satz. Viele w\u00fcrden w\u00fcnschen, dass Jesus das nie gesagt h\u00e4tte. Dann k\u00f6nnte man vielleicht mit seinem Machtstreben durchkommen. Aber nun f\u00fchrt kein Weg vorbei an der Verurteilung der Gier nach Macht. Wo sie auch existieren m\u00f6ge in der Kirche auf der ganzen Erde und zu allen Zeiten, bei gro\u00dfen und kleinen Leuten. Zu allen Zeiten war da Grund genug, vor dieser Gefahr zu warnen. H\u00f6rt einmal, was Gregor der Gro\u00dfe Ende des sechsten Jahrhunderts schrieb in dem, was das erste Buch \u00fcber Seelsorge war:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 \u201eKeiner kann Demut lernen in einer hohen Position, wenn man nicht zuvor, w\u00e4hrend man in einer niedrigeren Position war, auf den Stolz verzichtet hat. Wer danach d\u00fcrstete, in den Himmel gelobt zu werden, als er darauf verzichten musste, ist nicht f\u00e4hig, der Versuchung zu entgehen, wenn sich die Chance bietet. Im Spiegel des vergangenen Lebens soll man sich selbst sorgsam pr\u00fcfen \u2026\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Gregor hatte ein wachsames Auge auf machtgierige Leute im kirchlichen Leben, und deshalb spricht er von der Demut, die nicht nur etwas Sch\u00f6nes ist, sondern etwas Notwendiges. Nicht eine Schein-Demut, die nur die Worte Jesu heute als etwas betrachtet, was sch\u00f6n klingt und gut aussieht, so wie wir ein Kunstwerk oder einen Sonnenuntergang betrachten, sondern etwas, was sich verwurzeln soll. Demut ist eine Haltung. Sie ist eine Bedingung daf\u00fcr, Macht in rechter Weise auszu\u00fcben. Wer die Demut nicht gelernt hat, wird eine schlechte Autorit\u00e4t, wenn man ihm Macht gibt, sagt Gregor. Er sagt nicht, dass es nicht Personen geben muss, die Macht haben, denn wenn da niemand ist, der die Macht verwaltet, f\u00e4llt die Macht nur denen zu, die die Macht selbst erobert haben, ohne ein Mandat dazu erhalten zu haben. Macht soll aber nicht ein Ziel sein, sondern ein Mittel. Und das lehrt uns die Demut. Demut ist jedoch nicht nur etwas, was f\u00fcr Machtstrukturen Bedeutung hat. Demut hat auch mit Erkenntnis zu tun. Die Demut gegen\u00fcber der Wahrheit bedeutet, dass mein Ziel, an einem Gespr\u00e4ch teilzunehmen, nicht dies ist, das Gespr\u00e4ch zu gewinnen, sondern herauszufinden, was wahr ist. Nur so wird ein Gespr\u00e4ch fruchtbar, weil es an der Wahrheit orientiert ist und nicht an der Frage, wer gewinnt. Einige Philosophen sprechen von dem machtfreien Gespr\u00e4ch. Das ist eine Seltenheit, aber wenn es sich einfindet, \u00f6ffnet sich das Gespr\u00e4ch zu Tiefen, die man nicht h\u00e4tte erreichen k\u00f6nnen, wenn es darum gegangen w\u00e4re zu gewinnen. Und da ist es eigentlich gleichg\u00fcltig, ob das Gespr\u00e4ch in einem wissenschaftlichen Raum oder daheim in der Familie am Mittagstisch stattfindet. Wir kennen das ja sehr gut, dass wir an einem Gespr\u00e4ch teilnehmen, das dadurch misslingt, weil es in eine Diskussion verwandelt wird. Nur auf einer der Internetseiten der Zeitungen dieses Sonntags kann man einen kleinen Lehrgang dar\u00fcber kaufen, wie man mit einigen rhetorischen Mitteln mehr \u00fcberzeugend wirken und am Arbeitsplatz und Zuhause am Mittagstisch Diskussionen gewinnen kann. Das wird sicher Frucht bringen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Demut hat nichts zu tun mit Zur\u00fcckhaltung, sie ist etwas viel Tieferes als das. Oft wird Demut in dem Sinne missverstanden, dass man sich alles gefallen l\u00e4sst und seine W\u00fcrde ignoriert. Aber das ist nicht Demut, sondern Dem\u00fctigung. Dem\u00fctigung bedeutet, dass man auf das Recht auf Respekt verzichtet und anderen erlaubt, einen zu verletzen. Das meint Jesus nicht, auch wenn er an andren Stellen davon spricht, dass man f\u00fcr den Glauben leiden k\u00f6nnen muss und f\u00fcr sein Zeugnis verh\u00f6hnt werden kann. Aber f\u00fcr seinen Glauben leiden bedeutet nicht, dass man sich ganz allgemein und in jeder Situation herumjagen l\u00e4sst von denen, die so etwas gerne tun.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 Jesus spricht nicht von einem Akt der Selbstverleugnung, sondern davon, dass man Diener und Knecht sein soll: \u201cWer unter Euch der Erste sein will, der sei euer Knecht\u201c. So wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um selbst zu dienen und sein Leben zu geben als L\u00f6segeld f\u00fcr viele.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 In der Welt sieht das anders aus, denn dort geht es viel um Image und Performance und darum, dass man als mehr erscheint als man ist usw. <em>Aber<\/em> so wie in der Welt soll es unter euch nicht sein, sagt Jesus. Hier geht es nicht um Macht und Ehre, sondern um Liebe.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0 So gesehen ist das ja sehr einfach. Die Liebe kann nicht zu Macht und Ehre f\u00fchren, wohlgemerkt wenn es um die Liebe zu Gott und zu meinem N\u00e4chsten geht. Wo es nicht um eigene Macht und Ehre geht, bezieht sich die Liebe auf etwas au\u00dferhalb meiner selbst. Die Liebe bezieht sich auf die anderen und auf Gott. Indem wir uns an Gott wenden, finden wir das Fundament unseres Lebens. Damit wird unser Leben nicht in dem verwurzelt, was andere meinen, sondern darin, dass ich Gott geh\u00f6re und seine Barmherzigkeit zu mir jeden Tag neu ist. Ganz frei von der Einstellung anderer zu uns werden wir nie, denn wir sind noch immer Menschen, aber das Ziel ist klar vor unseren Augen. Wenn Paulus im heutigen Episteltext (1. Tim. 1,12-17) davon spricht, was f\u00fcr ihn das Grundlegendste ist, tut er dies in dieser Formulierung: \u201eAber mir ist Barmherzigkeit widerfahren \u2026 Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist\u201c. \u201cReicher geworden\u201c \u00fcber alle Grenzen, auch denen, die meine Zweifel und meine Vorbehalte setzen, die durch meine Vergangenheit oder meine Gesinnung gesetzt sind oder was es nun sein mag. In diesem Licht bin ich ein Diener. Zugleich aber habe ich Teil an Christus selbst, und das ist meine Hoffnung und mein Leben. Das kommt vielf\u00e4ltig zum Ausdruck, vor allem zeigt sich das im Abendmahl, wo wir an dem Tisch teilhaben, wo er uns sich selbst gibt. Eigentlich ist das Abendmahl Ausdruck daf\u00fcr, dass wir teilhaben an Christus, dass wir an dem Mahl teilnehmen, an dem auch Jesu eigene J\u00fcnger teilnahmen und wo er gegenw\u00e4rtig ist. Und gerade beim Abendmahl haben wir alle den gleichen Anteil. Hier gibt es keine besonderen Pl\u00e4tze f\u00fcr hoch und tief, denn alle sind eingeladen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pstor Mikkel Wold<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1263 K\u00f8benhavn K<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-mail: <a href=\"mailto:mwo@km.dk\">mwo@km.dk<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. Sonntag nach Trinitatis |\u00a011.09.2022 | Mt 20,20-28 | Mikkel Wold | 20\u00a0Da trat zu ihm die Mutter der S\u00f6hne des Zebed\u00e4us mit ihren S\u00f6hnen, fiel vor ihm nieder und wollte ihn um etwas bitten. 21\u00a0Und er sprach zu ihr: Was willst du? 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