{"id":13216,"date":"2003-06-12T16:26:36","date_gmt":"2003-06-12T14:26:36","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13216"},"modified":"2025-05-07T15:09:22","modified_gmt":"2025-05-07T13:09:22","slug":"johannes-1423-27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1423-27\/","title":{"rendered":"Johannes 14,23-27"},"content":{"rendered":"<h3>Pfingstsonntag | 8. Juni 2003 | Johannes 14,23-27 | Petra Savvidis |<\/h3>\n<p><em>14, 23 Jesus sprach zu seinen J\u00fcngern: \u201eWer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der h\u00e4lt meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr h\u00f6rt, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tr\u00f6ster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht.<\/em><\/p>\n<p>Wo wohnt Gott? Wo ist er zuhause? Wo kann ich ihn finden, wenn ihn brauche? Wo f\u00fchlt er sich wohl, wo ist er heimisch, wo hat er sich h\u00e4uslich\u00a0eingerichtet?<\/p>\n<p>\u201e<em>Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben<\/em>\u201c,\u00a0sagt Jesus, \u201e<em>und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Da also wohnt Gott. Bei den Menschen, die Jesus lieben, die seine Worte halten. Bei den Christen\u00a0wohnt Gott. In der Kirche wohnt er, in der gro\u00dfen, weltweiten Gemeinschaft\u00a0von Menschen, die ihm liebevoll verbunden sind, die ihm vertrauen und<br \/>\nihm folgen.\u00a0Da ist er zu finden, da ist er zuhause.<\/p>\n<p>Zum Abschied sagt Jesus seinen J\u00fcngern diese Worte. Damit sie nicht\u00a0allzu traurig sind, dass er geht. Getr\u00f6stet sollen sie sein durch\u00a0das Versprechen, dass der Heilige Geist kommen wird. Der wird sie an alles erinnern und alles lebendig halten, was Jesus gesagt\u00a0und getan hat f\u00fcr sie. Die J\u00fcnger bleiben nicht ganz allein zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Zum Abschied trifft Jesus eine Verabredung mit ihnen: \u201e<em>Wer mich\u00a0liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und<\/em>\u00a0<em>wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen<\/em>.\u201c\u00a0Das klingt nicht nach einem kurzen Besuch (mal nach dem Rechten gucken),\u00a0das klingt schon nach dauerhafter Untermiete.\u00a0Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist mit st\u00e4ndigem Wohnsitz in der\u00a0Kirche.<\/p>\n<p>Pfingsten feiern wir heute, den Geburtstag der Kirche. Als damals der Heilige Geist die Menschen auf Trab brachte und sie begeisterte\u00a0und so unwiderstehlich war, dass sie sich f\u00fcr Gott und seine gute\u00a0Botschaft ins Zeug legten, da wurde die Kirche geboren. Denn da begriffen\u00a0die Menschen auch, dass sie Gemeinschaft brauchten, gemeinsames Beten\u00a0und Feiern, t\u00e4tige N\u00e4chstenliebe, Dienst f\u00fcreinander.\u00a0Und sie konnten nicht f\u00fcr sich behalten, was sie da erlebt und\u00a0erfahren hatten, sondern mussten es weitererz\u00e4hlen. Die Kirche hat Geburtstag.\u00a0Freuen wir uns f\u00fcr die alte Dame, dass sie fast 2000 Jahre geschafft<br \/>\nhat seit dem ersten Pfingstfest. Und sie hat sich recht gut gehalten. Immerhin, die meisten Menschen im Lande sind ihr freundlich gesonnen\u00a0oder finden es zumindest richtig und gut, dass sie da ist. Und gebraucht\u00a0wird sie auch noch, immer mal wieder, in besonderen Lebenslagen vor allem.<\/p>\n<p>Obwohl: da sind schon manche Alterserscheinungen, etwas verwirrt scheint\u00a0sie manchmal, nicht mehr ganz auf der H\u00f6he der Zeit, so, als w\u00fcsste\u00a0sie nicht recht, wo es lang geht. Etwas zaghaft ist sie auch oft, so als d\u00e4chte sie, sie k\u00f6nne\u00a0nicht mehr mitreden und solle lieber ihren Mund halten. Schade eigentlich,\u00a0denn sie hat so viel zu sagen und zu erz\u00e4hlen. Schlimm ist wohl, dass sie immer einsamer wird. Sie kriegt immer weniger Besuch, die Menschen haben einfach keine Zeit\u00a0mehr, oder sie finden es nicht so wichtig, oder sie f\u00fchlen sich\u00a0nicht wohl, weil es manchmal schon etwas altmodisch zugeht bei der alten\u00a0Dame Kirche.<\/p>\n<p>Dennoch: sie h\u00e4lt sich gut. Und sie erlebt auch immer mal wieder\u00a0kleine Jungbrunnen, Ereignisse, die sie wieder richtig aufbl\u00fchen\u00a0lassen. Gerade erst feierte sie in Berlin ein lang ersehntes Familienfest. Da\u00a0haben sich die zerstrittenen Schwestern und Br\u00fcder von katholischer\u00a0und evangelischer Seite wieder getroffen und das erste Mal solch ein\u00a0gro\u00dfes gemeinsames Fest auf die Beine gestellt. Mut macht das und\u00a0Lust auf mehr. Da steckte Begeisterung drin. Ein St\u00fcckchen Pfingsten.\u00a0Jung und Alt zusammen, neue Impulse, frischer Wind, verbindende, verbindliche\u00a0Gemeinschaft und vor allem Freude, die ansteckend ist.<br \/>\nAll das schenkt der Heilige Geist auch. Und so sieht Kirche eben auch\u00a0aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr alles das, was danach kommt, was nach diesem Fest kommt, f\u00fcr\u00a0den Alltag in den Gemeinden vor Ort, f\u00fcr ein langes Leben der alten\u00a0Dame Kirche, da ist n\u00f6tig, was Jesus zum Abschied verspricht: Der\u00a0Heilige Geist wird tr\u00f6sten und erinnern und Frieden schenken.<\/p>\n<p>Das kann die Kirche, das k\u00f6nnen wir alle, durch Gottes Kraft: \u00a0Da, wo Menschen getr\u00f6stet werden, da, wo sie ein offenes Ohr finden\u00a0f\u00fcr allen Kummer und alle Sorgen, da, wo sie ermutigt werden, ihr\u00a0Leben getrost zu leben, da ist Gottes Geist sp\u00fcrbar. Da, wo Menschen Erleichterung finden, da, wo sie Lasten ablegen k\u00f6nnen\u00a0und freier werden, da ist sein Geist gegenw\u00e4rtig. Und da werden wir erinnert an all das, was Jesus gesagt und getan hat\u00a0f\u00fcr uns: Wie grenzenlos Gott ist, wie unbegreiflich nah er uns ist, \u00a0wie unvorstellbar stark er sich f\u00fcr uns macht. Wir werden daran erinnert, um davon zu erz\u00e4hlen, um das laut werden<br \/>\nzu lassen in der Welt,\u00a0um das sichtbar werden zu lassen durch das, was wir sind und tun. Das kann Kirche, das k\u00f6nnen wir alle, durch Gottes Kraft, durch\u00a0seinen Geist.<\/p>\n<p>Und vielleicht das Beste verspricht Jesus zum Schluss: \u201e<em>Frieden gebe ich euch, ich lasse euch meinen Frieden hier. Euer Herz erschrecke nicht und f\u00fcrchte sich nicht<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Heil werden mit allem, was schmerzt und schwer ist, vers\u00f6hnt werden mit manchem, was zerrissen ist, eins werden mit dem Leben und mit der Welt ringsumher,\u00a0Frieden finden f\u00fcr sich und Frieden schlie\u00dfen mit den Menschen\u00a0und mit Gott,\u00a0diesen Frieden weitertragen und ausbreiten, das kann Kirche auch,\u00a0das k\u00f6nnen wir alle auch, durch Gottes Kraft, durch seinen Geist.<\/p>\n<p>Die alte Dame Kirche wird auf Trab gehalten. Ausruhen gilt nicht, der Heilige Geist weht und bewegt und frischt auf\u00a0und sorgt daf\u00fcr, dass sich weder Bequemlichkeit noch Altersstarrsinn\u00a0breit machen. Sie hat viel zu erz\u00e4hlen und viel zu geben. Sie\u00a0muss sich nicht verstecken, sie kann sich sehen lassen. Sie wird gebraucht,\u00a0gerade in unseren Zeiten. Weil das, was sie weiterzusagen hat, eben\u00a0nicht nur lieb und ewig gestrig ist, sondern ganz aktuell und lebenswichtig. F\u00fcr Menschen, die getr\u00f6stet werden wollen, f\u00fcr Menschen,\u00a0die festen Halt suchen, f\u00fcr Menschen, die Frieden und Vers\u00f6hnung vermissen.<\/p>\n<p>Wo wohnt Gott? Wo ist er zuhause? \u201e<em>Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben<\/em>\u201c,\u00a0sagt Jesus,\u201e<em>und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Hei\u00dfen wir Gott willkommen bei uns, lassen wir ihn bei uns wohnen,\u00a0damit er uns tr\u00f6stet und erinnert und seinen Frieden schenkt. Amen.<\/p>\n<p>Lied: Wenn das Brot das wir teilen, EG Westfalen 667<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Dr. Petra Savvidis<br \/>\nZum Vulting 13a<br \/>\n59514 Welver<br \/>\n<a href=\"mailto:savvidisp@hotmail.com\">savvidisp@hotmail.com<\/a> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag | 8. 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