{"id":13542,"date":"2022-09-19T07:34:51","date_gmt":"2022-09-19T05:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=13542"},"modified":"2022-09-22T07:39:26","modified_gmt":"2022-09-22T05:39:26","slug":"lukas-1038-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1038-42\/","title":{"rendered":"Lukas 10,38-42"},"content":{"rendered":"<h3>15. Sonntag nach Trinitatis | 25.09.22 | Lk 10,38-42 (d\u00e4nische Perikopenordnung) |\u00a0Marianne Frank Larsen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der norwegische Autor Karl Ove Knausg\u00e5rd erz\u00e4hlt in einem seiner B\u00fccher von dem Sommer, in dem seiner Frau in eine ernste Depression geriet. Sie sind in einem Ferienhaus, und tagelang liegt sie hinter zugezogenen Gardinen im Schlafzimmer, w\u00e4hrend er sich um ihre drei Kinder k\u00fcmmert. Er soll seine Tochter zu ihrer Freundin fahren und seinen Sohn bei dessen Freund abholen. Er soll zum Abendessen Fleischkl\u00f6\u00dfe zubereiten und Spaghetti kochen. Er soll f\u00fcr den Abwasch sorgen, und am n\u00e4chsten Morgen soll er Fr\u00fchst\u00fcck machen f\u00fcr die Kinder. Er soll die Katze f\u00fcttern, den W\u00e4schetrockner leeren, die W\u00e4sche in den Trockner f\u00fcllen, ein Programm w\u00e4hlen und die Maschine anmachen. Er soll das Zeug zusammenlegen, und er soll eigentlich auch Spielzeug und B\u00fccher aufr\u00e4umen, die im ersten Stock \u00fcberall herumliegen, aber er will seine Frau nicht wecken, deshalb geht er stattdessen herunter und leert den K\u00fchlschrank, wirft etwas weg und w\u00e4scht ab. Er soll mit den Kindern baden gehen, und er soll einkaufen und am Abend G\u00e4ste bewirten, und vielleicht sollte er allm\u00e4hlich auch seine Frau doch wecken. Er wird sehen, ob er sie nicht zum Leben aufwecken kann. Das kann er nicht. Soll er einen Krankenwagen rufen? Ja, schlie\u00dflich ist es das, was er an diesem Tag tun kann. Nach einem Krankenwagen rufen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">So viel ist zu tun, wenn man nicht nur man selbst ist, und Knausg\u00e5rd schreibt so detailliert \u00fcber ganz gew\u00f6hnliche Dinge, die wir gew\u00f6hnlich \u00fcbersehen, wenn man alles beachten muss. Wenn man eine Frau hat, die tief deprimiert ist, und drei Kinder, die Sommerferien haben, und eine Katze und eine K\u00fcche und ein Haus, wo alles Chaos ist, und einen langen Tag, der irgendeine Form oder irgendeinen Inhalt haben soll, dann stimmt es irgendwie nicht, was Jesus sagt, dass nur eines not ist.\u00a0 Dann sind es tausend Dinge, die in dem Ma\u00dfe vonn\u00f6ten sind, wenn die Kinder des Autors es guthaben sollen, ein Haus, in dem sie leben k\u00f6nnen soll, seine Frau, die Hilfe haben soll, ja letztlich wenn sie \u00fcberleben soll. So ist es bei uns in unserem Leben. Wenn da jemand ist, mit dem wir verbunden sind, f\u00fcr den wir verantwortlich sind, dann ist da richtig viel, was nottut. Dann k\u00f6nnen wir uns nichteinfach die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Worauf es ankommt, das ist dies, dass ein Mensch in den Augen Jesu in zwei Beziehungen steht. Das eine ist die Beziehung zu den Menschen, mit denen wir verbunden sind., in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und in den Zusammenh\u00e4ngen, in denen wir leben. Die andere Beziehung ist das Verh\u00e4ltnis zu Gott und seinem Sohn. Und von dieser Beziehung spricht Jesus im heutigen Evangelium. Es ist sich ganz klar dar\u00fcber, dass es eben n\u00f6tig ist, die Waschmaschine anzumachen, Spaghetti zu kochen und 117 andere Dinge zu tun in den Beziehung en zwischen uns und denen, die uns brauchen. Das sind keine zweitrangigen Dinge in den Augen des himmlischen Vaters, im Gegenteil, sie sind lebensnotwendig und unsere Pflicht. Aber in der Beziehung zu ihm selbst, zu Gott und seinem Sohn ist nur ein einziges Ding notwendig, und das ist das, was Maria tut: Sich hinsetzen, zur Ruhe kommen und auf das h\u00f6ren, was er sagt. Sich auf das und nichts anderes konzentrieren, solang e es dauert, so dass die Worte die M\u00f6glichkeit haben, in unseren Herzen Fu\u00df zu fassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn es um alle anderen G\u00e4ste gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte Martha v\u00f6llig recht, dass Maria ihr in der K\u00fcche helfen sollte, damit Essen auf den Tisch kommt. Aber nicht, wenn es unser Herr ist, der zu Besuch kommt. Da ist es Maria, die in dem Augenblick den guten Teil gew\u00e4hlt hat, wo sie sich in ihren Routinen st\u00f6ren l\u00e4sst und alles liegen l\u00e4sst, weil sie instinktiv merkt, dass die in diesem Augenblick nur dies und nichts anderes soll.\u00a0 Hier ist ein Mann, der zu ihr von Gott spricht, als w\u00e4re sie nicht nur eine Frau, die zu Hause in die K\u00fcche geh\u00f6rt, sondern als einem Menschen, dem er etwas zu sagen hat. In einer Stunde, wenn er gegangen ist und nicht mehr erz\u00e4hlt, wird sie sicher auf die Beine kommen, denn da gibt es alles M\u00f6gliche andere, was n\u00f6tig ist, aber nicht jetzt. Nun geht es nur darum, kein einziges Wort zu vers\u00e4umen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martha ist dagegen so mit dem besch\u00e4ftigt, was sie selbst tun soll, dass sie nicht merkt, dass dieser Gast nicht ist wie alle anderen G\u00e4ste und dass er deshalb von ihr nicht dasselbe erwartet wie alle anderen G\u00e4ste. Vielleicht versteht sie es, wenn er ihr antwortet: \u201eMartha, Martha\u201c, so als rufe er sie auf, als wolle er sie auch wecken aus den Routinen, in denen sie gefangen ist, \u201edu hast viel Sorge und M\u00fche\u201c, das hei\u00dft: Das brauchst du nicht, denn ich verlange nichts von dir; gerade jetzt ist da nichts, was du tun sollst; du sollst dich nur hinsetzen, dich auf das konzentrieren, was ich sage, und nicht auf alle deine eigenen Impulse, und du sollst zur Ruhe kommen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Lukas erz\u00e4hlt nicht, wie die Geschichte endet. Wir k\u00f6nnen nur hoffen, dass Martha nicht zur\u00fcck in die K\u00fcche marschiert, sondern h\u00f6rt, wer sie da ruft, sich hinsetzt, weil das an der Zeit ist. Denn ein Leben wird allzu schwer zu tragen sein, wenn es lauter Gesch\u00e4ftigkeit und Aktivit\u00e4t ist. Projekte und Leistungen und Aufgaben, die zu l\u00f6sen sind, W\u00e4sche, Katzenfutter, K\u00fcchenschr\u00e4nke, Mittagsg\u00e4ste und alle die tausend anderen Dinge, die notwendig sind, wenn wir f\u00fcr unser Haus sorgen und unserer Arbeit nachgehen und vor allem f\u00fcr einander sorgen. Wir brauchen in hohem Ma\u00dfe auch die besondere Beziehung, wo nicht wir es sind, die etwas leisten sollen und aktiv sind und arbeiten \u2013 sondern wo wir es sind, die empfangen sollen, was ein anderer gibt. Die besonderen Augenblicke, wo unsere Leistungsf\u00e4higkeit in etwas anderem und Gr\u00f6\u00dferen ruhen darf. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastorin Marianne Frank Larsen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK 8000 Aarhus C<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">mfl(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15. 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