{"id":14221,"date":"2022-10-18T19:02:31","date_gmt":"2022-10-18T17:02:31","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14221"},"modified":"2022-10-18T19:07:16","modified_gmt":"2022-10-18T17:07:16","slug":"markus-21-12-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-21-12-6\/","title":{"rendered":"Markus 2,1-12"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">Geschichte mit Langzeitwirkung | 19.\u00a0Sonntag nach Trinitatis | 23.10.2022 | Mk 2,1-12 | Rudolf Rengstorf |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht drau\u00dfen vor der T\u00fcr; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gel\u00e4hmten, von vieren getragen.\u00a0Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und lie\u00dfen das Bett herunter, auf dem der Gel\u00e4hmte lag. Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gel\u00e4hmten: <strong>Mein Sohn, deine S\u00fcnden sind dir vergeben. <\/strong>Es sa\u00dfen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: \u00a0Wie redet der so? Er l\u00e4stert Gott! Wer kann S\u00fcnden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gel\u00e4hmten zu sagen: Dir sind deine S\u00fcnden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, S\u00fcnden zu vergeben auf Erden \u2013 sprach er zu dem Gel\u00e4hmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen. (Markus 2,1-12)<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>Liebe <\/em>Gemeinde!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich liebe die Geschichte, die wir eben geh\u00f6rt haben und wohl alle kennen. Ich liebe sie von Kindergottesdienstzeiten an. Weil man das schon beim ersten Erz\u00e4hlen alles gleich vor Augen hat: Den bedauernswerten Mann, der keinen Schritt tun, sich nicht r\u00fchren konnte. Dann die Freunde, die davon geh\u00f6rt haben, dass Jesus Kranke heil macht und er gerade in die Stadt gekommen ist. Wie sie nicht lange fackelten, sich im Hause des Gel\u00e4hmten verabredeten, ihn kurzerhand mit seiner Liege aufhoben, nicht auf seine Proteste achteten, ihn aus dem Hause, trugen, durch die Stra\u00dfen schleppten und in das Haus, in dem Jesus predigt, zu gelangen versuchten. Doch bis drau\u00dfen standen die Leute dicht gedr\u00e4ngt, an Durchkommen war da nicht zu denken. Und Sonderrechte f\u00fcr Behinderte gabs damals schon gar nicht. Im Gegenteil:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201cWas wollt ihr denn mit dem hier\u201c, schimpften die Umstehenden. \u201eSelber schuld, wenn er nicht gehen kann!\u201c Und wie die M\u00e4nner sich nicht abwimmeln liessen, eine Leiter fanden, Seile, Spitzhacke und Schaufeln besorgten und ihren Freund auf das Flachdach hievten. Und schon waren sie dabei, das Dach aufzuhacken. Eigentumsbesch\u00e4digung hin oder her, das z\u00e4hlte jetzt nicht. Hier ging es nur um eins: Daf\u00fcr sorgen, dass der Kranke mit Jesus in Ber\u00fchrung kam. Sie st\u00f6rten sich nicht an den emp\u00f6rten Protesten der Menschen unter ihnen, denen die Brocken auf den Kopf und in den Nacken fielen. Sie achteten nicht auf das Wehgeschrei des Hausbesitzers, der sich von seinem Besucher Jesus anderes versprochen hatte als dass sein Haus von den Fans demoliert wurde. Immer gr\u00f6\u00dfer wurde das Loch, bis die Liege durchpasste, die sie dann an Seilen herablie\u00dfen. Wie die Leute unten erschrocken zur Seite dr\u00e4ngten und auf einmal doch Platz freigaben und das auch noch genau vor Jesus. Und wie es auf einmal still wurde. Was w\u00fcrde Jesus jetzt sagen, der von der Aktion auch einiges abbekommen hatte und sich den Staub aus Augen und Haaren wischte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0Doch er hatte nur Augen f\u00fcr die vier M\u00e4nner da oben, die sich so beherzt f\u00fcr ihren Freund einsetzten und damit einen Glauben an den Tag legten, der sich durch kein Hindernis abschrecken und aufhalten lie\u00df. Und dann sah er\u00a0 auf den Gel\u00e4hmten, sah, wie\u00a0 hundeelend dem zumute war, den Blicken einer emp\u00f6rten und vorwurfsvollen Menge ausgesetzt zu sein, wie der sich am liebsten unsichtbar gemacht h\u00e4tte und in sein stilles K\u00e4mmerlein zur\u00fcckw\u00fcnschte. Und wie Jesus ihn ansprach, liebevoll und f\u00fcrsorglich: &#8222;Mein Sohn&#8220; und dann f\u00fcr alle v\u00f6llig \u00fcberraschend fortfuhr: &#8222;Dir sind deine S\u00fcnden vergeben.&#8220; In meinen Worten: Was dich klein und unbedeutend macht, was dir alle Hoffnugn und allen Glauben aus dem Leib getrieben und dich Gott gegen\u00fcber zu einem armen Teufel gemacht hat. Das gilt nicht mehr. In Gottes Namen nehme ich das alles weg und sage dir, Du bist ein Kind, ein Sohn Gottes und hast damit eine W\u00fcrde und einen Wert, der himmelhoch liegt \u00fcber dem, was Menschen dir geben oder nehmen k\u00f6nnen. Und wie er dann zum Zeichen, dass dies nicht nur sch\u00f6ne Worte waren, den Gel\u00e4hmten dazu brachte, aufzustehen. Und wie der das, worauf er bisher festgelegen hatte, unter den Arm nahm, um freudestrahlend ins Leben zu gehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine Geschichte, die sich schon Kindern einpr\u00e4gt. Und doch wachsen wir auch mit zunehmendem Alter nie aus ihr heraus. Denn diese Bilder enthalten tiefgr\u00fcndige Wahrheiten, die wir unser Leben lang nicht aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Wahrheiten, die uns halten und tragen noch \u00fcber unser Leben hinaus.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist zum einen das Verh\u00e4ltnis von Glauben und Heilungswunder. Normalerweise denkt man ja, der Glaube braucht das Wunder, braucht wunderbare Erfahrungen, um entstehen und lebendig bleiben zu k\u00f6nnen. Wie schnell geraten wir mit dem Glauben in eine Krise, wenn nicht kommt, worum wir bitten. Wenn die erflehte Heilung sich nicht einstellt. Und wer kennt sie nicht die Menschen, die selbstgef\u00e4llig verk\u00fcnden, sie seien hinaus \u00fcber den Glauben, weil es so heillos zugeht in der Welt. Da sei es ja hirnlos, an Gott zu glauben. \u00a0Doch da h\u00e4tte Jesus auch nicht helfen k\u00f6nnen. Denn bei ihm ist es genau umgekehrt: Da kommt nicht der Glaube aus dem Wunder, sondern bei ihm beginnt das Wunder mit dem Glauben. Bei ihm er\u00f6ffnet der Glaube so etwas wie einen Weg, der zum Wunder wirksamer Hilfe f\u00fchrt. Wer glaubt, ergibt sich nicht schicksalsergeben in Krankheit und Not. Wer glaubt, k\u00e4mpft dagegen an und entdeckt und mobilisiert, was ihm helfen kann. Der Glaube selbst ist hilfreich. Dein Glaube hat dir geholfen, sagt Jesus immer wieder. Und ohne Glaube war auch Jesus hilflos.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Da ist zum andern der stellvertretende Glaube. Der Glaube der Freunde der eintritt f\u00fcr den, in dem kein Glaube mehr ist, nur noch L\u00e4hmung, L\u00e4hmung nicht nur der Muskeln, sondern auch des Herzens und des Selbstbewusstseins. Wer keinen Glauben mehr hat, gilt gerade unter Protestanten, bei denen alles auf den Glauben ankommt, als hoffnungsloser Fall. Nicht bei Jesus, solange da andere sind. die den bis ins Innerste Gel\u00e4hmten mitnehmen und sich dabei von nichts und niemandem aufhalten lassen. Eine moderne Fortsetzung der vier Freunden in der Geschichte sind f\u00fcr mich unsere Rettungswagen mit ihrer Besatzung, wenn sie mit Martinshorn und Blaulicht die Vorfahrt erzwingen f\u00fcr Verletzte, die oft gar nicht mehr bei Bewusstsein sind, ganz und gar angewiesen auf die Initiative anderer. Auch hier kommt unb\u00e4ndiger Glauben an Rettung und Heilung f\u00fcr den Verletzten zum Vorschein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Also: wenn Sie selbst innerlich leer und am Ende sind, es geht weiter, solange da Menschen sind, die f\u00fcr Sie hoffen, f\u00fcr Sie beten und alles tun, damit Ihnen geholfen wird.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Und dann ist da die Frage, wieso vor der Heilung die S\u00fcndenvergebung steht, und \u00fcberhaupt: Was kann denn der bedauernswerte Gel\u00e4hmte schon getan haben, dass ihm erst die S\u00fcnden vergeben werden m\u00fcssen? Gar nichts hat er getan, ist auch innerlich ganz starr geworden und hat sich schon lange aufgegeben, hat lange aufgegeben, sich als Gesch\u00f6pf und Ebenbild Gottes zu sehen. Das ist S\u00fcnde im eigentlichen Sinne &#8211; keine verwerflichen Taten, keine moralische Schuld, sondern zuerst und vor allem ist S\u00fcnde Beziehungslosigkeit gegen\u00fcber Gott. Die muss erst aufgehoben werden, bevor der Weg des Glaubens hin zum Heilwerden \u2013 beginnen kann. Und die Beziehung wiederherstellen, uns in die Gotteskindschaft zur\u00fcckholen &#8211; das kann wirklich nur Gott allein. Und genau dazu ist Jesus in die Welt gekommen, um uns nahezubringen: Gott will euch, ist hinter euch her, und es gibt nichts, was euch trennen kann von eurem himmlischen Vater. Mit den Worten &#8222;Dir sind deine S\u00fcnden vergeben&#8220; sagt Jesus dem Gel\u00e4hmten: Deine Freunde haben Recht: Dir muss geholfen werden. Denn Gott legt Wert auf dich und will, dass du heil wirst und dich deines Lebens wieder freuen kannst.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ja, und dann tritt Heilung ein mit dem Wort &#8222;Steh auf!\u201c Und &#8222;Er stand auf&#8220;.\u00a0 Genau dieses Wort steht \u00fcberall dort, wo es um die Auferstehung von den Toten geht. Und sp\u00e4testens da kommen wir ins Spiel. \u00a0Sichtbar wird das darin, dass der Gel\u00e4hmte durch ein Loch hinabgelassen wird \u2013 so wie das auf uns alle am Ende zukommt. Und dann liegen wir wie der Gel\u00e4hmte vor Jesus, der zu jeder und jedem von uns sageen wird: \u201eSteh auf und geh ins Leben!\u201c Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte mit Langzeitwirkung | 19.\u00a0Sonntag nach Trinitatis | 23.10.2022 | Mk 2,1-12 | Rudolf Rengstorf | Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. 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