{"id":14364,"date":"2022-10-15T14:58:59","date_gmt":"2022-10-15T12:58:59","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14364"},"modified":"2022-10-25T15:42:25","modified_gmt":"2022-10-25T13:42:25","slug":"matthaeus-2128-44","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-2128-44\/","title":{"rendered":"Mt 21,28-44"},"content":{"rendered":"<h3>20. So. n. Trinitatis |\u00a0Mt 21,28-44 (d\u00e4nische PO) | Anders Kj\u00e6rsig |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Kleine Aphorismen und kleine evangelische Untersch\u00e4tzungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich liebe langsame Texte, langsame Musik ohne Puls. Langsame Gottesdienste, die rechtzeitig enden. Langsamer Gang zu einem Bus, den man nie erreicht; langsam und rechtzeitig. Das gef\u00e4llt mir sehr.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich vermisse die Leiblichkeit der Literatur, ihre Gegenwart mit kleinen Leckereien, die einem nicht bewusst sind. Ich vermisse die Schrift, die von jeder Reise zur\u00fcckkehrt; die M\u00f6glichkeit, Sprache und K\u00f6rper in einer Passage von Finsternis verschwinden zu lassen; ich vermisse die Stimme des Lichts, das den Himmel an einem Novemberabend leckt. Ich vermisse Pflaumen, die ungeduldig schwer an den Zweigen h\u00e4ngen ohne Vorwarnung; vermisse\u00a0 eine Rose, rot in einem gr\u00fcnen Garten aus Erde und Gras; vermisse die M\u00f6glichkeit f\u00fcr N\u00fcsse, die auf \u00a0den eigenen Ausbruch warten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das Alter ist kein Problem, aber die Sprache ist eines. Das erst erste nimmt mir die Jugend, die letztere das Alter. Der K\u00f6rper vergeht, die Sprache bleibt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich sah eine Frau heute ganz nahe. Sie erinnerte mich an eine Bekannte: das Gesicht, die H\u00e4nde, der Gang. Etwas kokett und sch\u00fcchtern und dennoch bestimmt und einnehmend. Sie hatte ein Kleid an, ein leichter Lippenstift umringt ein L\u00e4cheln, das nicht bereute, dass sie in der Welt war. Ich sah, dass sie eine kleine Packung Kekse im Supermarkt hinter mir in der Hand hatte, sie hielt sie an ausgestrecktem Arm. Die Liebkosungen der Hand und das L\u00e4cheln flossen zusammen, ich verlor mich selbst einen kurzen Augenblick bodenlos. Sie w\u00fcrde ich nie vergessen, das L\u00e4cheln, der Nagellack diskreten Typs, etwas rote Wangen waren da auch und f\u00fcr den Anlass gef\u00e4rbtes Haar. Sie gefiel mir. \u00a0Die Verliebtheit will in diesen Tagen kein Ende nehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe nie verstanden, wie mein Leben sich \u00fcber Nacht \u00e4ndern kann, Luther mit dem Gewitter, Grundtvig mit seinem Gegner Professor Clausen, L\u00f8gstrup mit abgelehnten Doktorarbeiten, Thorgaard mit Kafka, Sl\u00f8k mit seinem Vater und Kjeld Holm mit Sl\u00f8k und Holm und seinem N\u00e4chsten \u2013 the never ending story.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Supermarkt hinter mir hielt stand mit ausgestrecktem Arm. Die Liebkosungen der Hand und das L\u00e4cheln in einem, und ich verlor mich selbst einen kurzen Augenblick bodenlos. Sie werde ich nie vergessen, das L\u00e4cheln, den Nagellack diskreten Typs, etwas Rot auf den Wangen war das auch und f\u00fcr den Anlass gef\u00e4rbtes Haar. Sie gefiel mirDie Verliebtheit wollte an diesen Tagen kein Ende nehmen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Makrele in Tomatenso\u00dfe aus S\u00e6by, dazu Starkbier, das gibt eine unangenehme Gnade. Denk nur, dass jemand mit dir Nachsicht \u00fcbt und dich in Ruhe l\u00e4sst. Da weht ein frischer Wind von meinem Atem, der spuren hinterl\u00e4sst in der Sprache und an einen M\u00fcllplatz erinnert. Da ist eine Frische \u00fcber den \u00fcblen Mundgeruch; hier begegnen sich Menschen von Angesicht zu Angesicht, wenden Leibgerichte auf den Kopf und passen sich den Umgebungen an. \u00dcbler Mundgeruch ist eine Art Sozialisation. Hier geht man einander an und geht einander aus dem Wege.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich habe nie den Satz verstanden: Lebe das leben. Was ist das?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Woke gibt es nicht im Krieg und der Tour de Franc.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das \u00dcberfl\u00fcssige ist das Wesentliche. Klein ist gut, und Orte, an die niemand denkt, gibt es genug. Da ist eine Auferstehung in diesem Gedanken, auch wenn sie eine Mischung aus Poesie und Nostalgie ist. Ich wei\u00df, dass es Vejrup nicht gibt als mein Vejrup, dennoch ist Vejrup auch meins. Ich habe viel den Dichter Per H\u00f8jholt gelesen, aber der war aus Esbjerg,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich liebe Ruhe und richtige Augenblicke, Besonders wenn man nicht zu viel erwartet und einem das gegeben wird, was man sich selbst h\u00e4tte geben k\u00f6nnen. Wenn eine M\u00f6we das Wasser trifft mit einem zielgerichteten Taucher und dann einen Fisch so verwandelt, dass er nie mehr sich selbst gleicht. Dann ist man ungl\u00fccklich. Das vergesse ich nie. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Pastor Anders Kj\u00e6rsig<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">5881 Sk\u00e5rup Fyn<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Emal: ankj(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20. So. n. 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