{"id":14409,"date":"2022-10-27T08:01:17","date_gmt":"2022-10-27T06:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14409"},"modified":"2022-10-27T07:33:21","modified_gmt":"2022-10-27T05:33:21","slug":"psalm-46-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/psalm-46-2\/","title":{"rendered":"Psalm 46"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott ist unsre Zuversicht und St\u00e4rke\u201c | Gedenktag der Reformation | 31.10.2022 | Psalm 46 |\u00a0Rainer Stahl |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die Liebe Gottes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sei mit Euch allen!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Leserin, lieber Leser!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bei der Vorbereitung dieser Predigt standen Sie alle vor meinen Augen: N\u00e4mlich in Gestalt der Gemeinschaft eines Familientreffens, f\u00fcr das ich zum Thema des Reformationsfestes eine Andacht vorbereiten konnte. F\u00fcr Menschen, die traditionell und bewusst zu unserer evangelisch-lutherischen Kirche geh\u00f6ren und nicht nur aus Deutschland, sondern auch zum Beispiel aus den USA und aus Italien zu diesem Treffen zusammenkommen werden. Schon in den Zoom-Konferenzen, mit deren Hilfe das Treffen vorbereitet wurde, war der Wunsch, das Reformationsfest zu begehen, ganz deutlich. Deshalb ist es wichtig, die Bedeutung des Datums \u201e31. Oktober\u201c zu erkennen und zu verstehen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">I.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">1517 hatte Martin Luder seine 95 Thesen \u00fcber den Ablass verfasst. Er oder Verantwortliche seitens der Universit\u00e4t hatten diese Thesen an die T\u00fcren der Kirchen Wittenbergs angeschlagen \u2013 besonders auch an die T\u00fcr der Schlosskirche. Und er hatte sie zusammen mit Begleitbriefen an die Bisch\u00f6fe geschickt, die f\u00fcr Wittenberg zust\u00e4ndig waren \u2013 besonders an den Erzbischof von Mainz, Albrecht Kardinal von Brandenburg \/ von Hohenzollern. In seinen Briefen \u00e4nderte er seinen Namen erstmals auf entscheidende Weise.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Um das zu verstehen, m\u00fcssen wir uns bewusst machen, dass damals Angeh\u00f6rige der Elite oft ihren Namen nach Griechisch oder nach Lateinisch hin \u00e4nderten. Zum Beispiel Philipp Schwartzerdt, der seinen Namen ins Griechische \u00fcbersetzt hatte: Melanchthon.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Martin Luder machte das Folgende: Er \u00e4nderte das \u201ed\u201c seines Namens in \u201eth\u201c. Warum? Er wollte einen Bezug herstellen zum griechischen Wort \u201e\u03b5\u03bb\u03b5\u03c5\u03b8\u03b5\u03c1\u03bf\u03c2\u201c oder zum lateinischen Wort \u201eEleutherius\u201c \u2013 der \u201eBefreite\u201c. Seine theologischen Einsichten hatten ihn von alten Gesetzen und Vorschriften zu einer neuen Existenz als christlich glaubender Mensch befreit. Deshalb war es ganz wichtig, dass die Kirche des 17. Jahrhunderts entschied, die Lutherische Reformation an diesem Termin zu feiern: Weil die Thesen am Abend vor dem Allerheiligentag, dem 1. November, ver\u00f6ffentlicht worden waren, genau diesen Tag des 31. Oktober als \u201eReformationstag\u201c zu begehen!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">II.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In diesem Jahr wird ein gro\u00dfartiger Vorschlag f\u00fcr den Predigttext gegeben: N\u00e4mlich Psalm 46! Dieser Psalm hat f\u00fcr uns besondere Bedeutung \u2013 weil Martin Luther ihn im Jahr 1529 nutzte, um sein wichtiges Lied \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c zu dichten: die \u201eMarseille Hymne der Reformation\u201c \u2013 wie der deutsche und j\u00fcdische Dichter Heinrich Heine dieses Lied genannt hatte \u2013, oder die \u201eMarseillaise des Bauernkrieges\u201c \u2013 wie es Friedrich Engels genannt hatte \u2013, oder der Guten-Tag-Gru\u00df ungarischer lutherischer Mitchristen: \u201eEr\u0151s v\u00e1r a mi Isten\u00fcnk!\u201c [\u201eEr\u00f6sch v\u0101r o mi Ischten\u00fcnk!\u201c] \u2013 \u201eEin feste Burg ist unser Gott!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ich will folgenden Weg gehen: Zuerst schauen wir auf den Psalm in der deutschen \u00dcbersetzung, die Martin Luther und seine Kollegen erarbeitet hatten. Und dann h\u00f6ren wir das Lied, das Martin Luther geschrieben hatte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">III.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGott ist unsre Zuversicht und St\u00e4rke<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">eine Hilfe in den gro\u00dfen N\u00f6ten,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die uns getroffen haben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Darum f\u00fcrchten wir uns nicht,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wenngleich die Welt unterginge\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Ps. 46,2-3a).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eEin feste Burg ist unser Gott<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ein gute Wehr und Waffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er hilft uns frei aus aller Not,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">die uns jetzt hat betroffen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der alt b\u00f6se Feind mit Ernst er\u2019s jetzt meint;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">gro\u00df Macht und viel List sein grausam R\u00fcstung ist,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">auf Erd ist nicht seinsgleichen\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(EG 362,1).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier hat Luther eine wichtige Vorstellung zum Ausdruck gebracht, die so gar nicht im Psalm vorkommt:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDer alt b\u00f6se Feind mit Ernst er\u2019s jetzt meint;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">gro\u00df Macht und viel List sein grausam R\u00fcstung ist,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">auf Erd ist nicht seinsgleichen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Psalm hatte \u00fcber m\u00f6gliche Gef\u00e4hrdungen und Katastrophen auf der Erde gesprochen: die \u201egro\u00dfen N\u00f6ten, die uns getroffen haben\u201c. Aber Luther hatte diese N\u00f6te personalisiert: \u201eder alt b\u00f6se Feind\u201c. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Vater dieses Wort als Aussage \u00fcber die R\u00f6misch-Katholische Kirche und \u00fcber den Papst in Rom verstanden. Aber das habe ich nie wirklich geglaubt. Und wenn wir in \u00dcbersetzungen ins Englische schauen, lernen wir eine korrekte Interpretation: \u201cthe old satanic foe\u201d \u2013 \u201eder satanische Widersacher\u201c, oder: \u201cthe old evil foe\u201c \u2013 \u201eder alte b\u00f6se Widersacher\u201c. Dasselbe gilt f\u00fcr die russische Fassung. Sie legt offen, um wen es geht: \u00ab\u0412\u0440\u0430\u0433 \u0434\u0440\u0435\u0432\u043d\u0438\u0439 \u2026\u00bb \u2013 \u201eDer alte Feind \/ Teufel\u201c. Den hatte Luther n\u00e4mlich hier gemeint: wirklich den Teufel!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">IV.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben [\u2026],<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">da die heiligen Wohnungen des H\u00f6chsten sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Gott ist bei ihr drinnen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">darum wird sie fest bleiben; [\u2026]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Herr Zebaoth ist mit uns,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der Gott Jakobs ist unser Schutz\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Ps. 46,5a.c.6a.8).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eMit unsrer Macht ist nichts getan,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wir sind gar bald verloren;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">es streit\u2019 f\u00fcr uns der rechte Mann,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">den Gott hat selbst erkoren.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Fragst du, wer der ist?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er hei\u00dft Jesus Christ,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der Herr Zebaoth,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und ist kein andrer Gott,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">das Feld muss er behalten\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(EG 362,2).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier hatte Martin Luther in zweifacher Weise \u00fcber Jesus Christus gesprochen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Zuerst: Jesus Christus war der richtige Mann. Er war die Person, die Gott ausgew\u00e4hlt hatte: \u201ees streit\u2019 f\u00fcr uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dann aber hatte er zum Ausdruck gebracht, dass Jesus Christus Gott selbst ist. Hier nutzte Luther einen spezifischen hebr\u00e4ischen Ausdruck: \u00ab\u05d9\u05d4\u05d5\u05d4 \u05e6\u05d1\u05d0\u05d5\u05ea\u00bb\u2013 \u201e\u2019Adonaj Z<sup>e<\/sup>ba\u2018oth\u201c \u2013 \u201eder Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott\u201c.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beide Aussagen sind f\u00fcr die gesamte Christenheit eindeutig und klar, f\u00fcr alle Kirchen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Jesus Christus war wirklich ein Mensch, der auf Erden in einer typischen Zeit gelebt hatte \u2013 wohl von 6 vor Christus bis 30 nach Christus oder vom Wechsel zwischen den Jahren 6 zu 7 nach Christus bis in das Jahr 34 nach Christus<a href=\"applewebdata:\/\/C2A014DF-917B-4B50-9B7E-70F9B944D656#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>\u2013. Und Jesus Christus war wirklich ein Mensch, der in einer konkreten Gesellschaft gelebt hatte, \u00fcber die wir Forschungen anstellen k\u00f6nnen \u2013 in derjenigen der j\u00fcdischen Gesellschaft im R\u00f6mischen Reich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><u>Und<\/u> Jesus Christus ist wirklich der einzige Gott.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir werden zu Christinnen und Christen, wenn wir beginnen, diese beiden Wahrheiten zur Kenntnis zu nehmen und zu glauben. Und hierbei muss ich in die Gegenwart wechseln, denn \u00fcber Gott k\u00f6nnen wir nicht ausschlie\u00dflich in der Vergangenheit reden: Weil Gott wirklicher Partner aller Zeiten ist, zu allen Situationen unserer Welt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">V.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eKommt her und schaut die Werke des Herrn [\u2026],<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der den Kriegen ein Ende macht in aller Welt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der Bogen zerbricht, Spie\u00dfe zerschl\u00e4gt und Wagen mit Feuer verbrennt.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Ps. 46,9a.10).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es hat mich bei meinem Nachdenken und Pr\u00fcfen der Texte richtig erschreckt, dass Martin Luther diese zus\u00e4tzliche gro\u00dfe Hoffnung im Psalm gar nicht in seinem Lied aufnimmt, obwohl er sich doch immer wieder konkret f\u00fcr Frieden eingesetzt hat und einsetzen wird \u2013 so gegen die Gefahr eines zwischens\u00e4chsischen Krieges im Jahr 1542: \u201eDeshalb ist dieses das erste Gebot, dem [zu gehorchen] Eure Kurf\u00fcrstliche und F\u00fcrstliche Gnaden schuldig sind: Vor allen Dingen auf Frieden aus zu sein, zum Frieden zu raten und zu helfen [\u2026]. [\u2026] Und ich gebe dazu den gewissenhaften Rat: Wer als Soldat unter einem solchen kriegsl\u00fcsternen F\u00fcrsten steht, der laufe aus dem Felde, was er laufen kann. Der errette seine Seele und lasse seinen rachgierigen, unbelehrbaren F\u00fcrsten allein k\u00e4mpfen [\u2026].\u201c<a href=\"applewebdata:\/\/C2A014DF-917B-4B50-9B7E-70F9B944D656#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Wie viele M\u00e4nner in Russland haben ohne es zu wissen diesen Rat beherzigt\u2026 Dass das n\u00f6tig werden wird, war mein Gedanke schon im M\u00e4rz dieses Jahres! Diese Hoffnung darf doch nicht unterschlagen werden! Wie k\u00f6nnen wir ihr nachsp\u00fcren?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr manchen wurde die Vernichtung von Kriegsger\u00e4t nach dem Ende der DDR zu einer konkreten Verwirklichung dieser gro\u00dfen Hoffnung: Panzer, Haubitzen, vielleicht auch Kampfflugzeuge wurden verschrottet. Wenn wir diese Entwicklungen erinnern, dann nehmen wir die entscheidende Grundbedingung dieser Hoffnung in Psalm 46 mit auf: Milit\u00e4rpersonal, Soldaten werden nicht verhaftet oder hingerichtet. Gott wird die Menschen am Leben erhalten, ja: zu neuem und besserem Leben befreien. Aber: Gott wird die Kriegstechnik beseitigen. Wohl genauer: Gott wird die Menschen ver\u00e4ndern, so dass sie die Kriegstechnik beseitigen. \u201eBogen\u201c, \u201eSpie\u00dfe\u201c, \u201eWagen\u201c \u2013 das w\u00e4ren heute Maschinengewehre, Raketen und Drohnen, Panzer und Milit\u00e4rlastwagen. All das wird nicht mehr gebraucht werden. All das kann zu neuer Verwendung \u201eumgeschmiedet\u201c werden:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eDa werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und ihre Spie\u00dfe zu Sicheln.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu f\u00fchren\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Jesaja 2,4 und Micha 4,3).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Halten wir diese phantastische, gegen so viele aktuelle Erfahrungen gerichtete Hoffnung doch auch heute fest! Auch, wenn wir nicht ahnen k\u00f6nnen, wie das zu verwirklichen w\u00e4re. Diese gro\u00dfe Hoffnung wollen wir nicht vergessen: Gott wird den Krieg \u00fcberwinden! Gott wird eine neue Welt vorantreiben, in der Milit\u00e4r nicht mehr n\u00f6tig sein wird \u2013 in der wir Menschen diese neue Welt ohne Waffen gestalten werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">VI.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e\u00bbSeid stille und erkennt, dass ich Gott bin!\u00ab [\u2026]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Herr Zebaoth ist mit uns,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der Gott Jakobs ist unser Schutz\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">(Ps. 46,11a.12).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201cUnd wenn die Welt voll Teufel w\u00e4r\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Wort sie sollen lassen stahn<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">und wollt uns gar verschlingen,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und kein\u2018 Dank dazu haben;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">so f\u00fcrchten wir uns nicht so sehr,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 er ist bei uns wohl auf dem Plan<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">es soll uns doch gelingen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 mit seinem Geist und Gaben.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der F\u00fcrst dieser Welt,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nehmen sie den Leib,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wie sau\u2019r er sich stellt,\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gut, Ehr, Kind und Weib:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">tut er uns doch nicht;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 la\u00df fahren dahin,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">das macht, er ist gericht\u2018:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 sie haben\u2019s kein\u2018 Gewinn,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ein W\u00f6rtlein kann ihn f\u00e4llen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 das Reich muss uns doch bleiben\u201c (EG 362,3-4).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Nachdem ich den abschlie\u00dfenden Aussagen des Psalms die Strophen 3 und 4 des Liedes Luthers zugeordnet habe, wollen wir auf eine besondere Einzelheit schauen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201e[\u2026] das macht, er ist gericht\u2019:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 [\u2026] Das Wort sie sollen lassen stahn<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">ein W\u00f6rtlein kann ihn f\u00e4llen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und kein\u2019 Dank dazu haben [\u2026]\u201c (EG 362,3b.4a).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was ist dieses \u201eW\u00f6rtlein\u201c. Und welche Beziehung k\u00f6nnen wir bestimmen zwischen dem \u201eWort\u201c und diesem \u201eW\u00f6rtlein\u201c?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dieses \u201eW\u00f6rtlein\u201c mag zum Beispiel das Wort \u201eAmen\u201c sein. Ein kleines Wort, mit dessen Hilfe wir unser Vertrauen auf Gott zum Ausdruck bringen \u2013 gegen alle M\u00e4chte der Erde, die unser Vertrauen haben wollen. Nein: Wir vertrauen auf Gott \u2013 nicht auf irdische M\u00e4chte. Und der Inhalt dieses \u201eWortes\u201c er\u00f6ffnet eine besondere Beziehung: Dieser Satz Martin Luthers ist nicht bezogen auf einen m\u00f6glichen \u201eDank\u201c, sondern auf eine Vorstellung, auf einen Gedanken! In seiner Sprache hatte Luther das Wort \u201eGedanke\u201c zu \u201eDank\u201c gek\u00fcrzt und wollte sagen: Wir sollten keine zus\u00e4tzlichen Vorstellungen bem\u00fchen, keine zus\u00e4tzlichen Ideen zum \u201eWort Gottes\u201c traktieren, sondern wir sollten es einfach akzeptieren!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Was Martin Luther mit diesem Satz hatte zum Ausdruck bringen wollen \u2013 \u201eund kein\u2019 Dank dazu haben\u201c \u2013, hat dann der erste bedeutende Kirchenmusiker der lutherischen Reformation \u2013 Johann Walter \u2013 mit Hilfe der ersten Strophe seines Liedes \u201eAllein auf Gottes Wort\u201c aus dem Jahr 1566 ausgesprochen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eAuch menschlich Weisheit will ich nicht dem g\u00f6ttlich Wort vergleichen,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">was Gottes Wort klar spricht und richt\u2019, dem soll doch alles weichen.\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Amen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eUnd der Friede Gottes,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">der h\u00f6her ist als unsere Vernunft,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn!\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Liedvorschlag:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">EG 195,1-3 \u2013 \u201eAllein auf Gottes Wort\u2026\u201c<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dr. Rainer Stahl<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erlangen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><a href=\"mailto:rainer.stahl.1@gmx.de\">rainer.stahl.1@gmx.de<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">[1951 geboren, Studium der Theologie in Jena, Assistent im Alten Testament, 1981 ordiniert, Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Th\u00fcringen, zwei Jahre lang Einsatz beim Lutherischen Weltbund in Genf, dann Pfarrer in Altenburg, Alttestamentler an der Kirchlichen Hochschule in Leipzig, Referent des Th\u00fcringer Landesbischofs in Eisenach, seit 1998 Dienst f\u00fcr den Martin-Luther-Bund (das lutherische Diasporawerk) in Erlangen, seit 2016 im Ruhestand.]<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/C2A014DF-917B-4B50-9B7E-70F9B944D656#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0 F\u00fcr die erste Datierung vgl. besonders die Forschungsarbeit von Folker Siegert: Das Leben Jesu. Eine Biographie aufgrund der vorkanonischen \u00dcberlieferungen, Schriften des Institutum Judaicum Delitzschianum, Bd. 8\/2, G\u00f6ttingen 2010, S. 19-22. F\u00fcr die zweite Datierung vgl. Uwe Jochum: In der Mitte der Zeit. Die neue Chronologie des Lebens Jesu, Hildesheim, Z\u00fcrich, New York 2021, S. 56 und S. 101-103<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/C2A014DF-917B-4B50-9B7E-70F9B944D656#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>\u00a0 Martin Luther an Kurf\u00fcrst Johann Friedrich und Herzog Moritz zum Streit um Wurzen, in: Martin Luther Taschenausgabe, Band 5: Christ und Gesellschaft, bearbeitet von Hubert Kirchner, Berlin 1982, S. 198-204, Zitate: S. 200 und 204.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGott ist unsre Zuversicht und St\u00e4rke\u201c | Gedenktag der Reformation | 31.10.2022 | Psalm 46 |\u00a0Rainer Stahl | \u201eDie Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!\u201c Liebe Leserin, lieber Leser! Liebe Schwestern und Br\u00fcder! 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