{"id":14604,"date":"2022-11-01T20:23:47","date_gmt":"2022-11-01T19:23:47","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14604"},"modified":"2022-11-01T23:34:10","modified_gmt":"2022-11-01T22:34:10","slug":"jes-498-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jes-498-11\/","title":{"rendered":"Jesaja 49,8-11"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h3>Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres | 06.11.22 | Jes 49,8-11; Offenbarung des Johannes; 21,1-7; Mt 5,13-16 (da\u0308nische Perikopenordnung) | Christiane Gammeltoft-Hansen |<\/h3>\n<p>In Da\u0308nemark wird der erste Sonntag im November als \u201eAlleheiliogen\u201c zum Gedneken der Toten begangen.<\/p>\n<p>Von Christiane Gammeltoft-Hansen<\/p>\n<p>Seid das Salz der Erde und das Licht der Welt! Das ist keine Aufforderung! Das ist eine Feststellung! Wie aber Salz sein, wenn man alles Salz ausgeweint hat? Wie Licht sein, wenn man in finsteren verlassenen Stuben sitzt?<\/p>\n<p>Stellt euch auf einen Berg und sprecht erlo\u0308sende Worte an die Welt, so hei\u00dft es. Wie aber reden, wenn das Schweigen der Trauer sich eingefunden hat.<\/p>\n<p>Es ist nicht deshalb, weil wir das Salz und das Licht nicht kennen. Wir haben das Licht gesehen, das in Schimmern die Welt erhellt und unser Leben verkla\u0308rt. Wir haben Tage erlebt, die waren alles andere als fade und gleichgu\u0308ltig. Tage voll von Saft und Kraft. Deshalb feiern wir Allerheiligen, weil wir dem Salz und dem Licht begegnet sind in dem, was wir verloren haben.<\/p>\n<p>Am besten ist es, wenn wir Licht bekommen aus den Augen eines anderen Menschen, wenn wir im Lichte dessen leben, dass ein anderer Mensch daru\u0308ber froh ist, dass wir da sind. Das Beste ist es, im Lichte des liebenden Blickes einer Mutter, einer Schwester, eines Bruders, eines Freundes, eines Geliebten zu leben. Wenn man erlebt, dass man dadurch gro\u0308\u00dfer wird, dass andere uns sehen.<\/p>\n<p>Es waren keine Heiligen \u2013 unsere Toten. Sie waren vielleicht nicht einmal gro\u00dfe Lichter. Aber sie gaben unserem Leben Inhalt. Wir gedenken ihrer. Wir gedenken der Milden, der Kra\u0308ftigen, der Standhaften, der Suchenden, der Ka\u0308mpfenden. Die, an die wir nicht denken ko\u0308nnen, ohne dass sie lebendig vor unserem inneren Blick erscheinen \u2013 die Art, wir die sich durchs Haar strichen, die Tasse hielten, sich auf den gewa\u0308hlten Stuhl an den Tisch setzten, der Klang ihrer Stimme, ihre sehnigen Ha\u0308nde, ihr charakteristischer Gang.<\/p>\n<p>Sie waren Salz und Licht. Sie bewirkten, dass unser Leben nicht gleichgu\u0308ltig und leer wurde.<\/p>\n<p>Es konnte geschehen, dass wir uns zuru\u0308ckziehen mussten, aber das geschah nicht deshalb, weil sie uns gleichgu\u0308ltig waren. Vor dem Ru\u0308ckzug lag deshalb oft ein Kampf. Wir ka\u0308mpften um Meinungen, Lebensanschauungen und die Auffassung vom Menschen. Leidenschaftlich verhielten wir uns zu dem, was der andere sagte oder nicht sagte, tat oder nicht tat. Und wir ka\u0308mpften nicht nur mit einander, wir ka\u0308mpften auch fu\u0308r einander. Ka\u0308mpften dafu\u0308r, das Leiden und den Schmerz zu besiegen in einem hartna\u0308ckigen Versuch, den harten Bedingungen zu entgehen, denen wir zuweilen in unserem Leben ausgesetzt waren.<\/p>\n<p>Wir gewannen nicht alle Ka\u0308mpfe. Und schlie\u00dflich nahm der Tod das seine. Aber das einzige, was u\u0308ber den Kampf zu sagen ist, ist nicht, wie er ausgegangen ist. Es wurde geka\u0308mpft, das hat einen Wert in sich \u2013<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>geka\u0308mpft fu\u0308r den anderen, geka\u0308mpft fu\u0308r einen selbst, geka\u0308mpft fu\u0308r Menschenwu\u0308rde, geka\u0308mpft fu\u0308r Zusammengeho\u0308rigkeit.<\/p>\n<p>U\u0308berall vermissen wir unsere Toten. Wir vermissen sie in unseren Stuben, an unseren Tischen, im Alltag und an Feiertagen. Wir vermissen sie, wenn wir aufstehen und wenn wir zu Bett gehen. Wir vermissen die Identita\u0308t, die sie uns gaben. Dass wir in Bezug auf sie Kinder waren, Geschwister, Freunde, Eltern, Geliebte.<\/p>\n<p>Sie hinterlassen eine Leere. Das ist eine Wahrheit, die wir mit uns tragen. Zugleich aber wenn wir zu dem langen ru\u0308ckschauenden Blick das Licht betrachten, das sie gewesen sind, kommt auch etwas anderes in den Blick.<\/p>\n<p>Unsere Toten haben uns etwas gelehrt. Sie haben uns z.B. gelehrt, dass es notwendig ist sich zu erkennen zu geben, zu versuchen, die Dinge so offen und klar zu sagen wie mo\u0308glich. Und sie lehrten uns, dass wir kein Recht haben auf das Leben des anderen. Dass wir nicht selbstsicher voneinander reden und u\u0308ber einander urteilen ko\u0308nnen, denn die Menschen sind kompliziert und niemals vollsta\u0308ndig zu beschreiben. Vielleicht haben sie uns das nicht direkt gelehrt, aber es ist die Erfahrung, die ein gelebtes Leben hinterla\u0308sst.<\/p>\n<p>Unsere Toten haben uns auch etwas gelehrt u\u0308ber Liebe. Das die Liebe in vielen Gestalten und Ausdru\u0308cken und in vielen Weisen kommen kann. Schlie\u00dflich haben sie uns gelehrt, dass es mo\u0308glich ist, dem anderen zu folgen, bis zum Schluss, an einem Bett zu sitzen und eine Hand zu halten. Und dass auch hier, so kurz vor dem Ende, Leben sein kann, Verso\u0308hnung und Na\u0308he.<\/p>\n<p>Es ist wahr, dass sie eine Leere hinterlassen. Aber das ist nicht allein die Wahrheit. Sie hinterlassen auch eine Fu\u0308lle. Sie hinterlassen eine Aussicht, die wir weiter mit uns tragen. Deshalb ko\u0308nnen wir davon sprechen, dass wir unter Lebenden und Toten Freunde und Geliebte haben. Und mehr stumm sind wir auch nicht geworden, als dass wir ihre Namen nicht laut aussprechen ko\u0308nnen. Und allein indem wir das tun, machen wir deutlich, dass wir nicht nur die sind, die verloren haben, wir sind auch die, die jemanden gehabt haben. So sind ihre Namen die Bergpredigt unserer Allerheiligen.<\/p>\n<p>Da ist etwas, was man nicht wegweinen kann. Der Hinterbliebene wei\u00df, dass die Trauer nicht weggeweint werden kann. Aber Gott fu\u0308gt hinzu, das ko\u0308nnen das Salz und das Licht auch nicht. Das ist ein Teil unserer gottgegebenen Ausru\u0308stung. Ob du einen Verlust erlitten hast oder nicht. Deine gottgegebene Identita\u0308t kannst du nicht verlieren.<\/p>\n<p>Trauer kann sich in sich selbst verschlie\u00dfen. Der Tod kann uns dazu bringen, dass wir uns in unsere finsteren Stuben zuru\u0308ckziehen. Aber wir werden noch immer gebraucht. Deshalb werden wir herausgerufen. Nun sind wir es, die das Unsere dazu beitragen mu\u0308ssen, dass es nicht zu gleichgu\u0308ltigen Tagen kommt, sondern das das Leben gelebt wird. Wir mu\u0308ssen da weitermachen, wo unsere Toten aufgeho\u0308rt haben. Weiter in ihren Spuren gehen und unsere eigenen finden. Es mit erlo\u0308senden Worten versuchen, die auf die Liebe bauen.<\/p>\n<p>Dabei werden wir entdecken, dass da neue Tage kommen. Dass da mehr ist, was gelebt werden soll. Johannes spricht sogar davon, dass es zu verwandelten Tagen kommen wird. Ein neuer Himmel und eine neue Erde, das ist die gro\u00dfe Zukunftsvision der Offenbarung des Johannes. Der Tod soll nicht mehr sein, auch nicht Trauer und Schmerz. Das ist es, was uns infolge Johannes erwartet. Eine Zukunft, die Gott geho\u0308rt.<\/p>\n<p>Bis dahin leben wir hier. Wir leben nach denen, die wir verloren haben, und vor denen, die kommen werden. Und aus der Ka\u0308lte und Finsternis vom November werden wir herausgerufen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 3\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Fragen wir den Wa\u0308chter danach, wann die Nacht vergeht, antwortet er: Der Morgen kommt. Er ist schon im Anbruch. Das Licht wir zunehmen, wenn der Tag beginnt.<\/p>\n<p>Die Toten sind angekommen bei Gott. Und wir leben im Reich des Geistes. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pastorin Christiane Gammeltoft-Hansen DK-2000 Frederiksberg<br \/>\nE-mail: cgh(at)km.dk<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres | 06.11.22 | Jes 49,8-11; Offenbarung des Johannes; 21,1-7; Mt 5,13-16 (da\u0308nische Perikopenordnung) | Christiane Gammeltoft-Hansen | In Da\u0308nemark wird der erste Sonntag im November als \u201eAlleheiliogen\u201c zum Gedneken der Toten begangen. Von Christiane Gammeltoft-Hansen Seid das Salz der Erde und das Licht der Welt! Das ist keine Aufforderung! 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