{"id":14607,"date":"2022-11-01T23:33:45","date_gmt":"2022-11-01T22:33:45","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14607"},"modified":"2022-11-03T08:40:42","modified_gmt":"2022-11-03T07:40:42","slug":"lukas-17-20-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-17-20-24\/","title":{"rendered":"Lukas 17,20-24"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h3>Wann und Wo kommt das Reich Gottes? | Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr | 06.11.2022 | Lk 17, 20- 24 | Klaus Wollenweber |<\/h3>\n<p>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<\/p>\n<p>Text: Lukas 17, 20-24 ( NGU\u0308 )<\/p>\n<p><em>20 Die Pharisa\u0308er fragten Jesus, wann das Reich Gottes komme. Darauf antwortete er: \u00bbDas Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an a\u0308u\u00dferen Anzeichen erkennen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>21 Man wird auch nicht sagen ko\u0308nnen: \u203aSeht, hier ist es!\u2039 oder: \u203aEs ist dort!\u2039 Nein, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>22 Dann sagte Jesus zu seinen Ju\u0308ngern: \u00bbEs wird eine Zeit kommen, da werdet ihr euch danach sehnen, auch nur einen Tag der Herrschaft des Menschensohnes zu erleben, aber euer Sehnen wird vergeblich sein.<\/em><\/p>\n<p><em>23 Wenn man zu euch sagt: \u203aSeht, dort ist er!\u2039 oder: \u203aSeht, er ist hier!\u2039, dann geht nicht hin; lauft denen, die hingehen, nicht nach.<\/em><\/p>\n<p><em>24 Denn wie der Blitz aufleuchtet und den Himmel von einem Ende zum anderen erhellt, so wird es an dem Tag sein, an dem der Menschensohn kommt.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>eine klare Frage erfordert eine klare Antwort. Die Pharisa\u0308er fragen und Jesus antwortet. Aber ist alles so klar? Bis heute fragen viele Menschen und hoffen auf eine Antwort: \u201eWann kommt endlich das Reich Gottes?\u201c Und die Antwort lautet weiterhin klar und deutlich: \u201eMan wird nicht sagen ko\u0308nnen: `Seht, hier ist es!` oder: \u0301Es ist dort!` Nein, das Reich Gottes ist mitten unter euch.\u201c<\/p>\n<p>Trotz dieser klaren biblischen Aussagen gibt es seit 2000 Jahren innerhalb der christlichen Religion Menschen, die historische Ereignisse bemu\u0308hen, um eine Antwort fu\u0308r sich zu finden und zu begru\u0308nden. Religio\u0308se Fanatiker legen den Beginn des Reiches Gottes gerne fest \u2013 meist mit dem Hinweis: nur fu\u0308r die Auserwa\u0308hlten! Wenn dann solche Vorhersagen nicht eintreten, wird verku\u0308ndigend nachgeschoben: Gott gewa\u0308hrt uns noch eine Zeit der Bu\u00dfe und Erneuerung. Ha\u0308ufig sind diese Festlegungen mit einer Weltuntergangsstimmung verbunden. Ich kann auch sagen: Weltweite, schreckliche Ereignisse wie Erdbeben, Vulkanausbru\u0308che, U\u0308berschwemmungen, Klimawandel und anderes mehr werden zum Anlass genommen, den Weltuntergang und die Wiederkunft Christi mit dem Beginn des Reiches Gottes zu prophezeien. Dabei ko\u0308nnen diese Menschen auch auf biblische Texte hinweisen, die in dem jeweiligen Zusammenhang nicht hinterfragt werden, z.B. apokalyptische Passagen wie in der Offenbarung des Johannes.<\/p>\n<p>\u201eSeht, hier ist es nicht! Es ist nicht dort!\u201c \u2013 Liebe Gemeinde, es gibt keine Begrenzung auf \u201ehier\u201c oder \u201edort\u201c; eine Zeit- und Ortserwartung der Wiederkunft des Menschensohns ist einfach falsch. Eindeutiger kann es uns heute \u2013 wie damals \u2013 nicht gesagt werden. Und dennoch fragen auch wir Christenmenschen bewusst oder unbewusst nach dem Wann der Wiederkunft Christi. Denn das Warten und die Ungewissheit der Ankunft Christi bescha\u0308ftigen uns in unserem Verhalten und lassen uns nicht zur inneren Glaubensruhe kommen. Wir mo\u0308chten so gerne wissen, ob wir selbst es noch erleben oder nicht. Insofern geho\u0308rt Ungeduld ebenfalls zu unserem christlichen Glauben; wer von uns will sich davon freisprechen? Ich perso\u0308nlich nicht.<\/p>\n<p>Ich denke, es geho\u0308rt zum christlichen Glaubensversta\u0308ndnis, dass mit Jesus Christus damals das Reich der Liebe Gottes sichtbar angebrochen ist. Gott ist Mensch geworden in Jesus von Nazareth. In dieser einzigartigen, vollkommenen Sohn-Vater-Beziehung konnte Jesus Merkmale dieses Reiches Gottes leben: Barmherzigkeit, Vergebung, Na\u0308chstenliebe, Feindesliebe, Heilung, Zuneigung \u2013 alle Lebensweisen waren und sind Zeichen des Reiches Gottes. Der Tod Jesu machte diesem sichtbaren Beginn der Herrschaft Gottes unter uns erst einmal ein Ende. Aber dann das nicht Vorstellbare, die Auferstehung Jesu, das ganz neue Leben, ein weiteres Leben in der Na\u0308he Gottes. Da entsteht eine christliche Lebendigkeit, die vom Heiligen Geist, der wirkma\u0308chtigen Kraft Gottes, in unserem eigenen Verhalten hier und dort zum Ausdruck kommt. Die Zukunft ragt in unsere Gegenwart des Glaubens hinein. Allerdings leben wir hier auf Erden in einem gewissen Spannungsfeld zwischen allta\u0308glich-irdischer Realita\u0308t und der Verbindung zum Reich Gottes. Unser Leben sollte dem Leben Jesu in seiner Verbindung zu Gott entsprechen. Das schaffen wir Menschen jedoch nicht. Unsere Lebenssituation ist weithin gepra\u0308gt im Hin und Her von Angst und Zuversicht, von Vertrauen und Zweifel, von Liebe und Abneigung, von Eigenliebe und Na\u0308chstenliebe, von Demut und Machtstreben. Sterben und Tod werden als letztgu\u0308ltiges Ende des spannungsreichen Lebens gesehen und erwartet. Das Reich Gottes unter uns mit der bergenden Hand Gottes u\u0308ber den Tod hinaus! \u2013 wer vertraut darauf? Wer glaubt daran? Wen interessiert das u\u0308berhaupt?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Viele Menschen unter uns legen Wert darauf, das eigene Leben im Hier und Jetzt zu gestalten, ohne sich u\u0308ber das Leben in der Na\u0308he Gottes, im Reich Gottes, Gedanken zu machen. Es fa\u0308llt ja wirklich oft schwer, zugleich mit der Realita\u0308t der Welt, die uns mit Krieg, Terror, Flucht und Machtausu\u0308bung jeden Tag in den Medien vor Augen gefu\u0308hrt wird, an das Gute im Miteinander in der Wirklichkeit der Herrschaft Gottes unter uns zu glauben. Es ist nicht leicht, darauf zu vertrauen, dass die Liebe Gottes schon jetzt die Herrschaft unter uns angetreten und seit Jesus Christus im Heiligen Geist fortgesetzt hat. Auch mit unserem christlichen Glauben leben wir in einem weiten Spannungsfeld des Reiches Gottes: Mit Jesus Christus hat die Herrschaft der Liebe und Verso\u0308hnung Gottes begonnen; jetzt leben wir gleichsam in einem Zwischenstadium der Hoffnung und warten auf die Wiederkunft Christi, die dieses Reich Gottes vollends sichtbar machen wird. Jesu Kommen ist nicht in menschlichen Begriffen vorzustellen; doch die Hoffnung bewirkt, dass wir auf diese Begegnung hin entsprechend leben.<\/p>\n<p>Fu\u0308r dieses, unser christliches Leben in der Zwischenzeit gibt Jesus noch eine warnende Mahnung weiter an seine Ju\u0308nger und somit an uns alle. Vorher hatte er den Pharisa\u0308ern auf deren Frage hin die klare, absagende Antwort erteilt: Keine und keiner kann sagen, wann und wo das Reich Gottes kommt! Jetzt wandte er sich den Ju\u0308ngern zu; ich mo\u0308chte sagen: fast seelsorgerlich, weil er wusste, wie sehr sich seine Ju\u0308nger &#8211; und wir uns auch heute &#8211; immer nach Gottes Anwesenheit sehnen. Jesus spricht: \u201eWenn man zu euch sagt: `Seht, dort ist er! oder: Seht, er ist hier!` dann geht nicht hin; lauft denen, die hingehen, nicht nach!\u201c Die Ju\u0308nger Jesu ho\u0308ren aus diesen Worten: Es gibt also Menschen, die den falschen Prophezeiungen Glauben schenken; es gibt Menschen, die dem Gerede von der schon jetzt vorhandenen Sichtbarkeit des Reiches Gottes nachlaufen. Ja, dieses menschliche Handeln geho\u0308rt auch in das Spannungsfeld in unserer christlichen Religion. Und zugleich weist Jesus seine Ju\u0308nger \u2013 und entsprechend uns heute &#8211; darauf hin, dass sie und wir in seiner Nachfolge das weithin sichtbare Aufleuchten eines Blitzes erleben werden, wenn der Menschen- sohn Jesus wiederkommt. Das Leuchten eines Blitzes reicht von Horizont zu Horizont, umfasst somit die ganze Erde, alle Vo\u0308lker \u2013 nicht nur begrenzt ein Land und ein Volk. Unser Sehnen nach dem Kommen Christi ist ein weltweites, lebendiges, spannendes, wartendes Geschehen im Hier und Jetzt.<\/p>\n<p>In den Gottesdiensten an den letzten Sonntagen des Kirchenjahres liegt es nahe, dass wir im Blick auf unsere Verga\u0308nglichkeit das Sehnen nach bleibender Geborgenheit bei Gott nicht verdra\u0308ngen. Dann sinnen wir nach u\u0308ber Werden und Vergehen, u\u0308ber Sterben und Tod und nicht zuletzt u\u0308ber die Hoffnung auf das weitere Leben in der Hand Gottes. Wenn Jesus verku\u0308ndet: \u201eDas Reich Gottes ist in euch\u201c oder: \u201edas Reich Gottes ist mitten unter euch\u201c, dann hinterla\u0308sst er mit seinem Tod und seiner Auferstehung eine herausfordernde Botschaft an uns: Nehmt ernst und wahr, dass die Herrschaft der Liebe und bergenden Bewahrung Gottes durch den Tod Jesu am Kreuz nicht beendet wurde. Mit der Sendung des Heiligen Geistes betont Christus seine Gegenwart. Die Herrschaft der Barmherzigkeit Gottes hat nicht aufgeho\u0308rt; sie existiert weiter in seinen Worten und in unserem lebendigen Verhalten und Handeln. Wir mu\u0308ssen heraus aus der Haltung der Beobachtung mit dem Fragen nach dem Wann und Wo. Wir leben bereits das Reich Gottes in unserem Miteinander, im Singen, im Beten, im Ho\u0308ren und Tun des Wortes Gottes. Wir wachsen im Glauben und leben zeichenhaft schon im Bereich der Liebe Gottes. Das ist eine herausfordernde und spannende Antwort Jesu auf unsere bleibende Frage nach dem Wann und Wo seiner Wiederkunft: Ich bin bei euch schon jetzt und hier in eurem Glauben! In der Gegenwart ist das Reich Gottes in und mit euch lebendig! Geht hin in Frieden; \u201edenn siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.\u201c So sagt Jesus es uns heute zu. Das ist gewisslich wahr!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 3\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Der Friede Gottes, welcher ho\u0308her ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn. Amen<\/p>\n<p>Lied EG Nr. 152 \u201eWir warten dein, o Gottes Sohn, &#8230;\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p>Bischof em. Klaus Wollenweber<br \/>\n53129 Bonn<br \/>\nE-Mail: Klaus.Wollenweber@posteo.de<\/p>\n<p>Viele Jahre Gemeindepfarrer in der Ev. Keuzkirchengemeinde Bonn; ab 1988 theologischer Oberkirchenrat in der Ev. Kirche der Union (EKU) Berlin ( heute: Union Ev. Kirchen (UEK) in Hannover ); ab 1995 Bischof der \u201eEv. Kirche der schlesischen Oberlausitz\u201c mit dem Amtssitz in Go\u0308rlitz \/ Nei\u00dfe (heute: \u201eEv. Kirche Berlin- Brandenburg-schlesische Oberlausitz\u201c (EKBO) ); seit 2005 im Ruhestand wohnhaft in Bonn. Ha\u0308ufig aktiv in der Vertretung von Pfarrerinnen und Pfarrern in Bonn.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Als Baustein zum Nach-Denken:<\/p>\n<p>\u201eDie Gabe und die Gegenwart des Heiligen Geistes ist das Gro\u0308\u00dfte und Wunderbarste, das uns, der menschlichen Gemeinschaft, allen lebendigen Wesen und dieser Erde widerfahren kann. Denn im Heiligen Geist ist nicht irgendeiner unter den vielen guten und bo\u0308sen Geistern gegenwa\u0308rtig, sondern Gott selbst, der scho\u0308pferische und lebendig-machende, der erlo\u0308sende und seligmachende Gott. Wo der Heilige Geist ist, da ist Gott auf besondere Weise gegenwa\u0308rtig, und wir erfahren Gott durch unser Leben, das von innen heraus ganz lebendig wird. Wir erfahren das ganze, volle, geheilte und erlo\u0308ste Leben mit allen unseren Sinnen. Wir fu\u0308hlen und schmecken, wir tasten und sehen unser Leben in Gott und Gott in unserem Leben. Es gibt viele Namen fu\u0308r Gott den Heiligen Geist. Unter ihnen sind die Namen des Tro\u0308sters und der Quelle des Lebens fu\u0308r mich am scho\u0308nsten.\u201c<\/p>\n<p>Aus Reiner Strunk \u201eHoffnungszeichen \u2013 ein Ju\u0308rgen Moltmann-Brevier\u201c, Seite 209<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann und Wo kommt das Reich Gottes? | Drittletzter Sonntag im Kirchenjahr | 06.11.2022 | Lk 17, 20- 24 | Klaus Wollenweber | Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. 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