{"id":14824,"date":"2022-11-09T09:00:02","date_gmt":"2022-11-09T08:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/theologie.whp.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=14824"},"modified":"2022-11-17T14:22:27","modified_gmt":"2022-11-17T13:22:27","slug":"matthaeus-181-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-181-14-2\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 18,1-14"},"content":{"rendered":"<h3>22. Sonntag nach Trinitatis | 13.11.22 | Mt 18,1-14 (d\u00e4nische PO) |\u00a0 Thomas Reinholdt Rasmussen |<\/h3>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Es gibt einen Mann, der hat 100 Schafe. Er h\u00fctet sie, aber eines verirrt sich, und er l\u00e4sst die 99 anderen in den Bergen, um nach dem verlorenen Schaf zu suchen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist schlechterdings der Kern in unserem Glauben, und das, was man \u00fcberall zum Ausdruck bringen will: Wie weit Gott gehen will, um uns n\u00e4her zu kommen. Er will so weit gehen, dass er den Tod am Kreuz erleidet.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er will bis hinaus in die W\u00fcste gehen, um uns heimzuholen. Um uns nahe zu sein. Um uns in der Liebe zu umfangen. Denn die Bewegung Gottes in die Welt ist das gro\u00dfe Wagnis. Das ist der Versuch, uns in der F\u00fclle der Liebe nahezukommen. Das ist das Wagnis, weil die Bewegung Liebe ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das ist der Kern, einander zu wagen, weil man an die Vergebung und die Liebe glaubt. Man wei\u00df sehr wohl, dass man in seinem Wagnis das Ziel verfehlen kann. Man wei\u00df sehr wohl, dass man fallen kann. Aber man wagt es dennoch, weil man an die Vergebung glaubt. Die Vergebung bewirkt, dass man die Liebe wagt,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir n\u00e4mlich nicht an die Liebe glaubten, wer w\u00fcrde es wagen, sich zu bewegen? Dann w\u00e4ren wir gel\u00e4hmt und verschlossen, denn wer w\u00fcrde einander wagen, wenn es keine Vergebung g\u00e4be?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wenn es die Vergebung nicht g\u00e4be, dann w\u00fcrden wir uns in lauter Urteile und Ungl\u00fccke verlieren oder in einem reinen Zynismus enden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Denn es geht darum, dass wir einander finden. Es ist ansonsten sehr modern zu sagen, dass man sich selbst finden muss. Ich wei\u00df nicht, ob das so furchtbar interessant ist, sich selbst zu finden. Das klingt, muss ich zugestehen, etwas langweilig, denn ist es eigentlich so furchtbar interessant, sich selbst zu finden? Ist es wirklich so interessant sich selbst zu finden, und ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, wenn wir stets auch von unseren Beziehungen und den Menschen bestimmt werden, unter denen wir leben?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ist es interessant, sein Selbst zu finden? Sollten wir nicht lieber einander finden? Tut er nicht dies, er, der in die W\u00fcste geht, um das verlorene Schaf zu finden? Finden wir einander, weil er das wagt? Und dass Gottes Bewegung in die Welt die Bewegung ist, die wir wiederspiegeln sollen? Das Wagnis eingehen, das zu suchen was verloren ist? Kurz einander zu wagen?<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir sollen einander finden. Das ist die eigentliche Aufgabe. Wir sollen versuchen, zu einander zu kommen. Wir sollen einander finden wie die verlorenen Schafe in die W\u00fcste, denn das ist der Wille unseres himmlischen Vaters, dass nicht einer dieser Kleinen verloren gehen soll.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir leben aber in dem Glauben an die Vergebung und gehen hinaus in die Welt im Glauben an die Vergebung. Damit wird uns ein Grund gegeben, das zu wagen, was vielleicht nicht ganz leicht aussieht.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hier soll heute gedankt werden f\u00fcr die Arbeit der Nothilfe in hundert Jahren. Dank f\u00fcr die Arbeit, die getan wurde und Dank f\u00fcr die den Glauben daran, dass Vergebung uns alle betrifft.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Mann in den Bergen mit all seinen Schafen ist ein Bild f\u00fcr unseren himmlischen Vater. Er wagte die Liebe in seinem Suchen nach dem einen verlorenen Schaf. Er wagte die Liebe am Kreuz. Und gewann in der Auferstehung. So ist er sowohl die F\u00fclle unseres Lebens und ein Bild von uns. Wir sind erf\u00fcllt von seiner Vergebung, und wir sollen nach seinem Vorbild aufeinander zugehen im Glauben an die Vergebung, von der wir selbst an genommen sind.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Deshalb k\u00f6nnen wir dann auch zu Recht am Ende dieses Gottesdienstes heute singen:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u201eGeht nun frei,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">wohin es sei,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">an Gottes Gnad\u2019 euch haltet!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Er gibt uns dann auch Gl\u00fcck und Mut,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">dass wir hier dienen recht und gut,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">so wie er selber waltet\u201c.<a href=\"applewebdata:\/\/5E23DC12-CB9E-44DD-BF0A-A11E4EE1FA90#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Geht nun frei. Da steht nicht wie. Aber geht frei im Glauben an die Vergebung und die Hoffnung, die dieser Glaube um uns schafft. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bischof Thomas Reinholdt Rasmussen<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Thulebakken 1<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">DK-9000 Aalborg<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">E-Mail: trr(at)km.dk<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/5E23DC12-CB9E-44DD-BF0A-A11E4EE1FA90#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Grundtvig, deutsche \u00dcbersetzung von Lied 752: \u201eMorgenstund hat Gold im Mund\u201c nach dem Deutsch-D\u00e4nischen Kirchengesangbuch, Vers 4.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22. Sonntag nach Trinitatis | 13.11.22 | Mt 18,1-14 (d\u00e4nische PO) |\u00a0 Thomas Reinholdt Rasmussen | Es gibt einen Mann, der hat 100 Schafe. Er h\u00fctet sie, aber eines verirrt sich, und er l\u00e4sst die 99 anderen in den Bergen, um nach dem verlorenen Schaf zu suchen. 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